Sonntag, 28. September 2014

Hörtest: Opeth - Pale Communion

Prog ist eine ganz eigene Welt. Diese Platte hier dient als Eintrittskarte, und wenn man einmal dort ist, möchte man mehr sehen. Vorteilhaft: Wenn man kein Opeth-Fan der ersten Stunde ist. 

Eins vorab: "Pale Communion" ist für mich das erste Album von Opeth, das ich höre. Trotz Metal-Sozialisation Ende der 90er und zeitweise ausgeprägtem Hang zu Progressive-Klängen (Dream Theater, Rush, Vanden Plas, Spock's Beard) sind Opeth irgendwie an mir vorbeigegangen. Wobei mir immer klar war, dass ich damit eine großartige Band ignoriere (so wie ich es auch mit Porcupine Tree gehandhabt habe). Irgendwas hat mich jetzt an "Pale Communion" gereizt - und ich bin entzückt. Was für ein Album!

Schon der Einstieg mit "Eternal Rains Will Come" haut einen völlig aus den Socken, wenn man sich so wie ich früher an den ausufernden Gniedel-Orgien von Bands wie Fates Warning und anderen Prog-Helden erfreuen konnte. Und dann das elfminütige Epos "Moon Above, Sun Below" (man stelle sich den Titel mal wörtlich vor, und schon hat man ein typisches Prog-Plattencover): verschachtelt, raffiniert, unglaublich harmonisch und trotzdem keine Weichspüler-Musik - das muss man erstmal komponieren. Klar, man kann immer rumheulen dass das Musik für Musiklehrer ist, weil Gitarrenfreaks, Drum-Tiere, Harmoniesuchtler und eben verschiedene Soundjünger etwas finden, worauf sie sich konzentrieren können. Aber Opeth haben hier wirklich seelenvolle Musik kreiert, an der man sich ob des Detailreichtums kaum je wird satthören können. Mancher Fan hat sich in der Vergangenheit von der Band abgewendet, weil sie nicht mehr so hart sind wie früher. Wer allerdings einer Band verzeihen kann, wenn sie sich vom Death Metal verabschiedet und nach und nach neue Einflüsse verarbeitet, der ist hier richtig. Für mich jetzt relativ bequem, weil ich eben nichts vorher kannte - das allerdings nachholen möchte. Erstaunlich, dass die 1990 gegründete Band aus Schweden so lange an mir vorbeiging. Aber das ist jetzt vorbei.

So souverän, wie Mikael Akerfeld und seine Mitstreiter hier durchdachte Gesangslinien, virtuose Gitarrenharmonien und vertrackte Rhythmen zu einem überzeugenden Ganzen verweben, macht kaum jemand sonst Musik. Die Songs sind wie guter Wein: Sie brauchen Zeit zum Atmen. Keiner ist kürzer als viereinhalb Minuten, wobei sie für Prog-Verhältnisse ja noch relativ kompakt sind. Trotzdem: Man muss Zeit aufwenden, um die Stücke zu begreifen, hat dann aber Kost, die sich nie so schnell abnutzen wird wie vielleicht manch andere Platte, die nur Hits hat, aber nach zweimal Hören langweilig wird. Musikalische Offenheit ist übrigens ebenfalls Pflicht für den Genuss, denn Streicher, Jazz-Sprenkel und viel mehr gibt es hier zu entdecken. Das Album ist übrigens in den Rockfield Studios in Wales entstanden. Dort haben schon Rush, Mike Oldfield und unzählige andere Bands und Musiker aufgenommen. Passt irgendwie, denn auch Opeth schöpfen aus völlig unterschiedlichen Quellen. und die werden vermutlich nicht so schnell versiegen.

"Pale Communion" von Opeth ist am 22. August via Roadrunner erschienen. Mehr Infos unter www.opeth.com

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen