Freitag, 26. September 2014

Hörtest: Kraftklub - In Schwarz

Das Gleiche in Grün, äh, Schwarz: Kraftklub machen nicht viel anders auf ihrem Zweitwerk. Muss aber auch gar nicht sein - das Album ist auch so richtig gut geworden. 

Es dauert keine fünf Sekunden, da springt einem der Opener "Unsere Fans" mit der Hives-Gedächtnisgitarre ins Gesicht, die gleich darauf sogar noch eine Spur bissiger wird. Kraftklub haben auch auf "In Schwarz" ihren Spaß daran, Zitat-Raprock zu spielen. Bei "Ein paar Beispiele: "Alles wegen Dir" bedient sich bei Franz Ferdinand. In "Wie ich" kommt der typische Strokes-Gitarrensound ab 0:48 zum Zug. Bei "Mein Rad" klingen die nöligen Josh-Homme-Gitarren der Queens of the Stone Age durch (ab 2:10). Und im letzten Song "Deine Gang" kommt plötzlich ein Groove, der sich an Norman Greenbaum ("Spirit in The Sky") und ZZ Top orientiert.

Aber: Dieses Spiel mit Zitaten nimmt man Kraftklub keine Sekunde übel. Denn die Chemnitzer betten die Versatzstücke in einen eigenen Kontext. Zugegeben: Ein paar mehr Anläufe hat es bei mir mit dieser Platte gebraucht. Anfangs fand ich manches zu konstruiert und anderes dafür zu uninspiriert. Vor allem in den Refrains. Und klar, die Schemata sind auch immer gleich. Oft ähneln sich Beats und sogar der Sprechrhythmus wirkt schon so vertraut, dass man ein Abo abschließen kann. Aber: Das ist gut so. Für Platz eins in den Charts hat es jedenfalls schon mal gereicht. 

Gibt man der Platte ein wenig Zeit, zünden eigentlich alle Songs. Mich hat etwa "Schüsse in die  Luft" gekriegt. Kritik an der Lethargie der Menschen, aber ganz clever getextet: "Allen ist alles egal, außer der Handyvertrag/mit 390 Euro kommt man nicht weit im Biomarkt". Überhaupt: Was Kraftklub für mich so sympathisch macht, ist vor allem der charmant-prollige Tonfall von Felix Brummer. Und Zeilen, die man zitieren kann, liefert er hier auch im Sekundentakt. "Selbst die Frida Gold Single ist...nein, ist sie nicht", ist so ein Moment. Und es gibt Dutzende andere, die ich hier nicht spoilern werde. 

Was auffällt: Die Vorab-Singles "Hand in Hand" und "Unsere Fans" täuschten eine Härte vor, die das Album nicht einlöst. Und "Blau" bedient sich thematisch an "Ich lieb Dich nicht", ist aber wenig originell. Dafür versuchen Kraftklub, dem Sound ihres Debüts ein paar neue Facetten hinzuzufügen. Richtig gut klappt das in "Meine Stadt ist zu laut". Mit bitterer Ironie besingen Kraftklub hier das Phänomen der Gentrifizierung und bringen die Thematik prächtig auf den Punkt. "Schöner Tag" protzt mit mächtigen Gitarren, die wie aus einem dissonanten Metal-Stück geliehen wirken. Ein Gastauftritt von Casper setzt dem Song die Krone auf. Und während die Songs auf Platte so nach und nach wachsen und man sich ertappt, wie man lieber gleich nochmal die schwarze statt der weißen Kraftklub-Platte auflegt, soll es live noch mehr abgehen. Das hat sich schon bei den Gigs der "Konvoi in Schwarz"-Tour gezeigt. Das muss auch noch gesagt sein: Eine verdammt clevere Marketing-Kampagne, die sich das Quintett da ausgedacht hat. Angefangen beim Versteckspiel mit der ersten Single "Hand in Hand", gelungenen Festivalauftritten wie beim Southside bis zu den Exklusiv-Kostenlos-Gigs: So macht man sich zum Gesprächsthema. Kraftklub sind angekommen - und bleiben hoffentlich noch lange.  

"In Schwarz" ist am 12. September via Vertigo Berlin erschienen. Hier noch das Video zu "Unsere Fans". 

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