Sonntag, 28. September 2014

Hörtest: Opeth - Pale Communion

Prog ist eine ganz eigene Welt. Diese Platte hier dient als Eintrittskarte, und wenn man einmal dort ist, möchte man mehr sehen. Vorteilhaft: Wenn man kein Opeth-Fan der ersten Stunde ist. 

Eins vorab: "Pale Communion" ist für mich das erste Album von Opeth, das ich höre. Trotz Metal-Sozialisation Ende der 90er und zeitweise ausgeprägtem Hang zu Progressive-Klängen (Dream Theater, Rush, Vanden Plas, Spock's Beard) sind Opeth irgendwie an mir vorbeigegangen. Wobei mir immer klar war, dass ich damit eine großartige Band ignoriere (so wie ich es auch mit Porcupine Tree gehandhabt habe). Irgendwas hat mich jetzt an "Pale Communion" gereizt - und ich bin entzückt. Was für ein Album!

Schon der Einstieg mit "Eternal Rains Will Come" haut einen völlig aus den Socken, wenn man sich so wie ich früher an den ausufernden Gniedel-Orgien von Bands wie Fates Warning und anderen Prog-Helden erfreuen konnte. Und dann das elfminütige Epos "Moon Above, Sun Below" (man stelle sich den Titel mal wörtlich vor, und schon hat man ein typisches Prog-Plattencover): verschachtelt, raffiniert, unglaublich harmonisch und trotzdem keine Weichspüler-Musik - das muss man erstmal komponieren. Klar, man kann immer rumheulen dass das Musik für Musiklehrer ist, weil Gitarrenfreaks, Drum-Tiere, Harmoniesuchtler und eben verschiedene Soundjünger etwas finden, worauf sie sich konzentrieren können. Aber Opeth haben hier wirklich seelenvolle Musik kreiert, an der man sich ob des Detailreichtums kaum je wird satthören können. Mancher Fan hat sich in der Vergangenheit von der Band abgewendet, weil sie nicht mehr so hart sind wie früher. Wer allerdings einer Band verzeihen kann, wenn sie sich vom Death Metal verabschiedet und nach und nach neue Einflüsse verarbeitet, der ist hier richtig. Für mich jetzt relativ bequem, weil ich eben nichts vorher kannte - das allerdings nachholen möchte. Erstaunlich, dass die 1990 gegründete Band aus Schweden so lange an mir vorbeiging. Aber das ist jetzt vorbei.

So souverän, wie Mikael Akerfeld und seine Mitstreiter hier durchdachte Gesangslinien, virtuose Gitarrenharmonien und vertrackte Rhythmen zu einem überzeugenden Ganzen verweben, macht kaum jemand sonst Musik. Die Songs sind wie guter Wein: Sie brauchen Zeit zum Atmen. Keiner ist kürzer als viereinhalb Minuten, wobei sie für Prog-Verhältnisse ja noch relativ kompakt sind. Trotzdem: Man muss Zeit aufwenden, um die Stücke zu begreifen, hat dann aber Kost, die sich nie so schnell abnutzen wird wie vielleicht manch andere Platte, die nur Hits hat, aber nach zweimal Hören langweilig wird. Musikalische Offenheit ist übrigens ebenfalls Pflicht für den Genuss, denn Streicher, Jazz-Sprenkel und viel mehr gibt es hier zu entdecken. Das Album ist übrigens in den Rockfield Studios in Wales entstanden. Dort haben schon Rush, Mike Oldfield und unzählige andere Bands und Musiker aufgenommen. Passt irgendwie, denn auch Opeth schöpfen aus völlig unterschiedlichen Quellen. und die werden vermutlich nicht so schnell versiegen.

"Pale Communion" von Opeth ist am 22. August via Roadrunner erschienen. Mehr Infos unter www.opeth.com

Freitag, 26. September 2014

Hörtest: Kraftklub - In Schwarz

Das Gleiche in Grün, äh, Schwarz: Kraftklub machen nicht viel anders auf ihrem Zweitwerk. Muss aber auch gar nicht sein - das Album ist auch so richtig gut geworden. 

