Sonntag, 29. Juni 2014

Southside-Nachwehen: Ich brauch was von Belle and Sebastian



Noch bei jedem Festival, das ich bisher erlebt habe, gab es Nachwirkungen. Im Sinne von: Band A hat einen fantastischen Eindruck hinterlassen, und da ich noch nichts von Band A im Plattenschrank habe, muss ich diese Lücke unverzüglich füllen. Mit dem Southside 2014 in frischer Erinnerung ist es genauso. Belle and Sebastian nachts um 1 Uhr im Zelt - ich kannte einen Song und dachte, dass ich mich auf diese Art ganz gut mit dem Oeuvre der Indie-Pop-Gruppe vertraut machen könnte. Dass ich aber elf Songs lang mit einem breiten Grinsen im Gesicht vor der Bühne stehen sollte, umhüllt von luftigen Gitarren, Piano-Tupfern, Cello-Klängen und zuckersüßer Songwriting-Kunst, das hätte ich mir nicht träumen lassen. Exemplarisch hört Ihr hier "I didn't see it coming", ich muss aber schauen, dass ich alle Alben zusammenbekomme.

Samstag, 28. Juni 2014

Against Me! live im Studio Q



Studio Q ist ja immer ein Genuss. Und wenn Against Me! auftauchen, ganz besonders. "True Trans Soul Rebel" ist eh einer meiner Lieblingssongs von "Transgender Dysphoria Blues". Insofern: Lautstärke aufdrehen und genießen.

Donnerstag, 26. Juni 2014

Video: Beatsteaks - Gentleman of the Year

So sieht er aus, der "Gentleman of the Year".
                                                       Screenshot: TA
Nachdem die Beatsteaks vor Kurzem bereits den Song "DNA" aus dem kommenden Album veröffentlicht haben, gibt es jetzt das Video zu "Gentleman of the Year" zu sehen. Wetten dass wir die Moves, die Arnim völlig souverän zur Schau stellt, in Zukunft noch öfter auf Konzerten sehen werden? Bei Ampya könnt Ihr das Video anschauen. Regie geführt hat Sander Houtkruijer.

Mittwoch, 25. Juni 2014

Sonntagshighlight beim Southside: Kraftklub

Kraftklub beim Southside 2014.  Foto: TA
Das war ein Auftritt. Kraftklub am Sonntagabend beim Southside - das war erstaunlich. Wie groß diese Band innerhalb kurzer Zeit geworden ist, beachtlich. #inschwarz heißt das neue Album, und das Verwirrspiel darum war in den vergangenen Wochen eines der spektakulärsten Musik-Phänomene der letzten Jahre.

Am meisten überrascht mich dabei, dass ich auf diese Musik überhaupt stehe. Sprechgesang ist für mich eigentlich keine Option, aber bei Kraftklub mache ich eine Ausnahme - was sicher am sonstigen, extrem tanzbaren Sound liegt.

Und live haben sie echt nochmal ne Schippe draufgelegt, obwohl Kempten und Rock am See ja etwa auch schon Auftritte waren, die ich großartig fand.

Auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung ist gestern noch eine Nachlese zum Southside 2014 erschienen. Kraftklub haben dabei eine eigene kleine Konzertkritik bekommen. Den großen musikalischen Festival-Nachbericht verpasst? Dann hier entlang.


Montag, 23. Juni 2014

Southside 2014: Tanzen unterm Riesenrad - meine musikalische Nachlese

Die schlechte Nachricht: Das Southside ist vorbei. Drei Tage, die so rasend vorbeigingen. Die gute Nachricht: Heute ist der längste Abstand zum nächsten Southside, das vom 19. bis 21. Juni 2015 wieder in Neuhausen ob Eck sein wird. Danach geht der Zählerstand runter und die Tage nehmen ab.

Arcade Fire waren am Samstag echt wieder so ein Moment, der mir klarmachte, warum ich Musik liebe und nicht, sagen wir, Briefmarkensammlungen. Ein Headliner wie aus dem Bilderbuch. Wer dieses Spektakel aus dem Riesenrad raus (das es zum ersten Mal hier gab) verfolgt hat, dürfte das auch nicht so schnell vergessen. Ein musikalischer Nachbericht aus meiner Feder über das Festival ist heute auf der Kulturseite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr den Text lesen. Die Bilder stammen von Thomas Melcher. Mehr von ihm findet Ihr auch unter www.schwaebische.de/southside2014.

Auch die SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung am Dienstag steht ganz im Zeichen des Southside. Wer nostalgisch in der Vergangenheit blättern will: Klickt auf 2011, 2012 und 2013, um die Nachberichte zum Southside aus diesen Jahren zu lesen.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Southside 2014: Die Vorfreude steigt

Die Fans reisen bereits an, das Auto ist gepackt und morgen Mittag geht's dann richtig los: Das Southside Festival 2014 beginnt am Freitag. Ich werde (gemeinsam mit ein paar anderen Musikverrückten) wie in den vergangenen Jahren für die Schwäbische Zeitung über den Süd-Zwilling des Hurricane berichten. 

Auf wen ich mich am meisten freue, könnt Ihr anhand der folgenden zehn Videos sehen. 


Mittwoch, 18. Juni 2014

Hörtest: Tommy Gun - Of Roots and Trees

Gemessen daran, wie viele Bands Punkrock spielen, kann das Genre unmöglich tot sein. Viele Musiker tummeln sich im Gitarre-Bass-Schlagzeug-Drei-Akkorde-Becken. Tommy Gun machen da keine Ausnahme - und liefern auf "Of Roots and Trees" eine solide Performance ab. 

Die Innovatoren sind in anderen Ecken zuhause. Punkrock heute hat nicht mehr den Anspruch, neu und aufregend zu sein. Ok, aufregend vielleicht schon. Und überzeugend kann man auch klingen, wenn man es nur will. Tommy Gun kommen jetzt mit ihrem zweiten Album um die Ecke und eifern großen Namen wie Bad Religion nach. Die Route ist klar: Immer nach vorne, wie beim Fußball. Das geht relativ straight und schnörkellos zur Sache, und nach zehn Songs in 28 Minuten ist alles gesagt. Die Lust an dicken Riffs, die sich mit cleanen Zwischentönen abwechseln (Opener "At Any Costs") klingt durch, und logisch, dass auch die guten alten "Ohoohooo"-Chöre nicht fehlen dürfen. "Right now right here" klingt dann mit seinem glorreichen Chorus nach veritablem Hit. Weibliche Unterstützung kommt bei "Breaking me", und bei "Sirens" erfreuen die coolen Gitarrenschlachten. Was man dem Album anmerkt, ist die Lust am Spielen. Das hier ist keine Band, die auf den schnellen Euro schielt. Das muss man den fünf Musikern aus Amstetten anrechnen. Wer allerdings findet, dass im Punk schon alles gesagt ist, kann jetzt wieder The Mars Volta anmachen. 

Und zum Schluss noch etwas konstruktive Kritik: So richtig unverwechselbar klingt das noch nicht, was vor allem auch am Gesang liegt. Aber hey - Album Nummer zwei. Nicht stressen, sondern elementar aufbauen. Jüngst hat der Fünfer aus Österreich die neue Fat Wreck-Entdeckung Get Dead auf Tour begleitet. Da wird also sicher noch mehr kommen.

"Of roots and trees" von Tommy Gun ist im Mai 2014 via Flix Records erschienen. Hier gibt's noch das Video zu "Haste & Time". 

Dienstag, 17. Juni 2014

The Gaslight Anthem: Neues Album "Get Hurt" erscheint am 15. August



Endlich: The Gaslight Anthem veröffentlichen noch diesen Sommer ihr neues Album "Get Hurt". Am 15. August erscheint die Platte der Band aus New Jersey. Und sie wird wohl anders als bisher klingen. Diesen Eindruck jedenfalls vermittelt ein 39 Sekunden langer Teaser auf Youtube. Die Gitarren sind gleichzeitig grungiger und bluesiger. In den Kommentaren spekulieren die Nutzer, ob das ganze Album so klingt, mancher hört Led Zeppelin raus, ein anderer Nickelback...und wie immer wird man das erst beurteilen können, wenn das komplette Album vorliegt. In einer Pressenotiz heißt es: "Auf „Get Hurt“ überführen The Gaslight Anthem ihren organischen, schnörkellosen Rock-&-Roll-Sound immer wieder auf musikalisches Neuland. Immer wieder lässt die Band um Frontmann Brian Fallon auch Folk-, Punk- und Americana-Einflüsse einfließen. Ihr fünftes Album klingt dadurch noch druckvoller und satter, zugleich aber auch sehr viel intimer als all ihre bisherigen Aufnahmen und zeigt, wie sehr sie als Band in den vergangenen 24 Monaten gewachsen sind: So selbstbewusst und gradlinig klangen The Gaslight Anthem noch nie. Entstanden ist "Get Hurt" in den legendären Blackbird Studios in Nashville mit dem Produzenten Mike Crossey (Arctic Monkeys, Jake Bugg)."

Der Vorgänger "Handwritten" war fantastisch, erreichte in D-Land Platz 2 der Chats und in UK und den USA Top-3-Platzierungen. Danach folgten Auftritte im Wembley-Stadion, beim Glastonbury und dem Coachella.

„Get Hurt“ soll dann in vier unterschiedlichen Varianten erhältlich sein: als Standard-CD, signierte Deluxe-CD (mit 12-seitigem Booklet + 3 Bonus-Tracks), Standard-12“-Vinyl (180 Gramm) sowie als Deluxe-2LP (Picture-Disc; Gatefold).

Später im Jahr gibt es dann ein paar Gigs in D-Land:
Deutschland-Konzerte / The Gaslight Anthem 2014
29. Oktober – Düsseldorf, Mitsubishi Electric Hall    
31. Oktober – Berlin, Columbia Halle
01. November – Hamburg, Sporthalle
05. November – Saarbrücken, E Werk
07. November – München, Zenith
13. November – Stuttgart, Porsche-Arena
14. November – Frankfurt, Jahrhunderthalle
Und die Tickets hier: http://po.st/GAtickets

Montag, 16. Juni 2014

Joe Ginsberg kommt auf Tour



Wenn einer mit Chuck Ragan und dessen Revival Tour schon Sympathien gesammelt hat, genießt er diesen Bonus auch als Alleinunterhalter. Sprich: Wenn Joe Ginsberg in Kürze auf Tour kommt, kann er sicher schon mal auf eine verlässliche Fanschar bauen, die ihn bereits kennt. Im August ist der Mann, den man sonst eben als Kontrabassist kennt, erstmals auf Headliner-Tour quer durch Europa unterwegs. Im Juli vergangenen Jahres veröffentlichte er die Debüt-EP "You are guarded by the daylight, we are losing in the nighttime".

Ginsberg wird begleitet vom Hamburger Singer/Songwriter John Allen, der Tinnitus-Attacks-Lesern zum Beispiel vom Auftritt in Lindau als Support von Frank Turner bekannt sein dürfte. Nach einem Debütalbum und einer EP über Flix Records wird sein neues Album "Sophomore" im Sommer via Gunner Records veröffentlicht.

Hier die Tourdaten:
08.08. Metz, La Chaoueé
09.08. München, Free And Easy Festival w/ Ghost Of A Chance
10.08. Berchtesgarden, Kuckucksnest
11.08. Wien, Das Bach
12.08. Bad Kreuznach, The Majik Lounge
13.08. Meppen, Jugendzentrum
14.08. Oberhausen, Druckluft
15.08. Altenburg, Finnegans
16.08. Berlin, Ramones Museum

Sonntag, 15. Juni 2014

Hörtest: Jack White - Lazaretto

Vielleicht ist Jack White im falschen Jahrhundert geboren. Er würde so gut zu einer fahrenden Zirkustruppe passen, so á la Dr. Parnassus. Andererseits: Es läuft ja auch in der Gegenwart ganz gut für Mr. White. "Lazaretto" untermauert den Status des bleichen Gitarristen und Sängers. 

Drama, Folklore, Epos: Jack White wird nie in den Ruf kommen, kühl und rational an seine Songs heranzugehen. Obwohl die Instrumentierung durchaus durchdacht und bisweilen bis zum letzten durchgestylt wirkt. Hier Orgeln, da Gitarren, dazwischen ein stampfendes Schlagzeug, dann eine geisterhaft-opernmäßige Frauenstimme: "Would You Fight For My Love?" ist genauso ein kleines Miniaturstück, das einem schon auf früheren Platten begegnet ist. Aber so wie im Horrorfilm die Sujets oft ähnlich sind und doch jeder Regisseur andere Blickwinkel, Kameraperspektiven und Twists zu bieten hat, schafft es auch Jack White, immer wieder zu verfeiern, die Möbel in seinem windschiefen Haus zu verrücken, eine andere Lackierung zu wählen. "Just One Drink" hat gute Laune und spielt mit dem "Hello-Goodbye"-Geplänkel der Beatles, "Alone In My Home" swingt mit Piano und weiblichen Background-Vocals. 

Oft muss er sich ja ankreiden lassen, dass er ein Blues-Poser ist, einer, der so tut, als sei er die Reinkarnation von alten Helden, aber im Grunde doch nur einer ist, der sich mit fremden Federn schmückt. All jenen sei gesagt: Fangt erstmal die Vögel, deren Federn man dazu braucht. Dazu muss man verdammt schnell und wendig sein. Jack White hat sie auf seinem Fenstersims entdeckt und weiß, dass sie nichts Gutes verheißenb ("I think I found the culprit"). Mir jedenfalls sind diese Geschichten, diese Liebesschmonzetten und Räuberpistolen des Herrn aus Nashville viel lieber als die ideenlose und hirnentkernte Feiermucke anderer Genres. 

Ein paar Songzeilen zum Zitieren, Tätowieren und Sinnieren noch: "I'm afraid of being hurt it's true, but not afraid of any physical pain. Just as I am always scared of water but not afraid if standing out in the rain." Immer wieder ein Genuss. 

"Lazaretto" von Jack White ist am 6. Juni erschienen.

Donnerstag, 12. Juni 2014

JB oder Conan - wer rockt härter?



Eigentlich war ich ja auf der Suche nach dem neuesten Auftritt von Jack White bei Conan O'Brien, der mit einem Foto auf Facebook angeteasert wurde. Aber dann bin ich auf dieses Video gestoßen, ein Auftritt von Jack Black, der in ein Gitarren-Rock-off zwischen JB und Conan mündet. Wollte ich euch nicht vorenthalten.

Mittwoch, 11. Juni 2014

J Mascis: Neues Soloalbum im August, neuer Song jetzt



Uns steht ein neues Soloalbum von J Mascis ins Haus. Der schwer umtriebige Dinosaur Jr.-Fronter bringt am 26. August sein zweites Solowerk mit dem Namen "Tied to a star" raus. Den Song "Every Morning" hat Subpop bereits ins Netz gestellt. Auch wenn es "not the video" ist, muss man doch angesichts der Cover-Zeichnung, die zu sehen ist, wieder schmunzeln. Maurice Sendak wäre stolz auf J.

Montag, 9. Juni 2014

Hörtest: The Black Keys - Turn Blue

Und am Ende hauen sie dann noch einen raus, Du denkst, die Beatles sind auf den Zebrastreifen über Tom Petty gestolpert und hätten sich zusammen "Gotta Get Away" aus den Gitarren geleiert. Der Song mit seinem prägnanten Refrain bildet den euphorischen Abschluss eines Albums, das den fantastischen Vorgänger "El Camino" würdigt beerbt. Es bleibt dabei: Große Band, große Songs. 

Als ich die Black Keys zum ersten Mal in einem Videoclip sah, versuchte eine alte Frau, einen Kuss loszuwerden und der Security-Mann brachte sie hinaus. Der Song hieß "10 A.M. Automatic" und war meine Eintrittskarte in die schrullige Bluesrockwelt dieses Duos. Fortan musste in jedem Plattenladen etwas mit, angefangen bei der "Rubber Factory". Spätestens seit Danger Mouse (Gnarls Barkley, Broken Bells etc.) sich 2008 um "Attack & Release" gekümmert hat, gingen die Keys durch die Decke. Inzwischen sind die Keys fast schon ein Trio, und auch an "Turn Blue" hat der umtriebige Produzent mit dem Händchen für Hits wieder mitgewirkt. Kein Fehler. Der fast siebenminütige Opener "Weight of Love" macht klar, dass die Magie weiter in der Luft liegt. Ein wenig gespenstisch und urwüchsig das Intro, und die Melodien sind eben auch immer noch groß - wenn auch pop-freundlicher gesinnt als in der Frühphase der Band. Das Hitpotenzial wollen sie offenbar ausschöpfen, aber das ist auch das gute Recht der Band.

Große Ähnlichkeiten entdeckt man zum letztjährigen Album "Evil Friends" von Portugal.The Man, etwa, wenn die Kopfstimmen bei "In Time" in die Höhe emporsteigen. Der Titeltrack nimmt sich da direkt zurück, macht dann aber der Tanzflächen-Single "Fever" Platz, die ja schon vorab bekannt wurde. Begeisternd ist die Mischung aus bluesigem rock und verworrenen Soundspielereien. Erforschen wir den Klangraum, auf geht's, Klasse, folgt den Forschern. Was man hingegen vergeblich sucht, ist die schroffe Kantigkeit, die die Anfänge der Band prägte. Aber wie gesagt: So lange die Songs stimmen. Und jetzt alle: "I went from San Berdoo to Kalamazoo/Just to get away from you..."

"Turn Blue" von The Black Keys ist am 9. Mai via Nonsesuch Records erschienen. Hier noch das Video zu Fever, dem man ansieht, dass die Keys ihre Schrulligkeit nicht verloren haben.

Sonntag, 8. Juni 2014

Hörtest: Only Crime - Pursuance

Zwei Seiten, eine Medaille - und zwar eine goldene: Einerseits hört man hier jedem Ton die Erfahrung an, die die die Bandmitglieder ja haben. Andererseits klingt "Pursuance" von Only Crime so frisch, dass es auch ein Debüt sein könnte. Punkrock mal nicht von der Stange, dafür mit Verve und Kante. 

Eine halbe Stunde kann sich schon mal in die Länge ziehen - wer jemals zum Konsum einer "Lindenstraßen"-Episode gezwungen wurde, kann das sicher bestätigen. Hier gehen die Minuten aber äußerst fix vorbei. 12 Songs, 29 Minuten - die Weisheit greift, dass Zeit fliegt, wenn man sich gut amüsiert. Only Crime sorgen dafür, dass man sich extrem gut amüsiert. Wem der Name nichts sagt: Hier sind erfahrene Punkrock- und Hardcore-Recken am Werk. Aaron Dalbec kennt man von Bane, Russ Rankin von Good Riddance. Bill Stevenson ist vielen nicht nur durch Black Flag oder die Descendents, sondern auch durch seine Produzententätigkeit ein Begriff. Und auch Matt Hoffmann von Modern Life ist War und Dan Kelly sind keine Unbekannten in der Szene. 

"Pursuance" ist das dritte Album der Band und klingt eher nach sonnendurchfluteten Skateboard-Trips durch LA als nach hirnverprügelndem Hardcore. Gut, "Drowning" oder "No Truth In Love" sind dann schon härtere Kost. Aber was dominiert: gute Laune, Euphorie. Mit "We Are Divived" haben die Punkrocker einen Opener gewählt, der Fans von Bad Religion ebenso begeistern dürfte wie Anhänger von Hymnenschreibern wie den Donots. "In Blood" setzt  dann auf richtig klassisches Riffing, so beginnen sicher hunderte Songs. Macht aber nichts, weil hier die Qualität stimmt und sich der Song im Chorus dann in epische Dimensionen aufschaukelt. Herrlich. 

Wäre das hier ein Fußballspiel, würde Günther Netzer sicher positive Worte über die Gruppenleistung verlieren. Und darüber, dass auch in der zweiten Hälfte weder Spielern noch Trainer die Luft ausging. Alle Chancen astrein verwandelt. Wenn man sich die Umstände anguckt, die zu Songperlen wie "Life Was Fair" geführt haben, verwundert das ja auch nicht. 

Die Band schrieb laut Label schon 2008 nach erfolgreichen Touren mit den Dropkick Murphys, Boysetsfire, Rise Against oder No Use For A Name an neuem Material. Gut Ding und so. Es hat sich wohl gelohnt. Power und Melodie gehen hier einen effektvollen Bund ein, der Deinem Plattenschrank ein echtes Kleinod beschert. 

"Pursuance" von Only Crime ist am 16. Mai via Rise Records erschienen. Mehr Infos gibt's bei Facebook

Samstag, 7. Juni 2014

Bob Mould live bei Conan O'Brien



Der Mann ist klasse. Bob Mould zeigt einem, wie man mit Musik in Würde altern kann. Da ich zur Zeit irgendwie zu gar nichts mehr komme, muss ich mir sein neues Soloalbum "Beauty & Ruin" mal noch in Ruhe anhören. So lange freu ich mich, das Conan O'Brien immer wieder einen guten Musikgeschmack beweist und den früheren Hüsker-Dü-Fronter erneut in seine Show eingeladen hat.

Dienstag, 3. Juni 2014

Augustines bei den Cardinal Sessions



Ich muss ja sagen, dass mir die Augustines auf Platte schon ganz gut gefallen haben. Das kam auch in der Plattenkritik rüber. Wenn die Band aus New York ihre Songs dann aber ohne Bombast auf Akustikgitarren vorträgt, ist das auch spannend, weil anders. Bei den immer guten Cardinal Sessions waren sie zu Gast und haben "Chapel Song" und "Weary Eyes" gespielt.

Montag, 2. Juni 2014

Faith No More - eine Liebeserklärung

Sollte es tatsächlich wahr sein? Gönnen uns die Götter ein solch fantastisches Geschenk? Seit 30. Mai drehen im Netz nicht alle, aber die Besten durch, weil Faith No More Andeutungen in Richtung neues Material machen. Ein Tweet brachte alles ins Rollen: "Hey! Stay tuned for more Tweets from Twats!!!
The reunion thing was fun, but now it's time to get a little creative." So las sich der kurze Text, versehen mit einem Bild von Mike Patton. Das wäre eine Sensation. Denn eigentlich wollten die Musiker trotz erneuter Auftritte seit einigen Jahren kein neues Material einspielen.

Die Reunion war schon richtig großartig. 2009 beim Southside...es war, als ob ich in einen Topf mit den heftigsten Aufputschmitteln gefallen wäre. Faith No More sind eine der Bands, die mich wohl am längsten begleiten. Wenn ich an diese Band denke, habe ich die alte Bücherei vor Augen, in der ich mir "King for A Day Fool For a Lifetime" ausgeliehen habe. Meine Gedanken schwirren zu der 90-Minuten-Kassette, auf die ich mir die Platte kopiert habe. An den verdammten Bandsalat im Campingurlaub, als das Tape nach drölfzigtausend Durchläufen endgültig seinen Geist aufgab.

Mir kommen Erinnerungen an MTV. Die Ärzte, wie sie sich bei "Star Trax" den smoothen Ohrenschmeichler "Evidence" wünschen. An eine blonde kühle Moderatorin eines Rockformats, die "Ashes to Ashes" ansagt. An die frühen Sachen, an "Epic" und "Falling To Pieces", diese Hymnen, die von keiner Abi-Party der 90er wegzudenken waren. An Mike Patton und wie er sich vom langhaarigen Chaoten zum Smoking-tragenden Gentleman entwickelt hat. An diese unfassbare Stimme, die erst jetzt wieder die offizielle Bestätigung für ihre Großartigkeit bekommen hat. Faith No More, so eine Band gibt es nicht allzu oft. Wer hat schon den Mut, so viele unterschiedliche Musikstile so konsequent durcheinanerzuwirbeln? Wer hat das Händchen für so intergalaktische Melodien? Wer hat so sehr seinen eigenen Kopf durchgesetzt und dabei gleichzeitig so viel Erfolg gehabt? Faith No More, das ist eine eigene Liga. Diese sägenden Gitarren. Die flächigen Keys. Alles perfekt.

