Sonntag, 14. Mai 2017

Hörtest: Sour Mash - Taste The Meat

Wenn Du vom Bodensee bist, kennst Du Sour Mash. Du musst den Namen mal gehört haben oder die Band aus Singen schon einmal irgendwo live gesehen haben. Mein früherer Chef nennt sie die beste Band der Welt. Nun muss ich gestehen: Das tat er schon vor mehr als fünf Jahren, ich kannte den Namen - aber live gesehen hab ich die Band tatsächlich vor wenigen Wochen zum ersten Mal. Der Eindruck: eine Band, in der die Mitglieder exzellent aufeinander eingespielt sind, ihre Instrumente extrem souverän beherrschen und denen egal ist, ob sie vor 5, 50, 500 oder 5000 Nasen spielen. Die Energie, die Rezzo, Parler, Mänzer, Mülle, Schiwago und Welse versprühen, fand ich fantastisch. Und die Stimme von Sänger Rezzo lässt einen sofort an Eddie Vedder denken. Die eigenen Songs wussten bestens zu gefallen, und die Auswahl der Coverversionen an jenem Abend sprach für sich: Motörheads "Ace of Spades", "Diggin' the Grave" von Faith No More und "South of Heaven" von Slayer - das zeugt von Geschmack. 

Was macht man, wenn der Gig gut ist? CD mitnehmen. In dem Fall die neue EP "Taste The Meat". Und jüngst auf einer Autofahrt von München zurück Richtung See läuft dieser Silberling - und beschert mir eine extrem unterhaltsame Fahrt. Alice Cooper hat mal gesagt, jeder Song, der Dich zum schneller als erlaubt fahren animiert, sei ein guter Song. Ich werde mich nun nicht selber belasten, aber sagen wir so: Auf der Autobahn muss man sich ja nun nicht sklavisch an ein festes Limit halten. Mein Favorit auf der Platte ist der Opener: "Nervous Breakdown" hat einen Refrain, der hymnisch, aber nicht pathetisch ist und sich richtig fies im Ohr bzw. im Hirn festsetzt. Danach wird es langsamer und grooviger, "Murderer" gefällt mit zweistimmigen Gitarrenharmonien. Der Titelsong tobt sich zwischen Distortion in der Strophe und cleanen Gitarren im Chorus aus. Reizvoll ist an den Songs, dass sich die Einflüsse aus Grunge, Punk und Crossover zu einem Ganzen vereinen, das inspiriert und ehrlich wirkt. "Get Away" zeigt das gut. "F.A.T." überrascht mit Pizzicato-Streicherkeyboard, "Breadcrumbs" setzt sich mit dramatischem Refrain im Ohr fest. Nach 20 Minuten ist alles vorbei, die Repeat-Taste muss ran - und es bleibt die Freude über eine Band, die ohne Rücksicht auf Trends den Sound spielt, der ihr passt. Regionale Bands klingt immer so nach Kneipennacht - Sour Mash, behaupte ich, legt man auf, und es klingt eher nach internationaler Produktion. 

Mehr Infos gibt's auf Facebook und auf der offiziellen Internetseite der Band

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