Freitag, 10. April 2015

Hörtest: Hindsights - Cold Walls/Cloudy Eyes

Das ist ihr Debüt und die Musiker sind alle um die 20. Klingt aber schon recht ausgereift, was Hindsights uns hier vor den Bug knallen. 

Ok, schon klar. Brand New ist das hier nicht, und den Title Fight um die Originalitätsmedaille gewinnen Hindsights auch nicht mit ihrem Debüt "Cold Walls/Cloudy Eyes". Ach, was das minder lustige Wortspiel mit den Bandnamen soll? Naja, sowohl Brand New als auch Title Fight nennt zum Beispiel die Promoagentur in ihrer Presseinfo, damit man Hindsights einordnen kann. Und das trifft es schon ziemlich gut.

"Everything Inside Me Echoed" fängt da ganz harmlos an, erst ein melodiöser Einstieg, dann etwas cleanes Riffing, der Gesang ist noch verhalten. "Cold Walls", einer von zwei Titelsongs (ja, sowas gibt's) klingt dann eben wie ein Mix aus beiden oben genannten Bands: Title Fight zu "Shed"-Zeiten, wenn man sich etwas Härte wegdenkt, Brand New in ihrer "The Devil and God are Raging inside me"-Phase. Das ist Hardcore, aber auch sehr melodisch. Benio Baumgart (Gitarre & Gesang), Billy Hutton (Gitarre & Gesang), Miles Hay (Bass) und Jack Perry (Drums) haben ihre eigene Vision von packender Musik erschaffen, und man muss sagen, dass ihnen das über weite Strecken gut gelingt, auch wenn die Melodien irgendwann etwas origineller sein könnten. Die Musiker waren vorher alle in Bands aus dieser Musiknische aktiv, und auch mit Hindsights haben sie sich (seit Ende 2011) Gitarrensounds verschrieben, die zwischen Arschtret-Power und Emo-Introvertiertheit pendeln. Benio Baumgart sagt über das Album, es sei "das Ergebnis aus einem sechsmonatigen Schreibmarathon, gefolgt
von etlichen Fünfzehn-Stunden Tagen im Tonstudio und dem verzweifelten Versuch, endlich einen
Sinn in Angst und Depression zu finden." Die Grundstimmung ist düster, die Songs sind aber weit davon entfernt, einen runterzuziehen. Eher scheinen die Gitarren gegen die drückende Stimmung anzurennen und mit ihrer Kraft umzustoßen. Baumgart: "Diese Songs helfen mir dabei, sich mit dem
Ungleichgewicht in meinem Kopf und der Tatsache, dass ich mein ganzes Leben damit leben
muss, zu arrangieren.“ 

"Pensive" mit seiner verschleppten Rhythmik, "See You Soon" mit seiner wechselnden Dynamik, "Colour, Blind" mit seiner nachtschwarzen Aura, die in einen vorwärtspreschenden Rhythmus umkippt, sogar romantische Züge entwickelt und das flirrende Ende mit "Sore": Die Songs wirken am besten unter einem Kopfhörer, vielleicht später in der Nacht, vielleicht nach einem Glas Rotwein zuviel. In jedem Fall aber ziemlich laut. Und dann auch live, wenn das hinhaut. 

"Cold Walls/Cloudy Eyes" von Hindsights ist am 27. Februar via Beach Community erschienen. Hier noch das Video zu "Cold Walls": 

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