Samstag, 28. November 2015

The Weight in Dornbirn

The Weight in Dornbirn: Energiegeladener Rock, mit Euphorie und Spielfreude vorgetragen. Das Konzert im Spielboden zeigte die Live-Qualitäten der Band, die derzeit in Vorarlberg an ihrem Debüt schraubt. Eine Platte, auf die man sich freuen kann. Hier meine Bilder von der Show. Per Klick aufs Bild kommt Ihr zu meiner Fotogalerie auf Flickr.

The Weight live in Dornbirn

Freitag, 13. November 2015

Darf ich vorstellen: The Weight

Ich glaube schon, dass wenn ich mir eine Dekade aussuchen könnte, die ich musikalisch miterleben dürfte, also dass ich dann die 70er nehmen würde. Led Zeppelin, Black Sabbath, Cream, The Who - ja doch, das wäre definitiv die Zeit, in die ich mich zurückbeamen würde, um das ein oder andere Konzert zu erleben. The Weight aus Österreich wären bei diesem Trip in die Vergangenheit vermutlich dabei - stehen aber mit beiden Beinen (bzw. allen acht bei vier Bandmitgliedern) in der Gegenwart. Ich hab das Quartett, das gerade an seinem Debütalbum schraubt, kürzlich in Dornbirn getroffen und etwas für die SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung geschrieben. Hier könnt Ihr meinen Artikel lesen. Einfach aufs Bild klicken.

Hier noch das Video zu "The Doctor":

Freitag, 6. November 2015

Hörtest: Coheed & Cambria - The Color Before The Sun

Coheed & Cambria ohne ihre Weltall-Geschichten? Das geht - und war vielleicht ohnehin nötig. Denn auf den vergangenen Alben machte sich doch etwas Leere im Raumfahrer-Anzug breit. 

Es war das Jahr 2005, als bei Rock am See in Konstanz superbe Bands wie Social Distortion und NoFX auftraten. Plötzlich stand am Mikro ein großer, muskulöser Typ im engen T-Shirt. Das war aber nicht das auffälligste an ihm. Mein musikalischer Partner in Crime - nennen wir ihn hier sicherheitshalber Geraldo - und ich waren noch etwas weiter von der Bühne entfernt, sahen aber, dass das Mikrofon in einen überdimensionalen Lockenkopf förmlich hineinwuchs. Und aus diesem Haarball - bzw. dann aus den Lautsprecherboxen der Bühne - drang eine Stimme, die mich als Rush-Fan elektrisierte, weil ich dachte, Geddy Lees Zwilling zuzuhören.

Und die Dinge, von denen er da sang. Kampfstationen, Jackhammer, blutrote Sommer, ein Alptraum, der endet, wenn man den Abzug betätigt - das war neu. Klar, das aktuelle Album mit dem unfassbaren Namen "Good Apollo I'm Burning Star IV, Volume One: From Fear Through the Eyes of Madness" musste gleich mit, aber dann ging es erstmal zurück zu den Vorgängern "The Second Stage Turbine Blade" und "In Keeping Secrets of Silent Earth: 3". Das war Prog, das war Emo, aber vor allem war das verdammt gut gemachte Musik mit einem verdammt nerdigen Science-Fiction-Konzept. Ich muss zugeben, dass die Treffsicherhheit der Band nach dem 2005er-Album, mit dem ich die Band für mich entdeckt habe, nachließ. Vier Alben, die man sich zwar anhörte, die aber nicht mehr die Begeisterung der drei ersten bei mir wecken konnten.

Aber mit Album Nummer acht ist die Euphorie bei mir zurück - und die Band hat ihre Space-Sage um das Ehepaar Coheed und Cambria Kilgannon über Bord geworfen. Stattdessen wagt sich Wuschelkopf-Mastermind Claudio Sanchez zum ersten Mal an persönliche Texte und widmet etwa seiner Frau ein Liebeslied ("From Here To Mars"). Auch die Geburt seines ersten Sohnes hat sich auf das Album ausgewirkt. Ihm widmet er mit "Atlas" eine der stärksten Nummern der Platte. Mit dem dramatischen Break und der Textzeile "'Cause Boy, Everything's About To Go Down" hat sich der Song in meinem Kopf festgesetzt. Schon lustig: Das Feeling ist exakt wie auf den ersten drei Alben, aber die Themen sind eben persönlicher. Später wird sich Sanchez' Sprößling an diesen Textzeilen freuen können: "So sleep tight, little Atlas cause when your daddy goes off just you know
That you’re the weight of his anchor, the love that is guiding him home".

Noch ein bisschen mehr Exegese. Bereits die ersten Zeilen von "Island" wirken wie ein sich Umschauen, ein Reality Check, ein Zurechtrücken: "I’m just a big dud, foolish from the start", heißt es da. Und: "I live inside this head and I’m at war. Hero and villain, at same time keeping score. And I’m not sure what I’m to do inside these walls. Not anymore. With my own life." Sanchze schließt zum Glück nicht aus, dass die Geschichte um die Amory Wars weitererzählt wird. Aber für dieses Album musste die Band eben mal über den Tellerrand des selbstgestrickten Kosmos herausblicken. Auch der Prog-Anteil wurde auf diesem Album zurückgefahren, zugunsten von eingängigen Songs, die auf Eingängigkeit und Power setzen anstatt das progressive Moment der Überwältigung zu setzen. Das tut dem Album aber gut. Das Ende mit dem folkig-orchestralen "Peace To The Mountain" mit seinen Geigen und Blechbläsern ist eine neue Facette im Klangkosmos der Band.

Schuld am unsanften Erwachen in der Realität dürfte auch die Episode mit dem zerstörten Haus sein, das sich im Cover widerspiegelt: Im Presseinfo zur Platte heißt es, die Pächter, die Sanchez' Haus im Hinterland gemietet hatten, hätten es zerstört zurückgelassen.

Aufgenommen haben die Musiker ihr neues Werk mit Jay Joyce (Cage the Elephant, Eric Church) in den Neon Cross Studios in Nashville. Joyce hat dem Album eine transparente, bissige und druckvolle Produktion verliehen. Erstmals wurde die Platte live im Studio eingespielt, Overdubs sollen nur vereinzelt eine Rolle gespielt haben. Neben Claudio Sanchez sind auf „The Color Before The Sun“ Gitarrist Travis Stever, Bassist Josh Eppard und Schlagzeuger Zach Cooper zu hören.

Klarer Fall: Ich bin wieder an Bord. Man kann ja auch nicht immer Star Wars gucken.

"The Color Before The Sun" ist am 16. Oktober erschienen (300 Entertainment / ADA). 2016 kommt die Band auf Tour, hier die Termine:

22.01 - ES - Madrid - BUT
23.01 - ES - Barcelona - Razzmatazz 2
25.01 - FR - Paris - La Maroquinerie
26.01 - DE - Köln - Live Music Hall
27.01 - DE - Berlin - SO 36
29.01 - DE - Munich - Theaterfabrik
31.01 - UK - Cardiff - University
01.02 - UK - Manchester - The Ritz
02.02 - UK - London - O2 Forum

Und hier noch das Video zu "Island":


Coheed and Cambria - Island [Official Video] from Coheed and Cambria on Vimeo.