Samstag, 18. Februar 2017

Hörtest: The Menzingers - After The Party

"Eins bleibt immer gleich, nach dem Feuerwerk wird aufgeräumt", hat ein weiser Mann namens Benjamin Griffey, besser bekannt als Casper, einmal gesagt (bzw gesungen, gerappt, gesprochen oder wie auch immer in "Nach der Demo ging's bergab" auf "Hinterland"). Auch die britischen Indierocker von Bloc Party widmeten sich auf "A Weekend in The City" dem Exzess und dem Kater danach. The Menzingers ziehen den Kreis noch etwas weiter: "After The Party" reflektiert das Älterwerden, das Erwachsenwerden - und wie man sich trotz aller Konventionen, die das Leben mit sich bringt, sein Ich bewahrt. 

"We're turning 30 now, and there's this idea that that's when real life comes on. In a way this album is us saying, 'We don't have to grow up or get boring — we can keep on having a good time doing what we love."
- Greg Barnett

Greg Barnett bei einem Auftritt in Lindau.
                                 Foto: Daniel Drescher/Tinnitus Attacks
Was The Menzingers ausmacht, ist die Kombination aus Melodien, die man nicht mehr abschütteln kann, und Texten, die prägnant und slogan-like (im Sinne von tätowierfähig) und zugleich tiefsinnig sind. "Waiting for your life to start then you die / Was your heart beating in the first place?" ist zum Beispiel so eine Textzeile, die sich in "House On Fire" findet. Ein Song als Memento Mori, als Mahnung, nicht zu zögern und abzuwarten. Das ist die Story auf "After The Party". Gleich im Opener "Tellin' Lies", wo sich die Frage stellt: "Where are we gonna go now that our twenties are over?" In der Tat, was? Wachstumsschmerz ist ein Thema, mit dem sich viele Bands auseinandersetzen, aber Greg Barnett und Tom May (die Stimmen der Band) packen es in Texte, die einfach gut erzählt sind. Das wird besonders auch in "Your Wild Years" deutlich. Die Rückkehr in ein Kinderzimmer, eingelagerte Erinnerungen in Schachteln, die Zeit, die vergeht. Und irgendwie ist das Leben immer wie ein langer Roadtrip, daher auch eine Referenz zu Jack Kerouac in "Lookers".

Daneben finden sich auch viele religiöse Anspielungen, am offensichtlichsten natürlich in "Bad Catholics", das vom Wiedersehen mit einer verflossenen Liebe bei einer Kirchenpicknick handelt. In "Boy Blue", wo es heißt "No Empty Seats In Eternity". Aber auch in "Black Mass": Da erzählen The Menzingers vom Aus einer Liebe, der Traualtar als Ort des Opfers, massig Interpretationsspielraum. Am Ende der Platte steht aber die Erkenntnis: "After The Party, It's Me And You." Aus dem egoistischen Ich der 20er wird das Wir, das Verantwortung für einen anderen Menschen übernimmt. Ein tröstlicher Gedanke.

Tom May beim Gig in  Lindau (Oktober 2016).
Foto: Daniel Drescher/Tinnitus Attacks
Und dann ist "After The Party" eben auch noch ein Album, das zwar fast schon poppige Melodien hat ("Charlie's Army"), aber eben auch immer den Distortion-Hammer schwingt, bevor es zu nett wird. "On The Impossible Past" war ein moderner Klassiker, es ist nicht zuviel gesagt, das 2010er-Album der Band so zu nennen. Songs wie "Burn After Writing" brannten sich nachhaltig ins musikalische Herz und Hirn ein, kein schwacher Song auf diesem Album. "After The Party" (mit einem grandiosen Cover versehen noch dazu ) kann bestehen neben dieser Platte und überflügelt seinen okayen Vorgänger "Rented World" deutlich.

Seinen Platz in den Bestenlisten der Punkrock-Szene dürfte "After The Party" jedenfalls schon sicher haben.

"After The Party" von The Menzingers ist am 3. Februar via Epitaph Europe erschienen. Hier seht Ihr das Video zu "Lookers". 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen