Freitag, 17. Juli 2015

The Weakerthans - ein Nachruf

Wenn Bands sich auflösen, ist es ja nicht so, dass ich losheule. Was damals bei Take That los war - nein, so eine Reaktion hab ich bei mir noch nie beobachtet, wenn Musiker ihre Trennung beschließen. Aber bei The Weakerthans ist es dann doch schlimmer für mich als bei vielen anderen Bands, die sich bereits getrennt haben. Fühlt sich auch seltsam an: Am Freitag vor zwei Wochen hier an dieser Stelle noch die "Reconstruction Site" in der Galerie der Klassiker besprochen, ein paar Tage später ist die Band Geschichte.

Mit einem Tweet verkündete Schlagzeuger Jason Tait die Trennung. Gut, man kann sich jetzt im Nachhinein die Zeichen so zusammenreimen, dass es absehbar war. Kein neues Album seit dem 2007er "Reunion Tour". Eine Internetseite, die immer noch das Artwork dazu zeigt un als neueste News den Garage Sale im Februar 2014 anzeigt. John K. Samsons Soloalbum "Provincial" (wobei sowas nicht immer eine Trennung bedeuten muss). Seisdrum. Jetzt haben sich die Kanadier nach 18 Jahren für das Aus entschieden und wir müssen damit klarkommen.

Für mich waren The Weakerthans nie eine gewöhnliche Indierockband. Sie waren immer mehr als das. Dabei ging der Reiz vor allem von John K. Samsons Texten und seiner unglaublichen Stimme aus. Samson ist jemand, der Sprache in ihrer vollen Schönheit genießt und sich nie auf Plattitüden zurückgezogen hat. Wie er Stimmungen, Orte und Menschen beschreibt, das ist poetisch und nie in Klischees verhaftet. Dafür schätze ich ihn, und ich denke, dass er auch weiter Musik machen wird, in welcher Form wir diese auch immer zu hören bekommen werden.

Wie ich die Band entdeckt hab, das hab ich ja letzte Woche schon in der Galerie der Klassiker erzählt. Nach und nach hab ich mir dann alle Platten geholt, und wenn sie bei mir laufen, ist das eine andere Intensität des Zuhörens. Diese Musik atmet, sie umhüllt einen, man hört sie nicht nur einfach. Trösten wir uns also auf diese Art: Es wird nichts Neues mehr kommen, aber wir haben "Fallow". Wir haben "Left and Leaving". Wir haben "Reconstruction Site". Wir haben "Reunion Tour". Und vielleicht gibt es das, was der Titel der letztgenannten verheißt, ja irgendwann einmal.

P.S.: Dass Jason Tait in seinem Tweet ausgerechnet "Abide with me" postet, das Lied, das ich mir für meine Beerdigung wünsche...


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