Jahresrückblick 2017, Teil 1: Die zu kurz Gekommenen

Wer regelmäßig auf Tinnitus Attacks vorbeischaut, merkt: Hier ist nicht mehr so viel los wie in früheren Jahren. Das hängt damit zusammen, dass ich weniger Freizeit auf das Blog verwenden kann. Diese Rubrik hier gab es allerdings auch schon in den Jahren zuvor - denn an Musik mangelt es wirklich nie, und bei der schieren Zahl an Neuerscheinungen ist es fast unmöglich. Schritt zu halten. Hier die zehn Platten des Jahres, die ich hier eigentlich noch hätte würdigen müssen. 

10.) Grizzly Bear - Painted Ruins

Mit "Two Weeks" hatten Grizzly Bear 2009 einen veritablen Hit - doch darüber sollte man nicht die fantastischen Alben nach "Veckatimest" vernachlässigen. "Shields" war drei Jahre sogar noch erfolgreicher und besser - und es wäre schade, wenn "Painted Ruins" da untergeht.





9.) The Rural Alberta Advantage - The Wild

Die Indierocker aus Toronto habe ich mit ihrem Debüt "Hometowns" ins Herz geschlossen und "Departing" gefeiert. Mich hat der Sound immer an Neutral Milk Hotel erinnert, und der Schmerz aus stampfenden Rhythmen und Weltschmerz-Songs ist auch auf "The Wild" makellos wie zuvor.






8.) Japandroids - Near To The Wild Heart Of Life

Nochmal Kanada, aber mit derber verzerrten Gitarren. Das Duo aus Vancouver legt hier das erste Studioalbum seit dem umjubelten "Celebration Rock" vor. Und das klingt nicht weniger drängend und stürmisch, und der gutgelaunte Einstieg mit dem Titelsong in Dur lässt die akustische Sonne aufgehen.










7.) Craig Finn - We All Want The Same Things

Vielleicht liegt es daran, dass The Hold Steady für mich der Inbegriff der perfekten Rockband sind mit ihren rustikalen Gitarrenriffs. Das neue Soloalbum des Frontmanns Craig Finn hat mich in seinen ersten Momenten nur mäßig begeistert, weil es musikalisch was anderes ist. Aber eigentlich sollte das ja auch so sein - von dem her werde ich wohl noch einmal genauer zuhören.





6.) Elbow - Little Fictions 

Elbow muss man in Ruhe unterm Kopfhörer genießen, um die feierliche Stimmung dieser Ausnahmeband aufzusaugen. Drei Jahre nach dem Erfolgsalbum "The Take Off And Landing Of Everything" bringt Guy Garvey mit seiner Band ein stilistisch frisch wirkendes Album raus - und ich muss die Durchgänge unterm Kopfhörer dringend nachholen.






5.) Manchester Orchestra - A Black Mile to the Surface 

Wow, "Mean Everything To Nothing" kam wirklich schon 2009 raus? Seither waren Andy Hull und Kumpanen ja nicht untätig, und dass nicht jeder Song wie "Shake It Out" klingt, auch klar. Aber das fünfte Studioalbum überrascht dann doch mit seinem Wechsel aus leichtfüßigen Passagen und Distortion wie in "The Grocery".






4.) Arcade Fire - Everything Now 

Streitfall Arcade Fire. Ist das jetzt artsy und cool oder zu bemüht und krampfhaft stilistisch anders? Ich bin mir auch noch unschlüssig. Im direkten Vergleich ziehe ich "Neon Bible" vor und den Orchesterbombast fand ich auch schöner - doch gute Melodien hat "Everything Now" auch zu bieten, und dass man mal tanzen will, wenn man die Schritte kennt, versteh ich auch. Wohin die nächsten Schritte führen werden, find ich eine viel interessantere Frage.




3.) Dropkick Murphys - 11 Short Stories Of Pain And Glory

Wohlgemerkt: In der "Schwäbischen Zeitung" ist eine Besprechung von mir zu dieser Platte erschienen, darin vergleiche ich die Bostoner mit den Toten Hosen. Denn inzwischen sind DKM so massentauglich und covern "You Never Walk Alone". Al Barr erzählte im Interview, wie es zu dem Song "Blood" kam. Und "Until The Next Time" ist herrlich sentimental.





2.) Courtney Barnett and Kurt Vile - Lotta Sea Lice 

Die australische Songwriterin und der amerikanische Ex-Mitglied von The War On Drugs haben ein gemeinsames Album aufgenommen, das den Kritiken zufolge entweder ein Meilenstein oder akustisches Valium ist, ich hab da unterschiedliche Dinge gelesen. Das Debüt von Courtney Barnett fand ich 2015 fantastisch. Dieser Kollaboration muss ich noch eine Chance geben, ich seh schon.



1.) Quicksand - Interiors

Walter Schreifels ist ein verdammtes Genie, das weiß doch jeder. Ob mit Youth Of Today, den Gorilla Biscuits, Rivals Schools - oder eben Quicksand. Auch sein Soloalbum "An Open Letter To The Scene" fand ich fantastisch. Und jetzt muss ich unbedingt sein neuestes Werk hören. Die Kritiken sind euphorisch - und das wohl aus gutem Grund.