Samstag, 11. Januar 2014

Hörtest: Blitzen Trapper – VII

Als würde der krachlederne Southern Rock von Lynyrd Skynyrd auf den hibbeligen Collagen-Sound von Beck treffen: Blitzen Trapper zeigen auf „VII“, dass sich Südstaaten-Coolness und hippe Moderne nicht ausschließen. Dabei gehen sie noch einen Schritt weiter in die tanzbare Ecke als auf dem auch schon großartigen Vorgänger „American Goldwing“. 

Eigentlich müsste „VII“ für Blitzen Trapper das sein, was „El Camino“ für The Black Keys war. Denn ähnlich wie das Bluesrockduo verquicken die fünf Musiker aus dem Indie-Dorado Portland, Oregon, traditionelle Klänge aus der bluesig-southernrockigen Ecke mit elektronischen Beats und experimentellen Soundspielereien. Loops und Samples prägen den Klangkosmos auf der neuen Platte der Band, und so wird aus der „guilty pleasure“, sich Südstaaten-Rock auf die Ohren zu zimmern, ein auch in der Indiedisco akzeptiertes Plaisier. Das deutet sich schon beim Intro an: Das gute alte Radio-Tuning-Intro passt, und dann springen uns Eric Earley und seine Mannen mit dem Tom-Petty-Tribute-Song „Feel The Chill“ ins Gesicht. „Last Dance with Mary Jane“ lässt schön grüßen. Geht aber in Ordnung, denn hier sind keine primitiven Plagiatoren am Werk. „Shine On“ macht gerade so weiter: Gesang, Gitarre, Mundharmonika, aber dann eben auch Moog, seltsame Klänge. Als hätte einer den Hillbillys das Discofeeling beigebracht.

Zwischendurch gibt’s die balladesken Momente wie in „Ever Loved Once“, das am ehesten die früheren Platten der Band wiederspiegelt und auch wieder „Sweet Home Alabama“-Feeling versprüht. Dazu noch ein paar Yes-Gesänge mit mehreren Stimmen – fertig ist die Euphorie-Laube. Seltsam und windschief ist hier alles. Man kann sich gut vorstellen, dass Blitzen Trapper sich auch mit den Kollegen von The Heavy gut verstehen können. In bewährter Country-Tradition gibt’s dazu Geschichten über Loser, Lover, Land und Leute. Und mit „Faces of You“ sogar noch eine Verbeugung in Richtung Santana. Wenn das die Mädels nicht auf die Tanzfläche bringt, was denn dann? Da wirkt der Ausklang mit „Don't Be A Stranger“ mit seinem konventionellen Beat und dem Banjo geradezu konservativ. Er beendet eine Platte, die sich erlaubt, aus dem Rahmen zu fallen, wo andere Langeweile kultivieren. Braucht man.

"VII" von Blitzen Trapper ist am 13. Oktober 2013 erschienen - davon hat man hier allerdings wenig mitbekommen. Höreindrücke bekommt man im Youtube-Kanal der Band

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