Freitag, 4. März 2016

Hörtest: Wolfmother - Victorious

Da ist es wieder, dieses Gefühl. Dieses Ich-kann-Bäume-ausreißen-und-bis-zum-Mars-schleudern-Gefühl, das nur die geballte Gitarrenpower von Wolfmother bei mir hervorruft. "Victorious" ist kein Oberhammer-Album. Aber immerhin: Ein paar Songs hauen hier schon richtig rein. 

"The Love That You Give" eröffnet die Platte, und da haben wir doch schon wieder alles, was wir an dieser Band schätzen: dicke Gitarren, Retrofeeling Galore, Andrew Stockdales unverwechselbare Stimme, die an Ozzy zu goldenen Zeiten erinnert, und ein unwiderstehlicher Drive. Dass Innovation anders aussieht, ist Mike Patton in einem legendären Video schon vor Jahren aufgefallen, aber darum geht es hier auch gar nicht. Wolfmother sind aus der Zeit gefallen, und das ist nicht weiter schlimm, weil sie Songs in einer anderen Dimension schreiben, himmelhohe Monolithen von Songs. Über zehn Jahre ist es schon wieder her, dass die Australier - bzw. vor allem Mastermind und Lockenkopf Andrew Stockdale - mit ihrem Debüt aufhorchen ließen. Als hätten sich Led Zeppelin und Black Sabbath im Proberaum getroffen und das Beste beider Welten auf Platte gebannt.  Der 2005er Einstand hielt dabei die stärksten Stücke bereit, schon auf "Cosmic Egg" 2009 war die erste Besetzung ausgetauscht (Stockdale natürlich ausgenommen) und die Treffsicherheit dahin, es gab Highlights wie "White Feather" und "Far Away", aber auch viel Durchschnitt. Fünf Jahre später dann mit "New Crown" ein digital veröffentlichter Schnellschuss, der sehr roh und unproduziert vorbeirumpelte, aber auch nicht an die alte Form anschließen konnte.

Nun ist auch "Victorious" nicht die ersehnte Rückkehr zur bestechenden Form des Erstlings. Aber: Es gibt einige Stücke, die es mit den Klassikern aufnehmen können und die ich an Stockdales Stelle unbedingt ins Live-Portfolio mit aufnehmen würde. Absolutes Highlight ist da der Titeltrack. Bissige Gitarre, ein reitender Rhythmus, Stockdale jubiliert in den höchsten Tonlagen - eine echte Hymne. Das Video dazu ist richtig gut abgehangener Geek-Trash, an dem Frank Frazetta und Ralph Bakshi ihre Freude hätten. "Baroness" ist ebenfalls ein gelungener Song, das Bluesige steht der Band sehr gut. Ok, "Pretty Peggy" ist arg schwülstig mit seinem großen "Woohoooo"-Refrain, der geradezu nach Radioplay schreit und uns vermutlich mal noch als Trailermusik für irgendeine Pärchenkomödie begegnen wird. Zehn Songs in 35 Minuten - wenn man keine Wunder erwartet, wird man hier schon gut bedient, und am Ende stehen mit "Happy Face" und "Eye Of The Beholder" nochmal zwei richtig starke Rocker, die mit Tempo und Druck punkten. Die dicke Produktion von Brendan O'Brien tut da ihr Übriges. Andrew Stockdale hat übrigens alle Songs selber geschrieben und auch die Instrumente eingespielt (bis auf Drums und Keyboards). Ich für meinen Teil mach hier keine Wissenschaft draus sondern freu mich einfach über ein paar gute neue Songs - und das extrem coole psychedelische Artwork, das in der Vinyl-Variante wohl erst richtig zur Geltung kommt.

"Victorious" von Wolfmother ist am 19. Februar via Universal erschienen. Das völlig überdreht klischeehafte Video zum Titeltrack gibt es hier:

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