"Ich versteh gar nicht, dass immer alle auf Phil Collins rumhacken": Get Well Soon im Interview

When I switched to English last year ago, I did not think about what I would do when I get to interview a German musician. As it would obviously make no sense at all to translate it into English, here's my interview with Konstantin Gropper, the mastermind behind the gorgeous Indie band Get Well Soon. Viel Spaß damit! 

Konstantin, Du tourst mit Get Well Soon und dem aktuellen Album "The Horror". Was ist Deine Horrorvorstellung? Wenn man sich das neue Album genau anhört, könnten die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg der Horror für Dich sein...

Ja absolut. Das ist eines der Themen auf dem Album. Die Angst vor der Wiederholung der Geschichte. Es ist schon sehr besorgniserregend, was da passiert. Die Zahlen sind so, dass man denkt, das kann doch gar nicht wahr sein. In der Woche vor den Wahlen kommt noch raus, dass einer der Spitzenkandidaten bei Neonaziaufmärschen dabei war, so dass schon offen klar ist, was die eigentliche Agenda dieser Partei ist. Da können sie so lang drumherum reden wie sie wollen. Aber es ist halt nun mal klar. Und das macht einem Angst. Ich habe viele Freunde in Sachsen, vor allem in Leipzig. Das ist zwar ein wenig eine Insel, aber die sind verzweifelt. Gerade, was die freie Szene angeht. Es wird sich zwar im Parlament aufs Blockieren beschränken, aber ich habe erst heute wieder ein Interview dazu gelesen, wie es passieren kann, dass es doch einen Shift gibt und so eine Partei plötzlich die Mehrheit hat. Oder es sagt jemand: Ach komm, jetzt probieren wir das mal mit einer Koalition. Und schon ist es passiert. Wie in Österreich. Da hat man vor 15 Jahren noch geschrien: Oh Gott, der Haider. Und jetzt waren sie in der Regierung. Nicht lang, aber immerhin.

„I don’t think I can relax here anymore / with Nazi-bitches speaking in my hood”, heißt es in „The Only Thing We Have To Fear“. Das ist die bisher deutlichste politische Äußerung auf einem Album von Get Well Soon, oder?

Das ist etwas Neues, weil sich diese Themen jetzt einfach aufdrängen. Klar kann man auch sagen, das muss man jetzt nicht in Kunst und Musik einfließen lassen. Ich sage auch nicht, dass man das muss. Aber für mich hätte es sich nicht richtig angefühlt, nicht darauf Bezug zu nehmen.

Auch wenn Ihr bislang kaum politisch wart, Eure Haltung wurde trotzdem immer deutlich.

Das ist gut. Es muss ja gar nicht politisch sein, aber Haltung gehört für mich schon dazu. Zumindest muss man sich bewusst machen, dass es immer irgendwie eine Haltung hat. Selbst wenn man es nicht will. Diese ganze neue deutschsprachige Popmusik, die es jetzt überall gibt, hat so eine krasse Haltung, finde ich. Aber die wenigsten sind sich dessen bewusst. So nach dem Motto „Lebe den Moment“ und „alle zusammen“ und „alles ist gut“, das hat ja auch eine Haltung - obwohl es keine Haltung haben will.

Gerade deutscher Popmusik wurde in der Vergangenheit vorgeworfen, zu wenig Haltung zu zeigen. Findest Du das wichtig? Würdest Du Dir deutlichere Worte von Musikerkollegen wünschen?

Das kann man niemandem vorschreiben. Man muss sich aber bewusst sein, dass man mit seiner Musik eben auch eine gewisse Haltung ausstrahlt.

Was für eine denn?

Das ist schwierig in Worte zu fassen. „Ist doch gar nicht alles so schlimm.“ So was. „Gemeinsam den Moment feiern“ und „die Sorgen wegtanzen“, sowas, ich kenn mich da zu wenig aus. Aber immer wenn ich so was höre, hat es so etwas Affirmatives. Es zeigt nicht wirklich Probleme auf. Das muss man in der Musik auch nicht machen, aber im Moment wirkt es auf mich sehr verharmlosend. Das ist meine subjektive Wahrnehmung. Es fühlt sich komisch an. Das ist halt dieses Schlagerding. Es ist ja auch legitim. Die Leute sagen: Ich seh in der Tageschau schlimme Sachen, das brauch ich jetzt nicht noch in der Musik. Aber das Eskapistische ist halt auch eine Haltung. Ich will jetzt gar nicht mit erhobenem Zeigefinger dastehen. Ich würde niemandem vorschreiben wollen, dass er seine Haltung in jedes Mikro diktiert.

Es geht mir jetzt auch nicht darum, Dir jetzt Kollegenschelte in den Mund zu legen.

Zumal ich das ja lange auch nicht gemacht habe, also politisch Stellung zu beziehen. Da kann ich nicht ankommen und sagen ich bin jetzt viel besser. Man muss sich bewusst sein, dass es „keine Haltung“ in der Musik und in der Kunst gar nicht gibt.

Konstantin Gropper von Get Well Soon.
                                   Foto: Tinnitus Attacks
Lass uns ein wenig über den Begriff Heimat sprechen. Früher war der Terminus negativ belegt, man dachte an den „Förster vom Silberwald“ und es war etwas furchtbar Spießiges. Inzwischen gibt es ein Heimatministerium. Was ist Heimat für Dich?

Für mich hat Heimat keine Wertung. Es ist halt so ein traditioneller und altbackener Begriff. Herkunft und Heimat ist wie Musiker und Musikant. Aber da hab ich keine Meinung dazu. Heimat ist das, wo man herkommt. Es gibt auch von verschiedenen Richtungen den Versuch, den Begriff positiv zu besetzen. Ich mein gar nicht mal so, wie Rechtspopulisten es versuchen. Sondern auch so hier in der Stadt: Da gibt es viele junge Leute, die Restaurants eröffnen, und da ist das Wort Heimat drin.

Echt? Wie jetzt?

Naja, es gibt doch jetzt in jeder Stadt einen Heimathafen, alle haben deutsche Namen. Oder dieses Landlust-Magazin. Das ist nicht politisch, aber es ist interessant, dass das wieder so ein Ding ist. Man darf es nur nicht in diese Richtung Patriotismus bringen, das braucht es nicht.

Wie oft bist Du noch in der alten Heimat? Gibt es viele Berührungspunkte?

Auf jeden Fall. So oft wie möglich und ich bin da auch gerne. Meine Schwester wohnt jetzt auch wieder da. Mein Lebensmittelpunkt ist nicht mehr dort. Aber das ist immer noch ein Bezugspunkt. Heimat als Ort ändert sich nicht.

Das Musikportal Laut.de schreibt, dass Dir Deine Herkunft scheinbar peinlich sei und verweist auf eine Myspace-Seite.

Ich weiß nicht, wo die das herhaben. Ich hab ich auch schon mehrfach bei denen beschwert. Aber wenn die das einmal da drin haben, ändern sie die Bio wohl nicht mehr.

Aber allein schon, dass die Familie dort lebt, bringt die Verbundenheit damit ja mit sich. Das ist ja auch normal, oder?

Was müsste man denn jetzt angeben? Der Musiker lebt in ... und kommt aus...? Mir egal, da kann man hinschreiben was man will. Das war völlig wertfrei gemeint. Ich bin auch nicht patriotisch, aber ich arbeite mit so vielen Leuten aus der Gegend zusammen und bin mit vielen gut befreundet, ich wüsste nicht was daran peinlich sein sollte.

Anderes Thema: Du bist von Berlin nach Mannheim gezogen...

Ich bin nach dem Abi nach Mannheim gezogen, hab in Heidelberg studiert und dann in Mannheim. Zuvor hab ich noch meinen Zivi in Weingarten gemacht. Dann bin ich für zwei Jahre nach Berlin gegangen. 2012 kam ich wieder nach Mannheim zurück. Da kam das dritte Album raus, das hab ich schon wieder komplett in Mannheim gemacht. Vexations entstand in Berlin.

Warum bist Du aus Berlin weggegangen? War auch die Nähe zur Heimat ausschlaggebend?

Das ist zumindest ein großer Vorteil. Ich wäre wahrscheinlich noch eine Weile in Berlin geblieben, aber wenn ich jetzt dort bin, denke ich, dass ich dort nicht mehr leben wollen würde. Damals hatte mein Weggang familiäre Gründe. Es war wichtig, dass ich in Berlin war, um Kontakte zu knüpfen. Die Musik- und Filmbranche sitzt in Berlin und leider nicht hier. Nach einer Weile ist es aber auch gut, wenn man nicht immer da ist. Das bewährt sich mittlerweile.

Wieso das?

Ich bin hin- und hergerissen. Manchmal überlege ich, ob man bestimmte Jobs nicht bekommt, wenn man nicht auf dieser und jener Party ist. Andererseits will ich die Jobs auch nicht, weil ich auf der richtigen Party war, sondern weil die Leute das schätzen, was ich mache. Aber wahrscheinlich müsste ich öfter in Berlin sein. Die meisten meiner Freunde wohnen dort. Und wenn es etwas Geschäftliches gibt, ist das eigentlich auch dort. Immer wenn ich dort bin, ist der Kalender voll.

