Sonntag, 26. Januar 2014

Hörtest: Chuck Ragan - Live At Skaters Place

Ein Live-Album, das andere Live-Alben alt aussehen lässt:
"Chuck Ragan live at Skaters Palace".                    Foto: Uncle M
Soll ich mich jetzt über diese Platte freuen - oder mich in den Hintern beißen, dass ich nicht dabei war, als sie aufgenommen wurde? Wahlweise gibt es nur Freude über die grandios auf Vinyl gebannte Liveshow oder Trauer darüber, dass man nicht Zeuge dieses Spektakels wurde. Ich hab mich trotzdem für die Freude entschieden. Chuck Ragans "Live At Skaters Palace" ist ein Manifest für handgemachte Musik, eine Absage an Futterneid unter Musikern und ein eindrückliches Statement, dass hippe Ironie doch noch nicht alle Bereiche unseres Lebens infiltriert hat.

Ständig überlegt man, was diesmal anders ist. Und dann ist es klar: Chuck Ragan rockt hier ja mit Band durch die Botanik - was er sonst eher elektrisch verstärkt mit Hot Water Music tut. Jon Gaunt (Geige) und Joe Ginsberg (Bass) sind ja eh immer dabei und sorgen auch bei den Akustik-Shows für Begleitung. Diesmal aber sind dann gleich noch Dave Hidalgo Jr. (Social Distortion) am Schlagzeug Drums und Todd Beene (Lucero) an der Pedal Steel Guitar dabei. Als Gäste auf der Bühne sind dann noch Tim Vantol, Josh Mann (Paper Arms) und der amerikanische Folksänger PJ Bond mit dabei. Chuck Ragan ist auch solo fantastisch, weil er mit seiner Stimme und der Gitarre schon mächtig Eindruck macht. Aber sobald diese Band bei Stücken wie "Rotterdam" oder "Meet you in the middle" in Fahrt kommt, reißt es einen eben noch mehr mit. 

Chuck Ragan gilt als Urheber der Revival Tour, bei der er mit anderen Musikern auf der Bühne steht. Im Sinne dieser Bro-Abende steht auch das Konzert, das in Münster aufgezeichnet wurde. Geschickt für das Liebhaber-Label Uncle M, das dort seinen Sitz hat: Aus der Haustür fallen, großartiges Konzert aufzeichnen, und dann auf Vinyl unter die Leute bringen. Diese Platte gibt es nur analog, kein Download-Code, dafür als Doppel-LP. 

Wo manche Musiker streng zwischen Solo-Oeuvre und Hauptband trennen, freuen wir uns über eine akustische Version des Hot Water Music-Songs "Drag My Body". Und wenn Chuck dann mit seiner unvergleichlichen Stimme auch noch einen Song vom neuen Album intoniert, auf das man sich 2014 freuen darf, dann wird einem klar: Hier ist alles echt. Hier geht's nicht um aufgesetzte Coolness. Auch nicht um Ironie oder Zynismus. Hier trifft vielleicht am ehesten zu, was die kanadischen Rocktitanen von Rush in ihrem Song "The Spirit of Radio" einst hoffnungsvoll verkündeten: "All this machinery making modern music can still be open-hearted. Not so coldly charted, it's really just a question of your honesty, yeah, your honesty." 

Noch ein weiteres Argument gefällig? Wo Live-Alben sonst mitunter völlig langweilig, steril, überproduziert und unnötig daherkommen, ist das hier wirklich so, als ob man mittendrin steht. Gründe genug, sich "Live At Skaters Palace" in den Schrank zu stellen.

"Live at the Skaters Palace" erscheint am 31. Januar via Uncle M. Hier ein Vorgeschmack: 

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