Freitag, 8. Januar 2016

Hörtest: Rigna Folk - Nova Void

Eigentlich wollte ich keine "Altlasten" mit ins neue Jahr nehmen. Aber ich hab nicht alle CDs besprechen können, die eine Rezi verdient hätten. Darum reiche ich hier noch eine Besprechung eines sehr gelungenen Albums nach, das bereits Ende Oktober erschienen ist. Es dreht sich um "Nova Void", das neue Album der Ulmer Artrockband Rigna Folk. 

Rigna Folk waren 2011 die erste Band, die auf dieses Blog aufmerksam wurden und hier gefeatured werden wollten. Ein Interview erschien, immer wieder war die Band danach hier Thema. Bereits damals fand ich den dunklen, eigenwilligen Sound der vier Musiker überzeugend. Aber jetzt, wo ich "Nova Void" gehört habe, bin ich einfach nur baff. Wie sehr ist dieses Quartett gewachsen! Jede Wette, wenn man die CD einlegen und jemandem vorspielen würde, der die Band nicht kennt - der Zuhörer würde wohl eine große internationale Produktion vermuten. Und nicht eine "regionale" Band aus Ulm, wobei das Wort "regional" mir eh immer schon auf den Sack ging, denn irgendwoher müssen Bands ja kommen. Insofern sind The National auch eine regionale Band - halt aus einer anderen Region...aber zurück zur Musik.

Bereits das einminütige Intro und das anschließende Opener "Option One" wirken so souverän und zeigen eine Band, die mit einer Leichtigkeit träumerische Klangwelten erschafft. "Propaganda" verblüfft mit einem eher stilfremden Riff, bevor die Gitarrenakkorde sich auftürmen wie eine Regenwand. "Grow Beyond" gefällt mit seinem cleanen Sound und einem schwermütigen Refrain. Wenn sich Klavierklänge und oszillierende Gitarren in "Jura" umgarnen, denkt man an das Aereogramme-Nachfolgeprojekt The Unwinding Hours. Mit dem abwechslungsreichen "Kosmonavt" findet sich auch eine auf russisch gesungene Nummer auf dem Album. "Traditions" steht am Ende, eine Nummer, die  sich extrem Zeit lässt und langsam ausklingt. 

Produziert wurde das Album von Achim Lindermeier (Die Happy, Instrument, Emil Bulls). Thematisch scheint die Band mit offenen Augen durch die Welt zu gehen: "Das neue Konzept-Album thematisiert den aufkommenden Dualismus der Gesellschaft eines sterbenden Planeten", heißt es im Presseinfo. "Ideale und Glaubenssätze treffen aufeinander und die Gesellschaft teilt sich in zwei Gruppen." Damit bleiben Rigna Folk ihrem Hang zu Konzeptalben und gesellschaftskritischen Dystopien treu. Ein Wort noch zur optischen Gestaltung: Das Cover sieht mit seinem kraterigen Mond richtig gut aus, und die Bandbilder mit ihrer Twin-Peaks-Reminiszenz sind natürlich ein cooler Insider-Wink an Seriennerds und David-Lynch-Fans. Well done! 

Rigna Folk. Ein Name, der noch für viel Aufmerksamkeit sorgen dürfte. 

"Nova Void" von Rigna Folk ist am 29. Oktober erschienen. Mehr Infos unter www.rignafolk.de. Das Video zu "Altruism Overdose" gibt es hier zu sehen: 


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