Mittwoch, 28. Dezember 2016

Jahresrückblick 2016: Meine zehn subjektiven Lieblingsplatten des Jahres

So viele Platten, so wenig Zeit. 2016 war bei mir das Jahr, in dem ich nicht sehr viele Neues entdeckt hab - und auch zu wenig Zeit für neue Musik hatte. Neulich unterhielt ich mich mit einem Freund darüber, dass möglicherweise ein gewisser Sättigungseffekt eingetreten ist. Naja. Ich hör schließlich auch exzessiv Musik, seit ich elf Jahre alt bin. Die Odyssee führte vom klassischen "Smoke On The Water"-Riff über eine Metal-Phase bishin zu meinem Gemischtwarenladen aus Indie, Punkrock, Alternative und Folk, den ich jetzt im Plattenregal hab. Trotzdem bin ich immer noch hungrig und will Neues entdecken, nur dieses Jahr war nicht so viel dabei. Das sieht man auch an meiner Top Ten. Es sind eher die alten Bekannten, die hier dominieren. Nachholen bzw. noch intensiver reinhören werde ich die nächsten Wochen noch in Platten, die leider zu kurz kamen, Bob Moulds neue etwa, und auch PUP, Thrice sowie Dinosaur Jr. Aber hier jetzt erstmal meine Top Ten 2016. Per Klick auf den Titel könnt Ihr meine jeweilige Plattenkritik dazu lesen, sofern hier vorhanden (mir fällt nämnlich grad auf, dass gar nicht alle auf dem Blog stehen). Und wie schon in den Jahren zuvor gilt: Der Wertung liegt ein sehr pseudomathematischer Koeffizient zugrunde. Zahl der Hördurchläufe mal Grad der Faszination, und das irgendwie so korreliert. 


Endlich wieder Sound aus dem Hause The Gaslight Anthem. So anders als die Platten der Hauptband von Brian Fallon klingt auch sein 2016er-Solodebüt nicht. Aber das ist ok. In "A Wonderful Life" kommt die Vorliebe für Springsteen-Sounds zum Vorschein, ebenso in "Rosemary". So weit, so uninnovativ. Aber da sind auch andere Facetten. "Steve McQueen" zum Beispiel, diese reduzierte Nummer, in der Brians unglaubliche Stimme neben einer zarten Akustikgitarre sehr gut zur Geltung kommt. Oder das schöne "Nobody Wins" mit seiner obertonreichen Stahlsaiten, die am besten im Stereo-Kopfhörer hervortreten. Als damals diese Kreationisten-Sache hochkochte, hatte ich Bauchweh, ob ich die Songs von Fallon jemals wieder hören kann. Es geht. Juhu! 


Was für eine Idee. Zwei Musiker spielen ihre Songs in Bahnhöfen ein, auf einer Reise. Der englische Songwriter-Poet Billy Bragg hat sich gemeinsam mit dem Amerikaner Joe Henry auf den Weg gemacht und Klassiker neu vertont. Herausgekommen ist ein Album, das mit seiner authentischen Folk- und Country-Atmosphäre heraussticht. Wenn Traditionals wie "John Henry" erklingen, erinnert mich da an Johnny Cash - auch in punkto Intensität. Die Bahn kommt. Wer diesen Zug nimmt, der wird mit der Reise garantiert nur schöne Erinnerungen verbinden. 




8.) Long Distance Calling - Trips

Mir ist die Platte aufgefallen, weil ich eine News dazu für finestvinyl geschrieben habe. Ansonsten hätte ich vielleicht Songs wie den an John Carpenters 80er-Jahre-Soundtracks gemahnenden Opener "Getaway" und das von einem hymnenhaften Chorus getragene "Lines" nicht wahrgenommen. Auch der mit harten Riffs um sich werfende Instrumentaltrack "Trauma" ist ein starkes Stück Gitarrenmusik. Gut gemacht. 






7.) Ebbot Lundberg & The Indigo Children - For The Ages To Come

Der Anfang klingt, als ob jemand im Wald seine Gitarre stimmt. Dann setzt Ebbot Lundbergs Stimme ein. Seine Band "The Soundtrack Of Our Lives" gibt es nicht mehr, aber wie im Fall von Brian Fallon tröstet mich diese Platte dafür. "Backdrop People" morgens mit Kopfhörern, während man zur Arbeit läuft - das kann ich nur jedem empfehlen. Und ganz am Ende steht "To Be Continued" mit seiner unwirklich schönen Melodie. Hoffentlich ist der Songtitel wörtlich zu verstehen. 





Ich liebe diese Band. Metal ist nicht mehr wirklich meine Musik. Wenn ich Metal höre, ist es meist aus Nostalgie. Aber Kvelertak haben es vor ein paar Jahren geschafft, eine neue Mixtur anzurühren. Das dritte Album zeigt diesmal deutlicher als bisher eine Vorliebe für Classic Rock. Mit dem Mix und der Produktion bin ich nicht so glücklich. Ich mochte den höhenlastigen Sound, den Kurt Ballou auf dem Debüt und auf "Meir" gedrechselt hatte, sehr gut. Trotzdem sind die Songs tadellos, ob "Svartmesse" oder der Titeltrack. Zudem: Eine Platte für den LP-Bilderrahmen, bei dem grandiosen Coverartwork. 




Wie vor zwei Jahren mit Lagwagon und ihrem Album "Hang", so geht es mir dieses Jahr mit "Hypercaffium Spazzinate" von den Descendents: Überraschend, hochwertig, hart und melodisch. Ein absolutes Punkrock-Highlight in diesem Jahr! 









Als ich Iggy Pop dieses Jahr beim Rockavaria in München vor der Linse hatte, ist mir mal wieder aufgefallen, was für ein genialer Performer und wahnsinniger Rock'n'Roler Iggy Pop eigentlich ist. Auf diesem Album hat er sich mit Josh Homme zusammengetan, manchmal kling es eben wie QOTSA mit Iggy am Mikro. So oder so: Ein Hammeralbum. Kluger Schachzug auch, das Live-Ereignis dann umgehend noch nachzulegen. 







Die CD lag im Redaktionspostfach, das Cover hat mich angesprungen - und die Platte dann derart überrascht, dass ich drei Wochen lang geplättet war. Kanada ist mir musikalisch unglaublich wichtig, und The Dirty Nil zeigen einmal mehr, warum. So ruppig, so ungehobelt, und dabei trotzdem so eingängig und mitreißend - das Debüt des Trios aus Dundas, Ontario, ist umwerfend. Da geht bestimmt noch mehr.






2.) Touché Amoré - Stage Four

Der Tod der eigenen Eltern ist immer ein Wendepunkt. Einer, vor dem man Angst hat. Jeremy Bolm hat seine Mutter verloren, sie war krebskrank. Den Schmerz verarbeitet er auf diesem Album. Das tut weh, und die ersten Hördurchläufe hat es mir wirklich körperliches Unbehagen bereitet, diese Platte zu hören. Aber wenn man die emotionale Intensität aushält, wird die Platte zu einem Begleiter. Der leichte Indierock-Einschlag steht der Band gut, und Touché Amoré machen nicht den Fehler, wie die Kollegen von Title Fight oder Pianos Become The Teeth zu sanft zu werden. 


Wenn ich den wichtigsten Musiker auswählen müsste, denjenigen, dessen Texte und Kompositionen mich am meisten bewegen, dann ist das wohl John K Samson. Mit The Weakerthans hat er Platten für die Ewigkeit abgeliefert, Songs wie "Plea From A Cat Named Virtute" oder "Aside" sind auf ewig in meinem Musikherzen eingebrannt. Doch auch seine Soloalben sind makellos, und wenn man den Winnipeg-Winter mal kennengelernt hat, versteht man das Ganze auch noch viel besser. "Winter Wheat" ist unter Beteiligung von Weakerthans-Bandkollegen entstanden, doch zugleich fokussiert sich die Platte noch mehr auf die pure Poesie des kanadischen Songwriters und auf filigrane Songs, die so anheimelnd wie ein Wohnmantel wirken. Für mich gab es dieses Jahr jedenfalls nichts Besseres. 

Den Jahresrückblick von 2015 findet Ihr an dieser Stelle. Da gibt's auch Links zu den Jahren zuvor. 

Samstag, 24. Dezember 2016

Fröhliche Weihnachten Euch allen!

Liebe Leser,

Euch allen ein schönes Weihnachtsfest! 

Hier gibt es nächste Woche den Jahresrückblick. Für mich sind diese müden Tage zwischen Weihnachten und Silvester die beste Zeit, um auf die besten Platten des zurückliegenden Jahres zu schauen. Top-Listen sind vermutlich einer der Gründe, aus denen ich überhaupt jemals ein Blog ins Leben gerufen habe. Und auch wenn es hier manchmal etwas ruhiger wird, 2017 wird es wieder neue Plattenkritiken, Konzertberichte und Interviews hier geben. Surft gern vorbei und folgt mir auf Facebook und Twitter, um auf dem Laufenden zu bleiben. 

So, jetzt aber: Merry Christmas! Und dazu ein schönes Weihnachtslied. 


Samstag, 10. Dezember 2016

Sehtest: Boysetsfire - 20th Anniversary live in Berlin

Vor über einem Jahr hat mich das Boysetsfire-Konzert im Club Vaudeville in Lindau extrem beeindruckt. So eine Wucht, so eine Spielfreude, so ein Enthusiasmus. Und was Nathan und Co. da auf der Bühne machten, ließ sich auch noch extrem schön in Bildern einfangen. (Meine Bilderstrecke dazu findet Ihr unter schwaebische.de/boysetsfire.) Insofern ist es nur logisch, dass diese Band nach dem "Reboot" mit dem selbstbetitelten letztjährigen Album nun einen Dreifach-DVD-Rundumschlag vorlegt, der in jedes gut sortierte Regal gehört. Meine Rezension ist am vergangenen Dienstag auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick auf nebenstehenden Artikel könnt Ihr meinen Text lesen - und mein Lieblingsmotiv aus Lindau sehen.