Und warum Mannheim?

Durch mein Studium hatte ich den Bezug zu Mannheim ja schon. Und meine Frau ist aus Mannheim. Und als wir wieder hier waren, sind wir hier, wie man so schön sagt, sesshaft geworden.

Du bist verheiratet und hast einen Sohn. Was hat sich in Deinem Leben dadurch verändert?

Das zwingt einem als Künstler auch etwas Struktur auf. Aber das ist in Ordnung. Man muss besser planen und hat einigermaßen geregelte Tagesabläufe. Ich war aber auch nie jemand, der den halben Tag geschlafen und nachts gearbeitet hat. Ich seh das bei vielen Künstlerfreunden von mir, dass die irgendwie andere Arbeitszeiten haben als ich. Und man wird in einem emotionalen Sinne sesshaft, geerdet, man weiß, warum man das alles macht.

Bist du ein Morgenmensch?

Ja tatsächlich. In Stoßzeiten, in denen es extrem stressig ist, steh ich lieber extrem früh auf als dass ich sag ich mach abends nochmal was, das krieg ich nicht hin. Das war aber noch nie so. Vor 12 Uhr krieg ich am meisten hin.

Zum Album „The Horror“: Es gibt begleitende Kurzfilme, darunter einminütige Clips, in denen Du auf der Couch beim Psychiater liegst. Da scheint ein sehr spezieller Humor durch. Was bringt Dich zum Lachen?

Ich kann gar nicht sagen, ob man das benennen kann. Aber ich finde Humor wahnsinnig wichtig. Das hört man Get Well Soon vielleicht nicht gleich an. Aber das muss schon dabei sein. Ich finde es immer unerträglich, wenn sich Leute zu ernst nehmen, vor allem in der Kunst. Mir ist es am sympathischsten, wen man den Humor merkt oder man weiß, dass die Leute über sich lachen können. Ich guck selten deutsche Komödien, da gibt es auch gute, aber ich hab schon eher einen britischen, düsteren Humor. Und mein großer Held ist Seinfeld, das ist nicht britisch, aber das finde ich lustig, kann ich immer gucken. Ich geh den Leuten schon auf die Nerven, weil mir zu jeder Situation ein Zitat einfällt.

Und was hat es mit den Kurzfilmen auf sich?

Ich mache Videos eigentlich schon über zehn Jahre mit Philipp Käßbohrer, auch Oberschwabe aus Biberach. Wir sind beide Fans von Musikvideos. Die werden gerade wieder wichtig, eine Zeit lang war es komplett weg, weil man gesagt hat, das braucht man nicht mehr, weil es kein Musikfernsehen gibt. Aber ich bin damit aufgewachsen, ich bin schon ein wenig ein MTV-Generation. Und aus der Zusammenarbeit sind besondere Videos entstanden. Das haben wir in verschiedene Richtungen gepusht. Und da haben wir gesagt, lass uns doch mal eine Serie machen, das ist ja auch das Format der Stunde. Also haben wir das komplette Album genommen und nicht nur einen Clip gemacht. Ein Song ist jeweils zentral in den Videos, aber im Hintergrund findet das komplette Material des Albums statt. Dann hat Jan Bonny zugesagt, eine der interessantesten Filmemacher, der ist immer sehr verstörend mit allem was er macht. Das sind die Tatorte und Polizeirufe, die später nach 20.15 Uhr laufen müssen oder wo der Rundfunkrat anruft. Er ist sehr konsequent und sehr radikal. Die Kurzfilme waren für seine Verhältnisse sehr zahm. Das „Wintermärchen“ muss man erst mal aushalten. Das ist eine NSU-Geschichte, halb fiktiv. Das fand ich sehr spannend. Ich hab ihm und seinem Autor freie Hand gelassen. Und über ein paar Umwege kam etwas Großartiges dabei raus. Die Filme haben schändlich wenig Aufmerksamkeit bekommen, weil sie erst zwei Wochen vor dem Album-Release fertig waren. Aber vielleicht spricht es sich im Lauf der Zeit noch rum. Es ist etwas sehr Besonderes und es hat eine sehr eigene Art von Horror. Es ist natürlich kein Horrorfilm, aber man denkt schon die ganze Zeit: Um Gottes willen.

„The Horror“ ist musikalisch erneut anders gelagert als seine Vorgänger. Wie muss man sich den Schaffensprozess vorstellen? Orchestrale Arrangements sind komplexer als wenn man auf der Gitarre etwas skizziert.

Grundsätzlich wird immer behauptet, ich sei Multiinstrumentalist. Das stimmt aber nicht wirklich. So richtig viele Instrumente kann ich gar nicht spielen – und schon gar nicht gut. Gitarre so einigermaßen, aber auch nicht virtuos. Ich würde sagen ich bin Produzent und Arrangeur. Und die Arbeit findet eher so statt, dass ich die Musik arrangiere und produziere. Das ist ja heutzutage alles möglich, es erstmal zu simulieren. Ich weiß, wie es am Schluss klingen soll. Ich mach das am Rechner und dann gibt es eine Version der Alben, wo noch alles in der Box drin ist mit synthetischen Sachen. Danach kommen die anderen Musiker dazu und ersetzen die Synthetik durch echte Klänge. Auf diesem Album hab ich fast nichts selber gespielt, außer halt Gitarre und ein paar andere Sachen. Auch weil es eben relativ weit weg ist von der normalen Bandbesetzung.

Wenn Du sagst, Du weißt wie es klingen soll - woher kommt das? Fällt Dir so etwas spontan ein, oder setzt Du Dich gezielt hin und erarbeitest Dir das?

Es ist meistens schon eher gezielt. Bei Get Well Soon gab es ja schon immer eindeutige Referenzen. Bei diesem Album ist es eben das Sinatra-Ding, bei „Scarlet Beast“ war es eher der italienische Sound. Das ist das, was ich mache: Ich höre viel Musik und versuche sie zu analysieren, zu verstehen, wie sie gemacht ist und was das für Sounds sind. Und dann wird daraus etwas Eigenes, was hoffentlich nicht nur zusammengeklaut ist. Aber es ist kein Geheimnis, dass es immer Vorbilder für mich gibt.

Dein Sound hat aber trotzdem etwas sehr Unverwechselbares.

Klar, dass es meine Handschrift hat. Ich hätte manchmal lieber, dass die Leute sagen: Äh, das ist jetzt auch Get Well Soon? Andererseits ist es auch viel wert. Ich will mich halt nur nicht wiederholen. Deshalb hat jedes Album einen eigenen Sound. Wenn es die Handschrift hat und dann trotzdem ausschert, ist es gut.

Wie entscheidest Du, was zu Get Well Soon passt, sowohl musikalisch als auch textlich? Gibt es Dinge, die per se GWS-kompatibel sind?

Das ist eine gute Frage. Grundsätzlich bin ich ja Get Well Soon. Und grundsätzlich passt alles dazu, was zu mir passt. Es gibt auch Grenzbereiche, die musikalisch anders gelagert sind. Das kanalisiere ich mit den EPs, die ich zwischen den Alben mache. Ich hab auch schon darüber nachgedacht, aus den EPs ein Album zu machen und ob es Sinn macht, das dann Get Well Soon zu nennen. Vielleicht ist dass auch ein andere Band, aber das ist ein Gedankenexperiment.

Stichwort EP: Du hast George Michaels Schnulze „Careless Whisper“ gecovert. Aber von Dir gespielt, wird der Song plötzlich hörbar.

Das finde ich auch das spannende an Coverversionen. Aber wenn ich den Song an sich nicht gut fände, würde ich ihn nicht interpretieren. In diesem Fall lief der Song im Radio und ich dachte, das ist ein guter Song, bis dann dieses Saxofon kam. Der Song ist eigentlich wahnsinnig traurig, aber dann gibt es eben dieses Pornosaxofon, das so totgenudelt ist.



In „Roland I Feel You“ hast Du auf „Scarlett Beast“ Roland Emmerich angesprochen. Weißt Du, ob er den Song mal gehört, vielleicht sogar darauf reagiert hat?

Ja, mir haben mehrere Leute gesagt, dass sie ihm davon erzählt oder den Song sogar vorgespielt haben. Aber einen direkten Kommentar dazu gab es nicht. Bei FM4 haben sie mal Werner Herzog den Song „Werner Herzog Gets Shot“ vorgespielt, aber er hat auch nur gesagt, dass er den lustig findet. Ich weiß auch gar nicht, ob es so gedacht war, dass das bei denen landet. Ich benutze diese Personen eher als Metapher für irgendwas.

Wenn Roland Emmerich sagen würde „Ich hab den Song gehört, lass uns mal ein Video zusammen drehen“, könntest Du Dir das vorstellen?

