Samstag, 17. Februar 2018

Konzertkritik: Great Collapse in Lindau

Helene Fischer verkauft fünfmal hintereinander die Schleyerhalle in Stuttgart aus. Great Collapse spielen vor maximal 50 Menschen im Club Vaudeville. Und wir fragen uns ernsthaft, warum die Welt vor die Hunde geht? 

Tja, Friedefreudeierkuchen verkauft sich besser als Politisches. Dabei wäre jetzt die Zeit, sich zu interessieren. Jetzt wäre die Zeit, arte und phoenix einzuschalten und nicht RTL oder Sat 1. Punkrock hat eine Aufgabe, und besonders in den USA ist die Lethargie der Obama-Ära einer geradezu obligatorischen Protestwelle gewichen. Great Collapse machen genau das, was Punk und Hardcore leisten soll: Idealismus verkörpern - und dazu gehört auch, immer 100 Prozent zu geben, auch wenn die Crowd überschaubar ist wie an diesem Freitagabend in Lindau. Woran es liegt, dass Great Collapse nicht auf der Bühne im Saal spielen sondern im intimen Wohnzimmer-Ambiente Foyer? Sind Punkrocker Fasnets-affin?

Seisdrum. Thomas Barnett von Strike Anywhere, Gitarrist Chris Chasse (Ex-Rise Against/Nations Afire), Gitarrist Tom Arnott (At Risk), Bassist Joe Saucedo (Set Your Goals) und Schlagzeuger Todd Hennig (Nations Afire/Ex-Death By Stereo) reißen einen intensiven Gig runter, der von heftigen Gitarrenattacken genauso lebt wie von prügelnden Drums und dem knackigen Bass. Der Aktivposten heißt dabei Thomas Barnett. Wie der Mann mit den Dreadlocks über die winzige Bühne zuckt und sich ganz in der Musik verliert, schlägt sich auf aufs Publikum nieder. 

Zwischen musikalischen Abrissbirnen wie "New Abolition" und "Who Makes/Atomic Calender" vom Ende Januar erschienenen Album "Neither Washington Nor Moscow… Again!" gibt es immer wieder Ansagen mit Haltung. Strike-Anywhere-Frontmann Thomas Barnett macht glaubhaft klar, dass es um den Community-Gedanken geht, um Fan-Sein und dass Rockstar-Gehabe was für andere Szenen ist. Für die Supportbands Hingsen aus Ravensburg und Bike Age aus Stuttgart muss es denn auch ein besonderer Abend sein, an dem sie den US-Größen so nah sind. Die Vorbands machen ihre Sache verdammt gut. Hingsen gefallen mit ihrem rauen Sound, während Bike Age nicht nur beim Bandnamen an die Descendents erinnern.

Meine Fotos gibt's hier:

Great Collapse in Lindau

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