Sonntag, 14. September 2014

Hörtest: J Mascis - Tied To A Star

Sie fühlen sich gestresst vom Alltag? Übermüdet vom Lärm der Großstadt? Ausgelaugt vom ständigen Verfügbar-sein-müssen? Dann haben wir hier was für Sie. J Mascis Songs sind Balsam für die Seele - und Ansporn für alle, die Gitarre spielen. 

Das neue Soloalbum des Musikers, den man von Dinosaur Jr. und noch einer Reihe weiterer Bands kennen dürfte, macht nicht viel anders als der Vorgänger "Several Shades of Why". Dass "Tied to A Star" keine Experimente eingehen wird, zeigt schon das Cover. Wieder märchenhaft, wieder flauschige Gesellen, wieder muss man an Maurice Sendak denken. 

Aber musikalische Weiterentwicklung bedeutet manchmal wohl auch einfach, dass man als Musiker immer besser wird in dem was man tut. Und bei J Mascis hat man den Eindruck, dass die alte Winzerregel zieht. Je älter, desto besser. Was vor ein paar Jahren mit den neuen Alben von Dinosaur JR. anfing (eine der bestmöglichen Reunions), beschert uns nebenbei auch noch richtig gute Soloalben. Alleine, was der Mann mit den langen Haaren und der Hornbrille in "Every Morning" mit seiner Akustischen anstellt, motiviert die Gitarristen unter uns ungemein. Dieses auf einfachen Akkorden beruhende Stück will man sich sofort draufschaffen, die Rhythmus-Patterns ins Hirn bekommen, um am nächsten Lagerfeuer zu glänzen. Gut, ist noch etwas Zeit bis dahin, denn der Sommer ist ja erstmal rum. Und bis dahin kann man sich dann auch einen Stromgitarristen besorgen, der die E-Gitarren-Parts übernimmt. Wenn J Mascis die auf "Tied To A Star" auspackt, klingt es ähnlich cremig wie bei seiner Hauptband. Oder in "Wike Awake", dieses Picking, einfach nur herrlich. Die Nummer könnte auch auf dem "Juno"-Soundtrack stehen. Zwischendurch blitzt dann immer wieder die E-Gitarre auf, es dominieren aber akustische Klänge. Und natürlich dieser typische Gesang, der wirkt, als ob J Mascis mehr für sich selber singt und sich Dinge in seinen (meist nicht vorhandenen) Bart nuschelt. Und dann zeigt er in "Drifter" allen Gitarrenhelden mal noch eben, wie das richtig geht mit dem Power-Strumming. Mit seiner Kopfstimme und dem oft auch unspektakulär dahinplätschernden Songwriting wirkt diese Platte wie aus der Zeit gefallen - aber genau deshalb umso spannender und interessanter. Aufgenommen und produziert hat das Album J Mascis selbst, den Mix besorgte John Agnello. Gastmusiker wie Ken Maiuri (Young@Heart Chorus), Pall Jenkins (Black Heart Procession), Mark Mulcahy (Miracle Legion) und Chan Marshall (Cat Power) sollen nicht unerwähnt bleiben.

"Tied To A Star" von J Mascis ist am 29. September via Sub Pop erschienen. Bei Youtube gibt's ein Video zu "Every Morning". Lohnt sich. 

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