Sonntag, 18. Juni 2017

Hörtest: The Scandals - Lucky Seven

Purer schweißtreibender Rock, robust wie eine Bartheke und süffig wie das Bier aus dem Zapfhahn dahinter. The Scandals zeigen mit "Lucky Seven", wie man mitreißende Gitarrenmusik macht - auch wenn sie das Rad lediglich etwas weiterdrehen statt es neu zu erfinden. 

Selten habe ich einer Platte in letzter Zeit so sehr angehört, wo sie sich geographisch verorten lässt. Vom ersten Ton dieser fünf Songs umfassenden EP an ist sofort die Assoziation da: New Jersey. Allerdings denkt man nicht an den wohl prominentesten Musiker aus diesem Bundesstaat, an Bruce Springsteen. Dafür an die Band, die als vom Boss inspiriert gilt, aber eben inzwischen auch schon zum Einfluss für viele andere geworden ist: The Gaslight Anthem. Deren Frontmann Brian Fallon hat passenderweise auch den Job des Produzenten für diese Handvoll neuer Songs übernommen. Jared Hart, Sänger der Scandals, ist mit Fallon wiederum in dessen Solobegleitband The Crowes aktiv.

The Scandals wurden ein Jahr vor TGA gegründet, aber meines Wissens klangen sie auf früheren Aufnahmen etwas räudiger als auf der neuen EP. Das soll aber alles nicht negativ gemeint sein. Im Gegenteil. Die Songs gefallen mit ihrer ungebremsten Euphorie und man kann sich richtig vorstellen, wie die Meute in einem kleinen Club dazu pogt, schwitzt und das Bier verschüttet.

Der Opener und Titeltrack gefällt mit seinem lässigen und geradezu klassischen Songintro. "Emerald City" erinnert an Red City Radio, die übrigens nicht aus dem Garden State kommen. "Hostage" lehnt sich zwischendurch sogar ganz entspannt zurück, nur um gleich darauf mit einem sehr coolen Hi-Hat-Wirbel den Song wieder voranzutreiben. "Birthmarks" wirkt mit seinen sehnsüchtigen Gitarren fast schon countryesk, während "Calling Cards" von seinen dynamischen Stimmungs- und Rhythmuswechseln lebt.

"Lucky Seven" von The Scandals ist am 28. April via Panic State/Say-10 Records erschienen. Hier hört Ihr "Hostage": 

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