Freitag, 25. August 2017

Rock-Tribut in bewegten Bildern: The Weight und ihr fantastisches neues Video "Trouble"

Wie aufwändig, wie kreativ, wie liebevoll: The Weight zollen ihren musikalischen Vorbildern in ihrem neuesten Video Tribut. Im Clip zu "Trouble" stellt die österreichische Rockband die Plattencover von Meilensteinen der Rockgeschichte nach. Das ist grandios in Szene gesetzt vom Wiener Kunst- und Designkollektiv Atzgerei und man fragt sich ständig: Wie haben die das gemacht? Der Clip funktioniert als visuelles Kunstwerk, eignet sich aber auch für Easteregg-Sucher. Da waren eben The Who, das waren die Beatles, hier Led Zeppelin - ah Moment, das kenn ich nicht, und was ist das nochmal? In einer Zeit, in der Videoclips nicht mehr den gleichen Stellenwert haben wie zu MTV-Zeiten, kommt "Trouble" verdammt erfrischend daher.

Der Song ist ein Vorbote des ersten Studioalbums, das The Weight am 17. November im RadioKulturhaus des ORF präsentieren werden. Eine Bilderstrecke vom Auftritt des Quartetts beim letztjährigen U&D findet Ihr hier auf meinem Blog, einen Bericht über die Band an dieser Stelle.

Hier das Video (in der Beschreibung gibt es noch ganz viele Tourdaten): 

Samstag, 19. August 2017

Hörtest: At the Drive In - Inter Alia

At The Drive In sind so etwas wie Schutzheilige eines Musikgenres: Für Ihre Anhänger haben die Ton gewordenen Großtaten fast Kultcharakter, und für viele Fans war diese Post-Hardcore-Band lang etwas, das man aus Erzählungen kennt, aber nicht selbst erlebt hat. 17 Jahre nach ihrem Meilenstein "Relationship Of Command" mit dem Überhit "One Armed Scissor" legte die Band nun im Mai diesen Jahres ein neues Werk vor. 2001 hatte sich das Kollektiv getrennt, die Kreativköpfe Omar Rodriguez und Cedric Bixler waren seither (bis 2013) mit The Mars Volta aktiv (Antemasque muss man natürlich auch erwähnen), während Jim Ward mit Sparta durch die Botanik rockte. 2012 fanden At The Drive In dann wieder zusammen, spielten umjubelte Live-Shows - und zeigen nun mit "Inter Alia", wie anstrengend, fordernd und facettenreich Gitarrenmusik sein kann.

Wenn man nun konstatiert, dass At The Drive In quasi da weitermachen, wo sie mit "Relationship of Command" aufgehört haben, ist das eine zwiespältige Sache. Denn qualitativ ist das zwar ein Kompliment, andererseits heißt es aber auch, dass sich die Band nicht weiterentwickelt hat, oder? Doch legt man die musikalische Klasse der Platten zugrunde, die Bixler und Rodriguez in der Zwischenzeit veröffentlicht haben, kann das gar nicht sein. Dass "Inter Alia" nicht den gleichen Überraschungseffekt liefert der 2000er Klassiker, ist auch klar. Was die Platte aber definitiv von anderen abhebt, ist dieses surreale Gefühl: 40 Minuten lang hat man hier das Gefühl, vorgeführt zu bekommen, was möglich ist, wenn jemand ernsthaft Musik machen und eigene Visionen vertonen will anstatt sich gängigen Schemata zu unterwerfen. Wir beklagen uns doch immer, wie eintönig die moderne Popmusik mit ihren Einheitssongwritingfabriken ist. Hier haben wir ein Album, das deutlich macht, wie es auch sein könnte.

"No Wolf Like The Present" mit seinen Gitarrendissonanzen, die wie kleine Störsender dazwischenfunken macht den Anfang. "Continuum" begeistert mit Gesang wie Parolen durchs Megafon gerufen, Phaser-Gitarreneffekt und einem irren Flüsterintermezzo. "Governed By Contagions" tönt unheilbringend in den Strophen und bösartig im Refrains, fantastisch. Bei "Pendulum In A Peasant Dress" wirkt der Bass extrem prägnant, während "Incurably Innocent" von einem genialen Anfang lebt. Der Song wirkt zudem wie die Antithese zu einem Powermetalstück, denn Gitarren und Gesang sind extrem nah beieinander und hier braucht es nur den Gesang von Cedric Bixler und keine dick aufgetragenen Männerchöre mit aufgesetztem Pathos und Pomp, um zu begeistern. Nur so ein Gedanke, kein Diss von einem, der selbst als Metalnerd aufgewachsen ist. Extrem überraschend wirkt "Ghost-Tape No. 9". Der langsame Rhythmus stellt einen angenehmen Kontrast zu den ansonsten treibenden Beats auf dem Album dar. Irgendwie sehe ich immer Bilder aus der aktuellen dritten Staffel von David Lynchs Serienmonster Twin Peaks vor mir, Schwarzweißtöne und Sepiafarben vor dem geistigen Auge.

Eine Platte, die Zeit und Aufmerksamkeit verlangt. Lohnt sich dann aber auch.

"Inter Alia" ist am 5. Mai 2017 bei Rise Records erschienen. Hier noch das Video zu "Governed By Contagions": 

Samstag, 12. August 2017

SZene-Hörtest: Nine Inch Nails - Add Violence

Es ist schon ein bisschen her, dass meine Besprechung der neuen Nine Inch Nails-EP "Add Violence" in der Schwäbischen Zeitung erschienen ist (27. Juli, SZene-Seite). Aber da mich dieses Stück Musik nachhaltig beeindruckt hat, könnt Ihr hier meine Zeilen zu den fünf neuen Songs aus dem House Reznor lesen.

Besonders das letzte Lied auf der Platte, "The Background World", mit seinen minutenlangen Loops, die von Mal zu Mal zerschossener klingen, hat es mir angetan. Und ja, ich weiß, dass es 52 Schleifen sind, und dass Trent Reznor 52 Jahre alt ist. Für den Soundgenuss finde ich das allerdings fast schon egal.