Samstag, 3. Dezember 2016

Galerie der Klassiker: Black Bonzo - Guillotine Drama

Wahnsinn, die Wochen gehen gerade so schnell rum. Letzter Blogbeitrag von Mitte November. Aber jetzt: Eine Entdeckung, die mir seit Kurzem das musikalische Leben versüßt. 

Ich kannte Black Bonzo bisher nicht. Aber was mir mit ihrem Album "Guillotine Drama" um die Ohren geflogen ist, das ist phänomenal. Selten hab ich eine Platte gehört, die mir so rätselhaft erschien. Als ich die Songs zum ersten Mal im Shufflemodus bei Spotify gehört habe, ließ mich die Stimme von Magnus Karlson an die schottischen Tanzrocker von Franz Ferdinand denken. Doch dieser Vergleich führt komplett auf die falsche Fährte, denn Black Bonzo sind eher im Prog-Rock zuhause und verströmen ein mystisches Retro-Feeling. Und vor allem haben die fünf Musiker aus der Stadt Skellefteå große Songs. Ich steig mit dem Stück ein, das mich so umgehauen hat: "How Do You Feel?" lässt die Sonne aufgehen, mehrstimmiger Gesang und eine Hammondorgel leiten das Stück ein, dann die sanfte Stimme "Wake up wake up, little girl, here's a new world just waiting here for you." Und dann später: "There will be laughter and tears, that's how it will be for many years." Da muss ich fast schon an Stairway to heaven und die forests, die echo with laughter, denken und dann an Herr der Ringe. Nach ein paar Minuten, man denkt, das Stück sei schon zu Ende, kommt dann noch ein schöner Twist. Jedenfalls: Einen solchen Song habt Ihr noch nie gehört. 

Aber es ist nicht der einzige Diamant auf diesem Diadem. "Tell Me The Truth" mit seiner Zeile "Sometimes I envy you for being who you are". Und "Nest Of Vipers". Getragene Songs, die majestätisch voranschreiten und an die Kauzigkeit von King Crimson ebenso erinnern wie an die Hymnenhaftigkeit von Uriah Heep. Zuvor beeindruckte schon "Because I Love You" mit seinem harten Riffing, und "Sudden Changer" groovt so herrlich, dass einem hier gar keine großen Worte mehr einfallen, weil man lieber nochmal die Platte auflegen will. Ach ja: Die Platte ist 2009 erschienen, war das dritte und letzte Album der Band, die sich dann 2011 auflöste und deren Mitglieder 2012 teils unter dem Namen Gin Lady weitermachten. 

Ein Juwel. Laut hören und Kopfhörer benutzen. Aber Vorsicht: Macht süchtig. 

"Guillotine Drama" von Black Bonzo ist am 18. September 2009 via B&B Records erschienen. 

Samstag, 12. November 2016

SZene-Hörtest: Iggy Pop - Post Pop Depression - Live At The Royal Albert Hall

Iggy Pop liefert mit der "Post Pop Depression" eines meiner Lieblingsalben dieses Jahr - auch, weil das Album durch die Handschrift von Josh Homme deutlich nach den Queens of the Stone Age klingt.

Jetzt gibt es das Ganze auch noch live. Die Show in der Royal Albert Hall ist fantastisch in Ton und Bild festgehalten. Meine Besprechung ist am 25. Oktober in der Schwäbischen Zeitung erschienen. Klickt aufs Bild, dann könnt Ihr sie lesen.


Samstag, 5. November 2016

SZene-Hörtest: John K Samson - Winter Wheat

Die Platte des Jahres steht für mich dann auch fest. John K Samson hat mich noch nie enttäuscht, und auch diesmal ist das Album des Kanadiers eine Kristallisation von Glücksmomenten. Meine Besprechung der Platte ist am Dienstag, 25. Oktober, auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr meinen Text lesen.

Samstag, 22. Oktober 2016

SZene-Hörtest: Opeth - Sorceress

Opeth haben mich schon mit ihrem letzten Album "Pale Communion" gekriegt. Jetzt muss ich zugeben, dass ich mit der Hinwendung vom Death Metal zum Prog kein Problem hab, aber das ist vermutlich auch einfacher, wenn man kein Fan der ersten Stunde ist. Bei In Flames zum Beispiel steh ich den jüngeren Outputs auch eher skeptisch gegenüber, wohingegen ich die ersten Scheiben die besten finde - nach wie vor.

Meine CD-Kritik zur neuen Platte von Opeth ist am vergangenen Samstag in der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr sie lesen.

Samstag, 15. Oktober 2016

"Keine Band würde sagen, dass Ihr neues Album schlechter als das vorige ist": Apologies I Have None im Interview

Apologies I Have None haben 2012 mit ihrem Debütalbum "London" 2012 nicht nur bei mir offene Türen eingerannt. Mit Hymnen wie "Long Gone" haben sie vor vier Jahren erstklassige Songs abgeliefert. Mit "Pharmacie" musste ich hingegen erstmal warm werden. Ein düsteres Album, aber es geht schließlich auch um Depression. Im Interview hat mir Josh McKenzie kürzlich erzählt, wie es dazu kam, dass das Debüt nach Sonnenschein klang, der Zweitling aber nach dunklen Wolken klingt. Erschienen ist das Interview am Mittwoch, 5. Oktober, auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung. Per Klick aufs Bild könnt Ihr es lesen. Die CD-Kritik gibt's noch obendrauf.

Samstag, 8. Oktober 2016

Bildergalerie: Bouncing Souls im Club Vaudeville

Die Bouncing Souls waren da. Ich auch. Im Club Vaudeville (am Donnerstag), wo sie so perfekt hinpassen. "Tip Me Or I'll Vote For Trump" steht mit Edding auf einer improvisierten Pappschachtelkasse am Merchstand. Ist ja gut, hier ist ein Fünfer. Lindau, das ist für so viele Fans wie nach Hause kommen. Donnerstagabend mag nicht der perfekte Konzertabendzeitpunkt sein, das sieht man, wenn man vor der Bühne reichlich Platz zum Tanzen hat. Aber die Fans verwandeln den Raum trotzdem in einen Pogo-Pit, und wenn jemand stagediven will, muss sich eben der Rest besser organisieren, damit es keine harte Landung gibt.

The Menzingers haben unschlagbare Songs dabei, "Burn After Reading" etwa, oder "Good Things", oder "Casey" oder oder oder. Neues wie "Thick As Thives" gibt es auch zu hören. Beim Gesang ist nicht immer jede Note 100 Prozent richtig, aber was soll's, Punkrock eben. Eine fantastische Band, die allein schon für den Songtitel "I Don't Wanna Be An Asshole Anymore" einen Coolness-Oscar verdient hätte.

Die Bouncing Souls sind dann energieleaden und extrem unterhaltsa. Seit 1987 gibt es die Bouncing Souls jetzt schon - fast 30 Jahre, wieder ein Fall für die Rubrik "Kinder, wie die Zeit vergeht". Der harte Kern ist von Anfang an gleich geblieben: Sänger Greg Attonito mit seinem unnachahmlich tänzelnden Stil, der hart rockende Gitarrist Pete Steinkopf, der glatzköpfig muskulöse Bassist Bryan Kienlen. Seit 2013 dabei ist Drummer George Rebelo, den man von Hot Water Music kennt - die Mannschaft ist aufeinander eingespielt. Die Setlist ist gut ausbalanciert, "Anchors Aweigh" wird mehrfach gewürdigt, aber auch das neue Album "Simplicity" kommt zum Zug, etwa mit dem grandiosen "Writing On The Wall". Den Titelsong von "Ghosts On The Boardwalk" gibt es in einer Akustikversion, und dazu geht eine orangene Sonne auf - also gefühlt (siehe Fotos). Am Ende kommen alle auf die Bühne, The Menzingers, Roger Harvey (den ich verpasst hab) und singen gemeinsam die "Manthem". Ein perfekter Abend endet. Gern wieder.

Hier findet Ihr meine Bildergalerie:


Bouncing Souls in Lindau

Samstag, 1. Oktober 2016

SZene-Hörtest: Billy Bragg & Joe Henry - Shine a Light

Das Konzept ist so genial. Zwei Künstler reisen mit dem Zug durch die USA und nehmen in den Bahnhöfen jeweils Stücke auf, die sich eben genau mit der American Railroad beschäftigen. Was Billy Bragg und Joe Henry auf ihrem Kollaborationsalbum abliefern, ist genial. Meine Plattenkritik dazu ist am Dienstag auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick auf den Text könnt Ihr ihn lesen.

Beim Rolling Stone gibt es ein Video, das die ganze Aktion greifbar werden lässt:

Samstag, 24. September 2016

SZene-Hörtest: Ghost - Popestar

Na gut, was Ghost angeht, bin ich Fanboy. Da braucht Ihr Euch ja nur den Post von letzter Woche anzuschauen. Aber auch ohne subjektive Brille käme ich wohl zu dem Ergebnis, dass die neue EP der schwedischen Okkultisten ein großer Wurf ist. Sie wird sicherlich nicht allen Erwartungen gerecht, aber genau das macht ja auch große Kunst aus. Sich neu erfinden, neue Facetten entdecken und nicht stehenbleiben. Mich haben sie trotzdem gekriegt. Meine Plattenkritik dazu ist am Dienstag auf der Szeneseite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr sie lesen.

Sonntag, 18. September 2016

U&D Weingarten: Fotos von Ruby Shock und The Weight

Langsam glaub ich, es liegt an mir. Jedes Festival, auf dem ich dieses Jahr war, war verregnet. Rockvaria - Regen en masse, aber zum Glück keine Unwetter. Rock am Ring - wegen Unwetter mit Verlezten abgebrochen. Southside - wegen Unwetter abgebrochen. Rock am See - grandios, aber auch von ein paar Schauern heimgesucht. Beim Umsonst & Draußen in Weingarten hab ich auch die Wolken im Gepäck gehabt. Pech für die Organisatoren war, dass dann auch noch der Headliner NH3 absagte. Die italienische Ska-Band blieb mit einer Panne unterwegs liegen.

Ich war da, um Fotos von zwei Bands zu machen.

Per Klick aufs Bild kommt Ihr zu meinen Fotos vom U&D-Auftritt der Stuttgarter Alternative-/Stonerrockband Ruby Shock, die bei der vom Regen dezimierten Zuschauerschar grandios ankamen. Eine Plattenkritik des Albums "Love Me, Love My Dogs!" findet Ihr hier auf dem Blog.

Ruby Shock beim U&D Weingarten

Die österreichische Band The Weight lässt sich vom Rock der 70er-Jahre inspirieren. Klickt aufs Bild, dann kommt Ihr zu meiner Bildergalerie. Wer The Weight noch nicht kennt: Hier gibt es ein Bandporträt, das ich für die Schwäbische Zeitung geschrieben habe. Fotos vom Auftritt in Dornbirn letztes Jahr findet Ihr hier.

The Weight beim U&D Weingarten

Samstag, 17. September 2016

Nicke Andersson im Interview zur neuen Imperial State Electric

Entspannt, gesprächig, tiefenentspannt: Nicke Andersson ist immer ein dankbarer Gesprächspartner. Der frühere Sänger und Gitarrist der schwedischen Rotzrock-Legende The Hellacopters hat mir kürzlich im Interview zur neuen Platte seiner Band Imperial State Electric Rede und Antwort gestanden. Erschienen ist der Artikel vergangenen Samstag in der Wochenendbeilage der Schwäbischen Zeitung. Per Klick aufs Bild könnt Ihr das Interview lesen.

Mein Interview zu "Reptile Brain Music" von vor drei Jahren könnt Ihr an dieser Stelle lesen.

Freitag, 16. September 2016

Ghost mit neuem Video zu "Square Hammer"

Eigentlich ist ja Samstag Blogtag. Aber heute erscheint die neue EP von Ghost. "Popestar" heißt sie, und der Song "Square Hammer", der diese Woche veröffentlicht wurde, läuft schon die ganze Zeit rauf und runter bei mir. Jetzt ist auch das Video dazu veröffentlicht. Darin sind Papa Emeritus III und seine Nameless Ghouls die Stars einer Filmpremiere, nicht irgendeiner, sondern des ersten Films überhaupt, wie man an einer Schlagzeile lesen kann.

Ghost sehen die EP als Verlängerung ihres fantastischen 2015er-Albums "Meliora", das für mich die Platte des Jahres war. Kein Wunder, dass sie die Bildsprache des Artworks aufgreifen und neben Horror-Elementen auch die Bildsprache Fritz Langs ("Metropolis") zitiert wird. In den Lyrics greifen sie mit den Sätzen "Are You on the Square? Are You On The Level" auch die Sprache der Freimaurer auf. 

 Es gibt viele kleine Anspielungen und Easter Eggs. Wer ist "Bonnenfeld"? Was bedeutet der Rote Kardinal am Ende des Videos? Was passiert, wenn das Bat-Signal-artige Ghost-Signal am Himmel erscheint? Es gibt viele Interpretationsansätze und man spürt, dass Ghost selbst große Fans von Horror und B-Movies der Vergangenheit sind.

Die Rezension findet Ihr demnächst auch hier. Letztes Jahr hab ich Ghost in München gesehen und es war fantastisch. Hier entlang zur Konzertkritik, wollt Ihr direkt Bilder sehen, dann geht zu schwaebische.de/ghost.

Samstag, 10. September 2016

Hörtest: Chris Farren - Can't Die

Luftige Gitarren, Nintendo-8-Bit-Sounds, augenzwinkernder Pop-Appeal - was Fake-Problems-Fronter Chris Farren hier auf seinem Solodebüt bietet, gefällt wegen seiner vielen Facetten. 

Das Klavier hämmert und tupft, die Melodien knoten sich um die Gehirnwindungen, das Schlagzeug funkt mit rein und irgendwie fühlt man sich wie in einem der lustigen Vampire-Weekend-Songs: "Say  U Want Me"  ist einer der, ähm, Hingucker auf diesem Album.

Aber dass das hier nicht das übliche Ich-mach-solo-was-Projekt eines sonst im Rock verhafteten Musikers ist, weiß man schon nach wenigen Sekunden. Die Mischung aus schrammeligen Gitarren und abgefahrenen Sounds ist extrem gut gelungen. "Human Being" lässt mich immer an die grandiose Serie "Community" denken, "Brighter" klingt nach nächtlichen Städten und ihren Lichtern (kann ich nicht anders erklären, hört es Euch an) und "To Insecurity And Beyond" pluckert mit seinen Gameboy-Piepsern vor sich hin. In der zweiten Hälfte fällt "Everything's My Fault" auf, weil hier am ehesten noch die Gitarren geballt aufjaulen und Superchunk Konkurrenz machen. Extrem profitiert die Platte davon, dass Chris Farren bei der Auswahl seiner Sounds keine Scheu kennt und die Stücke extrem verspielt wirken. Elf Songs, 30 Minuten - man braucht nicht die Aufmerksamkeitsspanne wie bei einem Progressive-Rock-Epos, und die Stücke sind auch eine sehr kurzweilige Angelegenheit. 

Bevor der Herbstnebel kommt, hier die Gutelauneplatte für die letzten Sommertage des Jahres. Klingt banal, aber fahrt einfach mal mit der Platte im Player und der Lautstärke voll aufgedreht durch die Gegend. Dann wisst Ihr, was ich meine. 


„Can’t Die“ ist am 2. September via Side One Dummy erschienen. 

Samstag, 3. September 2016

Hörtest: Descendents - Hypercaffium Spazzinate

Wie schnell die Zeit vergeht, wenn man sich gut amüsiert. Ganz anders als damals, als sich die Fanzösisch-Stunde zäh wie ein Kaugummi, der seinen Geschmack verloren hat, in die Länge zog. Wer die schnellste halbe Stunde (plus ein paar Zerquetschte) seines Lebens durchleben will, dem sei die neue Platte des Punkrock-Urgesteins Descendents wärmstens ans gitarrenversessene, melodieverliebte Herz gelegt.

Was Milo Aukerman, Stephen Egerton, Karl Alvarez und Bill Stevenson auf dem hyperaktiv kreativ "Hypercaffium Spazzinate" betitelten Album verzapfen, ist hochenergetischer Punkrock mit, der das gitarrenversessene, melodieverliebte Herz wärmt. Für mich zeigen sich hier deutliche Parallelen zu "Hang", dem 2014er-Überraschungshit von Lagwagon. Joey Cape und Co. ließen sich neun Jahre Zeit für ein neues Album, bei den Descendents liegt das letzte Album "Cool To Be You" sogar 12 Jahre zurück. Im selben Jahr steuerte die Band für den ersten Teil der "Rock Against Bush"-Sampler aus dem Hause Fat Wreck den Song "Sad Sate Of Affairs" bei. Seither ist mir der Name Bill Stevenson immer wieder begegnet, aber eigentlich ging es dann immer um Produktionsjobs, die er für andere Bands gemacht hat. Zu den Platten, die im legendären Blasting Room aufgenommen wurde, gehören zum Beispiel Hot Water Musics "Exister", "Tales Of Wyoming" von Teenage Bottlerocket, "Comet" von den Bouncing Souls sund natürlich auch bereits erwähntes "Hang" von Lagwagon.

Nun haben die Descendents die Blasting Room Studios natürlich auch für "Hypercaffium Spazzinate" genutzt, und der Sound ist genauso wuchtig und drückend, wie man sich das wünscht und wie auch "Everything Sucks" geknallt hat. Nix Intro, "Feel This" haut genauso rein, wie eine Punkrockshow von Null auf Hundert startet, vor dem geistigen Auge sieht man den Pogo-Pit, die Crowdsurfer, den Sänger, der am Bühnenrand kniet und das Mikro in die Menge hält. Schweiß, Bier (oder auch nicht, jeder wie er will), Verbrüderung. Wieso überrascht uns das eigentlich so, dass die "Comeback"-Alben unserer Helden dann doch so fantastisch ausfallen? Klar, auch Musiker verändern sich, aber sie verlernen ja nichts. Und dass das Alter nicht zwangsweise zum Zahnloswerden führt, sondern im Gegenteil auch etwas mit Reife und Besserwerden zu tun hat, ist doch eigentlich auch bekannt. "On Paper" ist ein fantastischer Ohrwurm, bei "Without Love" muss sich auch der härteste Iroträger eine Träne verkneifen und "Comeback Kid" ist programmatisch. Wer wissen will, wo der Punkrock seine poppige Seite her hat, wo ein wesentlicher Einfluss von Bands von Green Day bis Bad Religion herkommt, der kommt an den Descendents eh nicht vorbei - und bekommt hier ein Highlight des Jahres, al dente, hochkonzentriert, Klassikerpotenzial.

Es wird viel darüber geredet, ob Punk tot ist, ob Kommerz die Rebellion erstickt hat. Den Descendents gehen solche Diskussionen wohl am Allerwertesten vorbei. Sie machen einfach weiter, als seien sie nie weg gewesen. Danke dafür.

"Hypercaffium Spazzinate" ist am  29. Juli 2016 via Epitaph erschienen.

Samstag, 27. August 2016

Nachgereicht: Konzertkritik zu Rock am See in Konstanz

Letzte Woche war hier kein aktueller Post zu finden. Wer mir auf Twitter folgt oder auf Facebook Tinnitus Attacks geliked hat, weiß den Grund. Rock am See. Und es war fantastisch. Vor allem The Libertines haben mir ein fettes Grinsen ins Gesicht gezaubert. Muse waren natürlich auch grandios. Meine Konzertkritik ist am Montag in der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr sie lesen.

Die Fotos stammen von Simon Anhorn, einem äußerst talentierten Fotografen. Wenn Ihr hier schon was über The Weight gelesen habt, dann habt Ihr auch schon Bilder von ihm gesehen. Checkt seine Internetseite und gebt ihm ein Like auf Facebook, wenn Ihr mehr sehen wollt. Solltet Ihr vorhaben, demnächst zu heiraten, dann noch unbedingter.

Samstag, 13. August 2016

Konzertkritik: Robert Plant in Meersburg

Was für ein Abend. Robert Plant in Meersburg.
Wer das Städtchen nicht kennt: Direkt am Bodensee gelegen, extrem idyllisch, im Sommer von Touristen überlaufen, im Winter ziemlich ausgestorben. Burg, Fähre, Neues Schloss. Nicht gerade der Ort, an dem Rockstars üblicherweise einen Tourstopp einlegen. Umso cooler, dass der frühere Sänger von Led Zeppelin dort sein einziges Deutschland-Konzert 2016 gespielt hat. Ich war für die Schwäbische Zeitung vor Ort. Meinen Artikel (erschienen am 4. August in der Schwäbischen Zeitung) könnt Ihr per Klick aufs Bild lesen. Seither rotieren die alten Zeppelin-Scheiben bei mir wieder rauf und runter.

Samstag, 30. Juli 2016

Blues Pills im SZene-Interview

Als ich damals in der Abizeitungs-Charakteristik mit dem Satz "Ich hab keinen einseitigen Musikgeschmack. Ich hör Heavy Metal, Speed Metal, Power Metal, Progressive Metal, Thrash Metal und Death Metal", fanden das manche Mitschüler urkomisch. Ich meinte es allerdings komplett ernst. Inzwischen seh ich das auch wieder so: Damit ich Musik grandios finde, braucht sie meist ein Grundgerüst namends Gitarre, Bass, Schlagzeug. Im Fall von Kraftklub darf etwas Sprechgesang dazukommen, Enter Shikari nehm ich ihre Electroeinflüsse nicht übel. Mit dem sogenannten Retrorock bekommt man mich allerdings auch. Ob Wolfmother oder die fantastischen Spiritual Beggars - diese Stilrichtung, die die 60er- und 70er evoziert, hat ihren Reiz. Die Blues Pills gehören für mich auch dazu. Heute ist mein Interview zum Album Nummer zwei in der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr es lesen.

Das Interview zum Debüt gibt es an dieser Stelle.

Samstag, 23. Juli 2016

Hörtest: The Thermals - We Disappear

Liebe Leser,

es war viel los. Der Juni vor allem war geprägt von Festivals, auf denen ich unterwegs war. Jetzt muss Tinnitus Attacks aber wieder mehr Priorität bekommen. Und zeittechnisch ist Samstag der bessere Tag zum Bloggen. Also in Zukunft eben heute. Und da in letzter Zeit ein paar Platten zu kurz gekommen sind, fangen wir gleich mal an mit dem Aufarbeiten von bereits erschienenen Alben, die ich bisher nicht besprechen konnte. Heute: The Thermals und ihre aktuelle Scheibe "We Disappear".

Vielleicht hatte ich es mit dieser Platte nicht ganz so eilig, weil sie mich nicht so umgehauen hat wie frühere Thermals-Alben. "We Disappear" ist gut, keine Frage - hat da aber das Problem, dass es schon eine ganze Reihe von Songs gibt, die sich in ihrer Machart eben kaum vom neuen Material unterschieden.

Was haben uns die Lo-Fi-Indierocker nicht schon für Glanztaten beschert. Das rohe und schrammelige "More Parts Per Million". Das energetische "Fuckin A". Das dystopische "The Body, The Blood The Machine". Alles wichtige Alben, die im Plattenschrank des indie-fixierten Musiknerds nicht fehlen sollten - und falls doch, zumindest mit guten Ausreden begründet. Auch "Now We Can See" und "Personal Life" waren richtig gut, und "Desperate Ground" ging in punkto Produktion wieder leicht zurück zu einem simpleren Sound.

Nun sind die Thermals schon länger an einem Punkt, an dem sie ihren Sound schon so gefestigt haben, dass es schwierig ist: Reine Wiederholung ist Stagnation, aber welche Variationen des Sounds könnte man sich denn auch vorstellen? Und wollte man überhaupt, dass Hutch Harris, Kathy Foster und Westin Gass anders klingen? Im Grunde machen sie ja alles richtig. Nur der ganz große Aha-Effekt, der stellt sich eben nicht mehr ein. Auch wenn zum Beispiel "Thinking Of You" ein paar ungewohnte Duo-Momente im Gesang bietet. Und auch der Einstieg ist mit "Into The Code" und "My Heart Went Cold" stark. Trotzdem: The Thermal kämpfen ein bisschen mit dem AC/DC-Syndrom. Und dass einem nicht jeden Tag Songperlen wie "Pillar Of Salt" einfallen, tja. Mir ist aber klar, dass ich hier auf einem hohen Niveau jammere.

"We Disappear" von The Thermals ist am 25. März via Saddle Creek erschienen. Wie "My Heart Went Cold" klingt, seht Ihr hier:

Freitag, 22. Juli 2016

In eigener Sache: Blog-Posts künftig am Samstag

Nochmal eine kleine Planänderung: Künftig ist Samstag Tinnitus-Attacks-Tag. Im Alltag hat sich gezeigt, dass es mit Arbeit und allem der Freitag unrealistisch ist. Also: Künftig gibt es den wöchentlichen Blog-Post einfach dann, wenn Ihr ausschlafen könnt. Bis morgen!

Freitag, 15. Juli 2016

Genießt The Hellacopters

Da ich heute ein bisschen herumreise, muss ich Euch mit einem kurzen Post alleine lassen. Aber wenn es dabei einen Auftritt der Hellacopters 1999 beim Bizarre Festival gibt, ist das doch auch ok oder? Nach dem Gig beim Sweden Rock Festival dieses Jahr und einer neuen (alten) Single bin ich gespannt, was die Zukunft bringt.

Ein Interview, das ich vor ein paar Jahren mit Nicke Andersson geführt habe, findet Ihr übrigens an dieser Stelle.

 

Freitag, 8. Juli 2016

SZene-Hörtest: The Low Anthem - Eyeland

Ich muss mir etwas von der Seele reden. Es geht um die Enttäuschung des Jahres. The Low Anthem kriegen mich mit ihrer neuen Platte leider nicht. Ein klassischer Fall von Überambition. Schade.

Denn "Smart Flesh" war für mich eine der Platten des Jahres 2011. Der Song "Boeing 737" verwob sich mit meinem Bücherkonsum) und auch den Vorgänger "Oh My God Charlie Darwin" hab ich noch heiß und innig geliebt. Aber das hier? Sorry. Ich bin raus.

Eine Plattenkritik dazu ist am 22. Juni auf der SZeneseite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr meine Meinung zu diesem Album lesen.


Freitag, 1. Juli 2016

Galerie der Klassiker: Iron Maiden - Brave New World

Was für ein Monat, was für Wochen, die hinter mir liegen. Rockavaria, Rock am Ring, Southside. Jedesmal Regen, zweimal Abbruch. Aber auch ein paar musikalische Eindrücke. In München beim Rockavaria wurde mir zum Beispiel wieder mal bewusst, wie fantastisch Iron Maiden eigentlich sind. Bruce Dickinson ist eine meiner Lieblingsstimmen aller Zeiten, und nebenbei fliegt der Teufelskerl noch ein Flugzeug, neben dem die Maschinen von Staatsmännern popelig aussehen

Aus diesem Anlass grabe ich heute tief in der Mottenkiste und bringe zum Vorschein: eine Plattenkritik zum 2000er-Album "Brave New World". Erschienen damals in unserer Schülerzeitung, den Thalamus. Was damals anders war: Es gab viel mehr Metal-Ignoranten. Wo Heavy Metal heute im Feuilleton stattfindet und Arte Dokus über Wacken sendet, stieß ich damals mit meinem missionarischen Eifer immer wieder auf verschlossene Ohren. Tja. Wer lag richtig? Genug geredet. So hab ich mich vor 16 Jahren über Iron Maidens Comeback ausgelassen: 

"Nicht eine zweite Platte habe ich in der letzten Zeit derartig gespannt erwartet wie den neuen Silberling der NWoBHM-Legende Iron Maiden. Tränen haben wir vergossen, Tränen des Glücks, als die Nachricht von der Rückkehr der verlorenen Söhne Adrian Smith (g.) und Sangesgott Bruce "Air Raid Siren" Dickinson (v.) uns erreichte. Was haben wir gebangt, dass der neue Longplayer ein Aufguss alter Chosen werden würde. Was haben wir gebetet, dass Maiden nicht dasselbe passiert wie Judas Priest mit ihrem "Jugulator"-Klogriff.

Spätestens jetzt darf er kommen - der freudige Aufschrei: "Brave New World" ist genau das Album geworden, das eigentlich nach "Seventh Son Of A Seventh Son" hätte kommen müssen. Maiden haben es tatsächlich geschafft, an ihre alten Heldentaten anzuknüpfen und einen würdigen Abschied des alten Jahrtausends einzuhämmern. Intelligenterweise haben die Eisernen Jungfrauen mit "The Wicker Man" zwar erstmal einen gutklassigen Song als Single und Opener ausgewählt, auf dem Album selbst steht aber genügend noch stärkeres Material, das den guten Eindruck dieser Auskopplung eindrucksvoll bestätigt: Da wäre zum einen das von ruhigen Gitarrenklängen eingeleitete "The Ghost Of The Navigator", eine atmosphärische Midtemponummer, die sich mit der Textzeile "Nothing's Real Until You Feel" in meinem Hirn eingenistet hat. Die von dezenten Streichern untermalte Semi-Ballade "Blood Brothers" mit Bruce' bardenhaftem Gesang und der dramatischen Steigerung. Der schnelle Nackenbrecher "The Mercenary" mit seinem eingängigen Refrain und den cleveren Breaks. Das auf einem typischen Adrian-Smith-Riff basierende "The Fallen Angel". Die absoluten auditiven Cumshots stellen allerdings die beiden zehnminütigen Epen "Dream Of Mirrors" (Ohrwurmrefrain) und "The Nomad" (Opus á la "Rime Of The Ancient Mariner" oder "Alexander The Great") dar. Auf Letzterem gibt es eine der unverkennbar besten Gesangsleistungen von Göttersohn Dickinson zu hören, die sich perfekt mit den orientalischen Einflüssen ergänzt, die das Stück zu einem der außergewöhnlichsten der zum Sextett gewachsenen Band machen. Mit "Out Of The Silent Planet" servieren Iron Maiden schließlich noch eine Mitsinghymne von derartiger "Run To The Hills"-Qualität, dass auch der schwächere Abschluss mit "The Thin Line Between Love and Hate" den ausgezeichneten Gesamteindruck nicht schmälern kann, den das Flaggschiff des britischen Heavy Metal anno 2000 auf den geneigten Hörer macht. Dafür dürfte auch die glasklare und bombenharte Produktion von Kevin Shirley nicht ganz unbedeutend sein. Gitarren, Gesang, Schlagzeug und Steve Harris' unverwechselbares Bassspiel stehen vollkommen gleichberechtigt und transparent nebeneinander. 

In Anbetracht all dieser Tatsachen kann ich euch diese Platte nur wärmstens ans Herz legen, die allen Nörglern und Zweiflern ("Die machen das doch nur wegen dem Geld") den Wind aus den Segeln nehmen dürfte. Die Spielfreude hört man hier an allen Ecken und Enden. In diesem Sinne: Up The Irons"! Man sieht sich auf den Metal-2000-Festivals!"

P.S.: Mir ist klar, dass eher Platten wie "The Number Of The Beast" in einer Klassiker-Galerie auftauchen könnten. Aber nur bei "Brave New World" weiß ich eben noch genau, wie ich damals in den Müller-Markt rannte am Erscheinungstag und die CD mit einem noch unbeschrifteten Preisschilddirekt vom Lieferwägelchen schnappte und dann in den tragbaren CD-Player einlegte, draußen vor dem Laden aufdrehte und sofort in diese Platte verliebt war. Und meistens sind es doch diese Erinnerungen, die Platten und Musik so bedeutsam für einen machen. Insofern. 

Montag, 27. Juni 2016

Southside 2016: Mein Nachbericht

Zum zehnten Mal war ich dieses Jahr auf dem Southside-Festival. Die ersten Jahre als Fan, ab 2011 für die Schwäbische Zeitung. Sowas hab ich aber auch noch nie erlebt. Dass man im Auto sein eigenes Wort nicht versteht, weil die Hagelkörner auf die Scheibe prasseln und man sich wie in einer Waschanlage vorkommt. Und wie am Morgen danach einfach überall diese depressive Stimmung hängt und alle traurige Gesichter machen. Meine Güte.

Und innerlich stell ich mir sogar schon die Frage, ob Festivals vielleicht ein Auslaufmodell sind, obwohl sie natürlich völlig riesig sind und viele ja oft lange im Voraus ausverkauft sind. Nurwenn - dank Klimawandel - solche Wetterextreme zunehmen und eher die Regel als die Ausnahme werden, wer bindet sich dann als Veranstalter noch die Verantwortung für Zehntausende Menschen ans Bein? Wer geht finanzielle Risiken ein, ist bereit, immer höhere Gagen für Künstler zu zahlen, wenn die Gefahr eines Abbruchs permanent da ist? Beunruhigend finde ich das.

Tja, und ich hätte ja gern mehr Fotos geliefert, aber es ist ja nur ein Bruchteil der Bands aufgetreten. Mein Bericht stand heute auf der Seite 3 der Schwäbischen Zeitung. Per Klick aufs Bild könnt Ihr ihn lesen. Die Online-Verweise am Ende lohnen sich richtig. Schaut mal auf schwaebische.vorbei.

Ach ja: Per Klick auf die Jahreszahlen kommt Ihr zu meinen Berichten von 2015, 2014, 2013, 2012 und 2011.

Vonseiten des Veranstalters gibt es derweil nochmal News, siehe Facebook.



In diesem Sinne: Hoffen wir auf ein entspannteres Southside 2017.

Freitag, 17. Juni 2016

In eigener Sache: Warum so ruhig?

Liebe Leser,

hier ist es in letzter Zeit etwas ruhiger geworden. Der Grund dafür sind diverse Festivals, auf denen ich in letzter Zeit für meinen Arbeitgeber unterwegs war.

Was ich da dann so treibe, könnt Ihr hier sehen:

Bildergalerien zum Rockavaria-Festival in München

Bildergalerien von Rock am Ring in Mendig

Nächste Woche wartet dann das Southside-Festival.

Im Juli gibt es dann auch mal wieder richtigen Blog-Content. Tinnitus Attacks lebt!

Freitag, 27. Mai 2016

SZene-Hörtest: Kvelertak - Nattesferd

Ok, an meine Lieblingsplatte "Meir" kommt die neue Kvelertak irgendwie nicht ganz ran. Das liegt aber weniger an den Songs, sondern daran, dass Kurt Ballous Produktion so unglaublich gefetzt hat und die jetzige einfach etwas mittenlastiger ist, was nicht ganz mein Geschmack ist. Aber egal. Die Songs sind trotzdem richtig gut. Was die Norweger da auf "Nattesferd" machen, ist großes Kino. Meine Plattenkritik dazu ist am Dienstag vergangener Woche auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Viel Spaß beim Lesen!

Freitag, 20. Mai 2016

Farin U. hatte Recht: Schweden ist das schönste Land der Welt

Ich muss da mal was loswerden.

Ich muss Euch was gestehen.

Ich hab den ESC geguckt. Ja, es ist wahr. Und nicht zum ersten Mal.

Aber mir ist klar: Da geht es nicht um Musik. 90 Prozent ist gequirlte Mickeymausscheiße. Ich wollte den Fernseher aus dem Fenster werfen, aber er gehörte nicht mir. Also hab ich es gelassen.

Am Ende lief beim ESC ein Video durch, das die unglaubliche musikalische Vielfalt von Schweden vor Augen und Ohren führen sollte. Siehe da, sogar Yngwie, die Hellacopters und Ghost waren zu sehen. Nette Geste. Viel ist in den vergangenen Tagen darüber geschrieben worden, dass Schweden das ESC-Land schlechthin ist. Mit seinen zig Siegen und Kompositionen für andere Länder.

Aber für mich ist Schweden nicht der ESC. Im Gegenteil. Aus Schweden kommt so viel Anti-ESC-Musik, dass es eine verdammte Freude ist.

I don't give a shit about Avicii.

Für mich ist Schweden der donnernde, keifende Death Metal von Bands wie In Flames. Als ich "Moonshield" das erste Mal gehört habe, bin ich vor Freude ausgerastet. Diese Akustikgitarren! Das war göttlich, und dann die druckvolle Basstrommel, und die E-Gitarren. Einfach unfassbar gut.
Soilwork schlagen in die gleiche Kerbe. "Black Star Deceiver" vom "Natural Born Chaos"-Album war der erste und bislang einzige Song, der mich bis in meine Träume verfolgt hat. Ich hab wirklich geträumt und im Traum diesen Song gehört - aber es lief kein CD-Player, sondern mein Hirn hat den Song eingespielt. Oder Dark Tranquility - ich sag nur "The Wonders At Your Feet". Nehmt Arch Enemy, egal ob mit Angela Gossow oder Alissa White-Gluz am Mikro. In Dein Gesicht. Und natürlich Hypocrisy. Peter Tägtgren ist der Komponist von derben Brocken wie "Osculum Obscenum" und Hammerhymnen wie "Fire In The Sky".

