Samstag, 20. Januar 2018

Hörtest: Donots - Lauter als Bomben

Album Nummer zwei seit dem Umswitchen auf die Muttersprache: Mit "Lauter als Bomben" setzen die Donots ihren 2015 mit "Karacho" eingeschlagenen Kurs fort. Und auch wenn der Überraschungseffekt diesmal weg ist - das steht den Punk- und Alternativerockern aus Ibbenbüren, es ist direkter und deutlicher. Was die Zeiten auch erfordern. 

Gleich mit dem Anfangs-Triple beherzigt das Quintett das Motto "Fire your biggest gun first": Der Opener "Geschichten vom Boden" drückt gnadenlos nach vorne, und mit "Keiner kommt hier lebend raus" (kennt man von der Adam-Angst-Split) und "Rauschen (Auf jeder Frequenz)" stehen zwei deutlich politische Songs ganz vorne. Seitdem die Donots auf Deutsch singen, wirken sie wie nochmal neu euphorisiert, dringlicher, und auch noch eine Ecke eindeutiger in ihren Aussagen. Die Scheibe ist zurecht auf Platz 4 der Charts eingestiegen (der bisher größte Charterfolg der Donots), und neben der Qualität der Songs machen natürlich auch Aktionen wie das Spontan-Mitternachtskonzert zum Release-Tag der neuen Scheibe die Wahnsinnsreputation von Frontman/Sänger/Rampensau/Obersympath Ingo Knollmann und Gitarrist Guido Knollmann, Gitarrist Alex Siedenbiedel, Basser Jan-Dirk Poggemann und Drummer Eike Herwig aus. 

Dabei waren die Ibbenbürener nie um starke Songs verlegen und sie haben in ihrer über 20 Jahre währenden Karriere auch nie den Fehler gemacht, sich so lange zu wiederholen bis eine Karikatur aus der Band geworden wäre. Stattdessen experimentierten die fünf Musiker immer wieder mit neuen Sounds, die aber nie aufgesetzt wirkten. Das ist auch diesmal der Fall. Kurt Ebelhäuser gibt ein erneutes Gastspiel als Produzent. Bereits 2008 prägte er den Sound von "Coma Chameleon". Auf dem Album näherten sich die Donots drahtigeren Indierock-Einflüssen an und klangen fast schon ein wenig nach Ebelhäusers Band Blackmail ("Stop The Clocks"). Solche Assoziationen flammen nun auch im Winter 2018 wieder auf: "Aschesammeln" erinnert im Chorus an "Tempo Tempo", die letzte Blackmail-Platte mit Sänger Aydo Abay (ebenfalls 2008). Ebenso geht es einem (oder zumindest mir) beim verschleppten "Alle Zeit der Welt", das seinem Titel alle Ehre macht. Die neue Platte erweitert den Klangkosmos der Band erneut um Facetten, in denen cleane Gitarren und ungewohnte Rhythmen schillern. 

Schön sentimental kommt "Die letzte Runde" daher, ein Lied über diese Abende, an denen man weiß, dass der nächste Morgen nicht schön wird, wenn man noch auf ein paar Getränke mehr bleibt, aber andererseits nach Hause gehen auch doof ist. "Gegenwindsurfen" ist ebenfalls eine Nummer mit  Live-Ausraste-Garantie, bei der Turbostaat-Sänger Jan Windmeier als Gast am Mikro steht. Mein absolutes Highlight ist aber das abschließende "Heute Pläne, morgen Konfetti". Diese jubilierenden Gitarren, dieser Text, dieser Chorus! 

Die Donots sind anno 2018 eine der lautesten Stimme in Deutschland (und darüber hinaus), die gegen Hetze, Rassismus und Populismus ankämpft. Dabei finden sie die richtige Balance zwischen politischen Statements und persönlichen Themen und erhalten sich ihre Relevanz durch sorgfältige Neujustierungen im Sound. Die richtige Scheibe zur richtigen Zeit. 

"Lauter als Bomben" ist am 12. Januar 2018 erschienen. Hier noch das Video zu "Rauschen (Auf jeder Frequenz)". 

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