Freitag, 11. Juli 2014

Galerie der Klassiker: Wolfmother - dto.

Mike Patton (Faith No More)  fand's schrottig. Sagt er. Manche behaupten, er habe gescherzt. Na egal. Mir ist das Debüt von Wolfmother zum meilenhohen Rock-Monolithen geworden, das unverrückbar in einer lilabehimmelten Wüste steht. Für immer.

Die guten Dinge sind immer die, bei denen man sich nicht mehr erinnert, wie es angefangen hat. War auch mit Wolfmother so. Hat mein ewiger Rockbruder Thomas mir sie empfohlen? Hab ich sie selbst entdeckt? Ich weiß nicht mehr.  Aber eines weiß ich noch: Beim ersten Southside, das ich 2006 besucht hab, waren sie wichtig. Im Zelt, ein Waaaaahnsinnsauftritt - und meine großartige Kollegin organisierte mir ein Autogramm. "Yo Daniel. Keep it huge." hatten sie draufgepinselt. Genauso huge war ihr Konzert. Als hätten Led Zeppelin mit Black Sabbath gevögelt und dieser langhaarige Irre mit der Gitarre - Andrew Stockdale sein Name - sei dabei rausgekommen. Doofe Kalauer boten sich an, wir ließen sie links liegen. Aus Tralien, verstehen Sie? Das Debüt haute uns kollektiv von den Socken. Was für ein sinnloser Text im Opener "Dimension". Wüste, Stück Papier, er schreibt was auf, alles klar. Aber es muss eben auch nicht immer tiefschürfende Lyrik sein. "Dear sir can you remember me, I'm the one that picked the apple tree", auch über diese Textzeile konnten wir uns stundenlang philosophisch unterhalten wie weiland über Kafkas Verwandlung...nicht. Aber wie gesagt: Manchmal reicht es, dass die Texte einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Dafür die Riffs. In "White Unicorn" zum Beispiel. "They should just play this part all over and over again", dieses Zitat frei nach Beavis and Butthead kam mir in den den Sinn. Da-dann-dann-dann-dann-da-dann. Und nach dem gechillten Teil des Songs dann die Drums, die wirbeln und die Gitarren, die wiederkommen (gleich nach Minute vier). Da-dann-dann-dann-dann-da-dann. Das geniale Tapping-Riff in "Joker & The Thief". Der orgelnde Teufel (der war's, hab ich aus sicherer Quelle) in "Mind's Eye". Der groovende "Love Train". Alles wahnsinnige Songs, größer als manches Hochhaus.

Und eine Platte, die einen lehrt, den Augenblick zu schätzen. Als "Joker & the Thief" in "Shrek der Dritte" ertönte, zuckte ich zusammen - der Film war einfach beschissen schlecht. Shrek hin oder her. Ein böses Omen? Im selben Jahr (2007) hatten sie doch mit "Pleased To Meet You" für den ebenfalls nicht berauschenden dritten Spiderman-Film immerhin einen genialen Song rausgebracht. 2008, drei Jahre nach dem Debüt, brach die Originalbesetzung der Band bereits auseinander. Locken- und Kreativkopf Andrew Stockdale blieb. Konnte auf  "Cosmic Egg" nur teilweise überzeugen. Löste die Band auf. Machte solo weiter. Holte die Band wieder zusammen und brachte ohne große Vorankündigung "New Crown" raus. Ich weiß immer noch nicht, was ich davon halten soll. Eins weiß ich aber: Es gibt nicht viele Alben, die mir so als Klassiker im Hirn haften blieben wie das Debüt der Australier. Das wundervolle Frank-Frazetta-Artwork auf dem Cover war da nur die Sahnehaube.

"Wolfmother" von Wolfmother ist am 6. Juni 2006 bei Interscope erschienen. Hier noch das Video zu "Dimensions", dem Opener der Urknall-Platte: 

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