Was mich in den 90ern wirklich geprägt hat, war der Rotzrock der Hellacopters, die jetzt mit einer neuen (alten) Single und einer Live-Reunion endlich zurückkehren. "Payin The Dues" war ein so fantastisches Album mit seiner geilen Single "Soulseller". Bis heute halte ich Nicke Andersson für einen der besten Songschreiber und Gitarristen aller Zeiten. Seine Begeisterung für Vintage-Sounds vergangener Jahrzehnte ist echt, hat ihn aber nie davon abgehalten, den Rock in die Moderne zu transportieren. Gluecifer waren für mich da unspektakulärer, aber auch relevant. Und die Spiritual Beggars - "Ad Astra" ist ein gottverdammtes Meilensteinmonster, das regelmäßig bei mir rotiert. The Bones mit ihren arschcoolen Riffrockern kommen aus Schweden, die irren The Baboon Show auch - das kann doch alles kein Zufall sein, Leute, ganz ehrlich.

Dann nehmt nur so eine Ausnahmeband wie Opeth. Das ist doch schon nicht mehr von dieser Welt. Death meets Prog. Unglaublich. Und Ghost - das war meine liebste Rockshow im vergangenen Jahr, die Songs eine gleißend diabolische Pracht und zum Fotografieren war es auch genial.

Indie-mäßig fallen mir The Soundtrack Of Our Lives, The Shout Out Louds und The Hives ein. Und Josh Homme von den Queens of The Stone Age sagt, die Truckfighters seien die beste Band der Welt.

Also: Wenn Euch nächstes Mal jemand erzählt, dass Schweden ein ESC-Land ist, sagt ihm: Es ist so viel mehr als das.

Und demnächst in dieser Reihe: Norwegen. You ain't seen nothing yet.


















Freitag, 13. Mai 2016

Konzertkritik: Calexico in Ravensburg

Letzte Woche waren Calexico in Ravensburg und haben fast das Dach des Konzerthauses gesprengt, wie Joey Burns fröhlich in die Runde rief. Exzellente Musiker. Seit über zehn Jahren verfolgt mich der Texmex-Sound der US-Truppe. Anbei könnt Ihr einen Text meines Kollegen Alexei Makartsev lesen, ich hab die Fotos beigesteuert. Mehr unter schwaebische.de/calexico.

Freitag, 15. April 2016

Gast-Konzertkritik: Element of Crime in Ulm

Element of Crime in Ulm: Klar kennt man die Band, die Bücher von Sven Regner, die Filme, die daraus entstanden sind - wenn auch vielleicht nur vom Hörensagen. Und so war das Konzert mein erster richtiger Kontakt mit dieser Band, von der ich vielleicht mal zwei Lieder irgendwo gehört hab. Aber das ist der Vorteil, wenn man mal nur das Foto machen soll: Man kann was Neues entdecken und muss nicht so in die Tiefe recherchieren als wenn man etwas über das Konzert schreibt. Aber ich war schwer angetan von Sven Regeners rauer Stimme und den Songs, den Melodien und den Texten. Plus: Geniale Vorband. Von Wegen Lisbeth. Starker Auftritt. Per Klick aufs Bild könnt Ihr den Text meines Kollegen Jürgen Schattmann lesen.

Freitag, 1. April 2016

Konzertkritik: Baroness in München

Jetzt ist das Konzert schon zwei über Wochen her, aber den Bericht über den Auftritt von Baroness in München muss ich hier schon noch nachreichen. Es war unglaublich gut. Meinen Text samt Foto von mir könnt Ihr Euch mit einem Klick drauf anschauen, mehr Fotos gibt es unter schwaebische.de/baroness. Ich leg jetzt nochmal die "Purple" auf, und dann "Yellow & Green" und alle anderen auch. So viele Farben.

Freitag, 18. März 2016

Hörtest: Muncie Girls - From Caplan To Belsize

Kompakte Punkrocksongs, die sich dank ihres Popappeals im Hirn verankern: Muncie Girls machen auf ihrem Debüt vieles richtig. Protest mit Bubblegum-Charakter funktioniert, denn nur weil in der Welt viel schief läuft, muss man ja nicht miesepetrig werden. 

Vorwarnung: Die Songs von Muncie Girls kriegt man so schnell nicht wieder aus dem Kopf. Wobei das nicht heißt, das hier billige und naheliegende Melodien verbraten werden. Muncie Girls haben eine eigene Handschrift, und die verleiht den Punkrocksongs einen poppigen Touch, der sich deutlich vom Gebretter mancher anderer Band abhebt. Die Stimme von Lande Hekt prägt den Sound der Band entscheidend. Dazu darf die Gitarre unbeschwert hart rocken, die Drums schieben das Ganze in Richtung Tor.

Die Texte wirken teils wie Notizen, die man sich auf einer langen Zugfahrt auf eine Serviette kritzelt. So etwa "Gone With The Wind", in dem der Charakter über ein radikal verändertes Leben spricht. Während man da noch überlegt, ob das Fenster, aus dem der Erzähler springen will, metaphorisch gemeint ist, handelt "Gas Mark 4" ganz klar von depressiven Selbstmordgedanken. "Respect" ist eine klare Ansage gegen Sexismus, Frauenfeindlichkeit und Gewalt. Die Lyrics sind direkt und anklagend: "For the next few years we can laugh and joke about/ Your next victim/ But when you're all grown up and your daughter cries you'll be/ Sorry you did this" heißt es da. In "Social Side" verströmen die cleanen Gitarren The Cure-Flair, die New Wave lässt grüßen. Absoluter Anspieltipp ist "I Don't Want To Talk About It", eine fantastische Melodie begleitet das "Whoa-oh" vor dem Chorus und der Text ist ebenfalls typisch für die Band: "I wonder why people are more concerned about celeb weight gain than the way our country’s run." Jetzt ist Gesellschaftskritik nichts Neues, aber solange Dinge nicht in Ordnung sind, ist es doch gut, wenn Bands sie auch benennen und sich lieber mit der realen Welt beschäftigen als mit Ärschen, Drachen oder schnellen Autos. Der Plattentitel "From Caplan To Belsize" ist übrigens eine Anspielung auf Sylvia Plaths Roman "The Bell Jar". Wie Uncle M im Presseinfo zur Platte schreibt, ließ dieses Werk das die Schriftstellerin Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer Symbolfigur der Frauenbewegung werden. Ich wollte nur Musik hören und hab gleich noch was dabei gelernt! Sehr schön.

Hier die aktuellen Tourdaten:

 17.04. DE - Köln - Underground
18.04. DE - Wiesbaden - Schlachthof
19.04. DE - München - Unter Deck (Support: Sandlotkids)
20.04. DE - Stuttgart - Universum (Support: Dog Eat Dog)
21.04. DE - Schweinfurt - Alter Stattbahnhof (Support: Pear)
22.04. DE - Berlin - Uncle M Fest at Cassiopeia
23.04. DE - Münster - Uncle M Fest at Skaters Palace Café
29-30.04. BE - Groezrock Festival
14.05. DE - Kiel - Klownhouse Fest at Hansa 48

"From Caplan To Belsize" ist am 4. März via Uncle M erschienen.

Hier noch das Video zu "Respect":


Donnerstag, 17. März 2016

Happy Birthday To Me: 5 Jahre Tinnitus Attacks

Kinder, wie die Zeit vergeht: Fünf Jahre ist es tatsächlich schon her, dass Tinnitus Attacks auf Sendung ging. Heute, am St. Patrick's Day, feiert Tinnitus Attacks Geburtstag. Los ging's dann natürlich auch mit passender Musik, die erste Rezi hier war "Going Out In Style" von den Dropkick Murphys. Seither ist viel passiert.

Anfangs noch täglich upgedatet, ist Tinnitus Attacks inzwischen ein Wochen-Blog. Das hat auch mit der Arbeit zu tun, die sich verändert hat, und schlafen und Sport machen sollte man ja zwischendurch auch noch. Zudem bin ich ja auch noch als Newslieferant für finestvinyl aktiv und widme mich nebenher auch noch der Konzertfotografie. Aber keine Sorge, auch wenn es weniger Content gibt als am Anfang, hier geht's weiter, und wer mir bei Facebook, Twitter oder Instagram folgt, kriegt ja auch so sonst einiges mit.

Zur Feier des Tages hier jetzt ein Clip, der mir besonders viel bedeutet und der perfekt zum Tag passt.

Na dann: Sláinte!

Samstag, 12. März 2016

SZene-Hörtest: The Dirty Nil - Higher Power

Da lag sie also vor ein paar Wochen im Postfach, die erste Platte in voller Länge von The Dirty Nil. Ich bin auf das Cover angesprungen - und der Sound hat mich dann umgehauen. So ein starkes Debüt hab ich lang nicht gehört. Lest hier meine Plattenkritik zum Einstand des kanadischen Trios, erschienen am 1. März auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung.

Freitag, 4. März 2016

Hörtest: Wolfmother - Victorious

Da ist es wieder, dieses Gefühl. Dieses Ich-kann-Bäume-ausreißen-und-bis-zum-Mars-schleudern-Gefühl, das nur die geballte Gitarrenpower von Wolfmother bei mir hervorruft. "Victorious" ist kein Oberhammer-Album. Aber immerhin: Ein paar Songs hauen hier schon richtig rein. 

