Donnerstag, 30. Juni 2011

Hörtest: Turbo A.C.'s - Kill Everyone

Vor dem Tiefschlag kommt der Tusch: Die Fanfare im "Ancient Chinese Secret" ist die aus den Martial-Arts-Filmen der Shaw Brothers, mit der auch Quentin Tarantinos "Kill Bill" beginnt. Aber im Gegensatz zu Uma Thurmans Rächerbraut geben sich die Turbo A.C.'s nicht nur mit einem Toten zufrieden: Die Ansage heißt "Kill Everyone". Punk'n'Roll zwischen Splatter und Frischzellenkur. Lässigkeitsgrad: extrem hoch.

Der weiße Hai? Piranha? Unerheblich, die schreiende Frau im Intro "Midnight Swim" wird im Opener "Feed You To The Sharks" ohnehin zu Fischfutter. Auf dem Cover läufts andersrum: Da hat eine knapp beschürzte Schönheit den Schraubenschlüssel zum Mordwerkzeug umfunktioniert und ihr Opfer notdürftig im Kofferraum verstaut. Frei nach Death Proof, irgendjemand? Es gibt Berührungspunkte zwischen Tarantino und dem Turbo-Quartett, klarer Fall. Nicht nur, dass man sich thematisch annähert und sich der Tod durch das Album zieht wie ein roter Faden - oder besser Trauerflor. Die New Yorker und der Movie-Geek sind auch gleichermaßen cool. Eine Faszination für Italo Western haben auch beide Parteien: Man höre nur "Sonora", dieses aufrichtig imitierende Morricone-Tribute. Mit Spaghetti-Western-Sound endet auch die Platte: "Live Fast Die Slow" in einer akustischen Version mit Blechgebläse - hat jemand Django gesehen? So weit kann er nicht sein, bei dem Sound. Tarantino wird ihn schon wieder ausgraben, womöglich.

Auf Album Nummer sieben erfinden sich Kevin Cole und seine Sidekicks neu. Es ist nicht selbstverständlich, dass Musiker nach 15 Jahren Bandgeschichte noch in der Lage sind, ihren Sound zu perfektionieren. Wo andere stagnieren oder am AC/DC-Syndrom kranken, setzen die Surf-Punks anno 2011 auf Erneuerung. Die Gleichung für den Turbo-Sound sei "Lemmy + Dick Dale = Turbo A.C.'s", sagt Kevin Cole. Diesmal gibt es aber mindestens eine neue Variable. Geradezu relaxt der Titeltrack, "Take Me Home" klingt fast schon wie eine Garagenversion von Alice Cooper. Dabei ist der Einstieg mit bereits erwähntem "Feed You..." ungewohnt, klingt klinisch und mit verzerrter Stimme sonderbar modern. "Into The Vortex" mit seinem knarzenden Bass spaltet dann Schädel, "Forget Everything" pendelt zwischen Arschtret-Rhythmik und mitsingkompatibler Melodie.

Um nochmal das Tarantino-Moment zu bemühen: Die Turbo A.C.'s stückeln ihren Sound ähnlich aus Einflüssen zusammen wie der filmbesessene Regisseur seine Werke: Hier Ramones-Feeling, da Psychobilly-Flair. Surf-Gitarren (diesmal weniger präsent), Rotzrock-Momente. Aber immer so eigenständig, dass niemand "Plagiat" rufen kann. Und alles betont simpel, aber höchst effektiv. Im Grunde gibt es kein besseres Rezept für Rock'n'Roll, der mit viel Pomade im Haar brüllt: "Mehr braucht es doch gar nicht."

Keine Widerrede.


"Kill Everyone" von den Turbo A.C.'s ist am 24. Juni bei Concrete Jungle Records erschienen. 
Mehr: www.turboacs.com und www.myspace.com/theturboacs

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