Es dauert keine fünf Sekunden, da springt einem der Opener "Unsere Fans" mit der Hives-Gedächtnisgitarre ins Gesicht, die gleich darauf sogar noch eine Spur bissiger wird. Kraftklub haben auch auf "In Schwarz" ihren Spaß daran, Zitat-Raprock zu spielen. Bei "Ein paar Beispiele: "Alles wegen Dir" bedient sich bei Franz Ferdinand. In "Wie ich" kommt der typische Strokes-Gitarrensound ab 0:48 zum Zug. Bei "Mein Rad" klingen die nöligen Josh-Homme-Gitarren der Queens of the Stone Age durch (ab 2:10). Und im letzten Song "Deine Gang" kommt plötzlich ein Groove, der sich an Norman Greenbaum ("Spirit in The Sky") und ZZ Top orientiert.

Aber: Dieses Spiel mit Zitaten nimmt man Kraftklub keine Sekunde übel. Denn die Chemnitzer betten die Versatzstücke in einen eigenen Kontext. Zugegeben: Ein paar mehr Anläufe hat es bei mir mit dieser Platte gebraucht. Anfangs fand ich manches zu konstruiert und anderes dafür zu uninspiriert. Vor allem in den Refrains. Und klar, die Schemata sind auch immer gleich. Oft ähneln sich Beats und sogar der Sprechrhythmus wirkt schon so vertraut, dass man ein Abo abschließen kann. Aber: Das ist gut so. Für Platz eins in den Charts hat es jedenfalls schon mal gereicht. 

Gibt man der Platte ein wenig Zeit, zünden eigentlich alle Songs. Mich hat etwa "Schüsse in die  Luft" gekriegt. Kritik an der Lethargie der Menschen, aber ganz clever getextet: "Allen ist alles egal, außer der Handyvertrag/mit 390 Euro kommt man nicht weit im Biomarkt". Überhaupt: Was Kraftklub für mich so sympathisch macht, ist vor allem der charmant-prollige Tonfall von Felix Brummer. Und Zeilen, die man zitieren kann, liefert er hier auch im Sekundentakt. "Selbst die Frida Gold Single ist...nein, ist sie nicht", ist so ein Moment. Und es gibt Dutzende andere, die ich hier nicht spoilern werde. 

Was auffällt: Die Vorab-Singles "Hand in Hand" und "Unsere Fans" täuschten eine Härte vor, die das Album nicht einlöst. Und "Blau" bedient sich thematisch an "Ich lieb Dich nicht", ist aber wenig originell. Dafür versuchen Kraftklub, dem Sound ihres Debüts ein paar neue Facetten hinzuzufügen. Richtig gut klappt das in "Meine Stadt ist zu laut". Mit bitterer Ironie besingen Kraftklub hier das Phänomen der Gentrifizierung und bringen die Thematik prächtig auf den Punkt. "Schöner Tag" protzt mit mächtigen Gitarren, die wie aus einem dissonanten Metal-Stück geliehen wirken. Ein Gastauftritt von Casper setzt dem Song die Krone auf. Und während die Songs auf Platte so nach und nach wachsen und man sich ertappt, wie man lieber gleich nochmal die schwarze statt der weißen Kraftklub-Platte auflegt, soll es live noch mehr abgehen. Das hat sich schon bei den Gigs der "Konvoi in Schwarz"-Tour gezeigt. Das muss auch noch gesagt sein: Eine verdammt clevere Marketing-Kampagne, die sich das Quintett da ausgedacht hat. Angefangen beim Versteckspiel mit der ersten Single "Hand in Hand", gelungenen Festivalauftritten wie beim Southside bis zu den Exklusiv-Kostenlos-Gigs: So macht man sich zum Gesprächsthema. Kraftklub sind angekommen - und bleiben hoffentlich noch lange.  

"In Schwarz" ist am 12. September via Vertigo Berlin erschienen. Hier noch das Video zu "Unsere Fans". 

Mittwoch, 24. September 2014

Get Well Soon veröffentlichen drei neue EPs


Staying Home - GET WELL SOON from GET WELL SOON on Vimeo.

Get Well Soon veröffentlichen neue Musik: Im November werden drei EPs des Indie-Orchesters erscheinen. Auch eine Tour ist geplant.

Jede der drei EPs soll laut Band ein eigenes Themen-Spektrum sowie ein eigenes Veröffentlichungs-Datum haben. "Es sind Projekte, die ich schon seit Langem vorhatte, die aber nicht zusammen auf ein Album passen und einzeln nicht kein ganzes Album füllen sollten", sagt Mastermind Konstantin Gropper. Die EPs werden in begrenzter Stückzahl veröffentlicht, auf Zehn-Zoll-Vinyl und digital. Vorbestellen kann man die EPs unter http://love-your-artist.de/get-well-soon.

Die erste EP "The Lufthansa Heist" kommt am 7. November.

Titelliste:
1. The 4:3 Days
2. A Night At The Rififi Bar
3. The Pope Washed My Feet In Prison
4. Sci-Fi Gulag
5. Staying Home

Gropper dazu: "Ich weiß nicht genau, ob es eine verfrühte Midlife-Crisis oder eine zweite Pubertät war, ein reiner Anfall von Nostalgie oder eine Sinnkrise, die zur Frage führte: Warum hab ich damit nur angefangen? Jedenfalls hat es mich zurück geführt zu der Musik, wegen der ich mir damals eine Gitarre haben und eine Band gründen wollte. Ich glaube, das hieß mal College Rock oder so. Und ich schwöre, ich habe wieder Pickel gekriegt, als ich die Songs aufgenommen habe."

Die zweite EP trägt den völlig kompakten Namen "Henry - The Infinite Desire of Heinrich Zeppelin Alfred von Nullmeyer" und kommt eine Woche später am 14. November.

Titelliste:
1. Henry
2. Age 14, Jumping Off The Parents‘ Mezzanine
3. Promenading Largo Maggiore, You Wouldn‘t Hold My Hand
4. Mail From Heidegger
5. You Will Be Taken Care Of

Auch dazu gibt's ein Statement von Herrn Gropper: "Dies ist eine Reverenzerweisung an einen meiner Lieblingsautoren: Arnold Stadler. Vielleicht auch ein Gruß zu seinem diesjährigen, 60. Geburtstag. Vor allem sein Roman „Der Tod und ich, wir zwei“ beschäftigt und inspiriert mich schon seit langem. Diese fünf Songs sind nun eine musikalische Hommage an dieses sehr romantische, tiefschwarze, kluge und unglaublich lustige Werk. Selbstmitleid, krumme Lebenswege, Angst vor dem Alleinsein, die Lächerlichkeit des Daseins und vor allem die große Sehnsucht stecken darin. Getreu einem der großen Sätze Stadlers: „Einmal auf der Welt und dann so.“
Inhaltlich könnte ich da ewig darüber sprechen, empfehle aber lieber wärmstens die Lektüre des Romans. Ich hoffe allerdings, die Musik funktioniert auch einfach so."

 Die dritte EP enthält Coverversionen, heißt "Greatest Hits" und kommt am 21. November.

Titelliste:
1. Lucifer Rising II
02. Careless Whisper
3. Oh My Love
4. Always The Sun
5. Rocket Man
6. Until I Die

Gropper dazu: "Coverversionen haben bei Get Well Soon ja eine gewisse Tradition. Diese EP ist nur eine kleine Auswahl von Songs, die ich gerne neu interpretieren wollte. Mein lang gehegter Plan war eigentlich, auf einer Platte nur Welthits zu covern (weil ich dachte, da kann man was lernen).  Der ist auf dem Weg etwas verloren gegangen. Daher sind es jetzt zur einen Hälfte Welthits und zur anderen eher Geheimhits. Diese Versionen sind über die Jahre aus verschiedenen Gründen und zu verschiedenen Gelegenheiten entstanden. Ich hoffe, die Auswahl ist kontrovers genug."

Die Tour zu den EPs kommt im Januar 2015.

Um diese Songs auch gebührend zu präsentieren und natürlich um Euch mal wieder persönlich zu treffen, gibt es zu den EPs auch eine kleine, spezielle Tour im Januar. Drei verschiedene Sets werden pro Abend präsentiert. Mehr verrät die Band noch nicht. Tickets gibt's unter http://love-your-artist.de/get-well-soon

Hier sind die Gigtermine:

20. 1. Leipzig UT Connewitz

21. 1. Berlin Heimathafen

22. 1. Bochum  Bhf. Langendreer

23. 1. Frankfurt Brotfabrik

28. 1. München  Freiheiz

29. 1. Wien  Porgy & Bess

30. 1. Innsbruck Weekender

31. 1. Stuttgart  Wagenhallen

Das Video zu "Staying Home" von der "The Lufthansa Heist" EP seht Ihr oben. Gropper dazu: "Let‘s party like it‘s 1994!"

Dienstag, 23. September 2014

Boysetsfire und KMPFSPRT veröffentlichen gemeinsame Benefiz-Split-7''



Die amerikanischen Hardcore-Schroter Boysetsfire und KMPFSPRT, die deutschen Hot Water Music, machen gemeinsame Sache: Gemeinsam werden die beiden Bands eine Seven Inch via Uncle M veröffentlichen. Das auf 300 Exemplare limitierte Stück wird einseitig bespielt und auf der Rückseite mit einem farbigen Siebdruck versehen sein. Die Trackliste - ein Song pro Band - soll laut Uncle M sehr speziell sein und für Überraschungen sorgen. Wir sind gespannt...

Derzeit befinden sich die Songs im Mastering. Veröffentlichung soll im Winter sein. Die Einnahmen kommen der Umweltschutzorganisation Sea Shepherd zugute. Meine Lieblingssongs von beiden Bands sehr Ihr in den Clips oben und unten.

Beide Bands sind im Herbst auch auf Tour. Hier die Daten:

BOYSETSFIRE - Live
01.10. DE - Hamburg - Grünspan + This Routine is Hell *
02.10. DE - Hamburg - Grünspan + The Tidal Sleep +
03.10. DE - Hamburg - Grünspan + Crazy Arm # (sold out)
04.10. DE - Köln - Bürgerhaus Stollwerck + Hell&Back * (sold out)
05.10. DE - Köln - Bürgerhaus Stollwerck + Crazy Arm acoustic + (sold out)
06.10. DE - Köln - Bürgerhaus Stollwerck + WolfxDown # (sold out)
07.10. DE - Berlin - Lido + GWLT * (sold out)
08.10. DE - Berlin - Lido + KMPFSPRT +
09.10. DE - Berlin - Lido + Irish Handcuffs # (sold out)
10.10. DE - Leipzig - UT Connewitz (sold out)
11.10. AT - Wien - Szene + Empowerment * (sold out)
12.10. AT - Wien - Szene + Fjort +
13.10. AT - Wien - Szene + Smile and Burn #
* "After The Eulogy"
+ "Tomorrow Come Today"
# "The Misery Index"


KMPFSPRT - Live
Tickets: http://unclem.merchcowboy.com/tickets.html
26.09. DE - Solingen - Getaway
03.10. DE – Dortmund – FZW + Casper (Visions 25th Anniversary)
08.10. DE - Berlin - Lido + Boysetsfire
09.10. DE - Augsburg - Kantine
10.10. DE - Köln - Underground*
11.10. DE - Frankfurt - 11er*
12.10. DE - Mannheim - Juz*
13.10. DE - Gütersloh - Weberei*
14.10. DE - Erlangen - E Werk*
16.10. DE - Hannover - LUX #
17.10. DE - Hamburg - Kleiner Donner #
18.10. DE - Braunschweig - B58 #

20.11. DE - Dortmund, Wesfalenhalle !
21.11. DE - Magdeburg, Stadthalle !
22.11. DE - Bremen, Aladin !
24.11. DE - Münster, Skater’s Palace !
25.11. DE - Mannheim, Alte Seilerei !
27.11. DE - Kiel, Max !
28.11. DE - Cottbus, Stadthalle !
01.12. DE - Jena, Sparkassen-Arena !
* mit Matula
# mit Smile & Burn
! mit Jennifer Rostock

Live bei Conan O'Brien: Beck covert George Harrison



George Harrison-Wochen bei Conan O'Brien - und Beck Hansen macht den Auftakt: Der Indie-Rocker spielt mit seinen Mitmusikern "Wah-Wah" und es klingt gut. Farin Urlaub meinte ja mal "... so schön als hätte George Harrison es geschrieben." Ich glaub, ich muss mich mal noch näher mit dem verstorbenen Beatle beschäftigen.

Montag, 22. September 2014

Nachlese: Umsonst & Draußen in Weingarten

Dass es in einer verhältnismäßig kleinen Stadt wie Weingarten (Württemberg) ein Festival wie das Umsonst & Draußen gibt, kann man gar nicht hoch genug schätzen. Denn auch wenn es mit dem Kulturzentrum Linse und den Angeboten in den Studentenkneipen durchaus was für junges, alternativ angehauchtes Publikum gibt - das U&D ist echt ein Aktivposten für die Stadt. 2011 war das Festival, bei dem Blackmail (!) im oberschwäbischen Hinterland gastierten, mein erster richtiger Eindruck von der Stadt. Und dieses Jahr war es auch richtig gut. Persönliche Entdeckung des Wochenendes: We Are Rinah, die mit ihrem Klezmer-Rock'n'Roll-Sound sehr eigenständig klingen. Und Fiva war auch nicht verkehrt, selbst wenn ich kein Fan von Sprechgesang bin. Die Fotos auf der Zeitungsseite, die heute in der Schwäbischen Zeitung erschienen ist, stammen von mir und Derek Schuh. Per Klick drauf könnt Ihr meinen Text lesen

Samstag, 20. September 2014

Video: Farin Urlaub Racing Team - Herz? Verloren



Farin Urlaub. Für immer unerreichbarer Musik-Riese. Der Beste. Meine Meinung, und mit der steh ich nicht alleine, ist mir klar. Aber es ist halt so: Alles, was der Mann macht, ist verdammt gut. Jetzt seine neue Single "Herz verloren". Wieder blitzt die Ader fürs Schauspielern durch, der Clip zitiert "Psycho" und ist sich auch für schockige Kunstblut-Effekte nicht zu schade. Und die Melodien, diese Melodien! Endlich bald das neue Album "Faszination Weltraum". Kommt am 17. Oktober. Und ich bin gespannt, wieviele Schichten das Wortspiel mit dem Welt-Raum haben wird. Warten wir's ab.

Ein älteres Interview mit Farin Urlaub über seine Musik gibt es an dieser Stelle. Über seine Fotografie hab ich mich auch mit ihm unterhalten, das Interview dazu gibt's hier. Ach ja: Eine etwas brutalere Version des Videos findet Ihr bei VEVO.

Mittwoch, 17. September 2014

Interpol live bei David Letterman



Über den guten Geschmack von David Letterman was Musik angeht, hab ich mich ja auf dem Blog schon ausführlich ausgelassen. Vielleicht es es naiv zu glauben, dass er wegen der in seiner Show auftretenden Bands wirklich auf gute Musik steht. Aber zumindest findet er die Bands so okay, dass er ihre Auftritte unterstützt. Und es ist halt immer nochmal cooler, Bands wie Interpol dort zu sehen als reguläre Videoclips zu sehen. Geht mir jedenfalls so. "All The Rage Back Home", perfekt.

Sonntag, 14. September 2014

Hörtest: J Mascis - Tied To A Star

Sie fühlen sich gestresst vom Alltag? Übermüdet vom Lärm der Großstadt? Ausgelaugt vom ständigen Verfügbar-sein-müssen? Dann haben wir hier was für Sie. J Mascis Songs sind Balsam für die Seele - und Ansporn für alle, die Gitarre spielen. 

Das neue Soloalbum des Musikers, den man von Dinosaur Jr. und noch einer Reihe weiterer Bands kennen dürfte, macht nicht viel anders als der Vorgänger "Several Shades of Why". Dass "Tied to A Star" keine Experimente eingehen wird, zeigt schon das Cover. Wieder märchenhaft, wieder flauschige Gesellen, wieder muss man an Maurice Sendak denken. 

Aber musikalische Weiterentwicklung bedeutet manchmal wohl auch einfach, dass man als Musiker immer besser wird in dem was man tut. Und bei J Mascis hat man den Eindruck, dass die alte Winzerregel zieht. Je älter, desto besser. Was vor ein paar Jahren mit den neuen Alben von Dinosaur JR. anfing (eine der bestmöglichen Reunions), beschert uns nebenbei auch noch richtig gute Soloalben. Alleine, was der Mann mit den langen Haaren und der Hornbrille in "Every Morning" mit seiner Akustischen anstellt, motiviert die Gitarristen unter uns ungemein. Dieses auf einfachen Akkorden beruhende Stück will man sich sofort draufschaffen, die Rhythmus-Patterns ins Hirn bekommen, um am nächsten Lagerfeuer zu glänzen. Gut, ist noch etwas Zeit bis dahin, denn der Sommer ist ja erstmal rum. Und bis dahin kann man sich dann auch einen Stromgitarristen besorgen, der die E-Gitarren-Parts übernimmt. Wenn J Mascis die auf "Tied To A Star" auspackt, klingt es ähnlich cremig wie bei seiner Hauptband. Oder in "Wike Awake", dieses Picking, einfach nur herrlich. Die Nummer könnte auch auf dem "Juno"-Soundtrack stehen. Zwischendurch blitzt dann immer wieder die E-Gitarre auf, es dominieren aber akustische Klänge. Und natürlich dieser typische Gesang, der wirkt, als ob J Mascis mehr für sich selber singt und sich Dinge in seinen (meist nicht vorhandenen) Bart nuschelt. Und dann zeigt er in "Drifter" allen Gitarrenhelden mal noch eben, wie das richtig geht mit dem Power-Strumming. Mit seiner Kopfstimme und dem oft auch unspektakulär dahinplätschernden Songwriting wirkt diese Platte wie aus der Zeit gefallen - aber genau deshalb umso spannender und interessanter. Aufgenommen und produziert hat das Album J Mascis selbst, den Mix besorgte John Agnello. Gastmusiker wie Ken Maiuri (Young@Heart Chorus), Pall Jenkins (Black Heart Procession), Mark Mulcahy (Miracle Legion) und Chan Marshall (Cat Power) sollen nicht unerwähnt bleiben.

"Tied To A Star" von J Mascis ist am 29. September via Sub Pop erschienen. Bei Youtube gibt's ein Video zu "Every Morning". Lohnt sich. 

Samstag, 13. September 2014

Hamilton Leithauser live bei KEXP



Auch so einer, dessen Schaffen ich mir noch erarbeiten muss. Hamilton Leithauser ist Sänger der amerikanischen Indierockband The Walkmen. Ich hab mal einen Song auf dem - ja ich weiß - Soundtrack zu Spiderman 3 gehört. Und dann sind sie mir wieder bei Breaking Bad aufgefallen. "The Red Moon" erklingt, als die Familie nach Walter White sucht. Und jetzt hat Hamilton Leithauser ein Soloablum raus. Was er kürzlich bei KEXP gespielt hat, zeigt jedenfalls Leidenschaft, Kante und Format. Alles, was ich in Musik suche.

