Sonntag, 1. Juni 2014

Pascow in Lindau. Einfach nur genial.

Meistens geht man ja wegen der Hauptband auf ein Konzert. Vorbands können dabei durchaus positiv überraschen. So habe ich die Gods of Blitz, La Vela Puerca, Earthbend und Lucero zum Beispiel nur deshalb entdeckt, weil sie mit Wolfmother, Die Ärzte, Blackmail und Frank Turner unterwegs waren und ich die eigentlich sehen wollte. Diesmal war es anders. Die Punkrock-Band Terrorgruppe war für mich in Lindau nicht der Hauptgrund, zum Konzert zu gehen. Pascow vielmehr. Mit "Diene der Party" haben sie das in meinen Augen beste Punkalbum des Jahres abgeliefert. Und live erfüllte sich die Hoffnung. Pascow sind deshalb so einzigartig, weil sie keine stumpfen Parolen verbreiten. Ihre Texte tragen etwas zum Pop-Diskurs bei. Feuilleton-Punk, so wie Captain Planet. Man muss die Lyrics schon mehrfach hören und lesen, um sie zu verstehen. Wobei ja das aktuelle Album direkt deutlich ist, was das angeht.

Keine Fotokunst. Aber Ihr habt einen Eindruck.
                                                Foto: TA
Jedenfalls: Erste-Reihe-Platz geschnappt und dann vergessen, wieder in den (überschaubaren) Moshpit zu gehen. Bei Terrorgruppe war der Saal voll, dass Pascow großartig sind, wissen noch zu wenige. Aber egal. Ich war jedenfalls völlig fasziniert. Alex am Gesang: Wirkt mit seinen grauen Haaren und der Brille wie ein weiser Freund, dem man gern beim Philosophieren zuhört. Und immer wieder wirft er sich mit seiner Gibson SG in Pose, die Hand ist kaum mehr zu erkennen, wenn er die Rhythmus-Riffs spielt. Swen an der Gitarre: Konzentriert und hingebungsvoll fräst er die Melodiebögen aus den Gitarrensaiten und wirkt dabei so lässig wie nur was. Flo am Bass könnte optisch auch bei den Nine Inch Nails ganz gut dazupassen und lässt den Bass knackig Akzente setzen. Und Ollo am Schlagzeug, auch einfach nur wow. Immer nach vorne. Alle in schwarz übrigens. Nie ein Fehler, den Dresscode so zu wählen. 

Die Setlist in Lindau.       Foto: TA
Und diese Songs. Alles dabei, was man hören will. Es geht los mit "Äthiopien die Bombe", dann gleich den  "Raumanzug" angeschnallt. Von "Diene der Party" ist ja eh jeder Song ein Hit, insofern: "Die Realität ist schuld dass ich so bin", "Fliegen", der Titelsong, "Castle Rock", "Zeit des Erwachens"...und dazwischen die nicht minder genialen älteren Songs. Fehlt eigentlich nur "Das ist Gimbweiler und nicht LA". Erstaunlich. Das war mein erster Kontakt mit der Band und mein Lieblingssong, aber es gibt so viele gute und geniale Stücke, dass ich erst jetzt beim Schreiben feststelle, dass der Song fehlte. 

Und dann sogar eine Zugabe. "Lettre Noir". Pascow, Ihr seid die Besten. Ganz im Ernst. Genau so stell ich mir intelligenten Punkrock vor. 

1 Kommentar:

  1. Ja, Pascow sind live immer ein Genuss - leider fehlten mir (war beim Konzert in Stuttgart kurz davor) wahnsinnig viele alte Songs. Das hat mich tatsächlich etwas enttäuscht. Klar ist, dass die Band die neuesten Sachen auf 'ner Tour direkt nach nem Albumrelease spielt und die neuen Songs sind auch wirklich große Klasse. (Schade auch, dass auch einige Highlights von Diene der Party nicht gespielt wurden, z.B. Verratzt, Patti Smith oder Smells like twen spirit) Auch die von "Alles muss kaputt sein", aber davor gibt es noch weitere wunderbare Alben mit Songs wie "MS Pascow", "Fuck off", "Raumpatrouille", "Hamburg", "Internett", "Thom Yorke", "Toulousi" (!), "Zu viel für Berlin", "Hollywood", "If the kids", "Black Wind"... klar, kein Wunschkonzert, ist mir nur so aufgefallen und fände es schade, wenn die Band keinen Bock mehr auf diese Songs hat. Und "Trampen am Norden" am Ende zu hören tröstet mich ehrlich gesagt nicht, da dies vom Publikum gewünscht wird, so dass es eine unverzichtbare Pflicht ist und immer als letzte Zugabe gespielt wird. Ich wünsche mir, Pascow würden wieder mehr Setlisten wechseln. "Gimbweiler" hatten sie in Stgt btw gespielt.

    AntwortenLöschen