Sonntag, 8. Mai 2011

Sonntags-Matinée: Operation Reboot geglückt

Im Film nennt man das Reboot: Alles auf Null, die Geschichte nochmal von vorn und mit neuem Hauptdarsteller erzählen. Batman hat das gut getan, Chris Nolan hat den überkandidelten Buntman zum Dunklen Ritter geerdet. Blackmail geht es ähnlich: Der Neustart ist geglückt. Und überzeugt mit 13 Songs, die nichts vermissen lassen, was die Band ausmacht. Im Gegenteil, sie fügen sogar neue Facetten zum Klangkosmos der Koblenzer hinzu.

Es war ja nicht so, dass "Tempo Tempo" schlecht war oder Blackmail auf Platte erneuerungsbedürftig. Nur live, da hatte sich schon abgezeichnet, dass die Musikehe der Ebelhäuser-Brüder und Sänger Aydo Abay bald vor dem Scheidungsrichter enden würde. Beim Konzert am 18. Oktober 2008 im Kulturladen in Konstanz erlebte ich Arbeitskollegen auf der Bühne, die Dienst nach Vorschrift machen. Keine Spur von  Buddies, die Freude am gemeinsamen Rocken haben, so sah es aus. Chemie oder Kommunikation Fehlanzeige. Knappe acht Wochen später trennte sich die Band von ihrem Sänger Aydo Abay.

Manche Band kommt nicht über den Verlust des Aushängeschilds Sänger hinweg. Die Gods of Blitz versanken nicht nur für mich nach dem Ausstieg von Sebastian Barusta Gäbel in der Bedeutungslosigkeit, auch live konnte sein Nachfolger Nico Kozik nicht überzeugen. Oder meine Lieblingsstoner, die Spiritual Beggars: Ohne Sänger Spice sind sie einfach nur noch mittelmäßig. Man stelle sich vor, Motörhead müssten ohne Lemmy auskommen.

Blackmail haben es geschafft. Mathias Reetz passt so blendend zur Band, dass niemand trauern muss. "Resonant Wave" eröffnet den Songreigen und kommt so selbstbewusst aus den Boxen gebollert, dass einem der Kaffee aus dem Gesicht fällt. "Start again/So I will pick you up" singt der "Neue" passenderweise in seiner ersten Textzeile. Der Trick ist, dass Mathias Reetz stimmlich nicht so furchtbar weit weg von Aydo Abay, aber keine platte Kopie ist. Im Interview mit dem Dortmunder Musikmagazin Visions sagte Kurt Ebelhäuser kürzlich, Blackmail seien nicht mehr so motzig und negativ wie früher. Das hört man auch der Platte an. So etwas Positives wie "Whys of Your Ways", "Telescope" oder "Rocket Soul" ist neu, steht dem Quartett aber gut zu Gesicht. Luftig und bedächtig kommt "Night School" daher, das mächtige "Monographic Doll" kontrastiert wummernde Drums mit cleveren Breaks und ausgefeilten Basslinien. "Santa Rosalia" klingt wie der dunkle Zwilling von Simon & Garfunkels "Scarborough Fair".

Detail für Genauhinhörer: Was ist denn bei "Rocket Soul" bei Zählerstand 00:09 los? Klingt wie ein Schnittfehler oder sowas.

Ihr habt uns gefehlt, Blackmail. Gut, dass Ihr wieder da seid. Und nichts verlernt habt. Im Gegenteil.

Anima Now! von Blackmail ist am 29. April erschienen bei 45 Records, im Vertrieb von Soulfood. Die limitierte Edition enthält drei Bonustracks. Mehr zu Blackmail auf der offiziellen Internetseite http://www.blackmail-music.com/ oder auf Myspace: www.myspace.com/thisisblackmail

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen