Dienstag, 29. April 2014

Hörtest: Moving Houses - Where I Am King EP

Alles schon mal dagewesen: Wie schwierig mag es heute für eine Band wohl sein, ihren Platz zu finden zwischen den Abertausenden anderen Musikern, die sich bereits mehr oder weniger erfolgreich auf den Bühnen dieser Welt, in den Tonstudios und im Internet tummeln? Ich tippe mal: ziemlich schwierig. 

Bei Moving Houses macht es allerdings nicht den Eindruck, dass es ihnen schwer fällt. Wenn man sich ihre EP "Where I Am King" anhört, gewinnt man den Eindruck, dass die Bremer genau wissen, was sie wollen und wie sie den Sound hinbekommen, den sie haben wollen. Das ist ja immer die Kunst: dass es einfach aussieht, dass es leicht wirkt. Wenn man die Schwierigkeit spüren würde, die mit dem Spielen von Instrumenten und dem Komponieren von Songs verbunden ist, wäre das natürlich kontraproduktiv. Diese fünf Songs hier wirken jedenfalls so souverän (aber nicht im Sinne von satt-souverän), was hier das Geheimnis ist.

Hört nur mal "Waiting" an. Da schmilzt plötzlich ein Cello dahin, da ertönt eine Klarinette...sowieso: warum eigentlich nicht viel mehr Klarinette im Rock'n'Roll? Völlig unterbewertetes Instrument. Der Song ist ein Beispiel dafür, dass sich Moving Houses nicht mit Schablonen und Schema F zufrieden geben. Sechs Minuten Harmonie, Melancholie, Glöckchen, es haut einen um.

Momente zuvor hat man sich bei "Follow" gefragt, ob das Dubstep-Spielereien sind, die sich in den weiten Gitarrenteppich mogeln. Ob das Quintett ein paar Platten von Dredg im Regal hat? Würde einen nicht wundern. Völlig selbstverständlich finden Gitarre, Bass und Schlagzeug zu den ungewöhnlicheren Instrumenten und gemeinsam ergibt das ein Klangbild, das ebenso eigen wie gekonnt ist. "Free" könnte der Tanzflächen-Hit werden, "On And On" ist introvertiert und etwas verschleppt. Und der Opener "Ash" spielt auch in einer eigenen Liga mit seinen dynamischen Wechseln.

Moving Houses gibt es seit 2011, als sich die aus Deutschland und er Ukraine stammenden Musiker Philip Hellerbach (Drums, Percussion), Stefan Reich (Bass), Ivan Andrianov (Gitarre, Keyboards) und Christian Heinze (Gitarre, Klarinette, Percussion) mit dem Sänger und Cellisten Miran Zrimsek aus Bosnien-Herzegovina zusammentaten. Welche Zufälle auch immer diese Begegnung ermöglichten: Uns kommen sie zugute.

"Where I am King" ist via amazon und iTunes erhältlich. Auf Soundcloud streamt die EP in voller Länge. Mehr Infos zur Band gibt's auf Facebook und der offiziellen Seite der Band. Und hier noch ein Video zu "Free":

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