Abseits von stupider Truck
Stop-Fernfahrer-Mucke gibt es ein Country-Land, in dem sich
großartige Musik entdecken lässt. Dorthin sind Arliss Nancy
gefahren, haben Grill und Bier-Zapfanlage aufgebaut und servieren uns
Rock'n'Roll für Gourmets. Gut durch, pikant gewürzt und rauchig
gelungen. „Wild American Runners“ ist Heartland-Rock der guten
Sorte, der sich auch offenen Punkrockern erschließen dürfte. Dass
die Bruce Springsteen schon länger in ihr Herz geschlossen haben,
ist ja auch Konsens.
Wenn Cory Call, Gitarrist und Sänger,
die ersten Töne im Opener „Benjamin“ anstimmt, hat man das
Gefühl, dem jungen Rod Stewart zuzuhören, der sich in ein
holzvertäfeltes Pub verirrt hat. Kaum eine Minute ist rum, als das
erste gleisende Gitarrensolo einem die Lachfalten ins Gesicht treibt.
Simpel, zupackend, kraftvoll – Arliss Nancy sind der Holzfäller
unter den Rockbands. Mit ihrem Mix aus Gitarrenriffs und
Klaviersprenkeln erinnern sie unweigerlich an die Thekenrocker von
The Hold Steady. Aber während deren Frontmann Craig Finn eher nach
Milch mit Honig klingt, scheint Cory Call abends dann doch eher mit
Whiskey und zerstoßenen Rasierklingen zu gurgeln. Auf „Wild
American Runners“ bekommen wir Lebensweisheiten serviert, die auch
Songs wie Lynyrd Skynyrds „Simple Man“ so dauergültig gemacht
haben. „The GB Shuffle“ zum Beispiel, hört mal selbst, was sie
da erzählen. Apropos: Dass Kyle „GB“ Oppold auch mal Vocals
beisteuert, tut dem Sound in punkto Vielfalt gut, der ansonsten
verlässlich auf Stilmittel wie Klavier, Gitarren und Drums setzt.
Ansonsten fällt es schwer, Songs herauszuheben. Ein Radiohit, der
alle anderen aussticht, ist nicht dabei, aber das spricht für das
Albumformat. Live dürfte das auch prächtig funktionieren. Mit dem
literarisch inspirierten „Vonnegut“ klingt ein Album aus, das
Nostalgie atmet, aber dem man mit dem Wort Retrorock auch nicht
gerecht wird. Die „Wild American Runners“ starten fulminant und
kommen auch ins Ziel. Um den Bogen zum Anfang zu schlagen: Dazu
empfehlen wir einen schweren Cabernet Sauvignon aus Kalifornien oder
eine bernsteinfarbene Flüssigkeit im Tumbler, deren Name übersetzt
„Wasser des Lebens“ heißt. Cheers.
„Wild American Runners“ von Arliss
Nancy erscheint am 4. Oktober via Gunner Records. Hier gibt's noch den Opener "Benjamin" zu hören.