Galerie der Klassiker: AC/DC - Powerage

Mit dem Tod von Malcolm Young am 18. November ging eine Ära zu Ende. Die Band hat sich seitdem nicht zu einer wie auch immer gearteten Zukunft geäußert, aber es gibt viele Stimmen, die es ungut fänden, wenn die Band nach dem Tod ihres Mitgründers und Motors weitermachen würde. Aber wir werden sehen. Als ich das Konzert in München 2015 für die Schwäbische Zeitung besprochen habe, stand ersatzweise Stevie Young an der Rhythmusgitarre und das Konzert war fantastisch. Wir werden sehen. Aus diesem traurigen Anlass lege ich Euch hier jedenfalls die in meinen Augen beste Platte von AC/DC ans Herz. 

Wenn es um AC/DC und die Meilensteine der australischen Rocklegende geht, werden meistens die Megaseller "Back in Black" (50 Millionen verkaufte Exemplare) und "Highway To Hell" (9,5 Millionen verkaufte Exemplare) genannt. Für mich ist "Powerage" allerdings eine viel wichtigere Scheibe, auch wenn sie in Australien die unerfolgreichste Platte der Band war und insgesamt mit nur 1,7 Millionen verkauften Exemplaren völlig unterbewertet ist. Auf dem 1978er-Album von Angus Young und Co. sind fantastische Songs versammelt, die den Arbeiterklasse-Humor der Band perfekt widerspiegeln, der Sound ist 1A in Szene gesetzt - und auch wenn Brian Johnson seit seinem Einstand 1980 einen wesentlich besseren Einstieg erwischte als manch anderer Sänger, der einen Vorgänger in einer Band ersetzte, liegt mir Bon Scotts Stimme doch wesentlich mehr.

Schon der Einstieg mit "Rock'n'Roll Damnation" lässt Dich die Regler aufreißen, dass die Nachbarn um Gnade flehen. Der drahtige, knochentrockene Sound (verantwortlich zeichnen Harry Vanda und George Young) und der Songaufbau mit Gitarren, Bass und Schlagzeug könnten nicht meisterlicher gemacht sein. Der groovende "Down Payment Blues" ist mit seiner ironischen Textzeile "I got myself a Cadillac/But I can't afford the gasoline" ein perfektes Beispiel für den spitzbübischen Witz der Band, der auch davor schon Alben wie "Dirty Deeds Done Dirt Cheap" geprägt hat. "Riff Raff" walzt Dich mit seinem Kreiselriff platt, bevor mit "Sin City" ein paar Gänge zurückgeschaltet wird. Mein persönliches Highlight heißt aber "Gone Shootin'". Dieses unfassbar lässige Lick ist einfach zu gut, und ich kann nicht mal genau erklären, warum. Es ist einfach zu gut.

Doch auch die anderen Songs fallen qualitativ nicht ab, ob "What's Next To The Moon" oder "Kicked In The Teeth". Schade, dass man die großen musikalischen Momente von "Powerage" live so selten (wenn überhaupt) hören durfte. Immerhin: Auf dem ebenfalls 1978 veröffentlichten Livealbum "If You Want Blood You’ve Got It" (das erste Livealbum von AC/DC) konnte man einen Eindruck bekommen, wie die Songs von "Powerage" live hätten einschlagen können. 

Powerage von AC/DC erschien am 25. Mai 1978 via Atlantic Records. Hier seht Ihr noch das Video zu "Rock'n'Roll Damnation".