"The Love That You Give" eröffnet die Platte, und da haben wir doch schon wieder alles, was wir an dieser Band schätzen: dicke Gitarren, Retrofeeling Galore, Andrew Stockdales unverwechselbare Stimme, die an Ozzy zu goldenen Zeiten erinnert, und ein unwiderstehlicher Drive. Dass Innovation anders aussieht, ist Mike Patton in einem legendären Video schon vor Jahren aufgefallen, aber darum geht es hier auch gar nicht. Wolfmother sind aus der Zeit gefallen, und das ist nicht weiter schlimm, weil sie Songs in einer anderen Dimension schreiben, himmelhohe Monolithen von Songs. Über zehn Jahre ist es schon wieder her, dass die Australier - bzw. vor allem Mastermind und Lockenkopf Andrew Stockdale - mit ihrem Debüt aufhorchen ließen. Als hätten sich Led Zeppelin und Black Sabbath im Proberaum getroffen und das Beste beider Welten auf Platte gebannt.  Der 2005er Einstand hielt dabei die stärksten Stücke bereit, schon auf "Cosmic Egg" 2009 war die erste Besetzung ausgetauscht (Stockdale natürlich ausgenommen) und die Treffsicherheit dahin, es gab Highlights wie "White Feather" und "Far Away", aber auch viel Durchschnitt. Fünf Jahre später dann mit "New Crown" ein digital veröffentlichter Schnellschuss, der sehr roh und unproduziert vorbeirumpelte, aber auch nicht an die alte Form anschließen konnte.

Nun ist auch "Victorious" nicht die ersehnte Rückkehr zur bestechenden Form des Erstlings. Aber: Es gibt einige Stücke, die es mit den Klassikern aufnehmen können und die ich an Stockdales Stelle unbedingt ins Live-Portfolio mit aufnehmen würde. Absolutes Highlight ist da der Titeltrack. Bissige Gitarre, ein reitender Rhythmus, Stockdale jubiliert in den höchsten Tonlagen - eine echte Hymne. Das Video dazu ist richtig gut abgehangener Geek-Trash, an dem Frank Frazetta und Ralph Bakshi ihre Freude hätten. "Baroness" ist ebenfalls ein gelungener Song, das Bluesige steht der Band sehr gut. Ok, "Pretty Peggy" ist arg schwülstig mit seinem großen "Woohoooo"-Refrain, der geradezu nach Radioplay schreit und uns vermutlich mal noch als Trailermusik für irgendeine Pärchenkomödie begegnen wird. Zehn Songs in 35 Minuten - wenn man keine Wunder erwartet, wird man hier schon gut bedient, und am Ende stehen mit "Happy Face" und "Eye Of The Beholder" nochmal zwei richtig starke Rocker, die mit Tempo und Druck punkten. Die dicke Produktion von Brendan O'Brien tut da ihr Übriges. Andrew Stockdale hat übrigens alle Songs selber geschrieben und auch die Instrumente eingespielt (bis auf Drums und Keyboards). Ich für meinen Teil mach hier keine Wissenschaft draus sondern freu mich einfach über ein paar gute neue Songs - und das extrem coole psychedelische Artwork, das in der Vinyl-Variante wohl erst richtig zur Geltung kommt.

"Victorious" von Wolfmother ist am 19. Februar via Universal erschienen. Das völlig überdreht klischeehafte Video zum Titeltrack gibt es hier:

Freitag, 26. Februar 2016

Die nachgereichte Konzertkritik: Eagles of Death Metal in München


Letzte Woche haben die Eagles of Death Metal in München ihr erstes Konzert in Deutschland seit den Terroranschlägen von Paris gegeben. Ich war für die Schwäbische Zeitung vor Ort, um Fotos zu machen und einen Text zu schreiben. Es war ein besonderer Abend. Man konnnte spüren, dass es keine Show wie jede andere war - auch wenn Band und Fans um Normalität bemüht waren. Per Klick auf das Bild könnt Ihr meinen Artikel lesen. Mehr Fotos gibt es unter schwaebische.de/eodm.

Freitag, 12. Februar 2016

Arcade Fire und ihre Gedenkparade

Arcade Fire haben gestern ein Video zu ihrer Tribute-Parade veröffentlicht, die sie vor Kurzem für den verstorbenen David Bowie gegeben haben. Mit dabei: die Preservation Hall Jazz Band, die Fans härterer Klänge vor allem durch das aktuelle Foo Fighters-Album Sonic Highways bekannt sein. Die Indierocker sind große Fans des britischen Exzentrikers. Bowie steuerte Gesangsparts zum Titelsong des 2013er-Albums "Reflektor" der Kanadier zu.

Freitag, 5. Februar 2016

Galerie der Klassiker - Doppel: Rodriguez - Cold Fact/Coming From Reality

Wer den Film "Searching For Sugar Man" noch nicht gesehen hat, sollte das zuerst erledigen, bevor er diese Kritik hier liest. Achtung, Spoiler-Alarm!

Schon lange stand die Musikdoku auf meiner Agenda. Vor zwei Wochen hab ich sie endlich gesehen. Und was ich da sah, hat mich wirklich umgehauen. Ich dachte, ich sehe eine Mockumentary. Die Story des Sängers und Gitarristen Sixto Rodriguez, der in den 70ern in Südafrika zum Superstar wird, davon aber im weit entfernten Detroit nichts mitbekommt, schien mir einfach zu unglaublich, um wahr zu sein. Als die Zeitzeugen und Akteure des Films auftraten, dachte ich mir: Wow, super gecastet, sehr gut rübergebracht, wirkt fast echt. Vor allem die kleinen Animationsszenen, in denen Rodriguez durch eine Stadt läuft, verstärkten meinen Eindruck. Das ist das Gute, wenn man etwas vergessen hat, was man mal über einen Film wusste: Man kann eine völlig neue Erfahrung machen. 

Auch die Musik schien mir unwirklich. Sie erinnerte mich an Bob Dylan, ähnlich drängend Sixtos Stimme, aber weniger knarzig und nachlässig. "They Just Don't Make 'Em Like That Anymore" zuckte es durch meinen Kopf, da blitzten Streicher auf, um Akzente zu setzen, da darf die Gitarre mal fuzzig dröhnen, bevor dann wieder filigranes Akustikspiel die Regie übernimmt. 

"Cold Fact" ist das Debüt, das Rodriguez 1970 veröffentlichte. In den USA war die Platte zunächst ein Misserfolg. Dabei hat die Platte musikalisch unglaublich viel zu bieten. Da ist der starke Einstieg mit "Sugar Man", einer Oder an "Silver Magic Ships" und "Sweet Mary Jane", Sie verstehen? Stücke wie "Crucify Your Mind" verströmen ein ganz eigenes Feeling und können dem grandiosen Dylan ohne weiteres das Wasser reichen. Unfassbar genug. Der "Establishment Blues" wurde zum Soundtrack der Anti-Apartheidbewegung in Südafrika - aber da Rodriguez sich 1971 schon wieder zurückzog aus der Musik, bekam er von seinem Erfolg nichts mit. Der 2012 erschienene Dokumentarfilm brachte dem Künstler dann große Aufmerksamkeit - der "Anvil"-Effekt. Zurecht, denn Songs wie "Inner City Blues" mit seinen Streicher- und Bläser-Einsprengseln gehören zum Besten, was in den 70ern veröffentlicht wurde. Es wirkt, als ob sich ein Dimensionsriss aufgetan hätte und diese Göttergaben wie aus einem divinen Dachboden auf unsere Erde gefallen sind. 

"Coming From Reality" ist keinen Deut schwächer. "Climb Up On My Music" eröffnet das Album, und mit E-Piano dem Duell von E- und Akustik-Gitarren zeigt es Einflüsse von Santana. Vielleicht. Meine eindeutigen Highlights auf diesem Longplayer sind allerdings "Sandrevan Lullaby-Lifestyles" mit seiner schmelzenden Geige und den Harfenklängen (fast schon wie aus einem Wes Anderson-Film), das melancholische "Cause" mit seinen einleitenden Textzeilen "Cause I Lost My Job Two Weeks Before Christmas" und der Groover "Can't Get Away", der alles vereint, was man an den 70ern liebt und in manchen Momenten fast schon wie das Intro zu einer Serie aus der damaligen Zeit wirkt. 

Natürlich hat man beim Hören der Platten die Bilder von Detroit im Schnee im Kopf, die Bilder von den bescheidenen Verhältnissen, in denen Rodriguez heute noch lebt. Aber die Platten funktionieren auch ohne den Film - logisch, sonst wäre er ja auch kein Superstar. Trotzdem: Wenn Ihr die Chance habt, dieses fantastische Stück zu sehen, das zeigt, wie seltsam das Musikbusiness macnhmal funktioniert (oder auch nicht funktioniert), tut es. Ihr werdet es nicht bereuen. 

Freitag, 29. Januar 2016

SZene-Hörtest: Hinds - Leave Me Alone

Ok, das Album ist schon raus und der Gig in München Vergangenheit. Aber ich wollte Euch noch meine Plattenkritik zum Hinds-Debüt zukommen lassen. Hier ist sie. Abgedruckt am 5. Januar auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung. Per Klick aufs Bild könnt Ihr den Text lesen.

Freitag, 22. Januar 2016

Hörtest: Conrad Keely - Original Machines

In Conrad Keelys Hirnwindungen muss es ganz schön zugehen. Der Frontmann und Kreativkopf der Indie-Ingenieure And You Will Know Us By The Trail Of Dead ist nicht nur Komponist komplexer Klangkathedralen, sondern zeichnet auch für die fantastisch fantasievollen Artworks seiner Band verantwortlich. Jetzt also sein erstes Soloalbum - und es ist, als ob wir in seinem Skizzenbuch blättern dürfen. 

