Freitag, 29. Mai 2015

Hörtest: Teenage Bottlerocket - Tales From Wyoming

Das Punkrock-Leben kann so einfach sein. Teenage Bottlerocket machen vor wie's geht. Auf ihrer Seite haben sie 14 Songs, die sich mit ironischen Texten und großartigen Melodien ins Ohr gehen - und da bleiben. 

Ich gebe zu: Diese Band hatte ich bisher nicht auf dem Zettel. Schande über mich. Klar, man kennt den Namen, und hin und wieder sieht man, dass ein neues Video auf dem Kanal von Fat Wreck gibt. Aber zu mehr kamen wir irgendwie nicht, diese vier Herren aus Wyoming und ich. Dann war das Pirate Satellite Festival und ich stand mit einem breiten Grinsen vor der Bühne. Also das Vinyl mitgenommen und zuhause gesehen, dass die Promo-Bemusterung schon lange im Posteingang lag. Folglich ist die Platte schon ein paar Wochen im Handel. Talk about being verpeilt. Aber besser spät als nie.

Zu den Songs: Ihr seid noch auf der Suche nach dem Album, das Eure Gartenparty, Eure Poolorgie, Eure Strandfete veredeln soll? Wie wäre es mit "Tales From Wyoming"? Hier gibt es romantische Liebeslieder wie "I Found The One" (Beste Textzeile: "You've Got Me All Fucked Up Like I've Been Sniffing Glue/And I'm So Horny That I Don't Know What To Do/ And Now My Balls Are Turning Blue"). Oder "Nothing Else Matters (When I'm With You)", diese Verbeugung vor - na? - klar, Metallica. Ziemlich cool, wie der Text mit Song- und Albumtiteln der Bay-Area-Thrasher um James Hetfield spielt und sich über das "Der Neue in der Band"-Klischee lustig macht. Ein kleiner Geniestreich auch "They Call Me Steve". Zunächst dachte ich mir, ok, sie nennen ihn Steve. Aber als ich dann den Text genauer gehört hab, und es um große Spinnen, ein Eisenschwert, Zombies und Creeper ging, ging mir auf: Hier geht's um Minecraft, dieses ebenso simple wie gute Computerspiel, bei dem man die Welt aus Blöcken ab- un wieder aufbaut. Die Zombie-Fantasie "Dead Saturday" klingt stellenweise nach Anti-Flag und zeigt auch schön das Faible der Band für Horror und B-Movie-Themen, wie sie auch in "Cockroack Strikes Again" und "Haunted House" hervorstechen. "I Wanna Die" könnte man als Gedanken eines Todessträflings interpretieren, losgelöst davon  macht die Melodie aber einfach nur Spaß. Und mit "TV Set" gibt's eine etwas simpel gestrickte Medienkritik, und "First Time" ist eine Ballade mit hohem Taschentuchfaktor.

Gut tut den Songs die Abwechslung, die Ray Carlisle und Kody Templeman durch die Aufteilung der Vocals schaffen. Brandon Carlisle bearbeitet seine Drums mit Nachdruck, und auch der Bass von  Miguel Chen ist schön präsent. Eine rundum gelungene Punkrockplatte, die ihren wuchtigen Sound im Blasting Room unter Federführung von Bill Stevenson bekommen hat. Auch hier schafft es der Descendents-Drummer, der Band einen Sound zu zimmern, der unverkennbar ist, aber trotzdem nicht nach Schema F klingt.

"Tales From Wyoming" von Teenage Bottlerocket ist am 7. April via Rise Records erschienen. Mehr Infos unter http://teenagebottlerocket.com. Das Video zu "They Call Me Steve" findet Ihr hier, Ihr braucht aber sowas wie das ProxFlow-Plugin um es zu sehen.

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