Sonntag, 8. Juni 2014

Hörtest: Only Crime - Pursuance

Zwei Seiten, eine Medaille - und zwar eine goldene: Einerseits hört man hier jedem Ton die Erfahrung an, die die die Bandmitglieder ja haben. Andererseits klingt "Pursuance" von Only Crime so frisch, dass es auch ein Debüt sein könnte. Punkrock mal nicht von der Stange, dafür mit Verve und Kante. 

Eine halbe Stunde kann sich schon mal in die Länge ziehen - wer jemals zum Konsum einer "Lindenstraßen"-Episode gezwungen wurde, kann das sicher bestätigen. Hier gehen die Minuten aber äußerst fix vorbei. 12 Songs, 29 Minuten - die Weisheit greift, dass Zeit fliegt, wenn man sich gut amüsiert. Only Crime sorgen dafür, dass man sich extrem gut amüsiert. Wem der Name nichts sagt: Hier sind erfahrene Punkrock- und Hardcore-Recken am Werk. Aaron Dalbec kennt man von Bane, Russ Rankin von Good Riddance. Bill Stevenson ist vielen nicht nur durch Black Flag oder die Descendents, sondern auch durch seine Produzententätigkeit ein Begriff. Und auch Matt Hoffmann von Modern Life ist War und Dan Kelly sind keine Unbekannten in der Szene. 

"Pursuance" ist das dritte Album der Band und klingt eher nach sonnendurchfluteten Skateboard-Trips durch LA als nach hirnverprügelndem Hardcore. Gut, "Drowning" oder "No Truth In Love" sind dann schon härtere Kost. Aber was dominiert: gute Laune, Euphorie. Mit "We Are Divived" haben die Punkrocker einen Opener gewählt, der Fans von Bad Religion ebenso begeistern dürfte wie Anhänger von Hymnenschreibern wie den Donots. "In Blood" setzt  dann auf richtig klassisches Riffing, so beginnen sicher hunderte Songs. Macht aber nichts, weil hier die Qualität stimmt und sich der Song im Chorus dann in epische Dimensionen aufschaukelt. Herrlich. 

Wäre das hier ein Fußballspiel, würde Günther Netzer sicher positive Worte über die Gruppenleistung verlieren. Und darüber, dass auch in der zweiten Hälfte weder Spielern noch Trainer die Luft ausging. Alle Chancen astrein verwandelt. Wenn man sich die Umstände anguckt, die zu Songperlen wie "Life Was Fair" geführt haben, verwundert das ja auch nicht. 

Die Band schrieb laut Label schon 2008 nach erfolgreichen Touren mit den Dropkick Murphys, Boysetsfire, Rise Against oder No Use For A Name an neuem Material. Gut Ding und so. Es hat sich wohl gelohnt. Power und Melodie gehen hier einen effektvollen Bund ein, der Deinem Plattenschrank ein echtes Kleinod beschert. 

"Pursuance" von Only Crime ist am 16. Mai via Rise Records erschienen. Mehr Infos gibt's bei Facebook

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