Samstag, 24. Januar 2015

Hörtest: Sleater-Kinney - No Cities To Love

Sie sage, sie klängen wie besessen auf diesen Songs und wollen mit ihrer Musik einschüchtern: Gratulation, Sleater-Kinney, beides ist Euch gelungen. 

Normalerweise liest man in den Presseinfos, umgangssprachlich "Waschzettel" genannt, ja davon, dass dieses Album jetzt aber definitiv das beste aller Zeiten ist. Insofern sparen sich Sleater-Kinney die Plattitüden und bringen es auf den Punkt. Denn wenn "No Cities To Love" eins ist, dann das: ein Stück Musik, das ziemlich kauzig und respekteinflößend ist, beim zweiten Blick aber mit musikalischem Genie belohnt.

Wenn Dich die ersten Klänge des Openers "Price Tag" überrollen, denkst Du noch: Uff, das wird anstrengend. Zuletzt war Carrie Brownstein ja mit dem Sleater-Kinney-Nachfolgeprojekt "Wild Flag" sehr eingängig unterwegs, jetzt ist wieder eher Rrrriot-Girl-Attitüde angesagt.

Wie konkurrenzlos die 1994 in Olympia, Washington, gegründete Band ist, zeigt sich dann in vollem Umfang in "Fangless". Perlende Gitarrenspielereien und ein tänzelnder Bass machen den Song zum Weltklasse-Hit. Auich "Surface Envy" mit seinem Mix aus Chaos und Ordnung schlägt in diese Kerbe. "We Win/We Lose/Only Together Do We Break The Rules" schmettern die drei Frauen einem selbstbewusst entgegen. Überhaupt, dieses Spiel mit Zuckerbrot und Peitsche: Im einen Moment ist es furchtbar anstrengend, im nächsten Augenblick freuen sich Ohr und Hirn über hochmelodiöse Momente. Der Titelsong ist ein künftiger Klassiker und zeigt, wie man Hooks schreibt, die auch Jahre später noch im Ohr bleiben werden.

"No Cities To Love" ist das erste Album seit "The Woods" (2005), mit dem sich Corin Tucker (Gesang, Gitarre), die inzwischen durch die Serie "Portlandia" berühmt gewordene Carrie Brownstein (Gesang, Gitarre) und Janet Weiss (Schlagzeug) jetzt wieder als immer noch relevante Größe beweisen wollen. Das sollte hinhauen. Hier kommen Punk, Grunge und simpler Rock zusammen, hauen sich ein paar Drinks rein, steigen auf ein Karussell und fallen danach geplättet auf den staubigen Boden. Wie gesagt: anstrengend, aber lohnt sich.

"No Cities To Love" von Sleater-Kinney ist am 16. Januar via Sub Pop erschienen. Hier könnt Ihr den Live-Auftritt bei David Letterman von vergangener Woche sehen:

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