Wir warten ab, was passiert. Faith No More wäre durchaus zuzutrauen, dass sie es schaffen, ihre Relevanz zu behalten. Aber es steht einiges auf dem Spiel. Legenden montieren sich selber dann, wenn sie mit halbgaren Sachen ankommen und man das Gefühl hat, dass es nur ums Geld geht. Dann würde aus dem mächtigen Vermächtnis eine Lachnummer.

Trotz aller Skepsis, die immer bei solchen Nachrichten mitschwingt: Mir wird heiß und kalt, wenn ich an ein eventuelles neues Album von Faith No More denke. Ich liebe diese Band. Und am meisten diesen Song hier.

Sonntag, 1. Juni 2014

Pascow in Lindau. Einfach nur genial.

Meistens geht man ja wegen der Hauptband auf ein Konzert. Vorbands können dabei durchaus positiv überraschen. So habe ich die Gods of Blitz, La Vela Puerca, Earthbend und Lucero zum Beispiel nur deshalb entdeckt, weil sie mit Wolfmother, Die Ärzte, Blackmail und Frank Turner unterwegs waren und ich die eigentlich sehen wollte. Diesmal war es anders. Die Punkrock-Band Terrorgruppe war für mich in Lindau nicht der Hauptgrund, zum Konzert zu gehen. Pascow vielmehr. Mit "Diene der Party" haben sie das in meinen Augen beste Punkalbum des Jahres abgeliefert. Und live erfüllte sich die Hoffnung. Pascow sind deshalb so einzigartig, weil sie keine stumpfen Parolen verbreiten. Ihre Texte tragen etwas zum Pop-Diskurs bei. Feuilleton-Punk, so wie Captain Planet. Man muss die Lyrics schon mehrfach hören und lesen, um sie zu verstehen. Wobei ja das aktuelle Album direkt deutlich ist, was das angeht.

Keine Fotokunst. Aber Ihr habt einen Eindruck.
                                                Foto: TA
Jedenfalls: Erste-Reihe-Platz geschnappt und dann vergessen, wieder in den (überschaubaren) Moshpit zu gehen. Bei Terrorgruppe war der Saal voll, dass Pascow großartig sind, wissen noch zu wenige. Aber egal. Ich war jedenfalls völlig fasziniert. Alex am Gesang: Wirkt mit seinen grauen Haaren und der Brille wie ein weiser Freund, dem man gern beim Philosophieren zuhört. Und immer wieder wirft er sich mit seiner Gibson SG in Pose, die Hand ist kaum mehr zu erkennen, wenn er die Rhythmus-Riffs spielt. Swen an der Gitarre: Konzentriert und hingebungsvoll fräst er die Melodiebögen aus den Gitarrensaiten und wirkt dabei so lässig wie nur was. Flo am Bass könnte optisch auch bei den Nine Inch Nails ganz gut dazupassen und lässt den Bass knackig Akzente setzen. Und Ollo am Schlagzeug, auch einfach nur wow. Immer nach vorne. Alle in schwarz übrigens. Nie ein Fehler, den Dresscode so zu wählen. 

Die Setlist in Lindau.       Foto: TA
Und diese Songs. Alles dabei, was man hören will. Es geht los mit "Äthiopien die Bombe", dann gleich den  "Raumanzug" angeschnallt. Von "Diene der Party" ist ja eh jeder Song ein Hit, insofern: "Die Realität ist schuld dass ich so bin", "Fliegen", der Titelsong, "Castle Rock", "Zeit des Erwachens"...und dazwischen die nicht minder genialen älteren Songs. Fehlt eigentlich nur "Das ist Gimbweiler und nicht LA". Erstaunlich. Das war mein erster Kontakt mit der Band und mein Lieblingssong, aber es gibt so viele gute und geniale Stücke, dass ich erst jetzt beim Schreiben feststelle, dass der Song fehlte. 

Und dann sogar eine Zugabe. "Lettre Noir". Pascow, Ihr seid die Besten. Ganz im Ernst. Genau so stell ich mir intelligenten Punkrock vor.