Dienstag, 23. Dezember 2014

Hörtest: Stumfol - Pareto

Punkrocker, die Akustik-Gitarren zupfen: ein inzwischen inflationär bewohntes Genre. Stumfol gehört zu denen, die es können. Sein neues Album zeigt, wie klug, ehrlich und musikalisch das klingen kann. 

Erstmal stilistisch gesprochen: Irgendwo zwischen Chuck Ragan, Bruce Springsteen und Tom Petty hat es sich Christian Stumfol bequem gemacht - und sitzt da ziemlich gut. Es ist die Kombination aus griffigen Gitarrenakkorden und dieser charakteristischen Stimme, die den jungen Musiker unverwechselbar machen. Schon im Opener "Smarter" zeigt Stumfol, dass er live durchaus auch mal aufs Mikro verzichten kann - was für eine Stimmgewalt.

Die Songtexte auf "Pareto" wirken sehr persönlich. So handelt "Worth Waiting" von dem Moment, wenn man nach einer Woche voller Arbeit endlich die in einer anderen Stadt lebende Frau des Herzens in die Arme schließen kann. Hipster-Ironie oder gar Zynismus sucht man in den Lyrics vergebens, der 27-Jährige scheut sich nicht davor, einen Song "Where the heart is" zu nennen. 

Beachtlich an "Pareto" ist das Band-Feeling. Während Stumfol live mit einer Akustikgitarre auskommt und das im Konzert-Kontext auch funktioniert, ist es trotzdem eine Pracht, die Songs im vollen Band-Gewand zu hören. So wie das ähnlich gelagerten Künstlern wie Dave Hause ja auch ist. Dass das Album größtenteils live eingespielt wurde, tut den Songs gut, Kontrabass, Banjo und Mundharmonika fallen sich in die Arme und machen dieses bemerkenswerte Album aus. Klar, auch auf früheren Alben war Stumfol schon richtig gut, ob solo oder als er noch mit "Clap Your Hands Twice" Punkrock gemacht hat. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass "Pareto" die Singer/Songwriter-Künste des von der Alb kommenden Musikers auf ein neues Level hebt. Die Kurzgeschichten, die Stumfol uns hier mit lässiger, aber auch emotionaler Stimme erzählt, gefallen mit eigenem Stil. Klar, es gibt viele, die aus dem Punk kommen und sich die Westerngitarre umschnallen. Und längst nicht bei jedem geht es gut. Stumfol allerdings - ja, Stumfol ist da ganz weit vorne. 

"Pareto" von Stumfol ist am 28. November erschienen. Hier noch ein Clip zu "Where The Heart is". 

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