Punkrock mit Haltung: Radio Havanna
wenden sich auf ihrem neuen Album gegen Unwissen und Ungerechtigkeit.
So weit, so Punk. Das allerdings tun sie mit einer gehörigen Portion
Pop-Appeal – und das geht überraschend gut.
Es dauert keine 30 Sekunden auf der
neuen Platte der Berliner Punkrockband Radio Havanna, da ist klar und
deutlich, welchen Standpunkt das Quartett in punkto
Flüchtlingspolitik hat. „Will uns denn niemand helfen? Wir spüren
Eure Macht“, heißt es kurz darauf, bevor die peitschenden Gitarren
wieder einsetzen, die dem unnachgiebigen Wellenschlag gegen das
überfüllte Boot nachempfunden sein könnten. Auch auf dem
Vorgängeralbum „Alerta“ zeigten sich Radio Havanna schon von
ihrer politischen Seite, aber „Unsere Stadt brennt“ - produziert
von Andi Jung (Beatsteaks, Bela B.) und Archi Alert (Terrorgruppe,
K.I.Z.) - ist noch eindeutiger in der Haltung. Die noch stärker politisch wirkenden Statements brechen sich Bahn in einem Song wie „Dynamit“,
der mit einer derart entwaffenden Portion Idealismus aufwartet, dass
man sieht: Ok, scheinbar salonfähiger Zynismus hat doch noch nicht
jeden korrumpiert. Gut so. Das unaufdringliche, aber völlig präsente
Klavier in „Dynamit“ verleiht dem Song zudem einen
unverwechselbaren Touch. „Unnormal“ ist eine unverkennbare Ansage
an Rassismus und Schwulenfeindlichkeit, „Kaputt“ eine überspitzt-wütende
Bestandsaufnahme des Zustandes dieses Landes.
Doch da sind auch noch die anderen
Songs, die unverhohlen wie nie mit dem Pop flirten und thematisch
auch andere Dinge anschneiden. „Feuer“ etwa, diese kleine
Anmach-und-Fremschäm-Story aus der Disco, die mit tanzbaren Beats
und Kopfstimmen-“Oohohohs“ die Kulisse des Geschehens imitiert.
Legendäre Textzeile: „Er greift nach Dir wie King Kong nach Ann
Darrow, ich greif nach meinem zehnten Glas.“ Mit „Komm zurück“
zeigen Radio Havanna auf schön schnodderige Weise, dass man auch
anno 2015 noch Liebesschmerzlieder schreiben kann, die nicht
belanglos sind: „Weißt Du dass seit Du weg bist, alles voll fürn
Arsch ist?“ Und „Glasherz“ tut als Verschnaufpause
zwischendurch gut und gefällt mit einem melodisch grandiosen
Refrain.
Man spürt, dass Radio Havanna dieses
Album – 12 Songs, 37 Minuten, Cover mit Hot Water Music-artigem Logo versehen – wichtig ist und man kann sich
vorstellen, wie stolz sie darauf sind. Zurecht.
„Unsere Stadt brennt“ von Radio
Havanna ist am 13. Februar via Uncle M erschienen. Hier noch das
Video zu „Kaputt“.