Sonntag, 18. Mai 2014

Galerie der Klassiker: Bruce Dickinson - The Chemical Wedding

Als ich mit meinen Metal-Begeisterungsstürmen unsere Schülerzeitschrift Thalamus beglückt habe, gab es noch keine Kreuzfahrt für Headbanger, Spiegel online hatte noch lange keine "Amtlich"-Metalrubrik, es gab noch keine preisgekrönten Dokus und in den Feuilletons wurde Metal auch noch als Krawallmucke für Langhaarige kritisch beäugt.

Charterfolge feierten Blind Guardian mit "Mirror Mirror", was unter uns fünf Metalheads an der Schule Diskussionen auslöste: Wenn was auf Viva läuft, ist es dann noch Metal? Wir ahnten nicht, dass man sich irgendwann nach Musikfernsehen, das wenigstens Formate wie "Metalla" oder später "Virus" sendete, zurücksehnen sollte.

Aus dieser Zeit möchte ich Euch heute eine Plattenkritik zeigen. Meine Rubrik hieß wie dieses Blog Tinnitus Attacks. Und natürlich war die Plattenauswahl ähnlich subjektiv wie hier, was ich ja schon mal anhand der Spiritual Beggars und ihres Albums "Ad Astra" erzählt habe. Klar, dass Bruce Dickinson mit seinem Solo-Highlight "The Chemical Wedding" da nicht außen vor bleiben durfte. Meine Zeilen von damals dazu: 

"Was Bruce Dickinson mit seinem '98er-Album abgeliefert hat, kann man nur als Geniestreich bezeichnen: Zusammen mit einer kleinen Truppe junger Musiker, die mir - abgesehen von Roy Z - bis zu ihrer Zusammenarbeit mit Dickinson unbekannt waren, und mit seinem alten Maiden-Mitstreiter Adrian Smith schafft es der arbeitswütige Sänger der Eisernen Jungfrauen, einen hunderprozentig hochwertigen und klischeefreien Edelstahl-Longplayer zu präsentieren. Textmäßig greift der Hobby-Pilot auf Werke und Dichtungen des englischen Mystikers William Blake ("The marriage of heaven and hell") zurück. Musikalisch bewegt man sich in der Nähe von Maiden ("The Tower" und alle Adrian Smith-Soli bzw. Riffs) und alten Black Sabbath (Atmosphäre und Düster-Komponente). Wem bei den ersten Tönen von "Book of Thel" nicht eine zentimeterdicke Gänsehaut den Rücken herunterläuft, der muss mindestens fünf Kilo Tomaten auf den Ohren haben. Bei Interesse aus einer gut ausbalancierten Mixtur aus heftigeren Abgeh-Nummern ("Trumpets of Jericho") und sanften Ohrwürmern ("Gates of Urizen"), aus uhrwüchsiger Heaviness und filigranen, ideenreichen Gitarrensoli kann man nicht anders, als sich dieses Meisterwerk in den heimischen Plattenschrank zu stellen." 

Soweit meine Worte damals. Fünf von fünf Sternen. Dann kam die Maiden-Reunion und ich war außer mir vor Glück. Ein andermal dann mehr zu "Brave New World". Dass Bruce Dickinson zehn Jahre nach dem Album 2008 einen gleichnamigen Film rausbrachte, ging dann an mir vorbei - bis heute hab ich den Film nicht gesehen, aber viele üble Kritiken gelesen. Aber vielleicht sollte ich dem Streifen mal noch eine Chance geben. Hier noch das Songhighlight des Albums, "The Tower", im Video:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen