Montag, 29. Dezember 2014

Jahresrückblick 2014, Teil 2: Die besten Platten des Musikjahres

Große Neuentdeckungen hat mir das Jahr 2014 nicht gebracht. Die vergangenen zwölf Monate waren eher davon geprägt, dass sich alte Bekannte zu neuer Größe erhoben haben. Das spiegelt sich dann auch in meiner Jahres-Top-Ten wieder. Und wie auch schon in den Jahren davor gilt: Der Wertung liegt ein höchst pseudomathematischer Koeffizient zugrunde. Zahl der Hördurchläufe mal Grad der Faszination, und das irgendwie so korreliert. Mit einem Klick auf Bandnamen und Albumtitel gelangt Ihr zur Rezi, die auf dem Blog erschienen ist.

10.) The Hold Steady - Teeth Dreams
Taufrisch sind die nicht mehr. Aber The Hold Steady machen auf "Teeth Dreams" so vieles richtig. Krachende Rocker wie "Spinners" zum Beispiel, die kriegst Du nicht mehr aus dem Kopf. Craig Finn bleibt der erzählstärkste Pub-Poet ("Let the city live your life for you tonight"), Tad Kubler zimmert ihm die kantigen Riffs dazu und Neuzugang Steve Selvidge schiebt das Schiff in Richtung Classic Rock der Marke Thin Lizzy. Gut, dass sie die Kurve gekriegt haben - denn es war nicht sicher, ob es dieses Album geben wird. Und auf goldenem Vinyl - meine Herren, fühlt sich das gut an. 

9.) Opeth - Pale Communion
Bin mal wieder spät dran. Manche Bands sind schon ewig da, man hört auch immer wieder, wie gut sie sein sollen, aber an Bord kommt man dann eben erst irgendwann. Ich hab auch keine Ahnung, ob ich mir den Backkatalog erarbeiten muss oder ob das jetzt so passt. Jedenfalls haben mich die ersten Töne des Openers "Eternal Rains Will Come" (was für eine Verheißung) an meiner Prog-Schwachstelle erwischt. Und es wurde auch nicht schlechter die Minuten danach. Die Death-Metal-Vergangenheit ablegen, das kann ja problematisch sein. Opeth jedenfalls tut es gut. 

8.) Lagwagon - Hang 
Mir war klar, dass Lagwagon große Klasse sind. Dass sie aber eines meiner Top-Ten-Alben dieses Jahr abliefern, hätte ich nicht gedacht. Nur war "Hang" einfach zu gut. Der voluminöse Sound (natürlich von Bill Stevenson, dem Descendents-Drummer, der in seinem Blasting Room Studio schon so viele Platten veredelt hat). Die Songs, die perfekt Härte und Melodie kombinieren. Joey Capes Kunst, Musik und Text so zu verzahnen, dass sie auch substanziell als Akustiktracks durchgehen würden, aber mit Stromgitarre eben noch cooler wirken. Ein beeindruckendes Spätwerk. 

Chuck Ragan hat auch ein neues Album dieses Jahr veröffentlicht, das hat mir gefallen. Aber dieses Live-Album war der Hammer. So viel Musik. So viel Haltung. So viele gute Worte. Chuck Ragan nimmt alle mit. Songwriter wie Kollegen Tim Vantol, der mit auf die Bühne kommt. Mütter, denen er einen Song widmet ("Geraldine"). Und alle, die eben zu seinem Konzert kommen und eine gute Zeit haben sollen. Dazu neue Stücke wie "Bedroll Lullaby" mit seiner Steel-Gitarre, alte Hits wie "Rotterdam" und sogar was von Hot Water Music ("Drag My Body").  

Melancholie in Reinform. Interpol waren schon immer die Band, zu deren Musik man eine Schachtel Zigaretten wegziehen, eine Flasche Rotwein dazu leeren und mit sich selbst über Weltschmerz und andere Nettigkeiten sinnieren möchte. Die charakteristische Stimme von Paul Banks prägt auch "El Pintor". Songs wie "All The Rage Back Home" preschen nach vorne, es gibt aber auch innehaltendere Momente, die einen einwickeln. Am besten nachts im Auto hören, Freibad-tauglich ist diese Platte nicht. 

5.) Against Me! - Transgender Dysphoria Blues
Keine einfache Platte. Wenn einem die Band wegbricht und das Leben auf dem Kopf steht, ist das nicht ohne. Laura Jane Grace (ehemals Tom Gabel) zeigt auf ihrem ersten Album seit dem Transgender-Coming-Out, dass sie sich vom Umbruch in der Band nicht hat irritieren lassen. Das Album behandelt diesen mutigen Schritt, der auch in der ach so toleranten Punkszene für genügend hässliche Kommentare gesorgt hat (und Brian Fallon von The Gaslight Anthem ein sehr sympathisches Statement abnötigte). Songs wie "Dead Friend" kennt mancher schon von Akustik-Darbietungen. Ein wichtiges Album. 

4.) Beatsteaks - dto. 
Mit "Boombox" hatte ich sie abgeschrieben. Jetzt sind sie wieder da, Berlin's Finest, die Beatsteaks, und ignorieren die Stilgrenzen zwar noch mehr, haben dabei aber die überzeugenderen Songs im Köcher. Das jubilierende "Make A Wish", aber auch Groove-Granaten wie "Gentleman of the Year" und die beiden Schlussnummern "Creep Magnet" und "I Never Was" sind so gelungen, dass man sich einfach nur freuen kann. "Good Night" sagt Sänger Arnim zum Schluss. Hoffentlich müssen wir nicht so lange schlafen, bis die nächste Platte da ist. 

3.) Bob Mould - Beauty & Ruin
Hüsker Dü und so, Bob Mould ist einer der Großen. Und seine Soloalben sind richtig richtig gut. Auch "Beauty & Ruin". Wer ein Album so nennt und sich auf dem Cover in alt und jung zeigt, hat eh schon gewonnen. Aber dann auch noch Songs wie "I Don't Know You Anymore" rauszuhauen - das kann nicht jeder. Dave Grohl wusste das natürlich und hatte sich den Gastauftritt des Rockveteranen schon auf "Wasting Light" gesichert. Doch Mould solo ist auch eine Offenbarung. Da kommt noch mehr, ganz sicher. 

2.) Kraftklub - In Schwarz
Anfangs hatte ich meine Zweifel. Die Refrains wirkten hingeschludert, wenig durchdacht. Dann aber mehr und mehr Hördurchgänge. Die Songs wuchsen. Die Texte eh. "Schüsse in die Luft", diese elegante Sozialkritik. Oder "Meine Stadt ist zu laut", der die Gentrifizierung so auf den Punkt bringt. Das Konzert im Atomic Café in München setzte allem dann die Krone auf. 300 Menschen auf engstem Raum - das Shirt nach wenigen Minuten so nass als hätte man es in Wasser getunkt. Auch wenn es dann nur 30 Grad (oder wie viel waren es?) waren. Jetzt warten alle auf das Dritte.  

1.) Pascow - Diene der Party
Die besten Texte. Die coolsten Riffs. Die fetteste Produktion. Pascow aus Gimbweiler haben  ihr Meisterwerk abgeliefert. Das sag ich nicht, weil mich das Buchprojekt so beeindruckt hat. Die Platte wirkt aber so lange bei mir nach. Mit Songs wie "Fluchen und Fauchen", Songzeilen wie "Scheiß auf Außenseiterromantik, die nie echt war und sich immer nur selbst dient". Besser war deutschsprachiger Punkrock 2014 einfach nicht - und lange davor auch nicht. Danach - wird man sehen. Meine Zweifel hab ich.

Eine Playlist auf Spotify findet Ihr an dieser Stelle

Wie es in den Jahren vorher aussah, erfahrt Ihr per Klick aufs Jahr: Jahresrückblicke aus 2013, 2012 und 2011. Die zehn zu kurz gekommenen Platten in 2014 gibt's an dieser Stelle.

Sonntag, 28. Dezember 2014

Jahresrückblick 2014, Teil 1: Die zu kurz Gekommenen

Jedes Jahr das Gleiche: Auch wenn Musik die höchste Priorität hat, man kommt nicht dazu, sich alles anzuhören, was einen interessiert. Bei mir kam dieses Jahr noch dazu, dass sich die wichtigste berufliche Veränderung meines Lebens abgespielt hat. Eine sehr positive Veränderung. Kennt Ihr das, wenn Ihr lange auf etwas hinarbeitet und das Ziel dann endlich erreicht? So eine Veränderung. Und klar, man bekommt mit, dass Band A und Band Y neue Alben bringen, aber dann kommt schon  wieder was anderes und plötzlich ist das Jahr rum. Aus diesem Grund würdige ich auf Tinnitus Attacks jedes Jahr auch die zehn Alben, die unterm Jahr an mir vorbeigegangen sind, die ich aber noch unbedingt hören, haben, kaufen muss. Teils stehen sie schon in meinem Regal, teils hab ich mal reingehört - jedenfalls kommen hier die zehn Alben, die mit etwas mehr Zeit auch auf Tinnitus Attacks besprochen worden wären. Woulda shoulda coulda. 

10.) Manchester Orchestra - Cope 
Mit ihrem Album "Mean Everything To Nothing" hab ich sie lieben gelernt, die Alterantive-Rocker aus Atlanta, Georgia. Die clever komponierten Ausbrüche wie in "Shake it Out" und das Nirvana-Feeling bei "In My Teeth" hatten mich überzeugt. "Simple Math" hab ich auch im Schrank stehen, aber "Cope" ging an mir vorbei. Wie immer kann man sich nicht erklären, warum. Unmissverständlich und erbarmungslos soll das Album laut Frontmann Andy Hull sein, jeder Song ein Schlag gegen den Kopf. Nun denn. Es kann losgehen - wartet, ich setz nur noch eben meine Brille ab.

9.) The War On Drugs - Lost in The Dream
Den Vorgänger "Slave Ambient" hab ich mit dem grandiosen Song "Baby Missiles" durch das britische Uncut-Magazin entdeckt. Das diesjährige Werk von Adam Granduciel war mir zwar präsent, und es hieß, 80er meets Bob Dylan, hieß es, und ich wäre bereit gewesen, mich drauf einzulassen. Kurt Vile hat die Band aus Philadelphia 2009 verlassen und ist solo unterwegs. Macht nix. The War on Drugs rollen erst Synthie-Teppiche aus, auf denen sich dann Bruce Springsteen mit gezogenem Stecker austoben darf. So ungefähr klingen Songs wie "Burning" in meinen Ohren.

8.) Pianos Become the Teeth - Keep You 
Moment. Klangen die noch auf dem letzten Album "The Lack Long After" nicht wie der Traum jedes trotzigen Teenagers, der nach einem Streit die Treppe hinaufrennt und seine Zimmertür krachend ins Schloss wirft und einen passenden Soundtrack dazu braucht? Wenn der 2011er-Output der "The Wave"-Vertreter aus Baltimore, Maryland, noch der Zwist mit den Eltern war, klingt "Keep You" wie die Melancholie nach einem gebrochenen Herzen. Plötzlich denkt man an The National und ihre verschleppten Minidramen. Auch La Dispute traten 2014 eher leise, Title Fight werden nächstes Jahr auf ihrem neuen Album neue Wege beschreiten - Hardcore wie in "harte Schale, weicher Kern".

7.) Maximo Park - Too Much Information
Sie waren die Band der Stunde vor zehn Jahren und erinnern uns daran, wie schnell Trends kommen und gehen können. Die New Wave of British New Wave schenkte uns Bands wie Franz Ferdinand, Bloc Party und eben Maximo Park. Aber auf Album Nummer vier ("The National Health") machten sich
Ausfallerscheinungen breit (nachdem "Quicken the Heart" auch schon schwächere Momente hatte). Album Nummer fünf ging an mir vorbei, und die Dringlichkeit von Hitsingles wie "Our Velocity" scheint das, was ich gehört habe, auch nicht mehr zu besitzen. Vielleicht sollte man es einfach dabei belassen. Aber ich möchte ein Ohr riskieren.

6.) The Rural Alberta Advantage - Mended With Gold
Wäre mein Flieger nicht ein paar Tage zu früh gegangen, hätte ich sie in einem intimen Club sehen können. Die Indie-Rockband aus Toronto hat es sich mit ihren Alben "Hometowns" und "Departing" in meinem Plattenschrank bequem gemacht. Der folk- und americana-infizierte Sound des Trios klingt nach Wehmut, langen Straßen, endlosen Fahrten und echten Gefühlen. Songs wie "Terrified" lassen einen mit einem Gefühl zurück, das das englische Wort eerie wohl am besten beschreibt. Download geht hier nicht. Diese Musik verlangt das kratzig-warme Vinyl-Feeling. Dann erst entfalten The Rural Alberta ihre ganze wohltuende Wirkung.

5.) Cloud Nothings - Here and Nowhere Else
Manchmal versteh ich es einfach nicht. 2012 waren die Cloud Nothings mit "Attack on Memory" noch auf Platz 2 meiner Jahres-Top-Ten. Dieses Jahr hat mich das halbstündige Nachfolgewerk "Here And Nowhere Else" auf den ersten Höreindruck nicht so von den Socken gehauen, dafür ist es mit ein paar Hördurchläufen aber noch kräftig gewachsen. Es bleibt dabei: Die Cloud Nothings sind meine neuen Thermals. Und Dylan Baldi der sympathische Schraddelmeister mit einer charakteristischen Stimme und den schluffigsten Gitarrenriffs.

4). Mad Caddies - Dirty Rice
Als Fan der eher punkrockig angehauchten Stücke der Mad Caddies hab ich mir bereits mit "Keep It Going" und den relaxteren Stücken darauf schwer getan. Oberflächlicher Höreindruck bei Dirty Rice dann: Och. Muss nicht sein. Nur kam dann das Konzert in Lindau. Und da funktionierte das eben prächtig. "Oha, Dangerous - ein Michael-Jackson-Cover?" Nein, ein eigener Song - und neben Stücken wie "Shoot Out The Lights" gibt's ja dann wenigstens auch noch einige wenige schnellere Sachen wie "Bring It Down". Passt schon. Wir werden alle älter.

3.) Antemasque - Antemasque
Als ein Musik-Insider (gibt's!) mir die Platte empfahl, zögerte ich zu lange. Klar, in der Indie-Disco kann man "One Armed Scissor" von At The Drive In mitsingen, und The Mars Volta kennt man auch irgendwie. Aber oberste Prio hatte das nie. Jetzt hab ich sie endlich auch gehört und muss sagen: Ja. Was diese beiden Herren da veranstalten, trifft meinen Geschmack ziemlich exakt. Die sehr offensichtlichen Led-Zeppelin-Vibes in "Drown All Your Witches", das Hit-Potenzial von "Hanging In The Lurch" - kein Wunder, dass Antemasque in den Bestenlisten überall weit vorn mitmischen.

2.) Se Delan - The Fall
Über eine News, die ich für finestvinyl geschrieben habe, bin ich auf das Seitenprojekt von Justin Greaves (Crippled Black Phoenix) gestoßen. Gemeinsam mit Belinda Kordic hat der Kreativkopf diese dräuende Platte aufgenommen, die mit ihren Pianoklängen und dem langsamen Tempo perfekt in den Herbst und den Winter passt. Da denkt man, passiert eigentlich gar nicht viel, aber man kann sich nicht satthören an den Songs, man fühlt sich an die 90er erinnert, an gothische Nächte, an schwarze Kerzen - und das kann ja nicht unbedingt ein Fehler sein.

1.) The Menzingers - Rented World
Was ist das immer mit den Mezingers? Ihr Album "On The Impossible Past" verpasste ich erst, dann wuchs es umso mehr in meine Ohren und Hirnwindungen hinein. Beim Pirate Satellite Festival in Stuttgart waren The Menzingers, dieses amerikanische Punkrock-Glücksquartett, dieses Jahr mein Highlight. Und dann servieren sie uns auch noch so feine Hymnen wie "I Don't Wanna Be An Asshole Anymore". Auch wenn die Klasse des Vorgängers nicht ganz erreicht wird: Das Album lohnt sich, weil es eben The Menzingers sind.

Jedes Jahr kommen welche zu kurz: So sah die Liste 2013, 2012 und 2011 aus. 

Eine Spotify-Playlist mit Songs von diesen zehn Alben findet Ihr an dieser Stelle

Dienstag, 23. Dezember 2014

Hörtest: Stumfol - Pareto

Punkrocker, die Akustik-Gitarren zupfen: ein inzwischen inflationär bewohntes Genre. Stumfol gehört zu denen, die es können. Sein neues Album zeigt, wie klug, ehrlich und musikalisch das klingen kann. 

Erstmal stilistisch gesprochen: Irgendwo zwischen Chuck Ragan, Bruce Springsteen und Tom Petty hat es sich Christian Stumfol bequem gemacht - und sitzt da ziemlich gut. Es ist die Kombination aus griffigen Gitarrenakkorden und dieser charakteristischen Stimme, die den jungen Musiker unverwechselbar machen. Schon im Opener "Smarter" zeigt Stumfol, dass er live durchaus auch mal aufs Mikro verzichten kann - was für eine Stimmgewalt.

Die Songtexte auf "Pareto" wirken sehr persönlich. So handelt "Worth Waiting" von dem Moment, wenn man nach einer Woche voller Arbeit endlich die in einer anderen Stadt lebende Frau des Herzens in die Arme schließen kann. Hipster-Ironie oder gar Zynismus sucht man in den Lyrics vergebens, der 27-Jährige scheut sich nicht davor, einen Song "Where the heart is" zu nennen. 

Beachtlich an "Pareto" ist das Band-Feeling. Während Stumfol live mit einer Akustikgitarre auskommt und das im Konzert-Kontext auch funktioniert, ist es trotzdem eine Pracht, die Songs im vollen Band-Gewand zu hören. So wie das ähnlich gelagerten Künstlern wie Dave Hause ja auch ist. Dass das Album größtenteils live eingespielt wurde, tut den Songs gut, Kontrabass, Banjo und Mundharmonika fallen sich in die Arme und machen dieses bemerkenswerte Album aus. Klar, auch auf früheren Alben war Stumfol schon richtig gut, ob solo oder als er noch mit "Clap Your Hands Twice" Punkrock gemacht hat. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass "Pareto" die Singer/Songwriter-Künste des von der Alb kommenden Musikers auf ein neues Level hebt. Die Kurzgeschichten, die Stumfol uns hier mit lässiger, aber auch emotionaler Stimme erzählt, gefallen mit eigenem Stil. Klar, es gibt viele, die aus dem Punk kommen und sich die Westerngitarre umschnallen. Und längst nicht bei jedem geht es gut. Stumfol allerdings - ja, Stumfol ist da ganz weit vorne. 

"Pareto" von Stumfol ist am 28. November erschienen. Hier noch ein Clip zu "Where The Heart is". 

Montag, 22. Dezember 2014

Video: Kraftklub - Schüsse in die Luft



Kraftklub haben ein Video zu "Schüsse in die Luft" veröffentlicht. Ohne große Vorankündigung ging der Clip am Montagabend online. Ein perfekter Clip, dem man nicht aussieht, wie aufwändig er vermutlich gemacht ist. Die Zutaten: Ein langer Tunnel in Chemnitz, Farin Urlaub im Rahmen, ein Fernseher, eine Couch und den Rest will ich nicht spoilern. Ach doch: Felix und seine unnachahmlichen Dancemoves. Herrlich. Der Song stammt vom diesjährigen Album "In Schwarz", mit dem die Chemnitzer bewiesen haben, dass sie gekommen sind, um zu bleiben. Ich freu mich auf Platte Nummer 3!

Samstag, 20. Dezember 2014

Video: CJ Ramone - Won't Stop Swinging



Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, heißt es. CJ Ramone liefert mit seinem Soloalbum "Last Chance To Dance" dieses Jahr aber den Beweis, dass er ein würdiger Nachlassverwalter des Punksounds aus New York ist. Mit  Steve Soto und Dan Root von den Adolescents und Social Distortion-Drummer David Hidalgo Jr. hat er ein Album aufgenommen, das Fans freudig in die Arme schließen können. Der Clip "Won't Stop Swinging" dokumentiert das schön. Es gibt übrigens auch ne coole 7'', zu der ich eine News für finestvinyl.de verfasst habe.

Dienstag, 16. Dezember 2014

Modest Mouse streamen neue Single "Lampshades"

Modest Mouse bringen ein neues Album raus - und die erste Single gibt's schon im Stream zu hören. Das sind doch gute News. "Strangers To Ourselves" erscheint am 3. März. Den Song "Lampshades" kann man schon bei Consequence of Sound hören. Das klingt nach einer Platte, die man haben muss. "We were dead before the ship even sank" war genial, auch die Alben zuvor gelten zurecht als Klassiker des Indierock. Das Plattencover seht ihr rechts, das Artwork zur Single, wenn ihr dem Link zum Song folgt.

Montag, 15. Dezember 2014

Make Do And Mend: Titelsong des neuen Albums "Don't Be Long" im Netz



Make Do And Mend haben den Titelsong ihres neuen Albums "Don't Be Long" online gestellt. Das dritte Studioalbum der amerikanischen Hardcore-Schroter erscheint am 24. Februar. Der Song klingt, als sollte ich mir das nicht entgehen lassen. Gute Band.

Sonntag, 14. Dezember 2014

My Sharona: Ein Klassiker und seine Cover

Gestern lief auf Arte eine sehr coole Doku namens "Girls in Popsongs" (leider nicht in deren Mediathek zu finden). Es ging um die Geschichten hinter Liedern wie "Suzanne" von Leonard Cohen oder "Walk on the Wildside" von Lou Reed. Es ging um die realen Personen, die als Muse oder als Songvorlage dienten.

Dabei fiel mir mal wieder der Song "My Sharona" von The Knack auf. Das krachende Schlagzeug und die abgehackten Basslinien kamen mir doch sehr vertraut vor und ich rätsel momentan noch, welche Stücke sich alle von dem Song aus dem Jahr 1979 haben inspirieren lassen. Denn diese Rhythmik und die Art, die Riffs rauszuhauen, ist ja schon beliebt.

Mir war klar, dass es es auch etliche Coverversionen gibt. Aber ein Blick darauf, wer den Song alles neu interpretiert hat (bzw. sich eng ans Original hält), ist trotzdem sehr interessant.

Da sind zum Beispiel Nirvana, die selbst einem so oft gehörten Stück einen eigenen Stempel aufdrücken können:



Oder Hammerfall, die schwedischen True-Metaller, die eigentlich auch eine ganz gute Figur abgeben.



Überhaupt scheint der Song in Metal-Kreisen beliebt zu sein, wie diese Coverversion der deutschen Thrash-Metal-Größe Destruction zeigt:


 Kein Wunder, es gibt gute Riffs, was zu solieren und der Song an sich ist ein Klassiker.
Aber auch im Ska-Gewand gibt's den Song zu bewundern:



Komplett verspult der Ansatz, den The Dandy Warhols gewählt haben:


 Und hier nochmal das Original:

Samstag, 13. Dezember 2014

Foxygen live beim Pitchfork Festival



Diese Woche war ziemlich viel los, drum gab's hier keine großen Posts. Aber wie wär's denn mit diesem Live-Set von Foxygen? Das aktuelle Album muss ich noch auftreiben, aber das vorige fand ich klasse.

Montag, 8. Dezember 2014

Konzertkritik: Mad Caddies in Lindau

Mit den Mad Caddies hat alles angefangen - zumindest, wenn es um meine ersten Konzertberichte für die Schwäbische Zeitung bzw. die Lindauer Zeitung geht. Vor ziemlich genau zehn Jahren hab ich schon über einen Auftritt der Ska-Punkrocker im Club Vaudeville geschrieben (zum Artikel hier entlang).

Jetzt waren die Musiker mal wieder zu Gast in Lindau und ich mittendrin. Was diesmal passiert ist - per Klick aufs Bild könnt Ihr den Artikel lesen, der heute in der Lindauer Zeitung erschienen ist.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Video: OFF! - Over Our Heads



Oh mann. Ich hab die letzte "OFF!" echt verpasst. Als "Wasted Years" dieses Jahr rauskam, hatte ich gerade kein so großes Bedürfnis nach Hardcore. Aber immer wenn dann die Videoclips über einen hereinbrechen, denkt man sich: Sollte wohl doch noch in die Plattentasche. Im Kurzfilm "Over Our Heads" ist wieder Jack Black mit von der Partie, es geht um einen Fallschirmsprung und Drogenverherrlichung kann man dem Video beim besten Willen nicht vorwerfen. Der zweite Teil der Story, die erzählt wird, ist für nächste Woche angekündigt.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Title Fight: Neues Album "Hyperview" kommt Ende Januar

Title Fight sind keine durchschnittliche Hardcore-Band. Vor allem, wenn man den Begriff Hardcore eher mit prolligem Gebolze in Verbindung bringt. Aber nicht erst seit La Dispute wissen wir, dass Hardcore viele Facetten hat. Ein paar neue werden Title Fight dem Genre am 30. Januar hinzufügen. Dann erscheint ihr neues Album "Hyperview". Das erste Video zum Song "Chlorine" gibt's schon online bei Muzu zu bestaunen. Ein skurriler Clip voller Traumsymbolik und seltsamer Bilder.

Für ihr neues Album haben sich Basser/Sänger Ned Russin, Jamie Rhoden (Gitarre,Gesang), Shane Moran (Gitarre) und Drummer Ben Russin im Studio 4 in Conshohocken, Pennsylvania, eingemietet. Produzent Will Yip war wie bereits bei den Vorgängerscheiben mit dabei. Ned Russin sagt über das Album, das einen deutlichen Stilwechsel mit sich bringt: "We were looking at bands like maybe Dinosaur Jr. and the Beach Boys. We were looking at the moment where they found something that had never been done before and was now being done well. We were just chasing that energy.”"

Hier die Track List:
1. Murder Your Memory
2. Chlorine
3. Hypernight
4. Mrahc
5. Your Pain Is Mine Now
6. Rose of Sharon
7. Trace Me Onto You
8. Liar's Love
9. Dizzy
10. New Vision

Freitag, 28. November 2014

Jeff Tweedy bei den Cardinal Sessions



 Jeff Tweedy war bei den Cardinal Sessions zu Gast. In der Akustik-Session-Reihe hat er zwei Songs seines diesjährigen Albums "Sukierae" gespielt, nämlich "Fake Fur Coat" und "Honey Combed". Der Wilco-Fronter hat mich dazu angestiftet, sein aktuelles Solowerk mal näher in Augenschein zu nehmen. Oder muss es Ohrenschein heißen?

Mittwoch, 26. November 2014

Hörtest: Möngöl Hörde - Möngöl Hörde

Hardcore kann Frank Turner. Das wissen wir, denn vor Folk- und Punkrock-Solokarriere gab es "Million Dead". Mit seinem Nebenprojekt "Möngöl Hörde" (die Metal-ö-Pünktchen müssen mit!) beweist der britische Durchstarter, dass er es immer noch kann. 

Weiche Schale, harter Kern? Ne, eigentlich ist es umgekehrt. Aber in dem Fall, wenn man sich Frank Turners Schaffen anschaut, kann man das mal so stehenlassen. Die bierseligen Singalongs seiner fantastischen Alleingänge ("Love Ire and Song" und wie sie alle heißen) hat er auf dem Full-Length-Debüt seines Nebenprojekts Möngöl Hörde (warum nur einmal den Metal-Dot verwenden, wenn man schon drei O's zur Verfügung hat?) gegen ungehaltene Wut-Attacken getauscht. Und um die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen, hat sich Turner mit Ben Dawson einen ehemaligen Mitstreiter von "Million Dead" geholt und mit Matt Nasir ein Mitglied seiner Solo-Begleitband The Sleeping Souls an Bord.

Leider will Frank Turner sein Projekt bewusst nicht groß vermarkten. Es gab keine Interviews (zumindest keine von denen ich wüsste), und nun eint die Fans die Hoffnung, dass es nicht bei dieser Platte bleibt. Das hoffe ich auch. Denn die Langrille macht Laune. Die Musik ist bewusst simpel gehalten - und das gilt auch für die Texte. "Make way for the Mongol Horde/Coming back to fuck you up" heißt es gleich im ersten Song. "Casual Threats From Weekend Hardmen" verbeugt sich mit seinem "Wooooo" vor Refuseds "New Noise", zuvor werden wir in "Tapeworm Uprising" akustische Zeugen eines Aufstands in Hollywood, den der Bandwurm von Natalie Portman auslöst. Der Song geht böse und sarkastisch mit Los Angeles ins Gericht.

Ohnehin lohnt sich ein Blick auf die Texte, die jemand netterweise in diesem Forum zusammengetragen hat. "Staff to the refund counter" kann man als Konsumkritik verstehen, und in "Stillborn Unicorn" blitzt kurz ein Solo-Intro auf, bevor es von Hardcore-Klängen zur Seite gerammt wird. Sehr gelungen auch "Winkyface: The Mark of The Moron", in dem sich Turner als Hüter der englischen Sprache und Hasser von diesem Dingens outet ;-) Es geht melodisch zu, aber es gibt auch gut auf die Mütze. Zuckerbrot und Peitsche, Ihr kennt das.

Mit der Erkenntnis, dass Keith Richards ein T-1000 ist und niemals sterben wird ("Hey Judas"), kehren wir in den viel leiseren Alltag zurück. Etwas zu leise hier. Aber: Wir können die Platte - auf Vinyl kommt sie in schickem Weiß daher - ja immer wieder auflegen.

Das gleichnamige Debüt von Möngöl Hörde ist am 30. Mai 2014 via Xtra-Mile Recordings erschienen. Hier das Video zu "Winkyface: The Mark Of The Moron":

Dienstag, 25. November 2014

NPR zeigt Tiny Desk Concert mit J Mascis



Das hier dürfte doch ganz nach Eurem Geschmack sein, oder? Ein Tiny Desk Concert mit J Mascis. Neben Songs vom aktuellen Solo-Album "Tied to A Star" kommt auch der Song "Little Fury Things" von Dinosaur Jr. zum Zug.

Sonntag, 23. November 2014

Fünf Metal-Songs für Kälte, Winter und Nebel

Das war mal eher ein vernebeltes Wochenende. Von Winter trotzdem keine Spur. Wo bleibt der Schnee? Trotzdem: Zum depressive Musik hören eignet sich das Wetter allemal.

Damit Ihr trotzdem auf den Winter vorbereitet seid, hier meine fünf liebsten Metal-Songs, die mit Nebel, Winter und Kälte zu tun haben.

Sentenced - Ever-Frost:


Immortal - At The Heart of Winter: 


Rage - Don't Fear The Winter:



Cradle of Filth - Her Ghost In The Fog:


Black Sabbath - Snowblind:

Samstag, 22. November 2014

Hörtest: ...Trail of Dead - IX

Neues aus Austin, Texas: Die Band mit dem Namen, der jeden unbeschlagenen Verkäufer in der Musikabteilung jedes x-beliebigen Elektromarkts in den Wahnsinn treibt, präsentiert sich auch auf "IX" gewohnt kreativ und musikalisch ohne wirkliche Konkurrenz. 

Dabei geht der Kurs weg vom eher minimalistisch und radauorientiert gehaltenen "Lost Songs", wieder mehr hin zu den Klangcollagen von "Tao of the Dead". Herausgekommen ist ein Mix aus flächigen Soundlandschaften, Rock-Sprengseln, typisch traumtänzerischen Melodien und dem Hang zur ausufernden Songstruktur. 

