Samstag, 22. November 2014

Hörtest: ...Trail of Dead - IX

Neues aus Austin, Texas: Die Band mit dem Namen, der jeden unbeschlagenen Verkäufer in der Musikabteilung jedes x-beliebigen Elektromarkts in den Wahnsinn treibt, präsentiert sich auch auf "IX" gewohnt kreativ und musikalisch ohne wirkliche Konkurrenz. 

Dabei geht der Kurs weg vom eher minimalistisch und radauorientiert gehaltenen "Lost Songs", wieder mehr hin zu den Klangcollagen von "Tao of the Dead". Herausgekommen ist ein Mix aus flächigen Soundlandschaften, Rock-Sprengseln, typisch traumtänzerischen Melodien und dem Hang zur ausufernden Songstruktur. 

Das muss man auch erstmal können: Da schraddeln die distortierten Gitarren in "A Million Random Digits" an einem vorbei, dass man sich vorkommt, als ob man dem Titel gemäß in einem dieser Matrix-Monitore steht und grüne Zeichen an einem vorbeifliegen, und trotz aller Aufgekratztheit ist das auch so ein Song, bei dem die Beifahrerin des nächtens auf der Autobahn wegratzen könnte. Bombast ("The Ghost Within") und Rock-Kante halten sich die Waage auf "IX", dem, klar, neunten Album der Texaner. Und in "How To Avoid Huge Ships" kommt es dann ganz dicke: In fast vier Minuten schaukeln sich Klavier, Cello, Gitarren, Drums und mehr zu einem großen Ungetüm auf, vor dem man ungläubig und staunend stehenbleibt. "Lost In The Grand Scheme" protzt dann mit Noise-Krawall, Jason Reece übernimmt das Mikro, und siebeneinhalb Minuten lang gibt es hier Nachhilfeunterricht in Sachen "Wie mach ich Rock, der knallt, aber die Klischee-Kiste geschlossen lässt?". 

Der große Aha-Moment dann in "Like Summer Tempests Came His Tears": ein rein instrumentales Stück, das mit Streichern dermaßen dramatisch Fahrt aufnimmt, dass ich damit rechne, den Song bald in jedem zweiten Kinotrailer zur Untermalung emotionaler Szenen zu sehen. Hört Euch den Song in voller Lautstärke an und legt dazu die DVD von "The Return of The King" ein - Ihr werdet merken, was ich meine. Mit "Sound of the Silk" gibt es dann noch ein musikalisches Experiment, in dem sich Streicher und archaisch wirkende Trommeln einem Techtelmechtel hingeben. Sehr groß. Apropos groß: Diese Platte sollte man auf Vinyl haben, denn das Cover - wie immer von Conrad Keely, Sänger und Gitarrist  der Band gezeichnet - kann man stundenlang studieren, und man entdeckt immer noch Details. 

"IX" von ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead ist am 17. Oktober erschienen. Mehr unter https://andyouwillknowusbythetrailofdead.bandpage.com

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen