Freitag, 23. Oktober 2015

Boysetsfire im Interview: "Unsere Supporter bedeuten uns alles"

"Sorry, wir schaffen es nicht. Wir hatten eine Buspanne, alle Presse ist abgesagt": Als ich an diesem Samstagabend in Lindau Boysetsfire-Tourmanager Oise am Mobiltelefon hab, muss er das geplante persönliche Interview kurzerhand absagen. Wir haben Glück, dass die Band es zum Konzert schafft. Wegen einer Buspanne saßen Boysetsfire über zehn Stunden lang fest. Der Auftritt in Lindau ist grandios, die Stimmung fantastisch. Ein Bericht und eine Fotostrecke von mir sind bei der Lindauer Zeitung erschienen. Hier reiche ich Euch nun noch das Interview nach. Bassist Robert Ehrenbrand hat mir meine Fragen per Mail beantwortet.

Tinnitus Attacks: Ein paar Fragen zu Eurem aktuellen Album: Die Songs wirken deutlich positiver, optimistischer als auf „While A Nation Sleeps“, auch die weiße Farbe deutet in diese Richtung. Woher kommt dieser Stimmungswechsel? 

Immer mit vorn dabei: Wenn Nathan Gray sich stimmlich
verausgabt, ist Basser Robert Ehrenbrand nicht weit.
                                                   Foto: Daniel Drescher
Robert Ehrenbrand:  Ich denke wir haben uns als Band und Familie „gefunden“, wenn Du so willst...nach langen Jahren des Ausprobierens, Kämpfens und zwischen den Stühlen Sitzens haben wir nun völlige Freiheit genau das zu tun wie, wann, wo wir es wollen. Eigenes Label, eigene Booking Agentur, eigene Produktion der Platten etc. Ich finde das neue Album feiert dieses „sich Finden“ bzw. „den Karren aus dem Dreck ziehen“. Der hoffnungsvolle Unterton ist definitiv nicht zu leugnen.

Tinnitus Attacks: Die Textzeile „With Just One Match Our Hearts Catch Fire“ kann man sich gut als Tattoomotiv vorstellen. Präsentieren Euch Eure Fans oft Tätowierungen, die von Lyrics oder Artworks Eurer Band inspiriert sind? Wie ist das, wenn man sowas sieht? Habt Ihr Tattoos, die von Musikern inspiriert sind und wenn ja welche? 

Robert: Wir haben wirklich unglaublich tolle Supporter und ohne diese Menschen wären wir nicht da wo wir jetzt sind. Sie gehören fest zu diesem „Family Spirit“ den wir leben als Band. Sie gehören fest dazu! Die Tattoos bedeuten uns wahnsinnig viel, daher versuchen wir auch die Motive zu teilen auf unseren Social-Media-Kanälen, einfach weil dieser Treuebeweis unglaublich schön ist. An dieser Stelle Danke an all diejenigen die sich BSF in dieser Weise verewigt haben!!! Ich selbst habe vor allem indische/religiöse Motive an mir, aber auch ein THE SMITHS Tattoo vom Song HOW SOON IS NOW sowie ein "TRUE BELIEVER"-Tattoo, dass meiner Zeit in New Jersey mit den BOUNCING SOULS gewidmet ist. Ich war zwar kein Bandmitglied aber sehr nahe an der Band dran aufgrund meiner damaligen Lebensituation. Wir sind immer noch enge Freunde und das Tattoo ist daher auch entsprechend wichtig für mich.

Tinnitus Attacks: Ihr habt dem Album den Titel Boysetsfire gegeben. Mit der Selbstbetitelung setzen Bands oft ein Signal. Welches geht bei Euch von dieser Benamung aus? 

Robert in Aktion. Foto: Daniel Drescher 
Robert: Wir wollten einfach den vollen Fokus auf unsere Familie, unsere Band, unsere Musik und unseren starren Schädel richten, der wie immer durch die Wand will...das neue Album zelebriert unsere Bandfamilie und daher passt der Name zu 100 Prozent.

Tinnitus Attacks: Ihr habt gerade die Tour zum Album hinter Euch. Wie ist sie gelaufen? 

Robert: Im positivsten Sinne jenseits aller Erwartungen. Einfach genial, außer ein paar Stimmproblemen aufgrund einer Krankheit bei Nathan definitiv eine Traumtour! Nebenbei haben wir etwa ca  Mal "Straight Outta Compton" im Tourbus geschaut...also noch dazu eine waschechte Movietour!

Tinnitus Attacks: Wie fühlt es sich an, so begeistert wieder von den Fans aufgenommen werden, nachdem Ihr von 2007 bis 2010 pausiert habt? 

Robert: Ich denke die Pause war wichtig und hat uns gelehrt, dass wir nie wieder ohne die Band sein wollen...sollten wir wieder eine Pause brauchen, nehmen wir sie uns, aber auflösen wird sich BSF nicht mehr. Was uns unsere Supporter bedeuten hatte ich ja schon geschrieben: ALLES!

Tinnitus Attacks: Habt Ihr die nächsten Jahre durchgeplant? Oder lasst Ihr die Dinge lieber auf Euch zukommen? 

Robert: Wir planen nicht mehr lange voraus sondern genießen einfach die Zeit zusammen wannauchimmer wir sie haben. 2016 spielen wir viele Festivals und erfreuen uns weiterhin der neuen Platte.

Tinnitus Attacks: Eure Texte drehen sich oft um die Selbstbestimmung des Individuums. Wie kann das der Einzelne im Alltag umsetzen – trotz Job-Tretmühle und anderen Zwängen? 

Robert: Das muss der Einzelne für sich selber entscheiden, da fängt es nämlich schon an. Wir wollen nichts vorgeben, aber zu positiver Veränderung, Selbstbestimmung und dem Nutzen jedes Tages anregen. Darum geht es uns. Nicht darum, Schritte oder gar Philosophien vorzukauen...wir trauen unseren Fans sehr viel Gedanken, Ideen und Entscheidungswillen zu.

Tinnitus Attacks: Ihr seid bekannt für Eure enge Verbindung zu den Fans. Wie weit geht das, seid Ihr z.B. mit manchen Fans befreundet? Wo zieht Ihr die Grenze? 

Im Rampenlicht: Robert und Boysetsfire genießen die
Momente auf der Bühne. Foto: Daniel Drescher
Robert: Über so etwas denken wir nicht wirklich nach...es ergibt sich was sich ergibt und klar kennen wir viele Leute auch persönlich. Da gibt es keine Grenzen oder so...wir nutzen auch das Wort Fan nicht so viel, da es eine Hierarchie widerspiegelt, die wir nicht leben. Alle Menschen, die uns unterstützen sind uns wichtig. Punkt.

Tinnitus Attacks: Beim Southside hast Du mir 2013 erzählt, dass Dein Sohn Pogues, Earth Crisis und Hosen gut findet und Deine Tochter „Stups der kleine Osterhase“ hört. Wie gestaltet sich die musikalische Sozialisation inzwischen? 

Robert: Meine Tochter ist mittlerweile bei meiner Lieblingsband GLASVEGAS angelangt und wir hören im Auto nichts anderes mehr, hahaha.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen