Freitag, 28. November 2014

Jeff Tweedy bei den Cardinal Sessions



 Jeff Tweedy war bei den Cardinal Sessions zu Gast. In der Akustik-Session-Reihe hat er zwei Songs seines diesjährigen Albums "Sukierae" gespielt, nämlich "Fake Fur Coat" und "Honey Combed". Der Wilco-Fronter hat mich dazu angestiftet, sein aktuelles Solowerk mal näher in Augenschein zu nehmen. Oder muss es Ohrenschein heißen?

Mittwoch, 26. November 2014

Hörtest: Möngöl Hörde - Möngöl Hörde

Hardcore kann Frank Turner. Das wissen wir, denn vor Folk- und Punkrock-Solokarriere gab es "Million Dead". Mit seinem Nebenprojekt "Möngöl Hörde" (die Metal-ö-Pünktchen müssen mit!) beweist der britische Durchstarter, dass er es immer noch kann. 

Weiche Schale, harter Kern? Ne, eigentlich ist es umgekehrt. Aber in dem Fall, wenn man sich Frank Turners Schaffen anschaut, kann man das mal so stehenlassen. Die bierseligen Singalongs seiner fantastischen Alleingänge ("Love Ire and Song" und wie sie alle heißen) hat er auf dem Full-Length-Debüt seines Nebenprojekts Möngöl Hörde (warum nur einmal den Metal-Dot verwenden, wenn man schon drei O's zur Verfügung hat?) gegen ungehaltene Wut-Attacken getauscht. Und um die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen, hat sich Turner mit Ben Dawson einen ehemaligen Mitstreiter von "Million Dead" geholt und mit Matt Nasir ein Mitglied seiner Solo-Begleitband The Sleeping Souls an Bord.

Leider will Frank Turner sein Projekt bewusst nicht groß vermarkten. Es gab keine Interviews (zumindest keine von denen ich wüsste), und nun eint die Fans die Hoffnung, dass es nicht bei dieser Platte bleibt. Das hoffe ich auch. Denn die Langrille macht Laune. Die Musik ist bewusst simpel gehalten - und das gilt auch für die Texte. "Make way for the Mongol Horde/Coming back to fuck you up" heißt es gleich im ersten Song. "Casual Threats From Weekend Hardmen" verbeugt sich mit seinem "Wooooo" vor Refuseds "New Noise", zuvor werden wir in "Tapeworm Uprising" akustische Zeugen eines Aufstands in Hollywood, den der Bandwurm von Natalie Portman auslöst. Der Song geht böse und sarkastisch mit Los Angeles ins Gericht.

Ohnehin lohnt sich ein Blick auf die Texte, die jemand netterweise in diesem Forum zusammengetragen hat. "Staff to the refund counter" kann man als Konsumkritik verstehen, und in "Stillborn Unicorn" blitzt kurz ein Solo-Intro auf, bevor es von Hardcore-Klängen zur Seite gerammt wird. Sehr gelungen auch "Winkyface: The Mark of The Moron", in dem sich Turner als Hüter der englischen Sprache und Hasser von diesem Dingens outet ;-) Es geht melodisch zu, aber es gibt auch gut auf die Mütze. Zuckerbrot und Peitsche, Ihr kennt das.

Mit der Erkenntnis, dass Keith Richards ein T-1000 ist und niemals sterben wird ("Hey Judas"), kehren wir in den viel leiseren Alltag zurück. Etwas zu leise hier. Aber: Wir können die Platte - auf Vinyl kommt sie in schickem Weiß daher - ja immer wieder auflegen.

Das gleichnamige Debüt von Möngöl Hörde ist am 30. Mai 2014 via Xtra-Mile Recordings erschienen. Hier das Video zu "Winkyface: The Mark Of The Moron":

Dienstag, 25. November 2014

NPR zeigt Tiny Desk Concert mit J Mascis



Das hier dürfte doch ganz nach Eurem Geschmack sein, oder? Ein Tiny Desk Concert mit J Mascis. Neben Songs vom aktuellen Solo-Album "Tied to A Star" kommt auch der Song "Little Fury Things" von Dinosaur Jr. zum Zug.

Sonntag, 23. November 2014

Fünf Metal-Songs für Kälte, Winter und Nebel

Das war mal eher ein vernebeltes Wochenende. Von Winter trotzdem keine Spur. Wo bleibt der Schnee? Trotzdem: Zum depressive Musik hören eignet sich das Wetter allemal.

Damit Ihr trotzdem auf den Winter vorbereitet seid, hier meine fünf liebsten Metal-Songs, die mit Nebel, Winter und Kälte zu tun haben.

Sentenced - Ever-Frost:


Immortal - At The Heart of Winter: 


Rage - Don't Fear The Winter:



Cradle of Filth - Her Ghost In The Fog:


Black Sabbath - Snowblind:

Samstag, 22. November 2014

Hörtest: ...Trail of Dead - IX

Neues aus Austin, Texas: Die Band mit dem Namen, der jeden unbeschlagenen Verkäufer in der Musikabteilung jedes x-beliebigen Elektromarkts in den Wahnsinn treibt, präsentiert sich auch auf "IX" gewohnt kreativ und musikalisch ohne wirkliche Konkurrenz. 

Dabei geht der Kurs weg vom eher minimalistisch und radauorientiert gehaltenen "Lost Songs", wieder mehr hin zu den Klangcollagen von "Tao of the Dead". Herausgekommen ist ein Mix aus flächigen Soundlandschaften, Rock-Sprengseln, typisch traumtänzerischen Melodien und dem Hang zur ausufernden Songstruktur. 

Das muss man auch erstmal können: Da schraddeln die distortierten Gitarren in "A Million Random Digits" an einem vorbei, dass man sich vorkommt, als ob man dem Titel gemäß in einem dieser Matrix-Monitore steht und grüne Zeichen an einem vorbeifliegen, und trotz aller Aufgekratztheit ist das auch so ein Song, bei dem die Beifahrerin des nächtens auf der Autobahn wegratzen könnte. Bombast ("The Ghost Within") und Rock-Kante halten sich die Waage auf "IX", dem, klar, neunten Album der Texaner. Und in "How To Avoid Huge Ships" kommt es dann ganz dicke: In fast vier Minuten schaukeln sich Klavier, Cello, Gitarren, Drums und mehr zu einem großen Ungetüm auf, vor dem man ungläubig und staunend stehenbleibt. "Lost In The Grand Scheme" protzt dann mit Noise-Krawall, Jason Reece übernimmt das Mikro, und siebeneinhalb Minuten lang gibt es hier Nachhilfeunterricht in Sachen "Wie mach ich Rock, der knallt, aber die Klischee-Kiste geschlossen lässt?". 

Der große Aha-Moment dann in "Like Summer Tempests Came His Tears": ein rein instrumentales Stück, das mit Streichern dermaßen dramatisch Fahrt aufnimmt, dass ich damit rechne, den Song bald in jedem zweiten Kinotrailer zur Untermalung emotionaler Szenen zu sehen. Hört Euch den Song in voller Lautstärke an und legt dazu die DVD von "The Return of The King" ein - Ihr werdet merken, was ich meine. Mit "Sound of the Silk" gibt es dann noch ein musikalisches Experiment, in dem sich Streicher und archaisch wirkende Trommeln einem Techtelmechtel hingeben. Sehr groß. Apropos groß: Diese Platte sollte man auf Vinyl haben, denn das Cover - wie immer von Conrad Keely, Sänger und Gitarrist  der Band gezeichnet - kann man stundenlang studieren, und man entdeckt immer noch Details. 

"IX" von ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead ist am 17. Oktober erschienen. Mehr unter https://andyouwillknowusbythetrailofdead.bandpage.com

Donnerstag, 20. November 2014

Two Gallants: Neues Album "We Are Undone" erscheint Ende Januar



Two Gallants, das amerikanische Indie-Folk-Country-Duo aus San Francisco, veröffentlicht am 30. Januar ihr inzwischen auch schon fünftes Album. "We Are Undone" wird via ATO/Pias Cooperative erscheinen. In einer Pressenotiz des Labels heißt es: "Adam Stephens (Gitarre, Harmonica, Keyboard, Gesang) und Tyson Vogel (Drums, Gitarre, Gesang) nehmen sich in ihren druckvollen Rocksongs einmal mehr sozialkritischer Themen an, wie beispielsweise der bevorstehenden Klimakatastrophe, der Illusion von Authentizität, dem sozialen Wandel und der damit einhergehenden Entfremdung von der eigenen Heimatstadt, aber auch dem romantischen Sichfremdwerdens." Alles wie immer also, möchte man meinen.

Der Titelsong ist schon als Lyric-Video im Netz (siehe oben). Aufgenommen wurde der Nachfolger von „The Bloom and the Blight“ (2012)  innerhalb eines Monats zusammen mit Karl Derfler (Tom Waits) im Norden Kaliforniens.

Hier noch ein paar Tourdaten:

27.02. Köln - Stollwerck
28.02. Schorndorf - Manufaktur
01.03. Frankfurt - Zoom
08.03. München - Theaterfabrik
09.03. A-Wien - WUK
11.03. Berlin - SO36
12.03. Hamburg - Uebel & Gefährlich

Lesetipp: "What The Toll Tells" hab ich in die Galerie der Klassiker hier auf Tinnitus Attacks aufgenommen.

Mittwoch, 19. November 2014

Konzertkritik: Morbid Angel im Club Vaudeville

Und nun zu etwas völlig anderem: Death Metal. Als ich mich noch zur Metal-Gemeinde zählte, kam hin und wieder, nicht regelmäßig, aber ab und an mal Todesmetall auf den Plattenteller. Amorphis ("Tales From The Thousand Lakes"), In Flames ("The Jester Race", "Whoracle"), Children of Bodom ("Something Wild"), also eher melodiöse Sachen.

Aber auch Aggro-Schrotter wie Six Feet Under haben mir große Freude bereitet. Tatsächlich erinnere ich mich, dass ich eine Deutsch-Klausur in der Oberstufe mit der 1999er-Platten "Maximum Violence" in den Ohren geschrieben hab. Gedichtinterpretation während Dir Chris Barnes zu geschmackvollen Titeln wie "Feasting On The Blood Of The Insane" ins Ohr grunzt, geht allerdings weniger - und es war meine erste 3 in Deutsch. Aber das war egal. Die Aktion an sich bleibt mir unvergessen, ebenso des Lehrers Worte: "Wenn Du das kannst, lass die CD ruhig laufen." Hach, laissez-faire.

Jedenfalls: Morbid Angel waren im Club Vaudeville in Lindau. Text findet Ihr nebenan, per Klick drauf könnt Ihr meinen Artikel lesen. Erschienen ist der Artikel in der Dienstagsausgabe der Lindauer Zeitung. Mehr Fotos gibt's unter schwaebische.de/morbidangel,

Montag, 17. November 2014

Pitchfork streamt "Pulp: A Film About Life, Death and Supermarkets"

Pulp sind ja auch so genial. Von allen Britpop-Bands fand ich eigentlich immer Blur am coolsten. Aber vor einiger Zeit hatte ich eine Epiphanie und dann wurde mir bewusst, wie großartig "Common People" eigentlich ist. Jetzt postet Pitchfork auf Youtube den Film "Pulp: A Film About Life, Death and Supermarkets". Der Streifen dreht sich natürlich um Pulp und ist ein Mix aus Konzertmaterial, Interviews und Traumsequenzen.

Sonntag, 16. November 2014

Greetings from Flashbackville: Heute mit Staind

Ja ich geb zu: Ich stand mal riesig auf Staind. Ich hab dem Debüt "Break The Cycle" der Alternative-Rocker seinerzeit eine ausführliche Plattekritik gewidmet. Die grungige Weinerlichkeit von Songs wie "Outside" und "It's been awhile" lockten mich, und die härteren Songs fand ich auch gelungen. Dann hab ich die Band aus den Augen verloren. Aber manchmal muss man sowas einfach wieder mal auflegen. "So Far Away" stammt zwar nicht von "Break The Cycle", könnte aber gut auch auf der Platte vertreten sein.

Samstag, 15. November 2014

Was mir zu "Smells Like Twen Spirit" eingefallen ist

Spannung, Spaß und Spiel - oder so: Das Pascow-Box-Set.
                                                        Foto: Tinnitus Attacks
Pascow schaffen es mit ihrem neuen Album "Diene der Party" ziemlich weit nach oben in meinen Jahres-Top-Ten. Ist ja bald auch schon wieder Zeit für Jahresrückblick und so.

Was das aktuelle Werk der Punkrocker aus Gimbweiler für mich noch ein Stück wichtiger macht, ist eine persönliche Geschichte. Denn zum Song "Smells Like Twen Spirit" konnte man ja einen Text einreichen, der mit etwas Glück im Buch zur LP veröffentlicht werden sollte. Das hab ich zwar nicht geschafft, aber Pascow fanden die restlichen Texte so gut, dass sie sie nicht unter den Tisch fallen lassen wollten. Und inzwischen ist das Box-Set, das nun extra produziert wurde, da. Obwohl es erst am 7. November auf den Markt kam, ist es schon vergriffen. Das Album gibt's auf Tape (plus Download), im Buch sind die 50 Texte versammelt (unter anderem meiner) und das Ganze kommt in einer Papp-Box mit aufgesprühtem Schriftzug. Seit ich das Set hier hab, ist mir wieder klar, wie sehr mir Kassetten eigentlich fehlen. Klar, Nostalgie und so. Aber wenn man seine Jugend mit dem Zusammenstellen von Mixtapes verbracht hat, ist es echt ein ganz seltsames Gefühl, in Zeiten von Spotify und Co. mal wieder eine Kassette einzulegen.

Aber bevor ich jetzt alte Dino-Stories auspacke, lest lieber meinen Text, der in "Smells Like Twen Spirit" abgedruckt ist:

Doch schon so spät

Von Daniel Drescher

Und Du schaust auf die Uhr und stellst fest, dass die vergangenen 20 Jahre an Dir vorbeigerast sind wie ein ungebremster Expresszug. 2014 hätte Kurt Cobain seinen 47. Geburtstag gefeiert. Doch der Grunge-Musiker wurde 1994 durch seinen frühen Tod zur Ikone. Mit 27 starb er. Im Blut eine Überdosis Heroin, im Kopf eine Kugel. Cobain beging Suizid, auch wenn sich gewagte Verschwörungstheorien um sein Ableben bis heute halten.

Den damals jungen Erwachsenen, die der kanadische Schriftsteller Douglas Coup im gleichnamigen Roman so treffend als „Generation X“ portraitierte, hinterließ Cobain Songs, die ihnen aus der Seele sprachen.

Zum Beispiel "Smells Like Teen Spirit", den großen Hit mit der Textzeile, die heute noch ebenso bedeutungsschwanger klingt wie damals: "Here We Are Now, Entertain Us." Wenn Kurt Cobain diesen Song heute veröffentlichen würde, klänge das vielleicht anders. Die Welt ist eine andere. Damals – wie seltsam das klingt, wenn man selbst Anfang 30 ist – war es eine Welt ohne Smartphones. Ohne permanente Verfügbarkeit von Musik im Internet. Ohne digitalen Exhibitionismus auf Facebook und Twitter; ohne die im Sekundentakt aufschlagenden Statusmeldungen, die im besten Fall nützlich, oft genug aber auch heiße Luft sind. Vielleicht müsste der Song dann „Smells Like Twen Spirit“ und die wichtigste Textzeile heißen: "Haltet ein, es ist zu viel Entertainment." Kurt, der den Rummel um seine Person nie verstanden hat – würde er sich im Netz profilieren und feiern lassen? Würde er Selfies posten? Weiß niemand. Das Gefühl sagt: vielleicht eher nicht. Was wäre, wenn er noch leben würde? Wären Nirvana noch so groß wie Anfang der 90er, als Grunge der Klang einer Generation, der Sound einer Szene war? Und wäre der frühere Nirvana-Schlagzeuger Dave Grohl der – gleichwohl sympathische – Rockstar, zu dem ihn sein Erfolg mit den Foo Fighters gemacht hat? Themen für den Musiknerd-Stammtisch. Man darf es für bittere Ironie halten, dass vermutlich erst der Tod Kurt Cobains den Weg zum Riesenstatus der Foo Fighters geebnet hat. Grohl beschäftigt der Tod immer noch, wie man auf dem Foo-Fighters-Album "Wasting Light" 2011 sah: "I Cannot Forgive You Yet" formulierte er im Song "I Should Have Known". Die Zeit heilt alle Wunden? Nicht unbedingt.

Kurt Cobain wurde keine 30. Er starb in der Zeit, die mancher für die beste Zeit im Leben hält: den Goldenen 20ern. Für Kurt Cobain waren die 20er nicht nur golden, trotz Ruhmes und Rummels. Sie waren auch "blue", traurig, und "black" müssen sie auch gewesen sein, düster wie das schwarze Loch der Depression. Darin ist er versunken.

