Freitag, 27. Februar 2015

Hörtest: Radio Havanna – Unsere Stadt brennt

Punkrock mit Haltung: Radio Havanna wenden sich auf ihrem neuen Album gegen Unwissen und Ungerechtigkeit. So weit, so Punk. Das allerdings tun sie mit einer gehörigen Portion Pop-Appeal – und das geht überraschend gut.

Es dauert keine 30 Sekunden auf der neuen Platte der Berliner Punkrockband Radio Havanna, da ist klar und deutlich, welchen Standpunkt das Quartett in punkto Flüchtlingspolitik hat. „Will uns denn niemand helfen? Wir spüren Eure Macht“, heißt es kurz darauf, bevor die peitschenden Gitarren wieder einsetzen, die dem unnachgiebigen Wellenschlag gegen das überfüllte Boot nachempfunden sein könnten. Auch auf dem Vorgängeralbum „Alerta“ zeigten sich Radio Havanna schon von ihrer politischen Seite, aber „Unsere Stadt brennt“ - produziert von Andi Jung (Beatsteaks, Bela B.) und Archi Alert (Terrorgruppe, K.I.Z.) - ist noch eindeutiger in der Haltung. Die noch stärker politisch wirkenden Statements brechen sich Bahn in einem Song wie „Dynamit“, der mit einer derart entwaffenden Portion Idealismus aufwartet, dass man sieht: Ok, scheinbar salonfähiger Zynismus hat doch noch nicht jeden korrumpiert. Gut so. Das unaufdringliche, aber völlig präsente Klavier in „Dynamit“ verleiht dem Song zudem einen unverwechselbaren Touch. „Unnormal“ ist eine unverkennbare Ansage an Rassismus und Schwulenfeindlichkeit, „Kaputt“ eine überspitzt-wütende Bestandsaufnahme des Zustandes dieses Landes.

Doch da sind auch noch die anderen Songs, die unverhohlen wie nie mit dem Pop flirten und thematisch auch andere Dinge anschneiden. „Feuer“ etwa, diese kleine Anmach-und-Fremschäm-Story aus der Disco, die mit tanzbaren Beats und Kopfstimmen-“Oohohohs“ die Kulisse des Geschehens imitiert. Legendäre Textzeile: „Er greift nach Dir wie King Kong nach Ann Darrow, ich greif nach meinem zehnten Glas.“ Mit „Komm zurück“ zeigen Radio Havanna auf schön schnodderige Weise, dass man auch anno 2015 noch Liebesschmerzlieder schreiben kann, die nicht belanglos sind: „Weißt Du dass seit Du weg bist, alles voll fürn Arsch ist?“ Und „Glasherz“ tut als Verschnaufpause zwischendurch gut und gefällt mit einem melodisch grandiosen Refrain.

Man spürt, dass Radio Havanna dieses Album – 12 Songs, 37 Minuten, Cover mit Hot Water Music-artigem Logo versehen – wichtig ist und man kann sich vorstellen, wie stolz sie darauf sind. Zurecht.

„Unsere Stadt brennt“ von Radio Havanna ist am 13. Februar via Uncle M erschienen. Hier noch das Video zu „Kaputt“. 

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