Montag, 9. Juni 2014

Hörtest: The Black Keys - Turn Blue

Und am Ende hauen sie dann noch einen raus, Du denkst, die Beatles sind auf den Zebrastreifen über Tom Petty gestolpert und hätten sich zusammen "Gotta Get Away" aus den Gitarren geleiert. Der Song mit seinem prägnanten Refrain bildet den euphorischen Abschluss eines Albums, das den fantastischen Vorgänger "El Camino" würdigt beerbt. Es bleibt dabei: Große Band, große Songs. 

Als ich die Black Keys zum ersten Mal in einem Videoclip sah, versuchte eine alte Frau, einen Kuss loszuwerden und der Security-Mann brachte sie hinaus. Der Song hieß "10 A.M. Automatic" und war meine Eintrittskarte in die schrullige Bluesrockwelt dieses Duos. Fortan musste in jedem Plattenladen etwas mit, angefangen bei der "Rubber Factory". Spätestens seit Danger Mouse (Gnarls Barkley, Broken Bells etc.) sich 2008 um "Attack & Release" gekümmert hat, gingen die Keys durch die Decke. Inzwischen sind die Keys fast schon ein Trio, und auch an "Turn Blue" hat der umtriebige Produzent mit dem Händchen für Hits wieder mitgewirkt. Kein Fehler. Der fast siebenminütige Opener "Weight of Love" macht klar, dass die Magie weiter in der Luft liegt. Ein wenig gespenstisch und urwüchsig das Intro, und die Melodien sind eben auch immer noch groß - wenn auch pop-freundlicher gesinnt als in der Frühphase der Band. Das Hitpotenzial wollen sie offenbar ausschöpfen, aber das ist auch das gute Recht der Band.

Große Ähnlichkeiten entdeckt man zum letztjährigen Album "Evil Friends" von Portugal.The Man, etwa, wenn die Kopfstimmen bei "In Time" in die Höhe emporsteigen. Der Titeltrack nimmt sich da direkt zurück, macht dann aber der Tanzflächen-Single "Fever" Platz, die ja schon vorab bekannt wurde. Begeisternd ist die Mischung aus bluesigem rock und verworrenen Soundspielereien. Erforschen wir den Klangraum, auf geht's, Klasse, folgt den Forschern. Was man hingegen vergeblich sucht, ist die schroffe Kantigkeit, die die Anfänge der Band prägte. Aber wie gesagt: So lange die Songs stimmen. Und jetzt alle: "I went from San Berdoo to Kalamazoo/Just to get away from you..."

"Turn Blue" von The Black Keys ist am 9. Mai via Nonsesuch Records erschienen. Hier noch das Video zu Fever, dem man ansieht, dass die Keys ihre Schrulligkeit nicht verloren haben.

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