Je nachdem, wen man fragt, sind die Goldenen 20er eine historische Ära oder aber das altersmäßige Nonplusultra. Unverbaut liegt die Zukunft vor Dir. Alles scheint möglich. Der Geist der 20er. Eben noch hast Du am Abi-Ball voller Illusionen im Kopf "Freiheit!" gerufen und das Ende der Schule als Startschuss fürs richtige Leben begriffen. Gut, später stellt sich heraus, dass diese Freiheit mit Steuererklärungen erkauft sein will. Mit Autoreparaturen, mit Versicherungspolicen und Altersvorsorge. Trotzdem: Die Twens gehen mit breiter Brust durchs Leben. Ihnen gehört die Welt. Den Führerschein hast Du nicht erst seit gestern, in den USA darfst Du mit 21 endlich Alkohol trinken. Und Du hast so viel auszuprobieren – vor allem Dich selbst. Studium, erste eigene Wohnung, weg von zuhause. Geht eine Beziehung in die Brüche, sind vielleicht noch keine Kinder und keine Ehe im Spiel. Die 20er sind unbeschwert. Relativ. Nähern sie sich dem Ende, wird den meisten klar, dass "da draußen" nicht das ersehnte Rockstar-Dasein auf Dich wartet, sondern ein Job, der gemacht werden muss, damit am Ende des Monats Geld auf dem Konto landet. Du kommst zu der Erkenntnis, dass die Plattensammlung manchmal zurückstecken muss, wenn Du Dein Einkommen in Alltagskram wie Umzugskartons stecken musst. Dass Klassentreffen zu Weihnachten immer auch eine Art Status-Schwanzvergleich sind. Mein Auto, mein Haus, mein Lifestyle.

Und während die anderen um Dich herum erwachsen werden, ein Aktiendepot anlegen und heiraten, interessierst Du Dich vielleicht weiter für Bands, die Deine Freunde nur deshalb kennen, weil Du stolz deren verwaschene Tour-Shirts zur Schau trägst. Du kannst immer noch über die infantil-debilen Späße von Beavis und Butt-Head lachen, während der eine Typ aus Deiner alten Clique plötzlich keinen Spaß mehr versteht, wenn es um die heilige Pflicht der Kehrwoche geht.

Plötzlich sind sie rum, die 20er. Der Expresszug, weißt Du noch? Zu Deinem 30. schenken sie Dir dieses pseudolustige T-Shirt: „Ich bin 30 – bitte helfen Sie mir über die Straße.“ Lass Dich nicht irre machen: Die 30er sind nicht so schlecht, wie einige tun. Niemand legt einen Schalter um, der Dich plötzlich zwingt, jeden Samstag das Auto zu waschen, Jazz zu hören und den All-inclusive-Urlaub auf einer überlaufenen Baleareninsel zu buchen. Die 30er sind wirklich nicht so übel. Du bist – hoffentlich – kein Praktikant mehr, kennst Dich selbst, weißt, was Du willst und welche Kompromisse Du niemals eingehen würdest. Du stehst im Leben. Wie chaotisch das auch immer sein mag. Und wenn andere Dich schief anschauen, weil Du immer noch Poster an der Wand hast statt Picasso: egal. Mit Musik kannst Du in Würde altern. Johnny Cash hat es bewiesen. Keine Angst.

ENDE.

Eine Plattenkritik zu Pascows "Diene der Party" lest Ihr hier, einen Konzertbericht aus Lindau hier.

Donnerstag, 13. November 2014

Video: Kraftklub - In Schwarz



Was für ein großes Video! Heute haben Kraftklub ihren neuen Clip veröffentlicht. "Wie Ich" ist extrem einfallsreich illustriert. Mehr dazu sagen wäre unnötiges Spoilern. Insofern: Einfach anschauen.

Und dann meine Rezi zu "In Schwarz" lesen. Danke.

Mittwoch, 12. November 2014

Against Me! bei Q



Ein paar erhellende Minuten, in denen Against Me! bei Q zu Gast sind: Frontfrau Laura Jane Grace spricht über ihre Freundschaft zu James Bowman, dem einzigen außer ihr in der Band verbliebenen Mitglied der Anfangszeit.

Das aktuelle Album "Transgender Dysphoria Blues" gehört klar zu den Highlights des Jahres, wenn Ihr mich fragt. Sehr empfehlenswert dazu auch die Doku "True Trans", die ein Licht auf die Hintergründe wirft.

