Freitag, 27. Dezember 2013

Jahresrückblick 2013, Teil 2: Die zehn besten Alben des Musikjahres

2013 ist rum. Das Jahr, in dem sich Arcade Fire neu erfanden. Das Jahr, in dem Dave Hause endgültig solo unterwegs sein wollte. Das Jahr, in dem...ach lest doch einfach, was ich zu meinen Top-Platten dieses Jahres zu sagen habe. Wie bereits im vergangenen Jahr gilt: Der Wertung liegt ein auf pseudomathematische Art und Weise gebildeter Koeffizient zugrunde: Häufigkeit des Anhörens mal Heftigkeit des Beeindrucktseins, und das irgendwie korreliert. Mit einem Klick auf Bandnamen und Albumtitel kommt Ihr nochmal zur regulären Rezi.  


10.) Beastmilk - Climax
Wäre ich ein Laden, wären Beastmilk kurz vor Ladenschluss reingestürmt und hätten wohl mit Grabesstimmen gebrüllt: "Halt, Du darfst noch nicht zumachen." Und ich hätte Ihnen zugehört und mich überzeugen lassen. Kurz vor Jahresende kam das Debütalbum der Finnen wie aus heiterem Himmel - wobei, heiter und Himmel treffen es in dem Kontext nun mal wirklich komplett gar nicht. Düster, aber melodisch - hier weht der Geist von Joy Division und den Editors, wird aber in einen noch Gitarren-lastigeren Sound transportiert. Kein Wunder, dass Kurt Ballou (Converge) diese Premiere klangtechnisch veredelt hat. 

9.) Frightened Rabbit - Pedestrian Verse

Indierock aus Schottland. Hat beim Southside dieses Jahr wirklich nur ein paar ganz spezielle Nerds interessiert. Schade, denn die Band aus Glasgow hat 2013 mit "Pedestrian Verse" ein Album vorgelegt, das eine langzeitige Sogwirkung entwickelt. Diese raumgreifenden Melancholie-Monolithen will man immer wieder besichtigen. Dazu der unverkennbare Akzent von Scott Hutchison und Song-Monumente wie das majestätisch voranschreitende "The Woodpile", mit dem die Schotten sogar in Conan O'Briens Latenight-Talksendung auftraten - fertig ist der Geniestreich. Indie-Rock ist nicht tot. 

8.) Imperial State Electric - Reptile Brain Music
Natürlich fehlen The Hellacopters. Aber Imperial State Electric helfen einem, über den Schmerz hinwegzukommen. Mit Nicke Andersson steht ja auch der Kreativkopf der Schwedenrocker am Mikro. Wobei, nicht nur: Dolf de Borst, bekannt durch The Datsuns, nimmt es ihm hin und wieder weg und macht seine Sache exzellent. "Reptile Brain Music" ist dabei sogar noch besser als die auch schon starken Vorgängeralben. Eine Blaupause in Sachen guter Rock, wie ihn Jack Black auch seinen Schulkindern in der "School of Rock" beibringen würde. Ich meine, hört doch nur mal "Underwhelmed" an. Für die nächsten Jahre hat Andersson ein höheres Tempo beim Veröffentlichen von Platten angekündigt. Immer her damit! 

7.) The Thermals - Desperate Ground

Sie schaffen es doch immer wieder, diese drei aus Portland, Oregon. Auch mit Album Nummer fünf haben Hutch Harris, Kathy Foster und Westin Glass ein Schrammelrock-Kleinod ausgepackt, das sich in die Gehörgänge fräst. Aber anders als zuvor. Wenn "Personal Life" (2010) ein Film gewesen wäre, dann vielleicht sowas wie "(500) Days of Summer". "Desperate Ground" hingegen ist düster und begibt sich auf die Flußfahrt, die auch in Joseph Conrad's "Herz der Finsternis" und der in die Gegenwart transportierten Filmadaption "Apocalypse now" von Francis Ford Coppola prägend ist. Und zu "The Sword By My Side" gibt's sogar ein kleines Videospiel

6.) The National - Trouble Will Find Me

Rotwein-Musik für Rotwein-Trinker und solche, die es noch werden wollen. The National sind so schwer, so wehmütig - und trotzdem erreicht der Hype um die Band 2013 einen Höhepunkt, Vergleiche mit R.E.M. machen die Runde. Mir fällt da eher die optische Ähnlichkeit von Sänger Matt Berninger mit Tom Hanks auf. Und diese Songs wieder. "Don't swallow the cap" ist ja beinah schon lebhaft, "Demons" hat diesen Text, der hängenbleibt, und der Rest ist einfach nur ganz große Songwriterkunst. Lange erwartet - und ein perfekter Nachfolger für das Durchbruchsalbum "High Violet".  

5.) Dave Hause - Devour
Dass er dafür The Loved Ones aufgegeben hat, wird man Dave Hause ("It's pronounced like pause, or cause, damnit.") verzeihen. Denn auf seinem zweiten Soloalbum macht Hause Künstlern wie Bruce Springsteen ernsthafte Konkurrenz. Thematisch dreht sich alles um den amerikanischen Traum - und wie es sich anfühlt, daraus zu erwachen und der weit weniger glamourösen Realität ins Auge zu blicken. Die Songs sind Heartland-Rock, Folk, alles nur kein Punkrock. Davon hat er genug. Macht aber nix. Denn das Album ist von der ersten bis zur letzten Minute durchdacht und auf den Punkt. Und Dave sammelt weiter Herzen.

4.) Queens of the Stone Age - ...Like Clockwork
Anfangs wusste ich nicht so recht, was ich mit diesem Album anfangen sollte. Es ist ja auch sperrig. Aber am Ende verwandelt sich genau diese störrische Unangepasstheit in wahres Songglück. Nichts wäre nach dem Meilenstein "Songs for the deaf" (2002) leichter gewesen, als immer dieselbe Platte aufzulegen. Aber QOTSA machten es anders, landeten mit "Lullabies to paralyze" auf dem Boden der Tatsachen (weil es zu nah am Vorgänger war), verstörten mit "Era Vulgaris" und zeigen sich nun offen für alles, aber weiter als Rockband, die so viel mehr als simple Gitarrenriffs zu bieten hat.

3.) Kvelertak - Meir
Kvelertak haben das Talent gezeigt, aus Musikstilen, die sie nicht erfunden haben, etwas komplett Eigenes zu formen. Ihr umjubeltes Debüt aus dem Jahr 2010 ließ mich noch zweifeln, dann bin ich aber eingestiegen - und "Meir" ist zwar etwas gediegener, aber noch lange nicht artig. Und wer irre Gitarrenriff-Bandwürmer wie in "Undertro" in die Welt setzt, von dem erwarten wir noch so viel Gutes. Oder die Bandhymne "Kvelertak". Oder das mit rasenden Blastbeats unterlegte "Spring Fra Livet". Oder...
Da ist das stylishe Cover von John Baizley (Baroness) nur noch die Sahnehaube.

2.) Minor Alps - Get There
Ozzy und Kelly Osbourne. Lanz und Hunziker. Klaus und Klaus. Die Geschichte ist voller grottiger Duette. Da freuen wir uns, dass Juliana Hatfield und Matthew Caws (Nada Surf) das perfekt harmonierende Paar sind. Ihre Stimmen verschmelzen zu einer untrennbaren Einheit, von der man sich in den Schlaf singen lassen möchte. Und die Songs passen
auch. Da gibt es treibende Indierocker, leicht elektronisch angehauchte Beats (aber ganz harmlos) und so viel mehr zu entdecken. Kam ganz still und heimlich um die Ecke und war doch eines der Highlights des Jahres.

1.) Arcade Fire - Reflektor
Die Marketing-Kampagne ging mir sonstwo vorbei. Auf Elektrogeschwurbel und Discogedönse steht ich null komma gar nicht. Und trotzdem: Arcade Fire kriegen mich mit Album Nummer vier. Weil die Songs gut sind. Immer noch. Auch wenn die Streicher Vergangenheit sind und das fahrende Zirkusvolk um die Gebrüder Butler sich jetzt lieber aufbrezelt und tanzen geht. Das ist immer noch Arcade Fire. Und wer will ihnen schon verübeln, dass sie sich weiterentwickeln wollen? Würden sie wie AC/DC enden, hätte auch niemand was davon. Wenn es um Indierock und meine Vorliebe dafür geht, zitiere ich wohl Southpark: Blame Canada!

Die Jahre zuvor waren auch nicht von schlechten Eltern. Hier der 2012er, hier der 2011er

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Donnerstag, 26. Dezember 2013

Jahresrückblick 2013, Teil 1: Die zu kurz Gekommenen

So viele Platten, so wenig Zeit. Wenn ich fürs Musikhören und das Schreiben darüber bezahlt würde, wäre ich nicht nur reich, sondern könnte auch alles, aber auch wirklich alles hier unterbringen, was ich gut finde. Da dem aber nicht so ist, fallen manche Platten unter den Tisch. Am Jahresende-Wrap-Up kommen aber nochmal die Releases auf den Tisch, die hier auch hätten stattfinden sollen. Zehn Stück, die im Schrank stehen, aber nicht die erforderliche Aufmerksamkeit bekamen.

10.) Vampire Weekend - Modern Vampires of the City
Die ersten beiden Alben der New Yorker Indiefüchse waren nichts weniger als Meisterwerke. Mit dem dritten Album spielen sie weiter in der Oberliga. Denn so oft man diese Platte auch hört, mit Entdecken ist man nie am Ende. Die Songs halten so unglaublich viele Details und Spielereien parat, dass man es auch nach Monaten noch nicht komplett erfasst hat. "Unbelievers" mit seinem Jubel-Moment ab 2:29, das hibbelige "Diane Young", das zwischen stressig und relaxt hin und her pendelnde "Ya Hey" - alles Songs, die zeigen, dass die Musikstreber noch lange nicht zuende erzählt haben, was sie uns sagen wollten. Gut so.

9.) Obits - Beds & Bugs
Wie konnte ich nur irgendwann mal in meiner schon ewig zurückliegenden Jugend davon ausgehen, dass Gitarren nur rocken, wenn sie bis zum Anschlag verzerrt sind? Hätte ich das weiter geglaubt, wären schrammelige Rockbiester wie das 2013er-Album der Obits spurlos an mir vorbeigegangen. Dem Rockgott sei es gedankt, dass dem nicht so ist. Die Obits sind ja im Grunde eine Supergroup, Rick Froberg war früher bei den Hot Snake
s und Drive Like Jehu, aber was erzähl ich Euch. Herrlich ruppiger Garagenrock mit Stones-Rotzfaktor. Bonuspunkte gibt's für die schnieke Aufmachung und das orange-transparente Vinyl in der "Loser Edition".

8.) The Joy Formidable - Wolf's Law
Fängt an wie ein Soundtrack zu einem Fantasyfilm oder Online-RPG. Aber dann kommen die Schraddelgitarren und Sängerin Ritzy Bryan und Du weißt Bescheid. Wobei epische Momente beileibe nicht zukurz kommen, und man etwa bei "Bats" Angst um die Gitarre hat. Der Song lässt Dich in einer Batcave stehen und tausende schwarze Tierchen um Deinen Kopf wirbeln. Heiliges Batmobil! Muss das live reinhauen. Das Trio aus Wales gilt ja nicht erst seit diesem vierten Album als Macht. Aber den Status dürften die nach London umgesiedelten Mucker locker zementieren. Abgehen in drei, zwei, eins...

7.) Coheed and Cambria - The Afterman: Descension
Verdammt, was mach ich falsch. Seit ein paar Jahren komm ich nicht mehr hinterher und nicht mehr mit. Irgendwann, das verspreche ich Dir, Claudio Sanchez, setze ich mich in Ruhe hin und arbeite alle Nerd-Scheiben durch, die Du uns beschert hast. Ich nehm die Sci-Fi-Story auseinander und verinnerliche sie. Und wenn sie verfilmt wird, dann bin ich der erste, der die Kinotickets ordert. Aber bis dahin muss ich immer hinterherhinken, obwohl 2005 die Scheiben der Prog-Wasauchimmer-Zauberer rauf und runter liefen. Und sie machen ja immer
noch gute Musik. Wie dieses Album eigentlich beweist.

6.) The Swellers - The Light Behind Closed Doors
"Klingt doch alles gleich", muss man sich immer anhören, wenn eine neue Holzfällerbartkarohemden-Band im Plattenschrank heimisch wird. Moment, sag ich dann. The Swellers haben gar keine Bärte. Trotzdem klingen sie nicht, als ob sie noch grün hinter den Ohren sind. Nach der famosen "Running out of places to go"-EP vergangenes Jahr ist nun das neue Album des Quartetts aus Flint, Michigan, da. An mir etwas vorbeigegangen, dieses Punkrock-Wurzelholz. Wir haben da was nachzuholen.

5.) Kevin Devine - Bubblegum & Bulldozer
Zwei Alben von Kevin Devine sind besser als eines: Was Anhänger des amerikanischen Sängers und Songwriters denken, dürfte auch für den Mittdreißiger die Devise gewesen sein. "Between The Concrete and Clouds" war 2011 ein absolutes Highlight. Diese Doppelpackung hier ist nicht so hitverdächtig, aber dafür sehr sehr vielschichtig. Immer wieder kam mir beim Hören Nada Surf in den Sinn. Jedenfalls: Muss mit.

4.) Bill Callahan - Dream River
Wäre Musik Literatur, würde man in VorApocalypse" war ja auch schon so ein Hammer. Mit "Dream River" hat er sich aber nochmal gesteigert. "I really am lucky man flying this small plane". Folk mit tanzbaren Rhythmen verzahnt, aber nicht das Discogehopse, sondern eher wiegend-elegisch. Von Dauer.
lesungen an den Unis über Bill Callahan etwas lernen können. Und wie Wein wird auch der Singer/Songwriter aus Maryland mit jedem Album noch besser. "

3.) Okkervil River - The Silver Gymnasium
"The Stage Names" war ganz großes Kino 2007. Ein Jahr später schien "The Stand ins" immer noch genügend Songs zu haben, um nachhaltig zu faszinieren. Aber "I Am Very Far" war mir 2011 dann zumindest im Rückblick doch etwas zu seltsam. Gut, dass "The Silver Gymnasium" wieder an alte Stärken anknüpft. Will Sheff hat mit dieser Retrospektive von Kindheit und Jugend ein herzerwärmendes Album geschrieben, das erst auf Vinyl seine volle Schönheit entfacht. Dann kann man nämlich im Artwork versinken, als sei man in Charlies Schokoladenfabrik gelandet.

2.) Mazzy Star - Seasons of your day
Ach, war das schön damals,
als "Among my swan" zum Herbstsoundtrack verregneter Nachmittage wurde. Dann hängten Hope Sandoval und David Roback ihre Band an den Nagel. Keiner rechnete damit, dass sie nochmal auftauchen würden. Sind sie aber dann doch. Und haben uns mit "Seasons of your day" eine Lavalampe von einem Album geschenkt, das so gar nicht in unsere von hektischen Twitter-Updates und Facebook-Feeds passt. Entschleunigung als musikalisches Prinzip. Wunderschön. Zuhören neu lernen. Aber keinesfalls im Auto. Sonst driftet Ihr in den Weltraum ab.


1.) Superchunk - I Hate Music
Genialer Titel schon mal. Superchunk sind auch so eine Band, die ich eigentlich viel zu spät entdeckt habe. Die Indierocker aus North Carolina sind bereits seit 1989 unterwegs. "I Hate Music" ist erst ihr zehntes Album überhaupt. Und wieder sind da diese Titel, die klingen, als hätten Rush die Thermals eingepackt und mit ihnen eine lustige Punkrockparty organisiert. "Me & You & Jackie Mittoo" zum Beispiel. Mein Highlight: "Out Of The Sun". Und das Plattencover ist eine Prophezeiung für mich. Aber das würde den Rahmen sprengen.

Die zu kurz Gekommenen: So sah's letztes und vorletztes Jahr aus.
Die besten Platten des Jahres folgen in Kürze. 

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Samstag, 14. Dezember 2013

Video: Imperial State Electric - Reptile Brain



Sind Imperial State Electric eigentlich eine Supergroup? Für mich jedenfalls schon. Denn Nicke Andersson (ex-The Hellacopters, ex-Entombed, Death Breath, The Solution) und Dolf de Borst (The Datsuns) finde ich beide super. Und wenn man sieht, wie sie hier Party machen im Videoclip zum Quasi-Titelsong des neuen Albums "Reptile Brain Music, findet man eine Unbeschwertheit, die man im Rock'n'Roll manchmal schon verloren glaubte.

Ein Interview, das ich mit Nicke geführt habe, findet Ihr auf dem Blog an dieser Stelle - Plattenkritik inklusive.


Donnerstag, 12. Dezember 2013

Radio Havanna: Neuer Song "The Struggle" im Netz

Endlich mal ein Sender, bei dem man nicht
umschalten muss: Radio Havanna.      Foto: Uncle M
Radio Havanna haben einen neuen Song raus: "The Struggle" hat heute bei Ampya Premiere gefeiert. Da steht auch, wie es dazu kam - und dass sie 2014 an neuen Songs arbeiten wollen. Gut so, denn "Alerta!" war eine Platte, die mit jedem Durchgang noch besser wurde und die bei mir regelmäßig im CD-Schacht landet. Nachschub ist immer erwünscht!

Mittwoch, 11. Dezember 2013

The Thermals: Mini-Game zum Song "The Sword by my Side"

The Thermals haben ein Mini-Game im Stile alter 8-Bit-Computerspiele veröffentlicht. Das Spiel heißt "The Sword by my side" und bezieht sich auf den gleichnamigen Song vom diesjährigen Album "Desperate Ground". Man steuert Bassistin Kathy und muss sich durch Horden von bösen Geistern schlagen. Mehr soll hier nicht verraten werden. Anzocken lohnt sich - zumal der Soundtrack superb ist.

Dienstag, 10. Dezember 2013

SZene-Hörtest: Beastmilk - Climax

Hab ich Euch eigentlich schon von Beastmilk erzählt? Als ich die Platte letztens für Finestvinyl mit einer News versehen habe, war ich schon geplättet von dieser Scheibe. Klar: Dieses Debüt musste ich besprechen. Dann gesehen: Platte des Monats in der Visions, Platte des Monats im Slam.

Meine Plattenkritik zum Einstand der finnischen Düsterlinge ist heute auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr sie lesen.

Montag, 9. Dezember 2013

The Kiss'n'Kills: rocken auf Platte - und am Freitag live in Ulm

Wohl der Band, die zwei Städte als ihre Homebase bezeichnen kann. Denn dann hat man im Falle eines Heimspiels immer einen Schlafplatz. The Kiss'n'Kills zum Beispiel, obwohl es bei sieben Bandmitgliedern gut kuschelig werden dürfte. Jedenfalls: In Ravensburg haben sie erst vor kurzem gezeigt, was schweißtreibender Rock mit Bläsern ist - jetzt ist die zweite Heimat Ulm an der Reihe. Am Freitag, 13. Dezember, spielt das Septett im Hemperium. Ein Unglückstag wird das also nicht. Das neue Album "Dead & Gone" liegt seit November vor. Und zählt zu den besseren Veröffentlichungen, wenn es um Rockbands aus der Region Oberschwaben geht. 

Rocken hart: The Kiss'n'Kills.
                     Foto: Daniel Drescher
Klar war das schon länger. Beim Southside-Bandwettbewerb der Schwäbischen Zeitung mussten sich The Kiss'n'Kills vergangenes Jahr um Haaresbreite den Reutlingern von Walter Subject geschlagen geben. Aber eben ganz ganz knapp. Die Band um Fronter Alex Wiest zeigt auf ihrem ersten Studioalbum in voller Länge, wie man punkig angehauchten Rock'n'Roll mit Bläsern zusammenbringt, ohne dabei peinlich zu klingen. "Dead & Gone" hat viele schöne Momente, die hängenbleiben. Die leicht wehmütigen Bläser in "Night Owl", die an die großartige Mardi Gras.BB erinnert. Zuvor schon den derben Einstieg mit dem Titelsong, der die Platte eröffnet. Die akkurat zurecht gezimmerten Gitarren in "Slow Rider". Den Stakkato-Beginn von "Caught Between". Immer wieder kommt Alex Wiests Stimme dazwischengebrettert und wirkt mit ihrem leichten Bon Scott-Timbre rotzig und entschlossen. Einen balladesken Moment und Reggae-Feeling erleben wir in "Breakthrough", und überhaupt ist immer wieder mal ein Off-Beat im Spiel.

Die Songs sind simpel gehalten, die Zutaten wiederholen sich. Progressive-Rock-Geschwurbel überlassen die Sieben anderen - hier herrscht der Rock. Oder, um die Band beim Wort zu nehmen: der "Kick-brASS-Punk'n'Roll", wie die Musiker ihr höchst tanzbares Klanggebräu nennen. Aufgenommen haben sie das Album mit Produzent und Tontechniker Matthias Mezger.

Fazit: Auch auf Platte überzeugen The Kiss'n'Kills. Weil es sich aber schlecht alleine im Wohnzimmer pogt, sollte man die Chance nutzen, wenn man die Band live sehen kann. Wie gesagt: Freitag in Ulm.

Mehr von der Band: Das Album kann man bei Bandcamp kaufen. Die offizielle Internetseite: www.thekissnkills.com. Hier gibt's übrigens noch eine akustische Version des Titelsongs zu sehen: 


Sonntag, 8. Dezember 2013

Was haben Kiss und Dinos gemeinsam? Nicke Andersson von Imperial State Electric klärt im Interview auf

Die Hellacopters sind so eine Band, die mich über Jahre begleitet. Eigentlich schon seit "Payin' The Dues". Und der Split 2008 war nicht schön. Aber: Mit Imperial State Electric hat Nicke Andersson für adäquaten Ersatz gesorgt. Und da auch sowohl auf Kiss als auch auf The Datsuns steh (naja, zumindest ein paar Kiss-Sachen, die Riffs, auch wenn sie sich das Macho-Gehabe immer hätten sparen können), bin ich da echt voll an Bord. Jetzt ist die neue Platte "Reptile Brain Music" von Imperial State Electric raus. Ein Interview plus Plattenkritik aus meiner Feder dazu ist am Samstag, 7. Dezember, in der Wochenendbeilage der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr den Text lesen.

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Zeit, mal wieder Ash zu hören



Dieser Moment, wenn Dir eine "alte" Platte wieder in die Hände fällt und Dir wieder einfällt, warum Du die damals rauf und runter gehört hast.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Cloud Nothings machen Lust aufs neue Album



Es sind nur 42 Sekunden, aber manchmal reicht das - und 42 ist bekanntlich die Antwort auf alles. Im Falle von Cloud Nothings ist die Frage nur noch, wann genau das neue Album kommt und wie es heißen wird. So oder so: Ick freu mir. Den Teaser, der heute veröffentlicht wurde, gibt's hier per Klick zu sehen. Buon Appetito! Ach ja: Ihr 2012er-Album "Attack on Memory" war meine zweitliebste Platte 2012. Hier nochmal die Rezi.

Dienstag, 3. Dezember 2013

Frank Turner live bei Studio Q



Studio Q ist ja auch immer eine gute Adresse, wenn es um Musik im Netz geht. Frank Turner war jüngst zu Gast und spielte eine akustische Version von "The Way I Tend To Be".

Montag, 2. Dezember 2013

Video: The Movement - Karl Marx (live)



Ja, das war einer der ersten Songs, die ich von The Movement kannte. Unvergessen die Show, als sie Support für die Mad Caddies im Club Vaudeville waren. Die dänischen Modrocker sind so gut. Und immer noch: Die Live-Aufnahme von "Karl Marx" zeigt eine Band in Hochform.

Mehr dazu: Hier gibt's ein Interview und hier die Plattenkritik zu "Fools Like You".

Sonntag, 1. Dezember 2013

Oh weh Du Fröhliche: Besser durch die Vorweihnachtszeit mit guter Musik

Wer Weihnachten nicht mag, hat ein Problem. Und zwar in doppelter Hinsicht. Denn zum einen kommt niemand am Fest der Liebe vorbei. Und die Penetranz, mit der die Muzak im Kaufhaus vor sich hin düdelt, kann ja auch furchtbar sein. Aber trotzdem: Ist doch eine wunderbare Zeit im Jahr. Das sehen auch Musiker unterschiedlichster Coleur so. Ich hab mal ein bisschen gestöbert und meine fünf Faves zusammengetragen. Damit lässt sich die Vorweihnachtszeit ertragen. Oh weh Du Fröhliche!

The Ramones - Merry Christmas (I Don't Want To Fight)



Josh T. Pearson - O Holy Night



Emmy The Great & Tim Wheeler - Christmas Day (I Wish I Was Surfing)


 The Dropkick Murphys - The Season's Upon Us



The Pogues - Fairytale of New York