Mittwoch, 26. November 2014

Hörtest: Möngöl Hörde - Möngöl Hörde

Hardcore kann Frank Turner. Das wissen wir, denn vor Folk- und Punkrock-Solokarriere gab es "Million Dead". Mit seinem Nebenprojekt "Möngöl Hörde" (die Metal-ö-Pünktchen müssen mit!) beweist der britische Durchstarter, dass er es immer noch kann. 

Weiche Schale, harter Kern? Ne, eigentlich ist es umgekehrt. Aber in dem Fall, wenn man sich Frank Turners Schaffen anschaut, kann man das mal so stehenlassen. Die bierseligen Singalongs seiner fantastischen Alleingänge ("Love Ire and Song" und wie sie alle heißen) hat er auf dem Full-Length-Debüt seines Nebenprojekts Möngöl Hörde (warum nur einmal den Metal-Dot verwenden, wenn man schon drei O's zur Verfügung hat?) gegen ungehaltene Wut-Attacken getauscht. Und um die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen, hat sich Turner mit Ben Dawson einen ehemaligen Mitstreiter von "Million Dead" geholt und mit Matt Nasir ein Mitglied seiner Solo-Begleitband The Sleeping Souls an Bord.

Leider will Frank Turner sein Projekt bewusst nicht groß vermarkten. Es gab keine Interviews (zumindest keine von denen ich wüsste), und nun eint die Fans die Hoffnung, dass es nicht bei dieser Platte bleibt. Das hoffe ich auch. Denn die Langrille macht Laune. Die Musik ist bewusst simpel gehalten - und das gilt auch für die Texte. "Make way for the Mongol Horde/Coming back to fuck you up" heißt es gleich im ersten Song. "Casual Threats From Weekend Hardmen" verbeugt sich mit seinem "Wooooo" vor Refuseds "New Noise", zuvor werden wir in "Tapeworm Uprising" akustische Zeugen eines Aufstands in Hollywood, den der Bandwurm von Natalie Portman auslöst. Der Song geht böse und sarkastisch mit Los Angeles ins Gericht.

Ohnehin lohnt sich ein Blick auf die Texte, die jemand netterweise in diesem Forum zusammengetragen hat. "Staff to the refund counter" kann man als Konsumkritik verstehen, und in "Stillborn Unicorn" blitzt kurz ein Solo-Intro auf, bevor es von Hardcore-Klängen zur Seite gerammt wird. Sehr gelungen auch "Winkyface: The Mark of The Moron", in dem sich Turner als Hüter der englischen Sprache und Hasser von diesem Dingens outet ;-) Es geht melodisch zu, aber es gibt auch gut auf die Mütze. Zuckerbrot und Peitsche, Ihr kennt das.

Mit der Erkenntnis, dass Keith Richards ein T-1000 ist und niemals sterben wird ("Hey Judas"), kehren wir in den viel leiseren Alltag zurück. Etwas zu leise hier. Aber: Wir können die Platte - auf Vinyl kommt sie in schickem Weiß daher - ja immer wieder auflegen.

Das gleichnamige Debüt von Möngöl Hörde ist am 30. Mai 2014 via Xtra-Mile Recordings erschienen. Hier das Video zu "Winkyface: The Mark Of The Moron":

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