Sonntag, 3. August 2014

Hörtest: Bob Mould - Beauty & Ruin

Mein erster Impuls, wenn ich an Bob Mould denke: So cool will ich auch altern. Allein schon der Albumtitel "Beauty & Ruin". Das toppt sogar noch den ebenfalls großartigen Vorgänger "The Silver Age". Nicht nur, was die Ironie im Titel angeht. Sondern auch musikalisch: Der Ex-Hüsker-Dü-Frontmann begeistert mit seinem Werkbank-Rock Plattensammler, die handgemachte Gitarrenklänge von The Replacements bis The Hold Steady goutieren. 

Weil wir gerade von The Hold Steady reden: Es ist natürlich kein Zufall, dass ich Craig Finn und Co. hier erwähne. Denn wie auch Bob Mould stehen die New Yorker auf Storytelling im Rock, auf Songreihenfolgen, die dem Album dienen, auf Konzepte und auf das Gesamtkunstwerk. Zudem teilen sie sich die Herangehensweise: Hier gibt es keine Sampler, keinen Schnickschnack, sondern Zutaten, die schon millionenfach zusammengerührt wurden: Gitarre, Schlagzeug, Bass. Und trotzdem gelingt es Bob Mould, auf diesem Spätwerk so präsent, so relevant und so unmittelbar zu klingen wie es nicht vielen anderen gelingt.

Bob Mould hat die alternative Rockwelt mit seinen Bands Hüsker Dü und Sugar geprägt. Jetzt zeigt er, dass er immer noch etwas zu sagen hat und dass er vor allem immer noch hart rocken kann. "Silver Age" vor zwei Jahren schlug bereits in dieselbe Kerbe und überraschte mit einer urwüchsigen Wucht, "Warum-ist-mir-das-nicht-eingefallen"-Melodien und ehrlichen Texten. "Beauty & Ruin" macht genau da weiter und setzt eben noch einen drauf. Das Cover zeigt Bob Mould damals und heute. So simpel wie genial wirkt die Bild-Text-Einheit da, Schönheit und Verfall.

Den Anfang macht auf dieser großen Platte "Low Season", ein untypischer Opener, der langsam und verhalten einsteigt und mit seinen Textzeilen wie "Low season turn the sunlight down/No reason left to stay around/Low season in the frozen ground" reflektiert, was das Album geprägt hat. Im Oktober 2012 verstarb Bob Moulds Vater, auf diesem Album verarbeitet der Musiker den Tod, die eigene Endlichkeit. Doch Bob Mould ist niemand, der den Hörer in depressiver Schwere ertränken will. Und so hört man "I Don't Know You Anymore" und hat den Eindruck, dass hier das Gastspiel von Bob Mould bei den Foo Fighters Spuren hinterlassen hat. 2011 sang er auf "Wasting Light" die Hintergrund-Vocals für "Dear Rosemary", ein Gänsehaut-Moment. "I Don't Know You Anymore" atmet die unbeschwerte Grunge-Wucht, die auch das Foo-Fighters-Debüt zierte. Und bei "Kid With Crooked Face" hab ich ein Farin-Urlaub-Deja-Vu gehabt: Dessen Die-Ärzte-Song "Grau" fängt mit ganz ähnlichen Gitarrenakkorden an.

Mit dem nachdenklichen "The War" zeigt Bob Mould ganz deutlich, dass er nicht im Negativen hängen bleiben will: This war has worn me down / Broken dreams and a hole in the ground / Don’t give up / And don’t give in.” Geradezu beschwingt danach die cleanen Gitarren in "Forgiveness". Hier wird klar, was gemeint ist, wenn es heißt, dass Bob Mould sich viele Gedanken darüber macht, wie die Songs auf dem Album angeordnet sein sollen. Das Bandgefüge mit Bob Mould, Jason Narducy (Bass, Superchunk, Telekinesis) and Jon Wurster (Drums, Superchunk, The Mountain Goats) ist inzwischen ebenfalls aufeinander eingespielt, was dem Album zugute kommt.

Mould selbst nennt das Album eine weitere Bonusrunde, für die er sehr dankbar ist. Geht uns genauso.

"Beauty & Ruin" von Bob Mould ist am 6. Juni via Merge Records erschienen. Mehr unter bobmould.com.
Hier noch ein Video vom Live-Auftritt bei KCRW.

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