Freitag, 12. September 2014

Video: Pascow - Im Raumanzug



 Pascow haben ein neues Video raus. Der Clip zum Song "Im Raumanzug" zeigt...ach, schaut es Euch einfach an. Das Stück stammt vom aktuellen Album "Diene der Party". Eine große Platte, die definitiv zu meinen zehn Top-LPs des Jahres zählt. Solltet Ihr die Chance haben, die Band live zu sehen - tut das. So guten Punkrock hört man nicht allzu oft.

Mittwoch, 10. September 2014

SZene-Hörtest: Interpol - El Pintor

Interpol sind auch so eine Band, die hörst Du aus tausend anderen einfach heraus. Und ihre Musik eignet sich für die kommenden Monate wunderbar. Durchs Laub stapfen und dabei "All The Rage Back Home" im Kofphörer haben. Herrlich. Die neue Platte der New Yorker ist so gut wie man es erwarten durfte.

Eine Plattenkritik von mir dazu ist gestern, Dienstag, auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr sie lesen.

Montag, 8. September 2014

The Fratellis verschenken "Soul Crush"-EP

Die heiß und innig geliebten The Fratellis verschenken eine EP mit dem Titel "Soul Crush", die drei Songs enthält. Die neuen Stücke "They Go Down", "Oh Scarlett" und "Soul Crush" beweist einmal mehr, dass die Reunion der schottischen Pubrocker ein Glücksfall ist. Kaum eine andere Band aus dem UK beherrscht meiner Meinung nach das Spiel mit rotzigen Gitarrenriffs, einprägsamen Singalongs und kompositorischer Klasse so souverän und überragend wie das Trio. "They Go Down" ist dabei schnell und ungestüm und spielt in einer Liga mit Songs wie "Flathead", während "Oh Scarlett" sich verschleppt hin und her wiegt und eine weitere Ode an eine unerreichbare Schönheit ist. Das namensgebende Titelstück "Soul Crush" zeigt mit seinen Pianosprengseln und lässig swingenden Rhythmen, dass Jon Fratelli und seinen Mitmusikern noch lange keine Ideen ausgehen. Sehr lässig. Und im Tausch gegen eine E-Mailadresse ein cooles Dankeschön an die Fans.

Wer mehr zu The Fratellis auf dem Blog lesen will: In der Galerie der Klassiker habe ich "Costello Music" gewürdigt, eine Rezi der aktuellen Platte "We Need Medicine" ist auch da. Und wer nochmal den großen Hit hören will: pitteschön.

Mittwoch, 3. September 2014

Restorations: Neues Album "LP3" kommt am 31. Oktober

Können nicht nur posen, sondern machen auch
gute Musik: Restorations.                  Foto: Uncle M
Schon das Debüt war grandios. Da freut es doch, dass die Restorations ihr neues album "LP3" veröffentlichen werden. Am 31. Oktober erscheint das Album, das das Plattenlabel Uncle M so beschreibt: "Bruce Springsteen trifft Hot Snakes. Swans covern Pink Floyd." Uns erwarten "Shoegaze und Hardcore auf einem Achterbahnsitz mit Post-Punk und Americana." Da sag ich: her damit! Was wir bei NPR schon hören und sehen können, lässt definitiv ein großartiges Album erwarten. Das exklusive, auf 50 Stück limitiertesinyl (clear/blue starburst mit Jutebeutel) könnt Ihr übrigens ab sofort über Finestvinyl vorbestellen.

Dienstag, 2. September 2014

Video: Kraftklub - Unsere Fans



Freitag in einer Woche erscheint das neue Album "#inschwarz", jetzt ist das Video zum Song "Unsere Fans" da: Kraftklub drehen den Spieß um und spielen mit dem Vorwurf des Ausverkaufs. Aber nicht spielen wie in "Schach", sondern spielen wie in "Trinkspiele": Ihr Spielfeld ist ein grelles Schlachtfeld der Klischees. Dabei schrecken sie nicht vor den üblichen Rockstar-Reflexen wie Champagnerbad, Autos, Frauen und Kokain zurück. Selbst Burgerketten-Werbung ist nicht mehr tabu. Wo soll das noch hinführen? Ich schätz mal: Zu einem richtig guten Album.