Samstag, 30. November 2013

Kvelertak steigen uns aufs Dach



Wenn die Norweger von Kvelertak uns aufs Dach steigen, kommt was Großes dabei raus. So wie bei diesem Auftritt bei P3 Gull. Dort gaben die Eulen-Jünger ein Gastspiel, das in Kinoqualität fürs Netz abgefilmt wurde. Wow. Die Bandhymne stammt vom diesjährigen Album "Meir". Wer meine Story über die Band noch nicht gelesen hat: hier entlang bitte.

Dienstag, 26. November 2013

Metal-Flashback: Rage lassen den Himmel voller Geigen hängen



 Früher, also wirklich früher, im vergangenen Jahrtausend, war ich Metaller. Was keine bis elf verzerrten Gitarren hatte, war egal. Egaler ging nicht. Auf den Trichter gebracht haben mich allerdings nicht die Klassiker. Nicht Maiden, nicht Priest. Okay, als Kind fand ich Deep Purple toll. Aber zum Metal haben mich andere gebracht. Rage. Nicht against the machine, die machten Rap-Rock. Rage. Einfach Rage. Aus Herne. Kennt heute jeder, der "Der Schuh des Manitu" gesehen hat. Stirb, Mainstream, stirb.

Aber warum ich das alles erzähle: Flashbackville grüßt mal wieder. Manchmal hat man so Phasen. Und Rage haben mich damals mit "Lingua Mortis" bekommen. Metal plus Orchester. Macht heute jeder? Und was höre ich da? Metallica mit ihrem S&M waren Pioniere? Naja...Rage waren 1996 sehr viel früher dran und sind wirklich Pioniere. 

Jetzt bin ich wieder auf den Auftritt im E-Werk in Köln gestoßen, den ich damals auf Video (!) aufgenommen hatte. Ja, es waren die 90er. Damals hatte Peavy noch lange Haare (die zugegebenermaßen schon recht dünn wurden, weswegen sie irgendwann abrasiert wurden). Und ein paar Kilo weniger brachte der da auch noch auf die Wage. Seine Stimme war allerdings damals wie heute unverkennbar. Im Konzert zelebrieren Rage die Songs von "XIII", dem zweiten Klassik-Album. Bis heute haben sie immer wieder die Nähe zum Orchester gesucht. Und ich höre immer wieder hin. Wie beim Kino: Es muss nicht immer Autorenkino sein. Ich will auch mal epische Schlachten wie im Herrn der Ringe erleben. Rage liefern mit ihrem Klassik-Metal den Soundtrack dazu. 

Samstag, 23. November 2013

Hörtest: Minor Alps - Get There

Manchmal sind es die unspektakulären Platten, die Perlen am Wegrand, die Geschichte machen. Der Name Minor Alps passt da ganz gut. Kleine Alpen - das sind immer noch verdammt große Berge. Und genauso unverrückbar und faszinierend ist diese Platte, die Nada Surf-Frontmann Matthew Caws und Juliana Hatfield (Some Girls, Blake Babies) zusammen aufgenommen habe. 

Es beginnt mit programmierten Drums und Gitarrenzupfern. Und dann sind da diese beiden Stimmen, die ineinander verschlungen sind wie die Linien eines keltischen Musters. “In certain ranges, the tones of our voices are so similar I can’t tell which is which. I haven’t experienced that with any other singer.” So zitiert die Plattenfirma Juliana Hatfield, und man ist beruhigt, dass es ihr auch so geht. Duette können fürchterlich danebengehen. Aber das hier, was uns auf "Get There" geboten wird - perfekt. Welche Zufälle, Fügungen oder Begegnungen dieses musikalische Traumpaar auch möglich gemacht haben, es ist gut, dass es sie gegeben hat. Sonst wären uns geschmeidige Indierock-Perlen wie "I 
Don't Know What To Do With My Hands" verborgen geblieben. Sonst hätten wir uns nicht zu den elektronischen Beats von "If I Wanted Trouble" wiegen können, und nicht den Sonic Youth-Wahnsinn von "Mixed Feelings" atmen dürfen. Wir hätten nie die Massive-Attacks-Beats von "Wish You Were There" ins Herz geschlossen und nie das nah an Nada Surf gebaute "Waiting For You" genossen. Während Hatfield und Caws ihre Instrumente spielen, steuern Parker Kindred (Jeff Buckley, Antony and The Johnsons) und Chris Egan (Solange, Computer Magic) Schlagzeug und Programmierung bei. 

Die Songs, die in mehreren Sessions in Caws’ Studio in New York, seiner Zeit-Heimt Cambridge (England) oder in Cambridge, Massachusetts, bei Juliana Hatfield entstanden sind, atmen den Geist des 90er-Alternative-Sounds. Keiner der Beteiligten kann aus seiner Haut, aber das ist auch gut so. Aufgenommen in Hoboken, haben wir es hier mit einem Werk zu tun, das "Juno"-Gucker genauso begeistert dürfte wie Fans der Klangspieleren von The Postal Service. Und natürlich dürfte das entschleunigte Stück Popmusik auch jenen gefallen, die die Hauptbands von Hatfiled und Caws goutieren. Wie zeitlupenhaft die verwischten Harmonien von "Away Again" an einem vorbeiflirren. Wie die schwingenden Gitarren in "Lonely Low" sich plötzlich zum singenden Lick erheben. Wie sich "Radio Static" leise anschleicht und nicht mehr aus den Gehörgängen verschwinden will. Alles hier ist bescheiden und unaufdringlich, dadurch aber umso liebenswerter. Fast zu spät für den Herbst kommt diese Platte. Aber wetten, wenn der Winter rum ist, werden wir uns dazu im Frühjahr verlieben und im Sommer durchs Strandbad schlendern? Auch wenn das Cover eher nach Frost aussieht. 

"Get There" von Minor Alps ist am 15. November via Barsuk Records erschienen. Mehr unter http://minoralps.tumblr.com hier seht Ihr noch das Video zu "I Don't Know What To Do With My Hands".

Donnerstag, 21. November 2013

Video: Arcade Fire - Afterlife



Es bleibt dabei. Album des Jahres. Oh, hätte ich Spoiler-Alarm sagen müssen? Egal. Arcade Fire haben jedenfalls mit "Reflektor" ein Album abgeliefert, das zwar gänzlich anders ist als alles, was sie vorher gemacht haben. Genial ist es trotzdem - oder gerade deshalb. Jetzt liefern die Kanadier ein Video zum Song "Afterlife" ab, das so herzerweichend ist, dass...dass...ach, schaut's Euch doch einfach selber an.

Mittwoch, 20. November 2013

Restorations live im Konzert



Restorations hab ich Euch ja schon vor einiger Zeit mal nähergebracht (hier nochmal die Plattenkritik dazu). Jetzt gibt's für die, die die Band live verpasst haben, den Mitschnitt eines Konzerts in Los Angeles.

Dienstag, 19. November 2013

Dave Hause auf Tour

Am Mittwoch beginnt Dave Hause' Deutschland-Tour. Das alleine wäre ja schon Grund zur Freude genug. Aber dann ist da auch noch diese Akustik-Version von "We Could Be Kings", die es bei Visions zu hören gibt. Das Video zum Song ist auch online, aber dank Gema mal wieder nicht so ohne weiteres zu sehen. Aber mit entsprechenden Proxy-Tools...

Und falls Ihr noch nicht genug von Dave habt, hier gibt's meine Geschichte aus der Schwäbischen Zeitung vom 12. Oktober zu lesen. Und ein großes Interview findet Ihr unter diesem Link.

Die Tourdaten:

20.11. DE - Hamburg - Knust
21.11. DE - Bremen - Lagerhaus
22.11. DE - Hannover - Gig Linden (ausverkauft!)
23.11. DE - Dresden - Beatpol
24.11. DE - Berlin - Bi Nuu
26.11. DE - Köln - Gloria
27.11. DE - Frankfurt - Batschkapp
28.11. DE - München - Strom (ausverkauft!)
29.11. CH - Zürich - Dynamo
01.12. AT - Graz - PPC
02.12. AT - Wien - B72
03.12. DE - Stuttgart - Universum
04.12. BE - Antwerp - Kavka

Tickets gibt's bei FKP Scorpio.

Montag, 18. November 2013

Video: Queens of the Stone Age - The Vampyre of Time and Memory

Dahinter watet nicht der Zonk...versprochen.
                                                Screenshot: Tinnitus Attacks
Queens of the Stone Age waren immer eine extrem visuelle Band. Darüber hat mir auch Josh Homme kürzlich im Interview etwas erzählt. Nun gibt's ein interaktives Video zu "The Vampyre of Time and Memory" auf der gleichnamigen Internetseite. Regie führen Kii Arens und Jason Trucco. Zu viel will ich gar nicht verraten. Einfach ausprobieren. Und hier könnt Ihr auch den Director's Cut sehen.

Sonntag, 17. November 2013

Hörtest: Matt Pryor - Wrist Slitter

Zum Glück hat es Matt Pryor weder auf der Ökofarm noch im Imbisswagen ausgehalten. Ansonsten hätten wir diese Songs hier wohl nie gehört. Abgesehen von dieser egoistischen Betrachtung: Manchmal muss man wohl was ganz Anderes machen, um zu merken, was einem wichtig ist. Vielleicht klingt das düster betitelte "Wrist Slitter" deshalb so positiv. 

Die ersten Assoziationen sind dunkel. Zerknittertes Papier, wie ein Abschiedsbrief wirkt das Albumcover. Matt Pryor, den viele von Bands wie The Get Up Kids oder The New Amsterdams kennen, mag zwar nicht suizidgefährdet sein. Doch er hätte um ein Haar seine musikalische Karriere zu Grabe getragen. Denn bei einem Blick auf seine bisherige Biografie fiel ihm auf, dass er schlechte Karten bei einer Bewerbung hätte. "Seit ich 18 bin, bin ich als Musiker unterwegs", zitiert ihn das Liebhaber-Label Arctic Rodeo Recordings im Presseinfo. Da sei ihm klar geworden, dass er gar nichts anderes machen könne: "Mein ganzes Erwachsenenleben habe ich damit verbracht, mir etwas in dieser Richtung aufzubauen, und nun soll ich einfach alles über Bord werfen und von vorne anfangen?" 

Die neu entdeckte Lust an der Musik springt uns im Opener "The House Hears Everything" entgegen, wenn die Klänge einer Dixieland-Kapelle wie aus der Ferne an das Ohr dringen. Dann schmeißt sich das erste Gitarrenriff an Dich heran, der Song braucht keine Fahrt aufzunehmen, weil er von Anfang an nicht stillstehen kann - und Matt Pryor klingt wie einer, der Bock hat. Seine Mannschaft spielt die meiste Zeit nach vorne. Drummer Bill Belzer und Bassist Eric McCann sind mit dabei, man kennt sich von "The New Amsterdams". Im Titelsong plötzlich ein Banjo, "O-Brother-Were-Art-Thou"-Feeling. Dazwischen Songs, die auch Daria gefallen hätten, jener unterbewerteten Zynikerin, die nach Beavis and Butthead ihr eigenes Spin-off bekommen hat: "Before My Tongue Becomes A Sword" erfreut mit einem Text, den man gern an manche Zeitgenossen mailen würde. Vom Weltschmerz des Vorgängers "May Day" ist nicht viel geblieben. Am melancholischsten wirken da noch "As Perfect As We'll Ever Be" mit seinen Celloklängen, in die sich dann auch noch andere Streicher mischen, und "There Is No Us". Aber die Regel sind Songs wie "Say What You're Gonna Say", die temporeich und aufmunternd wirken. Es endet wie es begann: "Won't Speak To Me" verabschiedet sich mit Dixie-Klängen. Und der Songtitel gilt nicht für mich und diese Platte. 

"Wrist Slitter" von Matt Pryor ist am 15. November via Arctic Rodeo Recordings erschienen. Mehr unter www.matt-pryor.com. Hier noch der Opener "The House Hears Everything": 

Samstag, 16. November 2013

Hörtest: Mountain Witch - Cold Mountain

Diese Plattenkritik gäbe es nicht ohne Black Sabbath. Klar, dass da Ozzy & Co. auch in diesem Text vorkommen müssen. Denn wo andere Bands sich auf das englische Protometal-Ungetüm berufen, aber dann Stoner, Doom oder was anderes spielen, kommt diese Platte wie ein verschollenes Demo der Briten daher. Mit dem Nachteil der späten Geburt: Originell ist das nicht. Aber es rockt. 

Gleich die ersten Töne von "Cold River" gemahnen an eines der sanfteren Sabbath-Stücke, doch die trügerische Idylle währt nicht lange. Der "Snake Wand" zaubert saftige Riffs in die Boxen, die so fuzzig und unpoliert klingen, dass es eine Freude ist. Dass 70er-Jahre-Retrorock in letzter Zeit mal wieder einen Boom erlebt, verdanken wir Bands wie Wolfmother (har!), Kadavar (ui!), Graveyard (hossa!) und ganz lange schon den Spiritual Beggars (seufz!). Aber auch Sachen die Rival Sons oder The Answer (nicht meine Kragenweite, aber ok). Bei "Mountain Witch" lebt mit Tobert Knopp auch der Bassist von Turbostaat seine Vorliebe für die Dekade aus, die für ungekünstelte Songkunst steht. Der Reiz der 70er liegt in der Urspünglichkeit, in der Unbedarftheit. Klar gab es Cockrocker wie Led Zeppelin. Aber ihre Songs - Monumente der Megalomanie. Die 80er mit ihrem prätentiösen Pop-Pomp, uagh. Bis ich die NWoBHM entdeckt hab, waren die 80er für mich nur schrecklich. Insofern hab ich großes Verständnis dafür, dass man diese Epoche immer wieder aufgreift. Und "Retro" ist in dem Zusammenhang kein Schimpfwort, sondern Gütesiegel.

"Cold River" ist das dritte Album nach einer LP und einer EP. Wenn in "School of Night" erst die Grillen zirpen und dann der Trintonus, der "Diabolus in Musica", Unheil verkündet, wenn der Titelsong in sich zusammenfällt und jazzige Tupfer neben hallende Gitarren setzt, geht hier alles klar. Kaum ein Song unter fünf Minuten, viel Platz für instrumentale Passagen, die nicht virtuoses Prog-Kino sind, sondern eher Jam-Charakter haben. Live im düster-verrauchten Club sicher auch eine gute Wahl.

"Cold River" von Mountain Witch ist am 25. Oktober via This Charming Man Records erschienen. Bei Bandcamp könnt Ihr das Album hören.

Mittwoch, 13. November 2013

Frank Turner live bei Jimmy Kimmel



Yeah, Frank Turner bei Jimmy Kimmel! Mehr brauch ich da gar nicht sagen. Außer: Kommt bald wieder nach Lindau, Frankieboy!

Dienstag, 12. November 2013

Hörtest: The Bouncing Souls / The Menzingers Electric Split 7''

Die Seven Inch ist vielleicht ein noch besseres Download-Gegenmittel als eine ganze Platte. Denn die Siebenzoll-Scheibe ist hochkonzentrierte Reduktion aufs Wesentliche. Vier Songs. Mehr geht kaum. Dadurch hört man vielleicht genauer hin. Die Bouncing Souls und The Menzingers zeigen, wie's geht. Ihre Split-7'' ist ein echtes Highlight. Und mit einer schmalen Auflage von 100 Stück auch schon ausverkauft. 

Verdammt. Zu lange gezögert. Denken sich viele, die dieser Tage im Netz unterwegs sind. Man kauft so viel, und es wird vieles nicht wertvoller. Wie mit dem Kleinwagen, der die Hälfte an Wert verliert, wenn man vom Hof des Autohändlers fährt. Diese Split hier könnte eine Kapitalanlage werden. Pff, Kapitalanlage. Was ein bescheuertes Wort in einer Musikrezi über eine Punkrock-Kollaboration. Das Schöne: Wer sie hat, wird sie wohl nicht mehr verscherbeln. Denn die schwarzgelbe Miniplatte kann was. Seite eins haben die dienstälteren Punks aus New Jersey gepachtet. "Blackout" eröffnet den Reigen und hat alles, was man an den Bouncing Souls liebt. Tempo, gute Melodien, den prägnanten Bass, die anschiebenden Drums und Greg Attonitos schon so gewohnte Stimme. Der Song rangiert in der selben Hitliga wie "Comet", das Titelstück des aktuellen Albums der Band. Mit "Burn After Writing" haben sich die Souls dann meinen Lieblingssong der Menzingers ausgesucht. Und es ist schon erstaunlich: Es ist derselbe Song, die Instrumente unterscheiden sich vermutlich auch nicht groß - und trotzdem bekommt das Stück einen ganz anderen Charakter. 

The Menzingers dann mit ihrem durchdachten, frischen Sound. "The Shakes" hätte auch auf dem genialen "On The Impossible Past" stehen können. Tom May reißt mit seiner Stimme hier alles raus, und man würde sich wünschen, diesen Song mal von Social Distortion nachgespielt zu hören. Würde sicher auch gut passen. "Kate Is Great" büßt dann den Reggae-Touch, den das Boucing Souls-Original hat, weitgehend ein, bekommt dabei aber einen verdammten Arschtritt und rockt hart.  Aufgenommen haben die Musiker alle Songs unter der Regie von Bouncing Soul-Gitarrist Pete Steinkopf im Little Eden Studio in New Jersey. 

Vier Songs. Vier Volltreffer. Sieben Zoll. So einfach kann das Leben sein. 

Die Split Seven Inch von Bouncing Souls und The Menzingers ist am 8. November via Uncle M erschienen. 

Montag, 11. November 2013

Video: The Sensitives - Old Fashioned Fuck Off



 "Please understand that I don't want to see you dead. But if one day there is justice you'll burn in hell":  Diese schöne Zeile begegnet uns im Song "Old Fashioned Fuck Off" der schwedischen Punkrocker The Sensitives. Das Trio aus Falun hat jetzt auch ein Video dazu veröffentlicht. Das Stück stammt vom aktuellen Album "Boredom Fighters". Anlässlich des Debütalbums "Poetry as hollow as can be" hab ich im April 2012 etwas über die Band geschrieben und sie haben extra fürs Blog ein Videointerview aufgezeichnet. Hier entlang, solltet Ihr das verpasst haben.

Sonntag, 10. November 2013

Hörtest: The Sky We Scrape - Divides

Rauer Punkrock mit Hardcore-Einflüssen. Schnarch? Au contraire, wie der Franzose sagt. The Sky We Scrape schaffen es, nicht zu langweilen mit ihren kompakten Kraftpaketen von Songs.

Wenn Biffy Clyro nicht auf verschachtelte Mini-Epen setzen würden, wie sie auf dem diesjährigen Doppelalbum "Opposites" zelebrieren, könnten sie klingen wie The Sky We Scrape. Dieser Eindruck zuckt einem zumindest bei den ersten beiden Songs "Sing your way home" und "Nocturnal Americans" durch den Kopf. Ansonsten sagen aber eher Gastmusiker und Produzent des Albums etwas über die Richtung aus, die das Quartett aus Chicago hier einschlägt: Bei "Albatross" singt Garrett Dale (die Reibeisenstimme vom Roten Stadtradio) mit, das Mastering besorgte ausnahmsweise mal nicht Bill Stevenson, aber dafür Stephen Egerton (The Descendents).

Die Musiker haben ihre Lektion gelernt: Da gibt es etwa in "The Shortest Distance" den Drama-Faktor von Alkaline Trio, an anderer Stelle begegnen einem die Emo-Ambitionen von Jimmy Eat World. Und das mag zwar weder innovativ noch klassikerverdächtig sein, hat aber in seiner drängend vorgetragenen Art und Weise Charme und Biss. Die Songs sind clever strukturiert, aber nicht kopflastig, und zwar schnörkellos, aber nicht platt. Die Vocals teilen sich die Männer an Gitarre und Bass. "This is not how we end - this is how we begin" heißt es am Ende der Platte. Geht in Ordnung.

"Divides" von The Sky We Scrape ist am 8. November via Gunner Records erschienen. Mehr Infos unter http://theskywescrape.bandcamp.com und www.theskywescrape.net. Hier gibt's noch das Video zu "Sweet Vermouth":

Freitag, 8. November 2013

Arcade Fire bei Jimmy Kimmel



Ich sollte wohl öfter bei Jimmy Kimmel reinschauen. Richtig viele und gute Live-Auftritte gibt's auf dem Youtube-Kanal des Talkmasters, der derzeit in der Kritik steht. Stein des Anstoßes: Eine Szene, in der er Kinder befragte, wie die USA China die Schulden zurückzahlen können. Ungeachtet dessen: Schaut mal, was Arcade Fire hier abliefern. Eindeutig meine Platte des Jahres, die "Reflektor". Eindeutig.

Donnerstag, 7. November 2013

Franz Ferdinand live bei Studio Q



Wenn man sein neues Album irgendwo präsentiert, spielt man am besten - keinen Song davon, sondern einen alten Klassiker. Diese kuriose Strategie haben jedenfalls Franz Ferdinand bei ihrem Auftritt bei Studio Q verfolgt. Statt etwas von "Right Thoughts, Right Words, Right Action" zu spielen, boten die Schotten den Song, mit dem alles angefangen hat: "Take Me Out". Leider in einer etwas lahmen Version. Was los, Jungs?

Mittwoch, 6. November 2013

Hörtest: Robert Pehrsson's Humbucker

Es ist nur Rock'n'Roll - aber ich mag es: "Robert Pehrsson's Humbucker" ist Classic Rock wie er sein soll. Gut abgehangen, breitbeinig. Und dieser Schellenkranz.

Der schwedische Gitarrist Robert Pehrsson dürfte vielen durch sein Mitwirken bei Bands wie Imperial State Electric und Death Breath sein. Wer jetzt an Nicke Andersson denkt, weil der Ex-Hellacopters-Fronter ebenfalls bei beiden genannten Bands an Bord war, liegt nicht falsch. Denn was uns hier erwartet, klingt genauso extrem nach Classic Rock als hätte Mr. Andersson mitgemischt. Ach, hat er auch? Und wer noch? Dolf De Borst? Tomas Eriksson? Also quasi drei Viertel
der aktuellen Imperial State Electric Besetzung?

Tatsächlich klingt das Solodebüt des Gitarristen so dermaßen nach den Hellacopters, dass mancher laut jubilieren dürfte, während andere vielleicht fragen, warum man jetzt noch eine Platte braucht, die nach schwedischem Rotzrock klingt. Simple Antwort: Weil es schwedischer Rotzrock ist! Was soll der gute Mann auch sonst machen? Angejazzten Dubstep? Folkloristischen Walgesang? Offenbar sind in Schweden noch mehr Menschen mit dem KISS-Virus infiziert. Hört Euch nur mal "Haunt My Mind" und "Serious" an, die beiden ersten Stücke der Platte. "Keep Me In Your Heart" protzt mit einem gleißenden Gitarrensolo, "Cant't Change" zeigt sich von der beschwingten Moetown-Seite mit Fender Rhodes-mäßigen Klängen.

Dass das Titel nach dem Tonabnehmer benannt ist, der vor allem in Gibson-Gitarren für einen dichten, fetten Klang steht, ist kein Zufall: Ein paar Sekunden weiter jaulen die Stromgitarren, die Drums peitschen, und das alles ist so knochentrocken produziert, dass niemand schreien kann "Aber mein Bass ist zu leise". Die Twin-Guitar-Attacke "Who Else Is In Your Mind" klingt nach Zeitreise in die 80er, da schmilzt die Gibson Les Paul einem die Tränen aus den Kanälen. Wer Innovation sucht, ist hier falsch. Fans von Gitarrenriffs, die aus massivem Holz geschnitzt sind, kommen an "Humbucker" aber nicht vorbei.

Das gleichnamige Debüt von Robert Pehrsson's Humbucker erscheint am 8. November via High Roller Records. Mehr Infos unter http://www.facebook.com/robertpehrssons.humbucker. Das Video zu "Haunt My Mind" seht Ihr beim Rock Hard.

Dienstag, 5. November 2013

SZene-Hörtest: Arcade Fire - Reflektor

Was haben denn alle? Ist doch ein Spitzenalbum. Für mich jedenfalls ist "Reflektor" von Arcade Fire eindeutig die Platte des Jahres. Bin ich jetzt Kommerz? Gewinn ich damit noch irgendeinen Abgrenzungswettbewerb? Ach egal. Fakt ist: Die Kanadier schaffen es auch mit ihrem vierten Album, all die Emotionen zu wecken, die Musik meiner Meinung nach auslösen sollte. Euphorie, Melancholie, es fordert, es verwirrt, und es ist wie nichts, was ich jemals gehört habe. Das war bei Arcade Fire immer schon so. Und es hat sich nicht geändert. Und das Verrückte: Ich mag die Musikstile nicht besonders, mit denen sie experimentieren. Geh mir weg mit Disco. Und lass mich in Ruh mit Dub. Das hier - ist trotz allem einfach ein Meisterwerk. Aber wem sag ich das - you already know. Eine ausführliche Geschichte von mir zum Album ist auf der SZene-Seite in der Dienstagausgabe der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr sie lesen.