Das muss man auch erstmal können: Da schraddeln die distortierten Gitarren in "A Million Random Digits" an einem vorbei, dass man sich vorkommt, als ob man dem Titel gemäß in einem dieser Matrix-Monitore steht und grüne Zeichen an einem vorbeifliegen, und trotz aller Aufgekratztheit ist das auch so ein Song, bei dem die Beifahrerin des nächtens auf der Autobahn wegratzen könnte. Bombast ("The Ghost Within") und Rock-Kante halten sich die Waage auf "IX", dem, klar, neunten Album der Texaner. Und in "How To Avoid Huge Ships" kommt es dann ganz dicke: In fast vier Minuten schaukeln sich Klavier, Cello, Gitarren, Drums und mehr zu einem großen Ungetüm auf, vor dem man ungläubig und staunend stehenbleibt. "Lost In The Grand Scheme" protzt dann mit Noise-Krawall, Jason Reece übernimmt das Mikro, und siebeneinhalb Minuten lang gibt es hier Nachhilfeunterricht in Sachen "Wie mach ich Rock, der knallt, aber die Klischee-Kiste geschlossen lässt?". 

Der große Aha-Moment dann in "Like Summer Tempests Came His Tears": ein rein instrumentales Stück, das mit Streichern dermaßen dramatisch Fahrt aufnimmt, dass ich damit rechne, den Song bald in jedem zweiten Kinotrailer zur Untermalung emotionaler Szenen zu sehen. Hört Euch den Song in voller Lautstärke an und legt dazu die DVD von "The Return of The King" ein - Ihr werdet merken, was ich meine. Mit "Sound of the Silk" gibt es dann noch ein musikalisches Experiment, in dem sich Streicher und archaisch wirkende Trommeln einem Techtelmechtel hingeben. Sehr groß. Apropos groß: Diese Platte sollte man auf Vinyl haben, denn das Cover - wie immer von Conrad Keely, Sänger und Gitarrist  der Band gezeichnet - kann man stundenlang studieren, und man entdeckt immer noch Details. 

"IX" von ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead ist am 17. Oktober erschienen. Mehr unter https://andyouwillknowusbythetrailofdead.bandpage.com

Donnerstag, 20. November 2014

Two Gallants: Neues Album "We Are Undone" erscheint Ende Januar



Two Gallants, das amerikanische Indie-Folk-Country-Duo aus San Francisco, veröffentlicht am 30. Januar ihr inzwischen auch schon fünftes Album. "We Are Undone" wird via ATO/Pias Cooperative erscheinen. In einer Pressenotiz des Labels heißt es: "Adam Stephens (Gitarre, Harmonica, Keyboard, Gesang) und Tyson Vogel (Drums, Gitarre, Gesang) nehmen sich in ihren druckvollen Rocksongs einmal mehr sozialkritischer Themen an, wie beispielsweise der bevorstehenden Klimakatastrophe, der Illusion von Authentizität, dem sozialen Wandel und der damit einhergehenden Entfremdung von der eigenen Heimatstadt, aber auch dem romantischen Sichfremdwerdens." Alles wie immer also, möchte man meinen.

Der Titelsong ist schon als Lyric-Video im Netz (siehe oben). Aufgenommen wurde der Nachfolger von „The Bloom and the Blight“ (2012)  innerhalb eines Monats zusammen mit Karl Derfler (Tom Waits) im Norden Kaliforniens.

Hier noch ein paar Tourdaten:

27.02. Köln - Stollwerck
28.02. Schorndorf - Manufaktur
01.03. Frankfurt - Zoom
08.03. München - Theaterfabrik
09.03. A-Wien - WUK
11.03. Berlin - SO36
12.03. Hamburg - Uebel & Gefährlich

Lesetipp: "What The Toll Tells" hab ich in die Galerie der Klassiker hier auf Tinnitus Attacks aufgenommen.

Mittwoch, 19. November 2014

Konzertkritik: Morbid Angel im Club Vaudeville

Und nun zu etwas völlig anderem: Death Metal. Als ich mich noch zur Metal-Gemeinde zählte, kam hin und wieder, nicht regelmäßig, aber ab und an mal Todesmetall auf den Plattenteller. Amorphis ("Tales From The Thousand Lakes"), In Flames ("The Jester Race", "Whoracle"), Children of Bodom ("Something Wild"), also eher melodiöse Sachen.

Aber auch Aggro-Schrotter wie Six Feet Under haben mir große Freude bereitet. Tatsächlich erinnere ich mich, dass ich eine Deutsch-Klausur in der Oberstufe mit der 1999er-Platten "Maximum Violence" in den Ohren geschrieben hab. Gedichtinterpretation während Dir Chris Barnes zu geschmackvollen Titeln wie "Feasting On The Blood Of The Insane" ins Ohr grunzt, geht allerdings weniger - und es war meine erste 3 in Deutsch. Aber das war egal. Die Aktion an sich bleibt mir unvergessen, ebenso des Lehrers Worte: "Wenn Du das kannst, lass die CD ruhig laufen." Hach, laissez-faire.

Jedenfalls: Morbid Angel waren im Club Vaudeville in Lindau. Text findet Ihr nebenan, per Klick drauf könnt Ihr meinen Artikel lesen. Erschienen ist der Artikel in der Dienstagsausgabe der Lindauer Zeitung. Mehr Fotos gibt's unter schwaebische.de/morbidangel,

Montag, 17. November 2014

Pitchfork streamt "Pulp: A Film About Life, Death and Supermarkets"

Pulp sind ja auch so genial. Von allen Britpop-Bands fand ich eigentlich immer Blur am coolsten. Aber vor einiger Zeit hatte ich eine Epiphanie und dann wurde mir bewusst, wie großartig "Common People" eigentlich ist. Jetzt postet Pitchfork auf Youtube den Film "Pulp: A Film About Life, Death and Supermarkets". Der Streifen dreht sich natürlich um Pulp und ist ein Mix aus Konzertmaterial, Interviews und Traumsequenzen.

Sonntag, 16. November 2014

Greetings from Flashbackville: Heute mit Staind

Ja ich geb zu: Ich stand mal riesig auf Staind. Ich hab dem Debüt "Break The Cycle" der Alternative-Rocker seinerzeit eine ausführliche Plattekritik gewidmet. Die grungige Weinerlichkeit von Songs wie "Outside" und "It's been awhile" lockten mich, und die härteren Songs fand ich auch gelungen. Dann hab ich die Band aus den Augen verloren. Aber manchmal muss man sowas einfach wieder mal auflegen. "So Far Away" stammt zwar nicht von "Break The Cycle", könnte aber gut auch auf der Platte vertreten sein.

Samstag, 15. November 2014

Was mir zu "Smells Like Twen Spirit" eingefallen ist

Spannung, Spaß und Spiel - oder so: Das Pascow-Box-Set.
                                                        Foto: Tinnitus Attacks
Pascow schaffen es mit ihrem neuen Album "Diene der Party" ziemlich weit nach oben in meinen Jahres-Top-Ten. Ist ja bald auch schon wieder Zeit für Jahresrückblick und so.

Was das aktuelle Werk der Punkrocker aus Gimbweiler für mich noch ein Stück wichtiger macht, ist eine persönliche Geschichte. Denn zum Song "Smells Like Twen Spirit" konnte man ja einen Text einreichen, der mit etwas Glück im Buch zur LP veröffentlicht werden sollte. Das hab ich zwar nicht geschafft, aber Pascow fanden die restlichen Texte so gut, dass sie sie nicht unter den Tisch fallen lassen wollten. Und inzwischen ist das Box-Set, das nun extra produziert wurde, da. Obwohl es erst am 7. November auf den Markt kam, ist es schon vergriffen. Das Album gibt's auf Tape (plus Download), im Buch sind die 50 Texte versammelt (unter anderem meiner) und das Ganze kommt in einer Papp-Box mit aufgesprühtem Schriftzug. Seit ich das Set hier hab, ist mir wieder klar, wie sehr mir Kassetten eigentlich fehlen. Klar, Nostalgie und so. Aber wenn man seine Jugend mit dem Zusammenstellen von Mixtapes verbracht hat, ist es echt ein ganz seltsames Gefühl, in Zeiten von Spotify und Co. mal wieder eine Kassette einzulegen.

Aber bevor ich jetzt alte Dino-Stories auspacke, lest lieber meinen Text, der in "Smells Like Twen Spirit" abgedruckt ist:

Doch schon so spät

Von Daniel Drescher

Und Du schaust auf die Uhr und stellst fest, dass die vergangenen 20 Jahre an Dir vorbeigerast sind wie ein ungebremster Expresszug. 2014 hätte Kurt Cobain seinen 47. Geburtstag gefeiert. Doch der Grunge-Musiker wurde 1994 durch seinen frühen Tod zur Ikone. Mit 27 starb er. Im Blut eine Überdosis Heroin, im Kopf eine Kugel. Cobain beging Suizid, auch wenn sich gewagte Verschwörungstheorien um sein Ableben bis heute halten.

Den damals jungen Erwachsenen, die der kanadische Schriftsteller Douglas Coup im gleichnamigen Roman so treffend als „Generation X“ portraitierte, hinterließ Cobain Songs, die ihnen aus der Seele sprachen.

Zum Beispiel "Smells Like Teen Spirit", den großen Hit mit der Textzeile, die heute noch ebenso bedeutungsschwanger klingt wie damals: "Here We Are Now, Entertain Us." Wenn Kurt Cobain diesen Song heute veröffentlichen würde, klänge das vielleicht anders. Die Welt ist eine andere. Damals – wie seltsam das klingt, wenn man selbst Anfang 30 ist – war es eine Welt ohne Smartphones. Ohne permanente Verfügbarkeit von Musik im Internet. Ohne digitalen Exhibitionismus auf Facebook und Twitter; ohne die im Sekundentakt aufschlagenden Statusmeldungen, die im besten Fall nützlich, oft genug aber auch heiße Luft sind. Vielleicht müsste der Song dann „Smells Like Twen Spirit“ und die wichtigste Textzeile heißen: "Haltet ein, es ist zu viel Entertainment." Kurt, der den Rummel um seine Person nie verstanden hat – würde er sich im Netz profilieren und feiern lassen? Würde er Selfies posten? Weiß niemand. Das Gefühl sagt: vielleicht eher nicht. Was wäre, wenn er noch leben würde? Wären Nirvana noch so groß wie Anfang der 90er, als Grunge der Klang einer Generation, der Sound einer Szene war? Und wäre der frühere Nirvana-Schlagzeuger Dave Grohl der – gleichwohl sympathische – Rockstar, zu dem ihn sein Erfolg mit den Foo Fighters gemacht hat? Themen für den Musiknerd-Stammtisch. Man darf es für bittere Ironie halten, dass vermutlich erst der Tod Kurt Cobains den Weg zum Riesenstatus der Foo Fighters geebnet hat. Grohl beschäftigt der Tod immer noch, wie man auf dem Foo-Fighters-Album "Wasting Light" 2011 sah: "I Cannot Forgive You Yet" formulierte er im Song "I Should Have Known". Die Zeit heilt alle Wunden? Nicht unbedingt.

Kurt Cobain wurde keine 30. Er starb in der Zeit, die mancher für die beste Zeit im Leben hält: den Goldenen 20ern. Für Kurt Cobain waren die 20er nicht nur golden, trotz Ruhmes und Rummels. Sie waren auch "blue", traurig, und "black" müssen sie auch gewesen sein, düster wie das schwarze Loch der Depression. Darin ist er versunken.

Je nachdem, wen man fragt, sind die Goldenen 20er eine historische Ära oder aber das altersmäßige Nonplusultra. Unverbaut liegt die Zukunft vor Dir. Alles scheint möglich. Der Geist der 20er. Eben noch hast Du am Abi-Ball voller Illusionen im Kopf "Freiheit!" gerufen und das Ende der Schule als Startschuss fürs richtige Leben begriffen. Gut, später stellt sich heraus, dass diese Freiheit mit Steuererklärungen erkauft sein will. Mit Autoreparaturen, mit Versicherungspolicen und Altersvorsorge. Trotzdem: Die Twens gehen mit breiter Brust durchs Leben. Ihnen gehört die Welt. Den Führerschein hast Du nicht erst seit gestern, in den USA darfst Du mit 21 endlich Alkohol trinken. Und Du hast so viel auszuprobieren – vor allem Dich selbst. Studium, erste eigene Wohnung, weg von zuhause. Geht eine Beziehung in die Brüche, sind vielleicht noch keine Kinder und keine Ehe im Spiel. Die 20er sind unbeschwert. Relativ. Nähern sie sich dem Ende, wird den meisten klar, dass "da draußen" nicht das ersehnte Rockstar-Dasein auf Dich wartet, sondern ein Job, der gemacht werden muss, damit am Ende des Monats Geld auf dem Konto landet. Du kommst zu der Erkenntnis, dass die Plattensammlung manchmal zurückstecken muss, wenn Du Dein Einkommen in Alltagskram wie Umzugskartons stecken musst. Dass Klassentreffen zu Weihnachten immer auch eine Art Status-Schwanzvergleich sind. Mein Auto, mein Haus, mein Lifestyle.

Und während die anderen um Dich herum erwachsen werden, ein Aktiendepot anlegen und heiraten, interessierst Du Dich vielleicht weiter für Bands, die Deine Freunde nur deshalb kennen, weil Du stolz deren verwaschene Tour-Shirts zur Schau trägst. Du kannst immer noch über die infantil-debilen Späße von Beavis und Butt-Head lachen, während der eine Typ aus Deiner alten Clique plötzlich keinen Spaß mehr versteht, wenn es um die heilige Pflicht der Kehrwoche geht.

Plötzlich sind sie rum, die 20er. Der Expresszug, weißt Du noch? Zu Deinem 30. schenken sie Dir dieses pseudolustige T-Shirt: „Ich bin 30 – bitte helfen Sie mir über die Straße.“ Lass Dich nicht irre machen: Die 30er sind nicht so schlecht, wie einige tun. Niemand legt einen Schalter um, der Dich plötzlich zwingt, jeden Samstag das Auto zu waschen, Jazz zu hören und den All-inclusive-Urlaub auf einer überlaufenen Baleareninsel zu buchen. Die 30er sind wirklich nicht so übel. Du bist – hoffentlich – kein Praktikant mehr, kennst Dich selbst, weißt, was Du willst und welche Kompromisse Du niemals eingehen würdest. Du stehst im Leben. Wie chaotisch das auch immer sein mag. Und wenn andere Dich schief anschauen, weil Du immer noch Poster an der Wand hast statt Picasso: egal. Mit Musik kannst Du in Würde altern. Johnny Cash hat es bewiesen. Keine Angst.

ENDE.

Eine Plattenkritik zu Pascows "Diene der Party" lest Ihr hier, einen Konzertbericht aus Lindau hier.

Donnerstag, 13. November 2014

Video: Kraftklub - In Schwarz



Was für ein großes Video! Heute haben Kraftklub ihren neuen Clip veröffentlicht. "Wie Ich" ist extrem einfallsreich illustriert. Mehr dazu sagen wäre unnötiges Spoilern. Insofern: Einfach anschauen.

Und dann meine Rezi zu "In Schwarz" lesen. Danke.

Mittwoch, 12. November 2014

Against Me! bei Q



Ein paar erhellende Minuten, in denen Against Me! bei Q zu Gast sind: Frontfrau Laura Jane Grace spricht über ihre Freundschaft zu James Bowman, dem einzigen außer ihr in der Band verbliebenen Mitglied der Anfangszeit.

Das aktuelle Album "Transgender Dysphoria Blues" gehört klar zu den Highlights des Jahres, wenn Ihr mich fragt. Sehr empfehlenswert dazu auch die Doku "True Trans", die ein Licht auf die Hintergründe wirft.

Dienstag, 11. November 2014

SZene-Hörtest: Foo Fighters - Sonic Highways

Ich war skeptisch. Klar war es ambitioniert, in acht Städten aufzunehmen. Klar ist "Sonic Highways" kein zweites "Wasting Light". Das wäre ja auch langweilig. Aber: Eine Enttäuschung, wie manche finden, ist das neue Album der Foo Fighters garantiert nicht. Es hat alles, was diese Band großgemacht hat. Und nach einem Blick auf die erste Folge der dazugehörigen Doku-Reihe kann ich nur empfehlen, dass man sich mit diesem Gesamtkunstwerk eingehen auseinandersetzt. Eine ausführliche Besprechung des Albums aus meiner Feder ist heute auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr den Artikel lesen - oder auch bei schwäbische.de.

Montag, 10. November 2014

The Gaslight Anthem bei den Cardinal Sessions



Ich liebe The Gaslight Anthem. Ich liebe die Cardinal Sessions. Und beides zusammen - ach, bevor es zu kitschig wird, schaut Euch einfach die Videos an. "1000 Years" und "Wherefore Art Thou, Elvis?" gibt's zu bestaunen, wie sie von Brian Fallon und Alex Rosamilia gespielt werden.

Freitag, 7. November 2014

Siena Root rennen bei mir offene Türen ein

Früher haben mich meine Freunde immer ausgelacht, wenn ich ankam und gesagt hab: "Ich hab eine voll geile neue Band entdeckt." Dann hab ich meistens Sachen wie Kiss oder AC/DC gemeint, die schon ewig existieren, aber erst so nach und nach auf meinem Radar auftauchen - damals zum Beispiel, weil ich den 70er-Flash bekam.

Übrigens hab ich da eine voll geile neue Band entdeckt. Zwar auch schon länger unterwegs, aber ok. Kam ich drauf, als ich diese News für Finestvinyl geschrieben habe. Siena Root haben es mir echt angetan. Mit ihrem klassisch (wie in Classic Rock) angehauchten Psychedelic-Rock rennen die Schweden bei mir offene Türen ein. Farin Urlaub hatte so Recht: Jag Älskar Sverige! Gleich eine ältere Platte namens "Far From The Sun" bestellt. Den Song "Waiting For The Sun" zeig ich Euch hier mal:

Donnerstag, 6. November 2014

Video: Cymbals Eat Guitars - Warning



Die stehen noch auf meiner To-do-Liste: Cymbals Eat Guitars. Schon viel Gutes gehört über das Indierock-Quartett aus New York. Und das Video zu "Warning" bestätigt diesen Eindruck schon mal. Jemand Tipps, mit was man da einsteigen sollte? Wer will, kann einen Kommentar dalassen.

Mittwoch, 5. November 2014

Murder by Death: Neues Album "Big Dark Love" kommt im Februar 2015

Manchmal ist es gruselig. Da fragen die Southside-Veranstalter nach Bandwünschen für 2015 und ich kommentiere: "Murder by Death". Kurz drauf seh ich: Murder by Death haben soeben das neue Album angekündigt. Dass es bei den Indie-Folk-Düsterlingen aus Bloomington, Indiana, nicht immer mit rechten Dingen zugeht, war mir schon klar. Dieser verwunschene, rumpelige Geisterstadt-Sound ist so poetisch, so makaber und so groß, dass ich nur Superlative ins Hirn bekomme. Jedenfalls: "Big Dark Love" soll am 3. Februar 2015 erscheinen via Bloodshot Records. Wie schon beim Vorgänger "Bitter Drink, Bitter Moon" wird es eine Kickstarter-Kampagne dazu geben. Über das neue Album sagt die Band auf der Internetseite zur Crowdfunding-Aktion: "With Kevin Ratterman engineering and John Congleton mixing, we made the biggest sounding record of our career and we are extremely proud of it. It's called Big Dark Love because it is a collection of non-traditional love songs." Ich bin gespannt.

Oh, und ich hab "In bocca al lupo" wirklich noch nicht in der Galerie der Klassiker abgehandelt? Das hol ich nach. Versprochen.

Hier nochmal der Song, mit dem für mich alles angefangen hat bei dieser Band:

Sonntag, 2. November 2014

Greetings from Flashbackville: heute mit den Spiritual Beggars



Ich hab grad einen heftigen Flashback. Die Spiritual Beggars haben mich Ende der 90er Anfang der 2000er rasant begeistert. "Ad Astra" ist einer der absoluten Hammerklassiker in meinem Plattenschrank. Dann kam der Sängerwechsel und ich war raus. Wobei die "Earth Blues" echt in Ordnung war. Aber mir fehlt die markante Stimme von Spice. Die Videos von Amateurfilmern auf Youtube sind nicht der Hammer, aber sie zeigen die Band so, wie ich sie beim Metal 2000 auch erlebt habe: Roh und mit großer Spielfreude.

Samstag, 1. November 2014

Hörtest: Lagwagon - Hang

"Lagwagon sind die amerikanischen Die Ärzte", meinte ein guter Freund auf dem Southside Festival vor ein paar Jahren zu mir. Joey Cape und seine Band stand auf der Bühne, spielten großartige Songs wie die Trennungs-Schnauzbart-Anekdote "Razor Burn" und meinen persönlichen Favoriten "Falling Apart" - und zwischendurch gab es genauso schwachsinnige Ansagen wie bei den Berlinern BelaFarinRod. Lagwagon waren für mich immer eine coole Band, Joey Cape ein begnadeter Songwriter. Sein Soloalbum "Bridge" enthält einen Song, der wirklich einer meiner ewigen Favoriten ist: "The Ramones Are Dead", eine herzenswärmende Betrachtung über Plattenläden und Musikliebe. Live hab ich ihn im Club Vaudeville vor ein paar Jahren erlebt (mit Jon Snodgrass und Chad Rex zusammen). Also: Gute Band, solide Platten, ein paar schöne Erinnerungen. 

Aber: Dass mich das neue Album dermaßen umhaut, hätte ich nicht erwartet. "Hang" ist das erste Studioalbum seit neun Jahren. In der Zwischenzeit hat Joey Cape unter den Bannern von Bad Astronaut, Scorpios und Bad Loud Alben veröffentlicht, er ist mit "Me First and the Gimme Gimmes" für die coolsten Coverversionen ever verantwortlich und auch als Labelmacher und Produzent tätig. "Hang" ist eine Überraschung. In jeder Hinsicht. Punkrock pur, aber dabei verzichten Lagwagon auf stumpfe Klischees, platte Polka-Rhythmik und ausgelutschte Parolen. Uns allen war doch immer klar, das Joey Cape ein großartiger Songwriter ist. Aber auf "Hang", das ist echt nochmal ne Schippe obendrauf. Die Songs sind so versiert und clever aufgebaut. Wie bei "In Your Wake" plötzlich ein cleaner Gitarrenpart kommt, nur um dann die Schrauben wieder anzuziehen und zu explodieren - wow.

Die Gitarrenarbeit ist dann auch das, was "Hang" weit aus der Masse der Veröffentlichungen raushebt. Das Riffing in "Made Of Broken Parts" oder die fast schon metallische Twin-Guitar-Passage ab Minute fünf in "Obsolete Absolute". Dann "One More Song", mit dem Joey Cape seinem im Juli 2012 vestorbenen Freund Tony Sly (No Use For A Name) Tribut zollt: Der Titel schöpft laut Label aus dem Schlussgesang von Sly’s Solotrack "LIVR Let Die". Label/Promoagentur Uncle M zitiert Joey Cape dazu: "Die letzten Tage, die wir zusammen auf Tour waren, hat er ein Lied geschrieben und für mich gespielt, und es war unbeschreiblich", sagt Cape über die Inspiration des Songs. "Was ist mit diesem Lied passiert? Ich kann mich nicht entsinnen. Ich kann mich nicht gut genug daran erinnern, um zu sagen, "das ist das letzte Lied, das Tony je geschrieben hat."

Tod, Trauer, Verlust und Alter - große Themen, die das Album verhandelt. Und es wirkt auch so, als seien die Songs erwachsener, reifer, ausgeklügelter. Das kommt wohl mit der Zeit. Trotzdem haben Lagwagon ihre gute Laune nicht verloren und schaffen es, dem Zuhörer ein breites Grinsen aufs Gesicht zu musizieren. Und wenn mit "You Know Me" die Platte ausklingt, ist klar: Eben hast Du eine der besten Platten dieses Jahres gehört.

"Hang" von Lagwagon ist am 31. Oktober erschienen. Im Youtube-Kanal von Fat Wreck Chords könnt Ihr die Songs des Albums hören. 

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Video: The Flatiners - Tail Feathers



The Flatliners lassen in ihrem neuen Video Kindheitserinnerungen aufleben. Und bei diesem Veröffentlichungs-Timing kann es natürlich nur um Halloween gehen. Der Song "Tail Feathers" stammt vom letztjährigen Album "Dead Language". Bei mir weckt der Clip Erinnerungen daran, wie ich die Band für mich entdeckt habe. Ach, war das schön.

Montag, 27. Oktober 2014

Video: ...Trail of Dead - The Ghost Within

Das neue Album "IX" von And You Will Know Us By The Trail of Dead ist da. Eine ausführliche Rezension des am 17. Oktober erschienenen Werks folgt in den nächsten Tagen hier. Bis dahin könnt Ihr Euch bei Muzu schon mal das Video anschauen (ganz oft halt, bis die Plattenkritik online ist). Der Song nennt sich "The Ghost Within" und repräsentiert eher wieder die bombastische Seite der Band, die auf ihrem letzten Album "Lost Songs" eine eher minimalistische Route verfolgte, die den musikalischen Anfängen Tribut zollte. Den Song "A Million Random Digits" gibt's bei Soundcloud zum Streamen.

Auf Tour kann man ...Trail of Dead an diesen Terminen erleben:

3-Nov   Germany, Marburg - KFZ
4-Nov  Switzerland, Bern Reitschule-Dachstock
5-Nov  Switzerland, Winterthur - Salzhaus
6-Nov  Switzerland, Luzern - Konzerthaus Schuur
7-Nov   Austria, Linz - ahoi! Pop Festival (Posthof)
8-Nov  Switzerland, Laufen - Biomill
9-Nov  Germany, Munich - Ampere
10-Nov  Germany, Berlin - Bi Nuu
11-Nov  Germany, Hamburg -  Knust
12-Nov  Germany, Cologne - Gebaude 9
14-Nov  UK, Glasgow – The Art School
15-Nov  UK, Coventry -  Kasbah
16-Nov  UK, Manchester - Ruby Lounge
17-Nov  UK, London – Dingwalls
18-Nov UK, London - Dingwalls
20-Nov  Germany, Hannover - Café Glocksee
21-Nov  Germany, Bielefeld – Forum
22-Nov Netherlands, Eindhoven - Speedfest
23-Nov Belgium, Brussels - VK
24-Nov  France, Paris - La Maroquinerie

Wer nochmal erinnert werden will, warum er die Band nochmal so großartig fand - wegen Auftritten und Songs wie diesem:

Sonntag, 26. Oktober 2014

Hörtest: Restorations - LP3

Schon bei "LP2" war ich hin und weg. Dabei machen Restorations keine Musik, die sich aufdringlich in die Gehörgänge schraubt und mit süßlichen Widerhaken-Melodien einnistet. Auch die neue Platte der fünf Musiker aus Philadelphia gefällt mit Gitarrenrock, der im Heartland zuhause ist, aber mit übergroßen Klangwänden, Punk-Wucht und Pearl-Jam-Pathos wuchert. 

Das große Geheimnis der Rock-Musik: Wie kriege ich meinen Sound so hin, dass er breitbeinig und testosterongetrieben wirkt, dabei aber nicht platt machohaft wirkt? Es wird ähnlich sein wie mit Cola: Das Rezept kennen diejenigen, die das hinbekommen, aber sie gehen nicht damit hausieren. Restorations gehören zum eingeweihten Kreis. Sie zimmern ihren überdimensionalen Rock mit archaisch wirkenden Mitteln zusammen, umschiffen dabei aber zu jeder Sekunde prollige Klischees und bieten Songs mit Tiefe und bleibendem Wert. Wer sich eine Mischung aus Bruce Springsteen und The National vorstellen kann, sollte ein Ohr riskieren - gern auch zwei (passenderweise hat den Produktions-Job Jon Low übernommen, der The National's "Trouble Will Find Me" veredelt hat und für The War On Drugs tätig war). Mich hat jedenfalls schon der Vorgänger umgehauen.

Und diese Texte: Gleich im Opener ein intelligentes Zeile zum Zitieren: "I love these protest songs but who can afford to go see them be sung?" Da sind wir alle angesprochen. Dann "Seperate Songs" mit seinen abwechselnd brachialen und dann weiträumigen Gitarren. Bei "Tiny Prayers" auch wieder so ein Lyric-Fetzen zum ins Gehirn brennen: "I don’t know what’s worse / No opinion or no thirst / Or how I can’t find a better use for my time." Jon Loudon trägt das alles mit einer Stimme vor, die ja zurecht mit Eddie Vedder verglichen wird - diesem aber nur in extrem angepisstem Zustand gerecht würde.

Vielleicht ist es die Jahreszeit, aber mir kommt die Platte vor wie eine lange Autofahrt im Herbst, während die Sonne ihr typisches Oktoberlicht nochmal auf Dich wirft, bevor der dunkle deprimierende November kommt. Wobei die Songs jetzt auch nicht vor Freude überschäumende Juhu-Girlanden sind. Emotional trifft es schon eher - wie in: Pain is so close to pleasure. Definitiv eine der Platten, die man dieses Jahr gehört haben sollte.

"LP3" von Restorations erscheint am 31. Oktober via Side One Dummy. Bei NPR kann man die Platte schon mal vorab streamen

Samstag, 25. Oktober 2014

Foo Fighters präsentieren neuen Song "The Feast and The Famine"



Plattenveröffentlichungen bekommen für mich immer mehr den Charakter von Filmpremieren. Ihre Schöpfer versuchen, das Publikum schon lange im Vorfeld heiß auf das neue Album zu machen. Songfragmente, kleine Videos, Teaser - wer will, kann schon vor dem Release ein Puzzle zusammensetzen. Ich bin da hin- und hergerissen. Denn eigentlich fand ich es auch ganz cool, am VÖ-Tag in den Plattenladen zu gehen, die CD zu kaufen und mich dann überraschen zu lassen. Aber klar, wenn es was zu streamen gibt, ist das eine Versuchung.

Auch die Foo Fighters schüren die Vorfreude auf ihr neues Album "Sonic Highways", das am 10. November erscheint. Jetzt ist "The Feast and The Famine" auf Youtube verfügbar. Klingt jedenfalls nicht, als ob das Album schwächer wird als der Vorgänger. "Something From Nothing" könnt Ihr hier auch schon hören.

Donnerstag, 23. Oktober 2014

SZene-Hörtest: Farin Urlaub - Faszination Weltraum

FUrchtbar fiel, äh, viel, kann Farin Urlaub im Grunde gar nicht falsch machen. Ob mit den Die Ärzte oder solo mit seinem Racing Team - der Mann ist als Musiker, Songschreiber und Texter große Klasse und ich hab bisher kein Album und kaum einen Song von ihm nicht in mein Herz geschlossen. Und seine Fotobände sind auch großartig. Egal,was FU macht: Das Resultat haut mich immer wieder aufs Neue um.

Das gilt zwar nicht im vollen Umfang für sein neues Soloalbum "Faszination Weltraum" (astreiner Titel), dem ich ein paar mehr Durchläufe spendieren musste, bis es mich vom Hocker gehauen hat. Aber das war mit der Neuen von Kraftklub auch so, und die hat inzwischen so dermaßen gezündet. Ein Artikel von mir über FUs neues Album ist am Samstag, 18. Oktober, in der Wochenendbeilage der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr die Story lesen.

Interviews mit Farin aus meiner Feder könnt Ihr zwei auf meinem Blog lesen: Eins aus dem Jahr 2006 über seine Musik, und eins aus 2011 über seine Fotografie. Und eins mit Bela hier.

Dienstag, 21. Oktober 2014

Hello Piedpiper kommt auf Tour



Wem emotionale Akustik-Gitarrensongs etwas bedeuten, der ist vermutlich schon auf Fabio Bacchet alias Hello Piedpiper aufmerksam geworden. Der Kölner Songwriter ist mir 2011 aufgefallen, als er in Stuttgart einen Support-Slot für Justin Sane (der Anti-Flag-Sänger) hatte. Die Platte musste her, ein Interview ebenso.

Jetzt gibt es neue Tourdaten von Hello Piedpiper. Mit dem Clip oben könnt Ihr Euch schon mal in Stimmung bringen.

23.10 DE - Frankfurt - Feinstaub
24.10 DE - Heidelberg - Action House + Chistian Schüll
25.10 DE - Nürnberg - nürnberg.pop
26.10 DE - Karlsruhe - Wohnzimmerkonzert*
27.10 DE - Saarbrücken - Café Thonet
28.10 DE - Mannheim - Wohnzimmerkonzert*
29.10 DE - Flein - Cafe Duuflein
30.10 DE - Bayreuth - Wohnzimmerkonzert*
31.10 DE - Leipzig - Horns Erben w/ Emilys Giant
01.11 DE - Siegen - Wohnzimmerkonzert*
08.11 DE - Köln - Wohnzimmerkonzert*
05.12 DE - Wuppertal - Endstation Sehnsucht w/ Polyanna
06.12 DE - Aachen - Raststätte w/ BRTHR
09.12 DE - Köln - Wohngemeinschaft w/ The Lake Poets
10.12 DE - Berlin - Monarch w/ The Lake Poets
11.12 DE - Hamburg - Bedroomdisco 2/ The Lake Poets

Montag, 20. Oktober 2014

"Smells Like Twen Spirit": Das Pascow-Buch kommt

Manche Dinge dauern etwas, werden dafür dann aber umso besser. Zum Beispiel die Geschichte mit dem Pascow-Buchprojekt. Ende Dezember saß ich in Kanada und hab einen kurzen Text für das Buch geschrieben, das die Punkband aus Gimbweiler ihrem neuen Album "Diene der Party" beigelegt hat. Darin schreiben Autoren unterschiedlichster Couleur Gedichte, Prosa und mehr zu den einzelnen Songtiteln. Die Texte entstanden, bevor die Schreiber wussten, um was es in den Stücken geht oder sie die Songs kannten. Zu "Smells like Twen Spirit" konnte man einen Text einschicken, der Gewinner schaffte es ins Buch. Mein Text war das nicht - aber Pascow haben die Texte, die es nicht ins Buch geschafft haben, so gut gefallen, dass sie sie nicht unter den Tisch fallen lassen wollten.

Das Buch mit weiteren eingesendeten Texten wird ab 7. November als Teil eines Sets erhältlich sein, dass zudem mit einer Tape-Version (richtig, die gute alte Kassette...) von "Diene der Party" und einem Download-Code kommt. "Alles zusammen verpackt in eine handgesprühte und handnumerierte Stülpkartonschachtel aus schwerer schwarzer Pappe", so die Band. Um es mit vorformuliertem Meme-Sprech zu sagen: "Take My Money!". 

Eine Plattenkritik zu "Diene der Party" gibt es an dieser Stelle, einen Konzertbericht dann hier. Die Infos zum Buchprojekt aus erster Hand nachlesen könnt Ihr hier.

"Zeit des Erwachens", mein Lieblingsstück von Diene der Party" könnt Ihr hier hören:

Montag, 13. Oktober 2014

Foo Fighters geben Einblick in "Sonic Highways"



Es ist extrem ambitioniert, was die Foo Fighters bei ihrem neuen Album versuchen. Acht Städte, die prägend für amerikanische Rockmusik sind, acht Songs für "Sonic Highways". Diverse Gaststars, unterschiedliche Herangehensweisen. Was Publicity angeht, läuft es bereits jetzt prächtig für Dave Grohl und seine Band. Stück für Stück enthüllen die Musiker immer neue Appetithäppchen. Jetzt gibt es ein fünfminütiges Video, das bisher am meisten verrät. Beim Rolling Stone gibt es einen ausführlichen Artikel zum Thema. Und bei David Letterman wird die Band die ganze Woche zu Gast sein und Musik machen. Herrlich!

Sonntag, 12. Oktober 2014

Galerie der Klassiker: Farin Urlaub - Endlich Urlaub!

Nächsten Freitag kommt nach sechs Jahren Sendepause endlich das fünfte Soloalbum (wenn man das "Livealbum of Death" mitrechnet) von Farin Urlaub, Grund für mich, nochmal ein paar Jahre zurückzublicken: Auf die Platte, mit der alles begann (also in solistischer Hinsicht). 

Es muss noch auf MTV gewesen sein (wenn mich mein alterndes Hirn nicht hinters Licht führt), "Masters" oder so was, als Bela B. seinen Die Ärzte-Kollegen Farin Urlaub als "Nuss" bezeichnete. Solch drastisches Vokabular aus dem Mund vom besten Stehschlagzeuger der Welt? Was war passiert? Farin U. hatte sich im Video zu "Sumisu" (Japanisch für "Smith") in die Rolle von Murnaus Nosferatu begeben und in flackernder Schwarzweißoptik dem Vampir-Klassiker gehuldigt. Bis dahin galt Farin Urlaub eigentlich mehr als der "Sonnyboy" der Ärzte, für Dunkelheit, Wave-Goth-Einflüsse und Fledermäuse war ganz klar Bela zuständig. Er bedauerte, dass mit dem FU-Alleingang für DÄ die Idee zu einem Vampirvideo gestorben war. "Sumisu" offenbarte mit seinen wavigen Gitarren eine neue Seite des schlaksigen Sängers und Gitarristen, der auf "Endlich Urlaub!" nicht nur singt und Gitarre spielt, sondern auch Bässe und Schlagzeug übernahm. Für Bläser- und Streicherparts holte sich FU Unterstützung, unter anderem von den Busters (großartig: das Instrumental "...Und die Gitarre war noch warm").  

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mit Bela und Rod nicht so furchtbar viel anfangen (DÄ als Gesamtkunstwerk harmonierten für mich wunderbar, aber einzelne Songs fand ich nicht so überragend, da hatte FU für mich immer die besseren Ideen). Insofern: eine ganze Platte mit Songs von einem, dessen Witze das Maß der Dinge darstellten und dessen Texte genial zwischen intellektuell und infantil pendelten, ich bin dabei, her damit, wo kann ich bestellen? 

Und die Platte löste das Versprechen ein, das die Vorab-Single "Glücklich" uns gab. Songs, die sich durch Humor, Melodien und überragende Texte auszeichnen - kein Aussetzer, kein schwacher Moment. Politische Statements ("Lieber Staat"), selbstironische Parodien ("Ich gehöre nicht dazu"), ein angepisster Trennungs-Song ("OK"), die unverzichtbare Funpunk-Nummer ("Am Strand"), eine fast unauffällige Perle ("Das schöne Mädchen") - das Album ist voll von exzellenten Ideen, die mit Liebe zu vielen vielen Gitarrenspuren und musikalischer Vielfalt umgesetzt sind. Und dann ist da ja auch noch "1000 Jahre schlechten Sex", die psychopathische Rachefantasie, zu der sich bei FU-Konzerten ungezählte Ex-Freunde und -Freundinnen die Lunge aus dem Leib gesungen haben dürften. 

Extra erwähnen muss ich auch Intro und Outro. Wer die Platte noch nicht kennt, dem werd ich jetzt nichts spoilern...hört einfach selbst. Fazit: Meisterwerk. Gäbe es hier fünf Sterne als Bewertungsmaximum, "Endlich Urlaub!" bekäme zehn von mir. 

"Endlich Urlaub!" ist am 22. Oktober 2001 erschienen. Die Internetseite www.farin-urlaub.de lohnt sich immer. Hier noch die Videos zu "Glücklich" und "Sumisu": 



Freitag, 10. Oktober 2014

Real Estate live beim Pitchfork Music Festival



Oft ist es doch so: Ein Freund drückt einem ein Tape - ja ok, eine CD, einen USB-Stick, einen Link - in die Hand (Link eher nicht, aber Ihr versteht, worauf ich raus will). Ihr hört Euch das an und habt eine neue Band im Kopf. So ging's mir mit Real Estate. 2011 die "Days" gehört und völlig begeistert. Manchmal muss man dann bei dem ganzen Platten-Overkill, Arbeit und was man sonst noch so erledigen muss aufpassen, dass einem neue Werke von diesen Bands nicht durch die Lappen gehen. Der Auftritt der amerikanischen Indierocker beim Pitchfork-Festival jedenfalls liefert Argumente genug, sich das Album "Atlas" zu holen.

Dienstag, 7. Oktober 2014

Video: The Obits - Machines



Meine Güte. Eine Woche nicht gebloggt. Kann mal vorkommen. Bald wird's wieder regelmäßiger, das kann ich Euch sagen. Bis dahin: Ein neues Video von den großartigen Obits. "Machines" klingt ziemlich anders als die Songs, die sonst den Staub aus meinen Boxen pusten dürfen.

Sonntag, 28. September 2014

Hörtest: Opeth - Pale Communion

Prog ist eine ganz eigene Welt. Diese Platte hier dient als Eintrittskarte, und wenn man einmal dort ist, möchte man mehr sehen. Vorteilhaft: Wenn man kein Opeth-Fan der ersten Stunde ist. 

Eins vorab: "Pale Communion" ist für mich das erste Album von Opeth, das ich höre. Trotz Metal-Sozialisation Ende der 90er und zeitweise ausgeprägtem Hang zu Progressive-Klängen (Dream Theater, Rush, Vanden Plas, Spock's Beard) sind Opeth irgendwie an mir vorbeigegangen. Wobei mir immer klar war, dass ich damit eine großartige Band ignoriere (so wie ich es auch mit Porcupine Tree gehandhabt habe). Irgendwas hat mich jetzt an "Pale Communion" gereizt - und ich bin entzückt. Was für ein Album!

Schon der Einstieg mit "Eternal Rains Will Come" haut einen völlig aus den Socken, wenn man sich so wie ich früher an den ausufernden Gniedel-Orgien von Bands wie Fates Warning und anderen Prog-Helden erfreuen konnte. Und dann das elfminütige Epos "Moon Above, Sun Below" (man stelle sich den Titel mal wörtlich vor, und schon hat man ein typisches Prog-Plattencover): verschachtelt, raffiniert, unglaublich harmonisch und trotzdem keine Weichspüler-Musik - das muss man erstmal komponieren. Klar, man kann immer rumheulen dass das Musik für Musiklehrer ist, weil Gitarrenfreaks, Drum-Tiere, Harmoniesuchtler und eben verschiedene Soundjünger etwas finden, worauf sie sich konzentrieren können. Aber Opeth haben hier wirklich seelenvolle Musik kreiert, an der man sich ob des Detailreichtums kaum je wird satthören können. Mancher Fan hat sich in der Vergangenheit von der Band abgewendet, weil sie nicht mehr so hart sind wie früher. Wer allerdings einer Band verzeihen kann, wenn sie sich vom Death Metal verabschiedet und nach und nach neue Einflüsse verarbeitet, der ist hier richtig. Für mich jetzt relativ bequem, weil ich eben nichts vorher kannte - das allerdings nachholen möchte. Erstaunlich, dass die 1990 gegründete Band aus Schweden so lange an mir vorbeiging. Aber das ist jetzt vorbei.

So souverän, wie Mikael Akerfeld und seine Mitstreiter hier durchdachte Gesangslinien, virtuose Gitarrenharmonien und vertrackte Rhythmen zu einem überzeugenden Ganzen verweben, macht kaum jemand sonst Musik. Die Songs sind wie guter Wein: Sie brauchen Zeit zum Atmen. Keiner ist kürzer als viereinhalb Minuten, wobei sie für Prog-Verhältnisse ja noch relativ kompakt sind. Trotzdem: Man muss Zeit aufwenden, um die Stücke zu begreifen, hat dann aber Kost, die sich nie so schnell abnutzen wird wie vielleicht manch andere Platte, die nur Hits hat, aber nach zweimal Hören langweilig wird. Musikalische Offenheit ist übrigens ebenfalls Pflicht für den Genuss, denn Streicher, Jazz-Sprenkel und viel mehr gibt es hier zu entdecken. Das Album ist übrigens in den Rockfield Studios in Wales entstanden. Dort haben schon Rush, Mike Oldfield und unzählige andere Bands und Musiker aufgenommen. Passt irgendwie, denn auch Opeth schöpfen aus völlig unterschiedlichen Quellen. und die werden vermutlich nicht so schnell versiegen.

"Pale Communion" von Opeth ist am 22. August via Roadrunner erschienen. Mehr Infos unter www.opeth.com

Freitag, 26. September 2014

Hörtest: Kraftklub - In Schwarz

Das Gleiche in Grün, äh, Schwarz: Kraftklub machen nicht viel anders auf ihrem Zweitwerk. Muss aber auch gar nicht sein - das Album ist auch so richtig gut geworden. 

Es dauert keine fünf Sekunden, da springt einem der Opener "Unsere Fans" mit der Hives-Gedächtnisgitarre ins Gesicht, die gleich darauf sogar noch eine Spur bissiger wird. Kraftklub haben auch auf "In Schwarz" ihren Spaß daran, Zitat-Raprock zu spielen. Bei "Ein paar Beispiele: "Alles wegen Dir" bedient sich bei Franz Ferdinand. In "Wie ich" kommt der typische Strokes-Gitarrensound ab 0:48 zum Zug. Bei "Mein Rad" klingen die nöligen Josh-Homme-Gitarren der Queens of the Stone Age durch (ab 2:10). Und im letzten Song "Deine Gang" kommt plötzlich ein Groove, der sich an Norman Greenbaum ("Spirit in The Sky") und ZZ Top orientiert.

Aber: Dieses Spiel mit Zitaten nimmt man Kraftklub keine Sekunde übel. Denn die Chemnitzer betten die Versatzstücke in einen eigenen Kontext. Zugegeben: Ein paar mehr Anläufe hat es bei mir mit dieser Platte gebraucht. Anfangs fand ich manches zu konstruiert und anderes dafür zu uninspiriert. Vor allem in den Refrains. Und klar, die Schemata sind auch immer gleich. Oft ähneln sich Beats und sogar der Sprechrhythmus wirkt schon so vertraut, dass man ein Abo abschließen kann. Aber: Das ist gut so. Für Platz eins in den Charts hat es jedenfalls schon mal gereicht. 

Gibt man der Platte ein wenig Zeit, zünden eigentlich alle Songs. Mich hat etwa "Schüsse in die  Luft" gekriegt. Kritik an der Lethargie der Menschen, aber ganz clever getextet: "Allen ist alles egal, außer der Handyvertrag/mit 390 Euro kommt man nicht weit im Biomarkt". Überhaupt: Was Kraftklub für mich so sympathisch macht, ist vor allem der charmant-prollige Tonfall von Felix Brummer. Und Zeilen, die man zitieren kann, liefert er hier auch im Sekundentakt. "Selbst die Frida Gold Single ist...nein, ist sie nicht", ist so ein Moment. Und es gibt Dutzende andere, die ich hier nicht spoilern werde. 

Was auffällt: Die Vorab-Singles "Hand in Hand" und "Unsere Fans" täuschten eine Härte vor, die das Album nicht einlöst. Und "Blau" bedient sich thematisch an "Ich lieb Dich nicht", ist aber wenig originell. Dafür versuchen Kraftklub, dem Sound ihres Debüts ein paar neue Facetten hinzuzufügen. Richtig gut klappt das in "Meine Stadt ist zu laut". Mit bitterer Ironie besingen Kraftklub hier das Phänomen der Gentrifizierung und bringen die Thematik prächtig auf den Punkt. "Schöner Tag" protzt mit mächtigen Gitarren, die wie aus einem dissonanten Metal-Stück geliehen wirken. Ein Gastauftritt von Casper setzt dem Song die Krone auf. Und während die Songs auf Platte so nach und nach wachsen und man sich ertappt, wie man lieber gleich nochmal die schwarze statt der weißen Kraftklub-Platte auflegt, soll es live noch mehr abgehen. Das hat sich schon bei den Gigs der "Konvoi in Schwarz"-Tour gezeigt. Das muss auch noch gesagt sein: Eine verdammt clevere Marketing-Kampagne, die sich das Quintett da ausgedacht hat. Angefangen beim Versteckspiel mit der ersten Single "Hand in Hand", gelungenen Festivalauftritten wie beim Southside bis zu den Exklusiv-Kostenlos-Gigs: So macht man sich zum Gesprächsthema. Kraftklub sind angekommen - und bleiben hoffentlich noch lange.  

"In Schwarz" ist am 12. September via Vertigo Berlin erschienen. Hier noch das Video zu "Unsere Fans". 

Mittwoch, 24. September 2014

Get Well Soon veröffentlichen drei neue EPs


Staying Home - GET WELL SOON from GET WELL SOON on Vimeo.

Get Well Soon veröffentlichen neue Musik: Im November werden drei EPs des Indie-Orchesters erscheinen. Auch eine Tour ist geplant.

Jede der drei EPs soll laut Band ein eigenes Themen-Spektrum sowie ein eigenes Veröffentlichungs-Datum haben. "Es sind Projekte, die ich schon seit Langem vorhatte, die aber nicht zusammen auf ein Album passen und einzeln nicht kein ganzes Album füllen sollten", sagt Mastermind Konstantin Gropper. Die EPs werden in begrenzter Stückzahl veröffentlicht, auf Zehn-Zoll-Vinyl und digital. Vorbestellen kann man die EPs unter http://love-your-artist.de/get-well-soon.

Die erste EP "The Lufthansa Heist" kommt am 7. November.

Titelliste:
1. The 4:3 Days
2. A Night At The Rififi Bar
3. The Pope Washed My Feet In Prison
4. Sci-Fi Gulag
5. Staying Home

Gropper dazu: "Ich weiß nicht genau, ob es eine verfrühte Midlife-Crisis oder eine zweite Pubertät war, ein reiner Anfall von Nostalgie oder eine Sinnkrise, die zur Frage führte: Warum hab ich damit nur angefangen? Jedenfalls hat es mich zurück geführt zu der Musik, wegen der ich mir damals eine Gitarre haben und eine Band gründen wollte. Ich glaube, das hieß mal College Rock oder so. Und ich schwöre, ich habe wieder Pickel gekriegt, als ich die Songs aufgenommen habe."

Die zweite EP trägt den völlig kompakten Namen "Henry - The Infinite Desire of Heinrich Zeppelin Alfred von Nullmeyer" und kommt eine Woche später am 14. November.

Titelliste:
1. Henry
2. Age 14, Jumping Off The Parents‘ Mezzanine
3. Promenading Largo Maggiore, You Wouldn‘t Hold My Hand
4. Mail From Heidegger
5. You Will Be Taken Care Of

Auch dazu gibt's ein Statement von Herrn Gropper: "Dies ist eine Reverenzerweisung an einen meiner Lieblingsautoren: Arnold Stadler. Vielleicht auch ein Gruß zu seinem diesjährigen, 60. Geburtstag. Vor allem sein Roman „Der Tod und ich, wir zwei“ beschäftigt und inspiriert mich schon seit langem. Diese fünf Songs sind nun eine musikalische Hommage an dieses sehr romantische, tiefschwarze, kluge und unglaublich lustige Werk. Selbstmitleid, krumme Lebenswege, Angst vor dem Alleinsein, die Lächerlichkeit des Daseins und vor allem die große Sehnsucht stecken darin. Getreu einem der großen Sätze Stadlers: „Einmal auf der Welt und dann so.“
Inhaltlich könnte ich da ewig darüber sprechen, empfehle aber lieber wärmstens die Lektüre des Romans. Ich hoffe allerdings, die Musik funktioniert auch einfach so."

 Die dritte EP enthält Coverversionen, heißt "Greatest Hits" und kommt am 21. November.

Titelliste:
1. Lucifer Rising II
02. Careless Whisper
3. Oh My Love
4. Always The Sun
5. Rocket Man
6. Until I Die

Gropper dazu: "Coverversionen haben bei Get Well Soon ja eine gewisse Tradition. Diese EP ist nur eine kleine Auswahl von Songs, die ich gerne neu interpretieren wollte. Mein lang gehegter Plan war eigentlich, auf einer Platte nur Welthits zu covern (weil ich dachte, da kann man was lernen).  Der ist auf dem Weg etwas verloren gegangen. Daher sind es jetzt zur einen Hälfte Welthits und zur anderen eher Geheimhits. Diese Versionen sind über die Jahre aus verschiedenen Gründen und zu verschiedenen Gelegenheiten entstanden. Ich hoffe, die Auswahl ist kontrovers genug."

Die Tour zu den EPs kommt im Januar 2015.

Um diese Songs auch gebührend zu präsentieren und natürlich um Euch mal wieder persönlich zu treffen, gibt es zu den EPs auch eine kleine, spezielle Tour im Januar. Drei verschiedene Sets werden pro Abend präsentiert. Mehr verrät die Band noch nicht. Tickets gibt's unter http://love-your-artist.de/get-well-soon

Hier sind die Gigtermine:

20. 1. Leipzig UT Connewitz

21. 1. Berlin Heimathafen

22. 1. Bochum  Bhf. Langendreer

23. 1. Frankfurt Brotfabrik

28. 1. München  Freiheiz

29. 1. Wien  Porgy & Bess

30. 1. Innsbruck Weekender

31. 1. Stuttgart  Wagenhallen

Das Video zu "Staying Home" von der "The Lufthansa Heist" EP seht Ihr oben. Gropper dazu: "Let‘s party like it‘s 1994!"