Sonntag, 26. Oktober 2014

Hörtest: Restorations - LP3

Schon bei "LP2" war ich hin und weg. Dabei machen Restorations keine Musik, die sich aufdringlich in die Gehörgänge schraubt und mit süßlichen Widerhaken-Melodien einnistet. Auch die neue Platte der fünf Musiker aus Philadelphia gefällt mit Gitarrenrock, der im Heartland zuhause ist, aber mit übergroßen Klangwänden, Punk-Wucht und Pearl-Jam-Pathos wuchert. 

Das große Geheimnis der Rock-Musik: Wie kriege ich meinen Sound so hin, dass er breitbeinig und testosterongetrieben wirkt, dabei aber nicht platt machohaft wirkt? Es wird ähnlich sein wie mit Cola: Das Rezept kennen diejenigen, die das hinbekommen, aber sie gehen nicht damit hausieren. Restorations gehören zum eingeweihten Kreis. Sie zimmern ihren überdimensionalen Rock mit archaisch wirkenden Mitteln zusammen, umschiffen dabei aber zu jeder Sekunde prollige Klischees und bieten Songs mit Tiefe und bleibendem Wert. Wer sich eine Mischung aus Bruce Springsteen und The National vorstellen kann, sollte ein Ohr riskieren - gern auch zwei (passenderweise hat den Produktions-Job Jon Low übernommen, der The National's "Trouble Will Find Me" veredelt hat und für The War On Drugs tätig war). Mich hat jedenfalls schon der Vorgänger umgehauen.

Und diese Texte: Gleich im Opener ein intelligentes Zeile zum Zitieren: "I love these protest songs but who can afford to go see them be sung?" Da sind wir alle angesprochen. Dann "Seperate Songs" mit seinen abwechselnd brachialen und dann weiträumigen Gitarren. Bei "Tiny Prayers" auch wieder so ein Lyric-Fetzen zum ins Gehirn brennen: "I don’t know what’s worse / No opinion or no thirst / Or how I can’t find a better use for my time." Jon Loudon trägt das alles mit einer Stimme vor, die ja zurecht mit Eddie Vedder verglichen wird - diesem aber nur in extrem angepisstem Zustand gerecht würde.

Vielleicht ist es die Jahreszeit, aber mir kommt die Platte vor wie eine lange Autofahrt im Herbst, während die Sonne ihr typisches Oktoberlicht nochmal auf Dich wirft, bevor der dunkle deprimierende November kommt. Wobei die Songs jetzt auch nicht vor Freude überschäumende Juhu-Girlanden sind. Emotional trifft es schon eher - wie in: Pain is so close to pleasure. Definitiv eine der Platten, die man dieses Jahr gehört haben sollte.

"LP3" von Restorations erscheint am 31. Oktober via Side One Dummy. Bei NPR kann man die Platte schon mal vorab streamen

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