Montag, 4. November 2013

QOTSA bei Conan O'Brien



Endlich mal wieder gute Musik bei Conan! Queens of the Stone Age, können die auch schlechte Auftritte hinlegen?

Mein Interview mit Josh Homme, solltet Ihr es verpasst haben, gibt es übrigens hier. Und eine Besprechung der aktuellen Platte "Like Clockwork" ist auch da. .

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Sonntag, 3. November 2013

Lieber im Van schlafen als auf der Couch verfetten: Ex-Dropkick Murphys Gitarrist Rick Barton im Interview

Er hat die Dropkick Murphys mit begründet, heute schläft er im Van: Rick Barton hat Pech gehabt. Aber der 52-Jährige scheint seinen Frieden gemacht zu haben. Bei seinem neuen Projekt Continental steht er mit seinem Sohn Stephen auf der Bühne. An Halloween war Barton im kleinen oberschwäbischen Städtchen Aulendorf zu Gast. Vor dem Auftritt im "Irreal" hatte Daniel Drescher von Tinnitus Attacks die Gelegenheit für ein Interview mit Rick Barton. Ein Gespräch über seine Musik, seine Fehltritte - und wie man sich nachts im Auto warmhält. Damit es nicht nur die Fans hierzulande verstehen, im Englischen Original abgetippt. 

Rick, you've recently published your album „All A Man Can Do“ with your new band Continental in Europe. Now you're on tour with your son. How's it going? 

We've been touring together for over three years now. We've gone all the way from hating each other to accepting each other. We didn't know what it would be all about. I don't recommend it, parents and children living together when they're older. He's 23 now. What I've done is I eliminated the whole father-son-relationship and basically treat him like another band member. That's the only way it works.

It's not very common, a father and his son playing together in a band. Most parents would try to stop their children from becoming musicians, „Go and do something solid“, that kind of story. 

I told my son to quit college to come on the road...

Just the other way round...

Yeah, but look, now he's in Europe, he's meeting new people. It's an education...it's free.

Your son encouraged you to record an album when he heard a new song from you. Can you tell us about how it started with Continental? 

Rick Barton bei seinem Auftritt mit Continental
in Aulendorf.                      Foto: Daniel Drescher
Basically, I had a batch of songs. I had never heard Stephen playing the bass, so I didn't know if he was any good. But he was pretty smooth and I was like: Wow, he can really play. And the drummer and the guitar player were really good. They were kids, friends of Stephen. They didn't want to go on tour so we had to find new musicians for the tour. But back then it was kind of fun, almost like taking them on a camping trip or playing baseball.

Where's your homebase in the US? 

I don't live anywhere. I live in my van. I've been four years homeless.

So you just travel around? 

That's it, I travel around. I play music. And I paint houses. That's my job, that's how I make a living. I decided that I can't have a homebase. A lot of people take me in. I do painting jobs, they let me live there. But I mostly sleep in the van, at night it's fresh air, but I have a little dog named Brutus. He keeps me warm.

Most people would find that rather unsettling. 

A lot of people do find it unsettling. You know what my mother says? „You don't even have a goddamm closet.“

But it's okay for you? 

Oh, it's ok for me. I love it. It keeps me moving. I'm not sitting down with a remote control getting fat and watching TV. I'm not wasting my life on a couch. I'm 52 years old and this is the life I've chosen. Right, Stephen? (yelling towards his son, who's on stage and soundchecking). He loves it and want's to move to Europe.

Stephen comes over from the Soundcheck and asks what his father is talking about. 

You want to move somewhere Special? 

Stephen: Somewhere weird. In the east. Romania, Slovakia, Serbia...(and he's off again).

Rick: It's very cheap there.

Have you been there on tour? 

Rick: That's where we started our tour. We were in Austria and then headed for the eastern part of Europe. It was good. People were coming out to the shows.

You were a founding member of the Dropkick Murphys...

Yeah, I started that band.

...and I heard you had some problems with the copyrights for the songs. 

Well, I just sold everything. But I didn't get as much money as I should have. I didn't have enough representation. I was really dumb. But that's the way it goes in life. You make bad choices. I'm not really a money man. I do so much better when I just have enough to get by. Just make sure I get my coffee in the morning, feed myself, feed my dog...that motivates me to keep going. If I had lots of money, I might sit on that couch and get fat.

