Freitag, 13. Februar 2015

Hörtest: Feine Sahne Fischfilet - Bleiben oder gehen

Punkrock wie er gedacht war: Aufmüpfig und kompromisslos. Feine Sahne Fischfilet bleiben eine relevante Größe im schnelllebigen Musikgeschäft - und zollen Joe Strummer Tribut. 

Im Video zum Opener "Für diese eine Nacht" kommen Assoziationen an die Stephen King-Verfilmung "Stand by me" oder auch an Kings Roman "Es" auf: Aus dem erwachsenen Punkrocker, der auf dem Bett sitzend "Komplett im Arsch" vom Vorgänger "Scheitern und Verstehen" auf der Akustischen schraddelt, wird ein Kind - und die anderen holen es zum Spielen. Also auf die Räder und weg. In der Metal-Doku "A Headbangers Journey" spricht der Iron-Maiden-Sänger Bruce Dickinson darüber, dass man den 15-Jährigen in sich niemals vergessen sollte und nicht mit einer "Ach-sah-ich-damals-peinlich-aus"-Attitüde auf die Vergangenheit zurückschauen soll. Lebenshilfe à la Up the Irons. 

Was das alles mit Feine Sahne Fischfilet zu tun hat? Feine Sahne Fischfilet schaffen es mit ihrem zweiten Album "Bleiben oder gehen", Punkrock zu spielen, der sich wohltuend von inhaltsleerem Poppunk abhebt. Damit macht man sich nicht nur Freunde, und inzwischen sind die Geschichten über Erwähnungen im Verfassungsschutzbericht und den Fresskorb-Dank seitens der Band für die damit verbundene PR eine der vielen Legenden der Rockmusik (mehr dazu in der Plattenkritik zum Vorgänger "Scheitern und Verstehen". Doch der linke Aktivismus, den die Band aus Mecklenburg-Vorpommern pflegt, bringt immer wieder Probleme für die Band mit sich. Von ihrem Kurs weicht das Sextett um Sänger Monchi trotzdem um keinen Zentimeter ab. Warum auch? Baustellen gibt es genug. 

Die Band bleibt sich auf ihrem vierten Album musikalisch und textlich treu, zeigt sich aber deutlich gereift als Songwriter. Die Bläser, die sich erneut konsequent dem Ska verweigern sind diesmal deutlich akzentuierter und songdienlicher. "Scheitern und Verstehen" hat mich damals nicht umgehauen, um ehrlich zu sein. Diesmal bin ich überrascht und begeistert. Mehr Melodien, mehr Hits. Der bereits erwähnte Opener "Für diese eine Nacht" könnte sich zum Klassiker der Platte entwickeln, aber da gibt es auch noch genügend andere starke Songs. Mich haben die Songs in ihrer Melodik teils an das Punk-Kabarett von "Heiter bis Wolkig" erinnert, und für mich scheinen auch die Toten Hosen an mancher Stelle durch. The Clash sind natürlich auch allgegenwärtig, in "Ich glaube Dir" werden sie direkt angesprochen, aber auch beim Plattentitel "Bleiben oder gehen" muss man an den großen Hit "Should I Stay Or Should I Go" von Joe Strummer und Co. denken. Das Kenner-Label Audiolith hat sich mit Feine Sahne Fischfilet einen reizvollen Kontrapunkt zu den anderen Bands geholt. Gerade, dass FFS nicht immer nur mit maximaler Verzerrung rangehen, sondern auch Raum für Zwischentöne lassen ("Solange es brennt"), ist vorteilhaft. Monchi singt manchmal herrlich nachlässig, aber musikalisch sind FSF keine Amateure. Textlich spannen sie den Bogen von persönlich bis politisch: Eine ehrliche Analyse des eigenen Erfolgs in "Lass uns gehen" gibt es ebenso wie harte Kritik an der Polizei ("Wut"). "Am Ende ist alles kaputt" heißt es in "Am Ende". Trotzdem nimmt man aus diesem Album nicht die Resignation mit. Das wäre wohl auch nicht im Sinne der Punkrocker. 

"Bleiben oder Gehen" ist am 23. Januar auf Audiolith erschienen. Hier noch das Video zu "Für diese eine Nacht": 


Feine Sahne Fischfilet auf Tour: 
14.02.2015 Wien, Arena 
20.02.2015 Hamburg, Uebel & Gefährlich 
27.02.2015 Jena, Kassablanca
28.02.2015 Heidelberg, Halle 02
06.03.2015 Münster, Skaters Palace 
07.03.2015 Leipzig, Täubchenthal
13.03.2015 Oberhausen, Druckluft
14.03.2015 Düsseldorf, Zakk 
20.03.2015 München, Hansa 39
21.03.2015 Nürnberg, Löwensaal
27.03.2015 Bremen, Schlachthof
28.03.2015 Frankfurt, tba
10.04.2015 Stuttgart, LKA
11.04.2015 Basel, Hirscheneck
25.04.2015 Bern, Rössli

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