Freitag, 22. Januar 2016

Hörtest: Conrad Keely - Original Machines

In Conrad Keelys Hirnwindungen muss es ganz schön zugehen. Der Frontmann und Kreativkopf der Indie-Ingenieure And You Will Know Us By The Trail Of Dead ist nicht nur Komponist komplexer Klangkathedralen, sondern zeichnet auch für die fantastisch fantasievollen Artworks seiner Band verantwortlich. Jetzt also sein erstes Soloalbum - und es ist, als ob wir in seinem Skizzenbuch blättern dürfen. 

 24 Songs, eine knappe Stunde Musik: Was der gebürtige Brite mit irischen und thailändischen Wurzeln auf "Original Machines" macht, bürstet konventionelle Albumschemata etwas gegen den Strich. Das kürzeste Stück dauert gerade mal 34 Sekunden (und ist mehr ein Intermezzo als ein Song), der längste Track schafft es mit 3:48 fast an die Vier-Minuten-Grenze, ist damit aber relativ allein. Die Songsammlung spiegelt vermutlich gut wieder, welche Neuronenstürme sich in diesem Hirn abspielen. Inzwischen ist Keely nicht mehr in Texas heimisch, sondern in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. In einem Interview, das er mit sich selbst geführt hat (völlig irrer Einfall, das als Presseinfo rauszugeben, ich liebe es!), spricht Keely darüber, wie ihm Songideen auf Reisen kommen, und darüber, dass ein Song, den man auf einem Stuhl in einem Raum sitzend aufgenommen hat, eben nach einem Song klingt, den man sitzend in einem Raum komponiert hat. Hier hingegen klingt alles nach Bewegung, nach Eindrücken, die in die Kompositionen eingeflossen sind, und nach der Spontanität, die Keely abseits des durchgetakteten ...Trail Of Dead-Oeuvres genießt. Man höre nur das verspielte "Row Away", das nach Vampire Weekend auf Tranquilizern klingt, oder das beobachtende "Drive To Kampot". Vieles auf "Original Machines" wirkt angerissen, skizzenhaft, unfertig. Aber es ist eben auch ein Ansatz, der etwas anderes will, als die verkopften Kompositionen seiner Hauptband. Guided By Voices waren ja auch immer ein Einfluss von ...Trail Of Dead, und denen kommt er mit seinen Minutensongs auch ganz nahe auf diesem Album, der 1972 geborene Musiker mit  der Vorliebe für ungewöhnliche Percussionklänge. Die Stilfülle, die sich hier Bahn bricht, ist beeindruckend. Ob jazzige Elemente wie in "Nothing That I Meant (Interstellar)", das Tanzbare, Archaische in "The Jungle" oder der Flirt mit Tori Amos-mäßigen Klängen im abschließenden "Before The Swim" - hier ist ein rastloses Gemüt am Werk, das sich nicht auf den Großtaten von früher ausruhen will, sondern sich auch auf noch unerforschtes Terrain wagen will. Folgen wir ihm dabei.

"Original Machines" von Conrad Keely erscheint am heutigen Freitag via Superball Music. 

Mehr Infos unter  www.conradkeely.com.

Hier könnt Ihr noch den Song "In Words Of A Not So Famous Man" hören. 

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