Donnerstag, 6. März 2014

Hörtest: Reubens Accomplice - Sons of Men

Besser leben mit Musik: Bräuchte diese Platte einen Werbeslogan, käme vielleicht keiner mehr in Frage als dieser hier. Reubens Accomplice heben den Hörer empor, lassen ihn majestätisch, aber unprätentiös auf Wolken schweben. Und dafür brauchen sie weder Bombast noch Pathos. Ihr Album "Sons of Men" beschert dem geneigten Hörer Glücksmomente in einer Welt, in der man immer wieder erstaunt ist, dass es solche Musik überhaupt gibt. 

Frederic Klemm macht's richtig: Auf seinem Label Arctic Rodeo Recordings veröffentlicht er Platten, die ihn umhauen. Die ihn überzeugen. Dass der Mann da ein Händchen für gute Musik hat, das hat er in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen - ob mit Adam Rubenstein oder Kevin Devine. Seit Beginn des Jahres liegt nun "Sons of Men" vor, das neue Album der amerikanischen Band Reubens Accomplice. Und wieder: Volltreffer. 

In einer Welt, in der übersexualisierte Hupfdohlen, zu Tode gestylte Retortenbands und großkotzige Raprüpel zu Reichtum bringen, ist es umso wichtiger, dass kleine Labels sich nicht vom Profit, sondern von der Qualität leiten lassen. Genau diesen Eindruck hat man auch hier wieder. Reubens Accomplice versammeln auf "Sons of Men" Klänge, die sich nicht mit irgendeinem Etikett schubladisieren lassen. Mir kamen die folkigen Momente von Beck in den Sinn, als sich "Field Science" ins Bild schob. Dann rockt plötzlich eine verzerrte Gitarre ins Bild, der Bass singt sein eigenes Lied, die Glöckchen klingen ("This Desert"). Oder dieses organisierte Chaos bei "I Love You (But I'm Tired)", wo sich fast schon außerirdische Klänge mit einem Klavier verbünden. Illustre Gästenamen wie Jon Rauhouse (Calexico) zieren die Platte.

Beachtlich auch das Mini-Orchester, das immer wieder für Akzente sorgt. Streicher machen "I'm Leaving" zu einer tränenreichen Nummer, im nächsten Moment türmen sie sich in "The Losing Curse" zu einem großen Monster auf, während das Theremin (ist es ein Theremin? Klingt jedenfalls so) dazu jault. Auch in der zweiten Plattenhälfte wird es nicht schwächer. "Women" mit seiner wechselhaften Stimmung. Der Titelsong mit seinen Wendungen und wie er im Nichts verschwindet. Manchmal fühlt man sich an frühe Phantom Planet erinnert. Aber auch das greift letzten Endes zu Kurz. Denn Jeff Bufano, Chris Corak, John O'Reilly Jr. und Ryan Kennedy schreiben ihre eigene Geschichte, und man tut sich schwer, sie referenziell irgendwo zu verorten.

Dass sie schon mit Bands wie Jimmy Eat World oder den güldenen The Weakerthans auf Tour waren, spricht allerdings für sich. Wer die Schönheit von diesen Bands schätzt, dürfte auch bei Reubens Accomplice weich gebettet sein. 

"Sons of Men" von Reubens Accomplice ist am 24. Januar bei Arctic Rodeo Recordings erschienen. Mehr unter www.reubensaccomplice.com. Hier gibt's noch das Video zu "I Love You, But I'm Tired". 

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