Grundsätzlich fände ich das mit Sicherheit spannend. Ich bin da beim Thema Zusammenarbeit eher für „etwas abstrus“ als für „zu offensichtlich“.

Wenn wir gerade beim Thema Filmmusik sind: „Palermo Shooting“ war Dein erster Beitrag für einen Film, oder? Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Wim Wenders?

Er hat wohl das erste Album gehört und dann über die Musik-Supervisorin Kontakt aufgenommen. Das war ja so ein Film, in dem viele Songs vorkamen, er hat viele Leute angefragt. War eigentlich ein schöner Soundtrack, der Film eher schwierig.

Bei welchem Soundtrack würdest Du Dir wünschen, ihn geschrieben zu haben? Manches wie „Indiana Jones“ oder „Star Wars“ ist ja wirklich ikonisch geworden.

Ich bin tatsächlich ein Fan von John Williams. Aber eher weil es unerreicht und auf eine Art so einfach ist. Außer Harry Potter, das ist harmonisch anspruchsvoller. Jurassic Park etwa ist eher simpel und haut trotzdem voll rein. Mein Lieblingssoundtrack ist aber der von „Vertigo“, der Hitchcock-Film.

Gibt es jemanden, mit dem Du gern zusammenarbeiten würdest? So auf einer Traumliste?

Die Listen sind immer lang. Ich guck gern Filme. Am spannendsten finde ich Giorgos Lanthimos, den griechischen Regisseur, der „The Favorite“ gemacht hat und zuvor „The Lobster“ und „Killing of a sacred deer“. Es gibt mehrere, aber den fand ich in letzter Zeit sehr gut. Er hat aber kaum Soundtracks. Das ist verrückt. Viele Regisseure, die ich gut finde, haben keinen eigenen Score, aber benutzen etwas anderes.

Spiegel online hat über „The Horror“ geschrieben: „Ein ambitioniertes Werk, das in der jüngeren deutschen Musik seinesgleichen sucht.“ Und der NME hat Dich vor elf Jahren als „German Wunderkind“ bezeichnet. Wie gehst Du mit sowas um?

Sehr schlecht. Über das erste Album wurde extrem viel geschrieben und das meiste war auch sehr positiv. Aber als ich dann Interviews gelesen habe, die ich gegeben habe, hat sich das seltsam angefühlt. So ganz schizophren, weil es da um mich ging. Das hab ich nicht zusammengekriegt. Oft wird Debütanten etwas zugeschrieben, und ein öffentliches Bild entsteht. Damit bin ich anfangs gar nicht so gut klargekommen. Das hat bis heute zur Folge, dass ich so wenig wie möglich davon lese. Es gibt Künstler, die lesen alles was geschrieben wird, ich lese nichts. Meine Freunde freuen sich immer eher über schlechte Kritiken. Die sind ja eigentlich auch interessanter.

Kannst Du Dich noch an Deinen ersten Kontakt mit Musik erinnern? War es Ennio Morricone, wie man im Netz lesen kann?

Ennio Morricone hat mich mit zwölf dazu gebracht, dass ich Filmmusik machen will. Aber der erste Kontakt - das ist schwierig zu sagen, weil Musik immer präsent war. Es lief immer klassische Musik, damit bin ich aufgewachsen. Musik, die mich richtig begeistert hat, war aber nicht Klassik. Ich hab über Guns’n’Roses zu Nirvana gefunden. Aber ich weiß nicht, was ich vorher gehört hab. Roxette wahrschenlich - wie alle. Meine erste CD war „We can’t dance“ von Genesis. Großes Album, immer noch. Ich versteh gar nicht, dass immer alle auf Phil Collins rumhacken, der ist grandios. Beatles waren die einzige Popmusik, die meine Eltern kannten.

War das erste Instrument, das Du gelernt hast, ein klassisches?

Ja, Cello. Hab ich aber nie wirklich gut gespielt. Ich war lange im Orchester in Biberach und hab da Philipp kennengelernt, und Maxi, der in der Band spielt und jetzt mein Manager ist.

Am 24. Oktober trittst Du in Ravensburg auf. Freust Du Dich drauf?

Total, ich bin gespannt. Heimspiel ist immer so eine Sache. Da kommt viel Verwandtschaft. Ich hab ja mal in der Turnhalle in Erolzheim gespielt. Da war ich wahnsinnig nervös. Bei so Heimkonzerten bin ich viel aufgeregter. Aber das war im Nachhinein total cool.

Mehr Infos zur laufenden Tour gibt es unter www.youwillgetwellsoon.com/tour