Dienstag, 11. November 2014

SZene-Hörtest: Foo Fighters - Sonic Highways

Ich war skeptisch. Klar war es ambitioniert, in acht Städten aufzunehmen. Klar ist "Sonic Highways" kein zweites "Wasting Light". Das wäre ja auch langweilig. Aber: Eine Enttäuschung, wie manche finden, ist das neue Album der Foo Fighters garantiert nicht. Es hat alles, was diese Band großgemacht hat. Und nach einem Blick auf die erste Folge der dazugehörigen Doku-Reihe kann ich nur empfehlen, dass man sich mit diesem Gesamtkunstwerk eingehen auseinandersetzt. Eine ausführliche Besprechung des Albums aus meiner Feder ist heute auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr den Artikel lesen - oder auch bei schwäbische.de.

Montag, 10. November 2014

The Gaslight Anthem bei den Cardinal Sessions



Ich liebe The Gaslight Anthem. Ich liebe die Cardinal Sessions. Und beides zusammen - ach, bevor es zu kitschig wird, schaut Euch einfach die Videos an. "1000 Years" und "Wherefore Art Thou, Elvis?" gibt's zu bestaunen, wie sie von Brian Fallon und Alex Rosamilia gespielt werden.

Freitag, 7. November 2014

Siena Root rennen bei mir offene Türen ein

Früher haben mich meine Freunde immer ausgelacht, wenn ich ankam und gesagt hab: "Ich hab eine voll geile neue Band entdeckt." Dann hab ich meistens Sachen wie Kiss oder AC/DC gemeint, die schon ewig existieren, aber erst so nach und nach auf meinem Radar auftauchen - damals zum Beispiel, weil ich den 70er-Flash bekam.

Übrigens hab ich da eine voll geile neue Band entdeckt. Zwar auch schon länger unterwegs, aber ok. Kam ich drauf, als ich diese News für Finestvinyl geschrieben habe. Siena Root haben es mir echt angetan. Mit ihrem klassisch (wie in Classic Rock) angehauchten Psychedelic-Rock rennen die Schweden bei mir offene Türen ein. Farin Urlaub hatte so Recht: Jag Älskar Sverige! Gleich eine ältere Platte namens "Far From The Sun" bestellt. Den Song "Waiting For The Sun" zeig ich Euch hier mal:

Donnerstag, 6. November 2014

Video: Cymbals Eat Guitars - Warning



Die stehen noch auf meiner To-do-Liste: Cymbals Eat Guitars. Schon viel Gutes gehört über das Indierock-Quartett aus New York. Und das Video zu "Warning" bestätigt diesen Eindruck schon mal. Jemand Tipps, mit was man da einsteigen sollte? Wer will, kann einen Kommentar dalassen.

Mittwoch, 5. November 2014

Murder by Death: Neues Album "Big Dark Love" kommt im Februar 2015

Manchmal ist es gruselig. Da fragen die Southside-Veranstalter nach Bandwünschen für 2015 und ich kommentiere: "Murder by Death". Kurz drauf seh ich: Murder by Death haben soeben das neue Album angekündigt. Dass es bei den Indie-Folk-Düsterlingen aus Bloomington, Indiana, nicht immer mit rechten Dingen zugeht, war mir schon klar. Dieser verwunschene, rumpelige Geisterstadt-Sound ist so poetisch, so makaber und so groß, dass ich nur Superlative ins Hirn bekomme. Jedenfalls: "Big Dark Love" soll am 3. Februar 2015 erscheinen via Bloodshot Records. Wie schon beim Vorgänger "Bitter Drink, Bitter Moon" wird es eine Kickstarter-Kampagne dazu geben. Über das neue Album sagt die Band auf der Internetseite zur Crowdfunding-Aktion: "With Kevin Ratterman engineering and John Congleton mixing, we made the biggest sounding record of our career and we are extremely proud of it. It's called Big Dark Love because it is a collection of non-traditional love songs." Ich bin gespannt.

Oh, und ich hab "In bocca al lupo" wirklich noch nicht in der Galerie der Klassiker abgehandelt? Das hol ich nach. Versprochen.

Hier nochmal der Song, mit dem für mich alles angefangen hat bei dieser Band:

Sonntag, 2. November 2014

Greetings from Flashbackville: heute mit den Spiritual Beggars



Ich hab grad einen heftigen Flashback. Die Spiritual Beggars haben mich Ende der 90er Anfang der 2000er rasant begeistert. "Ad Astra" ist einer der absoluten Hammerklassiker in meinem Plattenschrank. Dann kam der Sängerwechsel und ich war raus. Wobei die "Earth Blues" echt in Ordnung war. Aber mir fehlt die markante Stimme von Spice. Die Videos von Amateurfilmern auf Youtube sind nicht der Hammer, aber sie zeigen die Band so, wie ich sie beim Metal 2000 auch erlebt habe: Roh und mit großer Spielfreude.

Samstag, 1. November 2014

Hörtest: Lagwagon - Hang

"Lagwagon sind die amerikanischen Die Ärzte", meinte ein guter Freund auf dem Southside Festival vor ein paar Jahren zu mir. Joey Cape und seine Band stand auf der Bühne, spielten großartige Songs wie die Trennungs-Schnauzbart-Anekdote "Razor Burn" und meinen persönlichen Favoriten "Falling Apart" - und zwischendurch gab es genauso schwachsinnige Ansagen wie bei den Berlinern BelaFarinRod. Lagwagon waren für mich immer eine coole Band, Joey Cape ein begnadeter Songwriter. Sein Soloalbum "Bridge" enthält einen Song, der wirklich einer meiner ewigen Favoriten ist: "The Ramones Are Dead", eine herzenswärmende Betrachtung über Plattenläden und Musikliebe. Live hab ich ihn im Club Vaudeville vor ein paar Jahren erlebt (mit Jon Snodgrass und Chad Rex zusammen). Also: Gute Band, solide Platten, ein paar schöne Erinnerungen. 

Aber: Dass mich das neue Album dermaßen umhaut, hätte ich nicht erwartet. "Hang" ist das erste Studioalbum seit neun Jahren. In der Zwischenzeit hat Joey Cape unter den Bannern von Bad Astronaut, Scorpios und Bad Loud Alben veröffentlicht, er ist mit "Me First and the Gimme Gimmes" für die coolsten Coverversionen ever verantwortlich und auch als Labelmacher und Produzent tätig. "Hang" ist eine Überraschung. In jeder Hinsicht. Punkrock pur, aber dabei verzichten Lagwagon auf stumpfe Klischees, platte Polka-Rhythmik und ausgelutschte Parolen. Uns allen war doch immer klar, das Joey Cape ein großartiger Songwriter ist. Aber auf "Hang", das ist echt nochmal ne Schippe obendrauf. Die Songs sind so versiert und clever aufgebaut. Wie bei "In Your Wake" plötzlich ein cleaner Gitarrenpart kommt, nur um dann die Schrauben wieder anzuziehen und zu explodieren - wow.

Die Gitarrenarbeit ist dann auch das, was "Hang" weit aus der Masse der Veröffentlichungen raushebt. Das Riffing in "Made Of Broken Parts" oder die fast schon metallische Twin-Guitar-Passage ab Minute fünf in "Obsolete Absolute". Dann "One More Song", mit dem Joey Cape seinem im Juli 2012 vestorbenen Freund Tony Sly (No Use For A Name) Tribut zollt: Der Titel schöpft laut Label aus dem Schlussgesang von Sly’s Solotrack "LIVR Let Die". Label/Promoagentur Uncle M zitiert Joey Cape dazu: "Die letzten Tage, die wir zusammen auf Tour waren, hat er ein Lied geschrieben und für mich gespielt, und es war unbeschreiblich", sagt Cape über die Inspiration des Songs. "Was ist mit diesem Lied passiert? Ich kann mich nicht entsinnen. Ich kann mich nicht gut genug daran erinnern, um zu sagen, "das ist das letzte Lied, das Tony je geschrieben hat."

Tod, Trauer, Verlust und Alter - große Themen, die das Album verhandelt. Und es wirkt auch so, als seien die Songs erwachsener, reifer, ausgeklügelter. Das kommt wohl mit der Zeit. Trotzdem haben Lagwagon ihre gute Laune nicht verloren und schaffen es, dem Zuhörer ein breites Grinsen aufs Gesicht zu musizieren. Und wenn mit "You Know Me" die Platte ausklingt, ist klar: Eben hast Du eine der besten Platten dieses Jahres gehört.

"Hang" von Lagwagon ist am 31. Oktober erschienen. Im Youtube-Kanal von Fat Wreck Chords könnt Ihr die Songs des Albums hören.