But if you look at them now, they are rockstars...

They're huge! They just were a part of the the world series. Did you see it? Ken Casey sang the national anthem at the Red Sox Game.

Are there moments when you think: Could be me up there on the stage? 

No, because it couldn't have been me. I was like a wild card. It wouldn't have worked. Kenny and I...I don't know if we were too similar or to clashing, but we always fought. We were friends, but we battled all the time. So it couldn't have been. No, I don't have regrets. I like being here. Kenny jets around the world like a rockstar. I might look like a rockstar but that's just not my style. I'm way nore simple than that. I'm don't do the whole rockstar thing very well.

The band „Everybody Out“ is also your creation. 

Oh yeah! I didn't know anyone knew that. Did you ever listen to it?

Yeah, I stumbled upon the song „All I Got“ and was searching all over the place for the record...after a few months, I finally found it. It's a fantastic record. 

You think so? Wow! What are songs you like? „Billy Cole“?

Yeah, but first and foremost „All I Got“. 

How does it go? I don't even remember.

Dadadada-da-dadadada.... (Tinnitus Attacks singing the song „All I Got“). 

That was me and a singer from england, Sweeney. Once again, we ended up battling and hating each other. But pretty much it was my songs. I have to listen to it again. Haven't done that since I made it. Wow.

Can you tell me something about the musical styles that we can listen to on your new album? I had to think of Bob Dylan. 

Really? That's great. We were described by a soundman on the US tour: If Paul Westerberg from the Replacements joined the Rolling Stones, that's what it would sound like. But Bob Dylan – I love that. We're like an old school rock'n'roll band. The kids, they like that kind of music. Things are different now. When I was a kid, you liked the things that were current. You didn't listen to older music. Nowdays kids listen to everything. Thanks to the Internet. The Stones are still popular -  50 years later. Bob Dylan is still popular – 50 years later.

Do you think current music will be popular in 50 years? Lady Gaga and stuff? 

I don't know. Maybe not. But Against Me! will be, if they keep progressing. But I don't know what's happening with that band.

They will put out their new album in January 2014. 

Oh really? I can't wait to hear it. I talked to the guys in the band and they said it was unbelievable. I love that band. I see them whenever I get a chance. They have been a band for 20 years. But I still think of them them as a modern band. They are timeless. When Laura – formerly Tom – sings, it sounds incredible.

Is that the music you listen to in private, also lots of punkrock? 

I don't listen to a lot of punkrock. The last or years, I've been driving around in my van and I listen mostly to the things they are playing. I'm not really a music fan that much anymore. I mean, I used to buy the CDs and the albums. I have them in my practice space. When I went on the road, I saved CDs and books. That was it. I have a bunch of cases filled in my practice room, that's where I keep my stuff. But I don't bother, CDs are not even practital anymore. Someday, when I'm older and have a little house somewhere, I'm gotta get a turntable and a stereo and I'm gonna buy records again. Gonna take me back to when I was a kid. Vinyl.

Do you have one ore a few books that are essential to you? 

A spiritual book: The Wise Heart by Jack Cornfield. I keep that one all the time. And my favorite book of all time could be Prayer for Owen Meany by John Irving. It's incredible.

John Irving's the best. That book was so heartbreaking. 

I know. But beautiful at the same moment. That's what life is all about.

The only book that has gotten to me so much as Owen Meany was „Extremely Loud and Incredibly Close“ by Jonathan Safran Foer. It's about a boy who lost his father in the 9/11 terrorist attacks. Then he find's a key in the things his father left. And he wants to find the lock to that key. 

I've heard about that. Didn't they make a movie out of it? I should read the book.

Später nach dem Interview entern Rick Barton und sein Sohn plus Sidekicks die Bühne. Leider scheint der 31. Oktober nicht der optimale Konzerttermin zu sein. Rund 20 Menschen sind da, im Nebenraum leert die Dorfjugend Bierstiefel. Zupackende Rock'n'Roll-Songs wie "Wrecking Ball" hätten ruhig auf ein bisschen mehr Euphorie stoßen dürfen. 

Mehr Fotos gibt's hier

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Fotogalerie: Continental in Aulendorf

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Continental in Aulendorf, ein Album auf Flickr.
Continental, Rick Bartons neue Band, im Irreal am 31. Oktober. Hier die Bilder.