Samstag, 28. Januar 2017

Hör- und Sehtest: Arcade Fire - The Reflektor Tapes

Arcade Fire sind bekannt für ihren Kopfkino-Indierock. Mit "The Reflektor Tapes" sind nun ein Dokumentarfilm und ein Konzertmitschnitt auf DVD und Blu-ray erschienen. Für Fans unverzichtbar, für Neueinsteiger geeignet - allerdings eher für den Gesamteindruck, nicht für den Aufbau von Indielexikon-Wissen. 

Eins vorweg: Wer sich von "The Reflektor Tapes" tatsächlich eine Dokumentation über das Entstehen des Doppelalbums "Reflektor" von 2013 erhofft, könnte hier enttäuscht werden. Regisseur Kahlil Joseph inszeniert den Film ganz anders, als man vielleicht erwartet hat. Es gibt zwar eingestreute Informationen, hier mal eine Einblendung, wann wir uns gerade wo befinden, dort ein Statement von Win Butler und Regine Chassagne, die sich ja nicht nur die Bühne, sondern auch das Leben als Ehepartner miteinander teilen. Aber es wirkt, als wollten Arcade Fire nicht zuviel preisgeben, Interpretationsspielräume offenlassen und sich nicht über die Maßen erklären. In einer Zeit, in der gefühlt jede zweite Band ihre eigene Doku über das nicht unbedingt relevanteste Album veröffentlicht, ist das ein gleichermaßen unkonventioneller wie bescheidener Ansatz.
Foto: Tinnitus Attacks

Trotzdem erfährt man etwas über die besondere Beziehung der Band zu Haiti, von wo Regine Chassagnes Eltern stammen. Und wenn man den Film dann mal gesehen hat, hört man die Platte mit ihren Percussion-Einflüssen und Gastmusikern aus dem Inselstaat ganz anders. Und es wird auch deutlich, wie sehr eine Reise nach Haiti Win Butler, den Frontmann der Band, geprägt haben. An der Hinwendung zu tanzbareren Rhythmen, elektronischen Versatzstücken auf "Reflektor" hat sich mancher Fan gestört. Doch hier wird deutlich, warum die Band ihren Klangkosmos erweitern wollte. 

Visuell ist "The Reflektor Tapes" trippig, rauschhaft und sehr künstlerisch gehalten. Auch damit ist der Film ganz anders als die typische Dokumentation, die von authentischen Bildern lebt. Aber es passt gut zum künstlerischen Ansatz der Band. Zudem lässt sich der Film so auch als Kunstwerk genießen, den man wohl öfters einlegen wird als eine Doku, in der endlos geredet wird. 

Auf der zweiten DVD findet sich ein Mitschnitt vom Auftritt im Earls Court in London 2014. Auch hier sind die Bilder eher träumerisch, sehr bunt und viel ästhetisierter als bei anderen Konzertmitschnitten. Klar, hier geht es ja auch nicht darum, einen Soli peitschenden Gitarrenhexer möglichst toll in Szene zu setzen. Arcade Fire waren schon immer eine Band, die den Konzertgänger visuell überwältigt und unheimlich viel fürs Auge bietet - ohne dabei an musikalischer Klasse zu sparen. Und wie sich hier emotionale Wahnsinnsabfahrten wie "No Cars Go" mit Discofizierten Songs a la "We Exist" zu einem großen Ganzen vermischen, ist stimmig.
Foto: Tinnitus Attacks

Als Extras gibt es auf DVD eins die Promo-Clips zu den Singles des Albums sowie einen Mitschnitt von "Afterlife" bei den Youtube-Award, auf DVD 2 die "Director's Cut Tracks". Insgesamt finden sich über vier Stunden Material auf den zwei DVDs, die in einem schön aufgemachten Pappschuber kommen. 

"The Reflektor Tapes" von Arcade Fire ist am 27. Januar via Universal auf DVD und Blu ray erschienen. 

Hier könnt Ihr Euch einen Eindruck verschaffen: 

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