 24 Songs, eine knappe Stunde Musik: Was der gebürtige Brite mit irischen und thailändischen Wurzeln auf "Original Machines" macht, bürstet konventionelle Albumschemata etwas gegen den Strich. Das kürzeste Stück dauert gerade mal 34 Sekunden (und ist mehr ein Intermezzo als ein Song), der längste Track schafft es mit 3:48 fast an die Vier-Minuten-Grenze, ist damit aber relativ allein. Die Songsammlung spiegelt vermutlich gut wieder, welche Neuronenstürme sich in diesem Hirn abspielen. Inzwischen ist Keely nicht mehr in Texas heimisch, sondern in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. In einem Interview, das er mit sich selbst geführt hat (völlig irrer Einfall, das als Presseinfo rauszugeben, ich liebe es!), spricht Keely darüber, wie ihm Songideen auf Reisen kommen, und darüber, dass ein Song, den man auf einem Stuhl in einem Raum sitzend aufgenommen hat, eben nach einem Song klingt, den man sitzend in einem Raum komponiert hat. Hier hingegen klingt alles nach Bewegung, nach Eindrücken, die in die Kompositionen eingeflossen sind, und nach der Spontanität, die Keely abseits des durchgetakteten ...Trail Of Dead-Oeuvres genießt. Man höre nur das verspielte "Row Away", das nach Vampire Weekend auf Tranquilizern klingt, oder das beobachtende "Drive To Kampot". Vieles auf "Original Machines" wirkt angerissen, skizzenhaft, unfertig. Aber es ist eben auch ein Ansatz, der etwas anderes will, als die verkopften Kompositionen seiner Hauptband. Guided By Voices waren ja auch immer ein Einfluss von ...Trail Of Dead, und denen kommt er mit seinen Minutensongs auch ganz nahe auf diesem Album, der 1972 geborene Musiker mit  der Vorliebe für ungewöhnliche Percussionklänge. Die Stilfülle, die sich hier Bahn bricht, ist beeindruckend. Ob jazzige Elemente wie in "Nothing That I Meant (Interstellar)", das Tanzbare, Archaische in "The Jungle" oder der Flirt mit Tori Amos-mäßigen Klängen im abschließenden "Before The Swim" - hier ist ein rastloses Gemüt am Werk, das sich nicht auf den Großtaten von früher ausruhen will, sondern sich auch auf noch unerforschtes Terrain wagen will. Folgen wir ihm dabei.

"Original Machines" von Conrad Keely erscheint am heutigen Freitag via Superball Music. 

Mehr Infos unter  www.conradkeely.com.

Hier könnt Ihr noch den Song "In Words Of A Not So Famous Man" hören. 

Freitag, 15. Januar 2016

Konzertkritik: Feine Sahne Fischfilet in Lindau

Die Bläser setzen bei Feine Sahne Fischfilet Akzente.
                                                       Foto: Tinnitus Attacks
"Und die werden vom Verfassungsschutz beobachtet? Monchi könnte doch keiner Fliege was zuleide tun", sagt eine Konzertbesucherin und bringt damit ziemlich gut auf den Punkt, was die Mehrheit der Gäste im Club Vaudeville an diesem Abend denken dürfte. Als 2012 das dritte Album "Scheitern und Verstehen" der Band erschien, bewarb das sonst eher auf elektronische Klänge der Marke Egotronic, Frittenbude oder Saalschutz abonnierte Label Audiolith die Band damit, dass sie im Verfassungsschutzbericht mehr Platz als der NSU eingenommen habe. Wie die TAZ online berichtete, war die antifaschistische Band wegen ihrer „explizit-antistaatlichen Haltung“ im Verfassungsschutzbericht Mecklenburg-Vorpommerns 2011 aufgetaucht. Die Band bedankte sich artig mit einem Geschenkkorb für die Aufmerksamkeit, die ihr auf diese Weise zuteil wurde. Von der Musik leben kann die Bands allerdings noch nicht.

Monchi in Aktion.
                                          Foto: Tinnitus Attacks
In Lindau wird ab dem ersten Song gepogt. Feine Sahne Fischfilet mischen ihre dicken Gitarrenklänge mit Bläsern, ohne dabei eine Ska-Band zu sein. Trotzdem ist der Sound extrem tanzbar und mitsingtauglich. "Solange es brennt" steht am Anfang, und der Song zeigt, warum die Band beispielsweise so gut als Supportband zu den Broilers gepasst hat. Sofort steht ein Stagediver auf der Bühne, der Monchi High Fives gibt und ihn umarmt. Man macht sich ernsthaft Sorgen um den Fan, als er sich von der Bühne ins Publikum stürzt und auf dem Boden landet. Gleich darauf steht er aber wieder auf der Bühne und springt erneut. Ein anderer Fan hat dabei weniger Glück: Beim Stagediving stürzt ein junger Konzertgänger rückwärts ab und schlägt mit dem Hinterkopf auf den Boden auf. Der Abend endet im Krankenhaus, und auch die Polizei schaut beim Club vorbei. Den Ordnungshütern hatten Feine Sahne Fischfilet im Lauf des Abends den Song "Wut" gewidmet. Bei diesem Song mit dem plakativen Refrain "Niemand muss Bulle sein" zeigt sich, dass die Fans der Band durchaus in der Lage sind zu differenzieren: Unter dem Youtube-Video wird diskutiert, ob das nicht eine etwas einfache Sicht der Dinge ist. Aber keine Frage: Die Band hat Haltung und sieht sich in diesen Zeiten besonders gefordert.

Die Telecaster macht Druck.
                                           Foto: Tinnitus Attacks
Musikalisch ist hier alles im grünen Bereich. Der Bass kommt knackig auf den Punkt, das Schlagzeug gibt den Tanzrhythmus vor, die Gitarre perlt mal clean, schrubbt mal mit Distortion, und die Bläserfraktion setzt die gleißenden Akzente. Sänger Monchi bezieht in seinen Ansagen deutlich Position gegen rechts, drückt seinen Support für die kurdischen Kämpfer in Kobane aus und verneigt sich vor Freunden und Familie. Ruhige Nummern mit Songs wie "Warten auf das Meer" gibt es ebenso wie den großen Mitsing-Alarm bei "Geschichten aus Jarmen". Am Ende regnet es goldenes Konfetti - damit rechnet man ja nun nicht unbedingt bei einem räudigen Punkkonzert. Monchi zeigt sich begeistert vom Lindau-Debüt. Das beruht an diesem Abend auf Gegenseitigkeit.

Mehr Fotos findet Ihr bei Flickr.

Freitag, 8. Januar 2016

Hörtest: Rigna Folk - Nova Void

Eigentlich wollte ich keine "Altlasten" mit ins neue Jahr nehmen. Aber ich hab nicht alle CDs besprechen können, die eine Rezi verdient hätten. Darum reiche ich hier noch eine Besprechung eines sehr gelungenen Albums nach, das bereits Ende Oktober erschienen ist. Es dreht sich um "Nova Void", das neue Album der Ulmer Artrockband Rigna Folk. 

Rigna Folk waren 2011 die erste Band, die auf dieses Blog aufmerksam wurden und hier gefeatured werden wollten. Ein Interview erschien, immer wieder war die Band danach hier Thema. Bereits damals fand ich den dunklen, eigenwilligen Sound der vier Musiker überzeugend. Aber jetzt, wo ich "Nova Void" gehört habe, bin ich einfach nur baff. Wie sehr ist dieses Quartett gewachsen! Jede Wette, wenn man die CD einlegen und jemandem vorspielen würde, der die Band nicht kennt - der Zuhörer würde wohl eine große internationale Produktion vermuten. Und nicht eine "regionale" Band aus Ulm, wobei das Wort "regional" mir eh immer schon auf den Sack ging, denn irgendwoher müssen Bands ja kommen. Insofern sind The National auch eine regionale Band - halt aus einer anderen Region...aber zurück zur Musik.

Bereits das einminütige Intro und das anschließende Opener "Option One" wirken so souverän und zeigen eine Band, die mit einer Leichtigkeit träumerische Klangwelten erschafft. "Propaganda" verblüfft mit einem eher stilfremden Riff, bevor die Gitarrenakkorde sich auftürmen wie eine Regenwand. "Grow Beyond" gefällt mit seinem cleanen Sound und einem schwermütigen Refrain. Wenn sich Klavierklänge und oszillierende Gitarren in "Jura" umgarnen, denkt man an das Aereogramme-Nachfolgeprojekt The Unwinding Hours. Mit dem abwechslungsreichen "Kosmonavt" findet sich auch eine auf russisch gesungene Nummer auf dem Album. "Traditions" steht am Ende, eine Nummer, die  sich extrem Zeit lässt und langsam ausklingt. 

Produziert wurde das Album von Achim Lindermeier (Die Happy, Instrument, Emil Bulls). Thematisch scheint die Band mit offenen Augen durch die Welt zu gehen: "Das neue Konzept-Album thematisiert den aufkommenden Dualismus der Gesellschaft eines sterbenden Planeten", heißt es im Presseinfo. "Ideale und Glaubenssätze treffen aufeinander und die Gesellschaft teilt sich in zwei Gruppen." Damit bleiben Rigna Folk ihrem Hang zu Konzeptalben und gesellschaftskritischen Dystopien treu. Ein Wort noch zur optischen Gestaltung: Das Cover sieht mit seinem kraterigen Mond richtig gut aus, und die Bandbilder mit ihrer Twin-Peaks-Reminiszenz sind natürlich ein cooler Insider-Wink an Seriennerds und David-Lynch-Fans. Well done! 

Rigna Folk. Ein Name, der noch für viel Aufmerksamkeit sorgen dürfte. 

"Nova Void" von Rigna Folk ist am 29. Oktober erschienen. Mehr Infos unter www.rignafolk.de. Das Video zu "Altruism Overdose" gibt es hier zu sehen: