Sonntag, 12. Oktober 2014

Galerie der Klassiker: Farin Urlaub - Endlich Urlaub!

Nächsten Freitag kommt nach sechs Jahren Sendepause endlich das fünfte Soloalbum (wenn man das "Livealbum of Death" mitrechnet) von Farin Urlaub, Grund für mich, nochmal ein paar Jahre zurückzublicken: Auf die Platte, mit der alles begann (also in solistischer Hinsicht). 

Es muss noch auf MTV gewesen sein (wenn mich mein alterndes Hirn nicht hinters Licht führt), "Masters" oder so was, als Bela B. seinen Die Ärzte-Kollegen Farin Urlaub als "Nuss" bezeichnete. Solch drastisches Vokabular aus dem Mund vom besten Stehschlagzeuger der Welt? Was war passiert? Farin U. hatte sich im Video zu "Sumisu" (Japanisch für "Smith") in die Rolle von Murnaus Nosferatu begeben und in flackernder Schwarzweißoptik dem Vampir-Klassiker gehuldigt. Bis dahin galt Farin Urlaub eigentlich mehr als der "Sonnyboy" der Ärzte, für Dunkelheit, Wave-Goth-Einflüsse und Fledermäuse war ganz klar Bela zuständig. Er bedauerte, dass mit dem FU-Alleingang für DÄ die Idee zu einem Vampirvideo gestorben war. "Sumisu" offenbarte mit seinen wavigen Gitarren eine neue Seite des schlaksigen Sängers und Gitarristen, der auf "Endlich Urlaub!" nicht nur singt und Gitarre spielt, sondern auch Bässe und Schlagzeug übernahm. Für Bläser- und Streicherparts holte sich FU Unterstützung, unter anderem von den Busters (großartig: das Instrumental "...Und die Gitarre war noch warm").  

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mit Bela und Rod nicht so furchtbar viel anfangen (DÄ als Gesamtkunstwerk harmonierten für mich wunderbar, aber einzelne Songs fand ich nicht so überragend, da hatte FU für mich immer die besseren Ideen). Insofern: eine ganze Platte mit Songs von einem, dessen Witze das Maß der Dinge darstellten und dessen Texte genial zwischen intellektuell und infantil pendelten, ich bin dabei, her damit, wo kann ich bestellen? 

Und die Platte löste das Versprechen ein, das die Vorab-Single "Glücklich" uns gab. Songs, die sich durch Humor, Melodien und überragende Texte auszeichnen - kein Aussetzer, kein schwacher Moment. Politische Statements ("Lieber Staat"), selbstironische Parodien ("Ich gehöre nicht dazu"), ein angepisster Trennungs-Song ("OK"), die unverzichtbare Funpunk-Nummer ("Am Strand"), eine fast unauffällige Perle ("Das schöne Mädchen") - das Album ist voll von exzellenten Ideen, die mit Liebe zu vielen vielen Gitarrenspuren und musikalischer Vielfalt umgesetzt sind. Und dann ist da ja auch noch "1000 Jahre schlechten Sex", die psychopathische Rachefantasie, zu der sich bei FU-Konzerten ungezählte Ex-Freunde und -Freundinnen die Lunge aus dem Leib gesungen haben dürften. 

Extra erwähnen muss ich auch Intro und Outro. Wer die Platte noch nicht kennt, dem werd ich jetzt nichts spoilern...hört einfach selbst. Fazit: Meisterwerk. Gäbe es hier fünf Sterne als Bewertungsmaximum, "Endlich Urlaub!" bekäme zehn von mir. 

"Endlich Urlaub!" ist am 22. Oktober 2001 erschienen. Die Internetseite www.farin-urlaub.de lohnt sich immer. Hier noch die Videos zu "Glücklich" und "Sumisu": 



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